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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Maiennacht
Eingestellt am 22. 04. 2017 15:58


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Karinina
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Maiennacht

Sie steht am Fenster.
Was ist das f├╝r ein merkw├╝rdiges Fr├╝hjahr in diesem Jahr, Nachtschnee war gefallen und jetzt, in der prallen Morgensonne tropft der Schnee von den D├Ąchern herunter und zerrinnt ├╝ber den Wiesen. Sie ist m├╝de von diesen schnellen Wetterwechseln und doch aufgest├Ârt, denn etwas ist, wie es nicht sein sollte.
Wie waren die fr├╝heren Jahre voller Leben. Wie rumorte es in den N├Ąchten, wenn der Schnee zu schmelzen begann und das graue Wintergras auf den Wiesen sich der Sonne entgegen streckte. Wie es zuckte im Leib, und wie es sich anf├╝hlte, dieses Beginnende, dieses Rinnende, dieses gurgelnde , springende Schmelzwasser, das aus den Bergen herunter schoss und zu Tale dr├Ąngte, wild und bockig und unaufhaltsam.

Wie kribbelte der Fr├╝hling ihr im Blut, damals, als sie jung war und sich ins Leben st├╝rzte, wie die wilden F├Ąrsen auf der WeideÔÇŽ

Und jetzt? Der rieselnde Schnee tropft von den D├Ąchern, legt sich auf das graue Gras und sie m├Âchte sich unter die wei├če weiche Decke legen und vom tropfenden Wasser in die dampfende Erde versenkt und verwandelt werden zu NichtsÔÇŽ
Zu Nichts?

Er hat geschrieben: Ich will dich kennenlernen, jetzt, im Fr├╝hling, und auf deinem Berg da oben. Das hat er geschrieben.

Was soll das werden, denkt sie, was soll das werden. Die vielen Jahre, die vergangen sind, und so lange lebe ich allein. Wie kann ich jetzt, ├Ąlter als alt, zu einem Fremden sagen: Tritt ein. Wie soll das gehen? Warum hab ich ÔÇ×JaÔÇť gesagt? Was hat mich verf├╝hrt? Seine hei├čen Worte in seinen mails?




Tag f├╝r Tag sagt sie das und wartet. Sie steht am Fenster, Schnee und Sonne wechseln, Sturm dazwischen, es ist April. Tage steht sie am Fenster und wartet. Die Sonne steigt, der Schnee wandelt sich in Regen, und dann wird es warm.
Der Mai ist gekommen.

Sie sehen sich an, der Mann, der aus dem Zuge steigt, und sie. Ihre M├╝nder finden sich, umschlungen stehen sie f├╝r eine Weile, beide alt. Beide alt.
Als sie sich von einander l├Âsen, sich wieder ansehen, lacht er pl├Âtzlich und sagt: ÔÇ×Denkst du, wir schaffen das?ÔÇť
Sie bl├Ąst sich die grauen Haare aus dem Gesicht, sch├╝ttelt den Kopf und tippt ihm schlie├člich auf die Nase.
ÔÇ×Warum nicht?ÔÇť meint sie, nimmt seine Hand und so gehen sie, fast beschwingt, aus dem Bahnhof heraus und sie ├Âffnet ihm galant ihre Autot├╝r.

Sp├Ąter wissen sie beide nicht mehr, wie es gekommen ist. Sie haben gegessen, getrunken, sind auf ihre Zimmer gegangen, vorher nat├╝rlich mit einem Kuss, dann noch einen und noch mal einen und haben vereinbart, dass sie ihn am n├Ąchsten Morgen weckt.

Es ist die alte, die immer w├Ąhrende Sehnsucht im Fr├╝hjahr, die sie zusammen f├╝hrt . Vielleicht ist manches anders, wieso auch nicht, die jungen Jahre sind vorbei, alte Liebe vergangen.
Als sie auf sein Herein das Zimmer ├Âffnet, steht er, vollkommen nackt, in der Badezimmert├╝r, nicht mal ein Handtuch um den Bauch. Wie kam es, dass sie nicht mal zur├╝ckzuckt?

Das Neue f├╝hlt sich gut an, es bebt in ihnen. Voll Innigkeit und Hingabe. Es bebt in ihnen und sie nehmen sich einander, was zu geben ihnen geblieben ist, ihre M├╝nder, ihre H├Ąnde, ihre Haut, ihren K├Ârper, ihre Liebe. Und es ist das, was man sich sagt, wie man es sagt, die vielen Worte, die dem anderen zeigen, wer und wie man ist und das Abw├Ągen, was von diesen Worten bleibt und f├╝r immer Bedeutung hat. Dieser andere Mensch, wer ist er und wie passt er zu mir und wie ich zu ihm. So verschiedene Leben, geht es denn, dass man sie eint?ÔÇŽ

Sie wandern viel und reden. Sie k├╝ssen viel und Schweigen, sie genie├čen die N├Ąchte und im hellen Licht des Tages finden sie einander sich zugetan. Wird es so bleiben?

Sie steht am Fenster.
Drau├čen duftet es nach frisch geschnittenem Gras. Maiengras. Diese sanfte Feuchtigkeit zieht ins Zimmer herein und legt sich weich um sie. Sie genie├čt es.
Ja, denkt sie, ich habe ja gesagt und es war richtig. Es war gut. Die Nacht ist angef├╝llt mit Liebe.ÔÇŽ

Er steht hinter ihr. Sein Atem in ihrem Nacken, es f├╝hlt sich so gut an, so vertraut. Die letzte Nacht vor dem Abschied.
Sie fragt nicht und er fragt nicht. Sie haben sich alles gesagt, was notwendig ist.

Maiennacht.

Und das Jahr zieht weiter seine Bahn. Wie lange noch f├╝r zwei, fast am Ende ihrer Tage?

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