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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Magma, Lava oder was?
Eingestellt am 01. 02. 2009 00:37


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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In dem Roman Inselnotizen von Margaret Elphinstone kommt der Bösewicht vom Dienst - James Hook heißt der - in einem zĂ€he fließenden Lavastrom um. Oder heißt es Magma? Es ist alles ungewiß in diesem Text, der auf der nordatlantischen Insel Hy Brasil spielt. Hy Brasil hat nichts mit Brasilien zu tun und kann gleichsam gelten als das Synonym fĂŒr Ungewißheit. Existierte doch dieses Eiland lediglich in den Köpfen einiger Menschen und noch in ein paar Folianten. Venezianer waren es im 16. Jahrhundert, die Amerika fĂŒr sich beanspruchen wollten und vorgaben, bei ihren Explorationen dort zwischengelandet zu sein. Frei erfunden! Hy Brasil gibt es nicht.

Das hĂ€lt die Autorin nicht davon ab, ihre Topoi, Menschen usw. usw. auf 477 Seiten ganz genau zu beschreiben. Inselnotizen könnte geradezu in ein Lehrbuch zur Romantheorie aufgenommen werden als ein Standardexempel fĂŒr die Romandefinition: Der Roman als typisches Luftschloß ist eine durchweg freie Erfindung. Jedes LĂŒftchen aber ist in dem GemĂ€uer ganz konkret beschrieben.

Ein Roman, um in der genannten Theorie fortzufahren, darf sogar wie ein Abklatsch von Grimms MĂ€rchen geschrieben werden. Die Bösen werden bestraft, und die Guten dĂŒrfen weiter leben, sich lieben und vermehren - ihren seltsamen Hobbies nachgehen - auf den Vulkanklippen Basstölpel beringen, nach versunkenen SchĂ€tzen tauchen oder gar Romane schreiben im Roman. Margaret Elphinstone freilich vollbringt noch viel viel mehr in ihren Inselnotizen. Es ist doch immer so beim Lesen. Entweder der Leser kommt in den Text hinein oder er kapituliert. Im letzteren Falle kann es an folgendem PhĂ€nomenon liegen. Es gelingt dem Autor nicht, einen oder - sagen wir - mehrere Protagonisten hinzustellen, die ein Eigenleben im Hirn des werten Lesers entfalten. Das ist bei Elphinstone sowohl der Fall als auch nicht der Fall. Ein Wust von Personal rollt - einer hohen Meereswoge gleich - mĂ€chtig heran und begrĂ€bt den werten Leser unter sich. FĂ€den werden von der Rolle heruntergewickelt und liegen gelassen - sagenhaft, dieses Wirrwarr. Trotzdem wird eine Liebesgeschichte geboten, die von Sidony und Jared. Lesen Sie! Gute Unterhaltung bei diesem Roman wĂŒnscht Ihnen Ihr Rezensent!

Auf zwei Essenzen sei noch hingewiesen.
Der Zeithintergrund scheint durch. Das hÀngt jetzt mit dem o.g. bösen PrÀsidenten, der NATO und freien Wahlen zusammen. Hy Brasil war von 1812 bis 1958 britische Kolonie.

Dann ist da noch jene Miniwelt, eine Welt, very british, wird entblÀttert. Nichts fehlt. Radiosender, Bibliotheken, Museen, Wissenschaftliche Institutionen, eine Gerichtsbarkeit und und und. Die TÀuschung ist perfekt.

Die schottische Schriftstellerin Margaret Elphinstone wurde 1948 in der Grafschaft Kent geboren, ist Mutter von zwei Kindern und lehrt in Glasgow Englische Literatur.

Quelle:
Margaret Elphinstone: Inselnotizen. Roman.
Übersetzung ins Deutsche: Marion Balkenhol.
List Verlag, August 2005. 477 Seiten, ISBN 3-548-60543-5

Original:
Erschien 2002 unter dem englischen Titel “Hy Brasil“ bei Canongate Books in Edinburgh.

Hedwig Storch 2/2009

__________________
Hedwig

Version vom 01. 02. 2009 00:37

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