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Leselupe.de > Humor und Satire
Mailto God
Eingestellt am 04. 05. 2004 22:11


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yza
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Mailto God

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Lieber Gott

Weißt du, ich höre immer davon, dass du ein mächtiger Mann bist, vielleicht der Mächtigste auf der ganzen Erde. Ich weiß, dass es auch Präsidenten gibt, die sind auch mächtig, auch unser Bundeskanzler ist mächtig. Aber irgendwie hat ihre Macht auch Grenzen.
Ich meine, der Präsident redet von Frieden, doch auf der Welt ist Krieg. Der Bundeskanzler redet von Dingen, die ich nicht verstehe, doch Mama sagt, er redet Quatsch. Überhaupt habe ich bemerkt, dass im Fernsehen sehr viele Menschen reden, aber auch sehr viele sterben.
Ich wollte dich nun fragen, ob du mir nicht helfen kannst?

Es gibt so viele Fragen, die ich habe, weil ich einiges nicht verstehe. Warum hungern eigentlich Menschen ? Warum gibt es Krieg ? Warum gibt es so viele Autos ? Warum muss Mami immer sparen ? Warum gibt es Präsidenten ? Warum ist die Erde eigentlich rund ?
Sei nicht böse, ich habe noch viel mehr Fragen, aber darum geht es mir eigentlich auch nicht. Ich bin sicher, das du auf alle Fragen eine Antwort hast ! Und weil du das alles weißt, solltest du die Antworten direkt an die Menschen mailen, die anscheinend keine Antwort wissen.

Ich meine, wenn du der Mächtigste bist, könntest du es ja wohl leicht möglich machen auf jeden Einzelnen aufzupassen, dass er keinen Mist baut oder ihm was passiert !
Ich denke du sollest jedem Einzelnen sagen, was er anders machen soll, damit es auf unserer Erde wieder besser wird. Es sollen keine Menschen mehr in Hochhäuser fliegen oder sich bekriegen.

Damit du nicht so viel Arbeit hast, habe ich dir hier ein Formular vorbereitet, da brauchst du nur noch die Mailadressen eintragen.

To: Mailadresse Mensch
Subject: von Gott

Hallo Mensch

Mir ist aufgefallen das hier einiges nicht stimmt ! Ich habe bemerkt, dass auf der Erde Unruhe ist und das anscheinend viele Erwachsene nicht genau wissen, was sie da machen. Da ich, Gott, auf alle Fragen eine Antwort habe, sollt ihr ab morgen nur noch Befehle von mir annehmen.

Seid jetzt nicht traurig, dass ihr nicht mehr so weiter machen d√ľrft, aber es ist besser f√ľr euch.
Was mich besonders stört ist, dass ihr so viele Waffen habt und es ganz viel arme Menschen gibt und auch die Tiere leiden.

Das geht so nicht weiter! Ich halte es f√ľr das Beste, wenn ihr die Waffen in den M√ľll werft und nicht mehr Auto fahrt. Besser ist es auch, nicht mehr so viel Fleisch zu essen. Ich werde mit euren Pr√§sidenten reden und sie sollen ab sofort Geld an euch verteilen. Wer Arbeit hat muss weiter arbeiten, aber die die keine haben, k√∂nnen da arbeiten wo sie wollen.

Ich will euch gleich sagen, dass das nicht alles sein wird ! Aber wir m√ľssen jetzt solche Ma√ünahmen ergreifen, damit das Leid ein Ende hat. Es kann nicht angehen, das einige ganz viel und andere gar nichts haben, da stimmt was nicht !
Ihr hört noch von mir.

Unterschrift Gott


....Gott hatte schon einige Tage nicht mehr in die Schachtel auf dem Lindenholzregal geguckt, aber als man ihm den Brief √ľberreichte, den ein Menschenkind geschrieben hatte, erinnerte er sich sofort an sie. Es war f√ľr ihn nicht so einfach, bei all seiner Sch√∂pfungskraft den √úberblick zu behalten. Es gab Hunderte dieser Schachteln, die teils aus Holz mit Intarsien, wie auch aus verschiedenen Metallen gefertigt waren. Jede von ihnen enthielt eine zeitlose Sch√∂pfungsgeschichte und jetzt, da er diesen Brief las, wurde er erfreut, denn dies bedeutete gleichzeitig, dass in dieser Schachtel leben herangereift war. Gott war m√§chtig, er war allwissend, jedoch hatte er ein Problem damit, dieses Wissen im richtigen Augenblick abzurufen. Er war darauf angewiesen zu experimentieren, alles was in seiner Macht stand war, Dinge zu erschaffen.
Er las aufmerksam und kraulte sich dabei seinen langen wei√ügrauen Bart, er grummelte. Tats√§chlich war es so, dass er, f√ľr ihn erst vor wenigen Tagen, ein paar Atome in der Lindenholzschachtel ausgesetzt hatte. Nun, dies tat er t√§glich, mal mehr mal weniger, wenn er nicht die Schachteln wieder √∂ffnete und beobachtete, was dort gerade vor sich ging. Allerdings war in der kleinen unscheinbaren Lindenholzschachtel ein utopisches Universum gewachsen, 4,5 Milliarden Jahre waren sch√§tzungsweise vergangen. Und so war es ein Gl√ľck, dass dieser Brief Gott noch erreicht hatte, denn wahrscheinlich h√§tten die Atome noch einige Tage ohne Gottes Segen weiter keimen k√∂nnen und niemand h√§tte etwas bemerkt. Schon ein Tag sp√§ter w√§re alles unvorhersehlich geworden.
Gott war √ľberrascht, denn einen Brief dieser Art hatte er nie zuvor erhalten. Au√üerdem war es keineswegs allt√§glich, dass sich in den Schachteln Leben entwickelte. Einige, der von ihm erschaffenen Lebewesen, hatten ihn einst sogar bedroht und wollten selbst mit den Schachteln hantieren, doch das ist eine andere Geschichte, die nur von diesem Fall ablenken w√ľrde.

Gott legte den Brief beiseite und pfiff nach dem Postboten, er war zwar alt aber nicht unbehende. Mit einem kleinen Sprung an die Regalwand angelte er sich die Lindenholzschachtel die beinahe zu Boden gefallen wäre. Nun, es wäre nichts passiert, die Schachteln waren gut gearbeitet. Er nahm sie mit an den Tisch, der Postbote kam heran und Gott fragte ihn: "Wann genau ist der Brief gekommen ?" "Vor nur einigen Minuten", antwortete der Bote.
Gott √∂ffnete die Schachtel und nahm sein verstellbares Okular zwischen das linke Auge. Er blickte in die Schachtel und dann sagte er: "Bring mir doch etwas von dem "Zeitzur√ľck", es steht dr√ľben in meinem Labor, es ist in einem kleinen gr√ľnen Fl√§schchen. Ich sehe schon was passiert ist. Das Menschenkind hat tats√§chlich recht gehabt. Die Erwachsene ihrer Art haben tats√§chlich in k√ľrzester Zeit ihren Planeten zerst√∂rt. Nur allein auf ihm ist Leben entstanden, in der ganzen Schachtel. Sie m√ľssen sehr dumm sein."
Der Bote kam mit einer kleinen gr√ľnen Spr√ľhflasche zur√ľck und gab sie Gott. Gott spr√ľhte einmal ganz kurz in die Schachtel, verschloss sie und sch√ľttelte sie leicht. Nach wenigen Sekunden √∂ffnete er sie und blickte wieder hinein. Er drehte an einer Schraube seines Okulars und sagte erstaunt: "Das ist sie, ja ich sehe sie, sie schreibt gerade einen Brief ." Kaum zwei Minuten ben√∂tigte er, w√§hrend er in die Kiste blickte, um genau zu verstehen, was sich hier abgespielt hatte und vor allem wie er seinen Versuch zu bewerten hatte. Diese Mischung von Atomen war anscheinend in der Lage Leben hervor zu bringen, recht possierliches, wie er fand. Immerhin mit Intelligenz beseelt, sonst h√§tte das Menschenkind nie einen Brief geschrieben.
Nach einer kurzen Analyse des allgemeinen Innenlebens der Schachtel, fl√ľsterte er dem Boten zu: "Bringe mir noch etwas von dem "Machmeingewissenstark" und dem "Denknochmaldr√ľbernach", das k√∂nnte helfen."
Die Kleine hatte nicht unrecht. Dieser kleine blaue Planet, in einem der unscheinbaren Sternhaufen, innerhalb einer der 46 Galaxien, die sich in der Kiste tummelten, war der Einzigste, der Leben hervorgebracht hatte. Und das galt nicht nur f√ľr diese Kiste. In den zur√ľckliegenden sieben Tagen hatte Gott mehrere Versuche gestartet, insgesamt 52 neue Schachteln hatte er best√§ubt, wenn man es so nennen wollte, doch nirgends hatte sich mehr als Energie und neue Materieformen gebildet.
Komischerweise war es f√ľr ihn aber auch nicht besonders verwunderlich, dass sich diese Wesen, trotz ihrer Einzigartigkeit, schnurstracks wieder selbst vernichten wollten. Dies hatte er schon √∂fter beobachtet. Organismen schienen sich √§hnlich wie Materie zu verhalten, auch sie hat eine Tendenz zum Zerfall und ist nicht ewig.
Auch f√ľr ihn waren diese Wesen neu und er fand sie auf Anhieb nicht unsympathisch, zumal ihm noch nie jemand einen Brief geschrieben hatte.
Gott spr√ľhte ein wenig "Machmeingewissenstark" und von dem "Denknochmaldr√ľbernach" so nah wie m√∂glich an den Planeten. Der Bote, der nicht nur Bote war, sondern √ľberhaupt einer der vielen Hilfsgeister, sah der Prozedur interessiert zu. Schlie√ülich waren sie alle immer sehr gerne bei der Laborarbeit dabei, es passierten die tollsten Sachen, nicht immer war es ungef√§hrlich.
Gott sagte: "Es ist ein Phänomen, da gibt mir der Zufall recht und aus dem Nichts entsteht ein kaum wahrnehmbares Universum voller Leben, und nur durch einen kleinen Brief werden wir Zeuge dieses Geschehens. Ein Kammerton länger und wir hätten nie bemerkt welch Leben die Lindenholzschachtel beherbergt.
Diese kleinen Kreaturen haben sich so emsig entwickelt, dass kein Einklang zwischen Geist und Intellekt stattfinden konnte. Sie rasten sozusagen durchs Leben und am Ende √ľberschlugen sich die Konsequenzen ihres Handelns und sie w√§ren auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Nur ein Spross war in der Lage einen Ausweg zu finden. Ich glaube wir haben der Kleinen geholfen. Und wenn Morgen der Gleiche Brief noch mal ankommt, wei√ü ich, dass ich ihre Fragen beantworten werde. Ihr V√∂lkchen werde ich ab nun mal √∂fter beobachten, da k√∂nnte ja noch was draus werden. Es w√§re auch schade um den Planeten, ich w√ľrde gerne mehr von Ihnen machen."
Gott war es ernst, schließlich hatte die Kleine ihn auf den Erfolg seines Werkes aufmerksam gemacht, er wäre wohl kaum jemals dahinter gekommen, dass es Menschen gab.
Sicherlich hatte er mehr zutun, als sich nur um den kleinen Planeten in der Lindenholzschachtel zu k√ľmmern, doch er w√ľrde ihr eine Antwort schreiben.

Nach einigen kurzen √úberlegungen begann er zu schreiben und sagte noch zu dem Boten: "Wei√üt du was, wenn du den Brief zur√ľckgebracht hast dann habe ich eine neu Aufgabe f√ľr dich. Du warst immer sehr flei√üig ! Ich √ľbertrage dir die Obhut f√ľr diesen Planeten, Lucifer !"

Als die Antwort von Gott kam freute sie sich, er schrieb:

Hallo

Ich habe mich sehr √ľber deinen Brief gefreut, denn ich bekomme nicht so viele. Ich glaube du hast nicht ganz unrecht mit dem was du geschrieben hast und ich werde mein M√∂glichtestes tun, dass eine Besserung eintritt.
Ich habe mir das alles mal angesehen und glaube auch es ist höchste Zeit, dass jemand auf euch aufpasst.

Wenn noch mal so was vorliegt, solltest du direkt an Lucifer schreiben, er wird sich denn darum k√ľmmern. Ich bin leider viel besch√§ftigt und habe kaum Zeit um mich um f√ľr alles Sorge zu tragen.
Lucifer wird dir jede Frage beantworten.

Dein Gott

Tats√§chlich konnte sie mit jedem Tag den sie √§lter wurde erkennen, dass sich die Dinge auf dem Planeten wendeten. Ihre Mitmenschen schienen bed√§chtiger und √ľberlegter, aber auch emotionaler in ihrer gesamten Lebenseinstellung. Das Leben wurde langsamer, weniger gehetzt, herzlicher und unternehmungslustiger, entspannter und liebvoller.
Geben war schön und Haben artete nicht in Egoismus aus. Ja, es wurde paradiesisch.


Ja.... so war das ... und dann ... ja dann hatte Lucifer die verhängnisvolle Idee mit Satan ein Spiel zu spielen. In all ihrem Enthusiasmus Gott bei der Erschaffung von Leben helfen zu wollen, kreierten sie auf Basis jener zufälligen Zusammensetzung weiteres Leben. Während die Menschen auf dem kleinen blauen Planeten, in einem der unzähligen Sternenhaufen, innerhalb einer der 46 Galaxien, in der Schachtel aus Lindenholz, tatsächlich eine neue Einsicht bekamen und vor allem eine neue Wertschätzung ihres Daseins und auch seit neuestem ihren Planeten achteten, beschloss man unter Gottes Augen, hier und da noch ein paar andere Lebewesen in der Schachtel auszusetzen.
Das hatte tragische Folgen, denn alle Menschen wurden von Ihnen aufgefressen ! Aber so ist das im Universum, es gibt kein gut und auch kein b√∂se. 






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"Die Natur spielt verr√ľckt, aber wir haben sie auf die Idee gebracht!"

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VCNeno
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2003

Werke: 2
Kommentare: 8
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Ich finde deine Geschichte echt gelungen. Schon deswegen weil ich mich selbst in einigen deiner Figuren wiederfinde.
Zudem glaub ich liegt bei mir auch so ne (Pizza)Schachtel rum, die inzwischen Leben entwickelt hat.

Wie es auch in deiner Geschichte ist: Auch die beste Schöpfung ist noch längst nicht perfekt...

Drum ein paar kleien Anmerkungen:

Deine Protagonistin schreibt ja eine E-Mail an Gott.
Wieso ist dann im weiteren verlauf nur noch von Briefen die Rede. Es kommt zumindest so r√ľber als ob es sich um Handschriftliches verkehr handelt.

Die Idee mit dem Vorgefertigten Formular finde ich nicht so gut. Da das Menschenkind ja mit der Bitte um Antworten kommt, und Plötzlich fallen da konkrete Vorschläge von ihr wie man das regeln könnte. Auch denke ich passt es nicht ins Weltbild eines kleinen Mädchens die Menschheit durch Gott sozusagen zu befehligen und unter dessen(oder ihrem) absolutem Verhaltenskodex zu stellen.

Der Schluss gefällt mir nicht so...
Gerade der Einsatz einer vermenschlichten Gottes- und Satansfigur implementiert ja emotionsbedingte Handlungen seitens der Überirdischen Wesen und damit auch das vorhandensein von Gut und Böse.

Außerdem kommt das Ende zu schnell und zu simpel. Etwas mehr Information in diesem Bezug.

Und lass dich nicht dazu verleiten vor lauter Enthusiasmus zu viel an deinem Werk herumzuexperimentieren, das könnt ja ein böses Ende nehmen.

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