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Leselupe.de > Kurzprosa
Maldoror singt von einer Frau
Eingestellt am 21. 05. 2003 17:25


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Maldoror
Wird mal Schriftsteller
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Maldoror singt von einer Frau. Einer Frau, die im Goldbad versank, weil er sie dort reingesetzt hat. Die Frau ist jetzt also vergoldet. Aber sie kann sich nicht mehr r├╝hren. War sie vorher etwa sch├Âner? Maldoror kann besser von ihr singen, wenn sie Gold ist, sonst bewegt sie sich zu schnell, wie schnell soll er denn Worte finden f├╝r sie und T├Âne, wenn sie jede Sekunde anders ist? Hat sie genommen, Maldoror, und in die Wanne gesetzt und Gold dr├╝ber gegossen. Weint jetzt nicht mehr, die Frau. Lacht auch nicht mehr. Ein Corpus ist sie jetzt mit geflossenen Haaren ├╝ber der Schulter. Hatte sie lange Haare? Schei├če, ich denke du liebst sie, Maldoror!

Und die ganze Nacht mit dem Blaster in der Bude hocken und Felix Da Housecat: die pinke sanfte Wahrheit umtappt dich. Der Rauch steigt in Kringeln an die Decke, du starrst auf den umgesto├čenen CD-Turm und die Plastikhaufen drum rum und dieses Zeug und die Gedanken an Stella mittendrin, du kannst dich nicht r├╝hren. Dein Ellenbogen im Aschenbecher, schei├če. Sie geh├Ârt dir nicht, kapiers mal.
Dedetdede, dadeldidam. Wodka ist auch alle. Ich versuchs mal mit Waldbeereneis von Lidl. Erste Sahne. Ich muss noch kotzen wenn ich jetzt nicht hier rauskomme! Es ist schon l├Ąngst hell. Der ├ärmel hat ein Loch, prima.

Drau├čen fegen Drachenwolken ├╝ber blauem Winterhimmel und Maldoror wird fast von einem K├Ąfer ├╝berfahren. So┬┤n neuer, der aussieht wie diese Spielzeugautos zum Anschieben, wie funktioniert das noch, mit Zahnrad, damit sie f├╝nf Meter selbst drauflos brausen bis zur n├Ąchsten Teppichwelle, ├╝ber die kommen sie nicht dr├╝ber. Stolpere dann gleich ├╝ber den Bordstein. So hast du nie werden wollen!

Frauen: Je sch├Âner desto schizo. Wollen, dass du mit dem Schwanz wedelst und werden schnippisch, sobald du es tust (w├Ąhrend M├Ąnner dann vor dir niederknien oder ihren eigenen rausholen). Stella ganz besonders. Stella beschwert sich ├╝ber die ganzen Typen, die sie angieren, aber sie muss ├╝berall die Sch├Ânste sein, sonst geht es ihr nicht gut; sie w├╝rde sich als Nichts f├╝hlen, wenn keiner guckt, das hat sie mir mal verraten. Als w├╝rde sie unter den Blicken erst leibhaftig. Oder vor der Linse.

Stella posiert manchmal f├╝r mich. Meine Kamera: das Auge Gottes, das Stella erschafft. Stella als Hure, Stella als Kind, Stella lachend, Stella verletzt. Ich gebe ihr ein bisschen Geld daf├╝r, leider kann ich sie nicht angemessen bezahlen, aber sie ist stolz auf die Bilder. Stella zeigt mir alles, sogar ihre M├Âse. Ich darf sie so ablichten, diese Frau mit der wahnsinnswei├čen Haut, ihren K├Ârper, zuletzt in Glasfaser gewickelt, ihre Blicke. Die Luft platzt fast vor Sex zwischen uns, aber wehe ich wage es, hinter meiner Kamera hervorzukommen.

Keinen Schritt! schreit sie, wenn ich nur die Plane glatt ziehen will, auf der sie posiert. Ihre drohenden Augen: Wenn sie w├╝sste, dass sie mich damit nur noch mehr aufregt! Aber ich halte mich an unsere Vereinbarung, ich will, dass sie sich sicher bei mir f├╝hlt, nur so ist sie echt vor der Kamera, au├čerdem bin ich ihr Freund. Das zu riskieren w├Ąre das D├╝mmste, was mir in meinem leidvollen Maldoror-Dasein passieren k├Ânnte!

Wir sind gut zusammen, besonders, wenn ich vorher einen ausgegeben habe. Eine Nase f├╝r die Kunst, was ist dagegen einzuwenden. Ich suche noch einen Galeristen. Ich werde Stella ber├╝hmt machen. Werde sie aus ihrem verbl├Âdeten Callcenter holen. Sollen die K├╝chenvertreter sehen, wo sie bleiben. Stella wird mich ber├╝hmt machen. Wir werden abhauen. Nach Andalusien.

Und dann stehe ich in der Dunkelkammer, Stella wird sich denken k├Ânnen, mit was f├╝r einer Latte, aber das scheint sie nicht zu k├╝mmern. Wenn ich ihren K├Ârper und ihre Blicke auf die Leine zum Trocknen h├Ąnge, ist sie l├Ąngst wieder bei ihrem Macker. Zeigt dem ihre M├Âse. Wie schei├če das Leben sein kann.

Maldoror springt auf die Tram auf, als sie schon anf├Ąhrt, die T├╝ren lassen sich nicht mehr ├Âffnen, er nibbelt an dem Knopf rum, die Fahrg├Ąste drinnen glotzen bl├Âd, noch nie n Maldoror gesehen? Glotzt nur, ihr in eurer gelben W├Ąrme, Maldoror friert gleich auch nicht mehr dank seines Balanceakts, nur die Finger sind blaurot. Die Tram f├Ąhrt in die Kurve, ich springe ab in den Blumenk├╝bel ohne Blumen, ist nur Gestr├╝pp drin und alte Kippen.

Dieser Typ, was will sie von dem, na ja, was sollte sie von mir wollen, anders gefragt, Kokser oder Kiffer, das ist hier die Auswahl. Koksen ist sexier als kiffen, dass das mal klar ist, aber der Typ scheint trotzdem ne harte Nummer zu sein im Bett, was anderes kann ich mir nicht vorstellen, bei einer wie Stella. (Fuck it!) Trinkt immer dieses Energy-Zeugs, angeblich wegen Handball, aber eigentlich wegen ihr; Taurin macht n t├╝chtigen Kn├╝ppel.

Ich hab ihn beobachtet. Betont relaxed, K├Ârperhaltung und so, breitbeinig zur├╝ckgelehnt, aber seine Finger trommeln und er bewegt st├Ąndig die Nase hin und her und nach oben weg, das merkt der wohl gar nicht. Komischer Knappe. Und dann hat er oft diesen Blick. Ein Blick, der wie sch├╝tzend vors Gesicht gehaltene Arme ist.
Stella liebt ihn bis aufs Blut, das aus ihren Narben quillt. So ist Stella. Unbedingt bis zur Selbstzerst├Ârung. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass diese Unbedingtheit ihm gilt. Es kommt mir bei ihr vor wie Trotz. Sie will das Leben bezwingen mit ihrer rausgestreckten Zunge. Macht sich nur ungl├╝cklich damit. Aber sagen l├Ąsst sie sich nichts. Was willst du, fragt sie mich mit kalten Augen. Und dann f├╝hle ich mich ertappt.

Maldoror singt von einer Frau. Einer Frau, die einmal echt war, Bewegung, jetzt kann sie sich nicht mehr regen, nicht mehr toben oder lachen oder weinend mich ber├╝hren. Jetzt ist sie mein; aus Gold.






__________________
"... beim Anblick dieses Scheusals (Mensch) k├Ânnte ich vor Staunen sterben: man stirbt an weniger." Lautreamont

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Rainer
???
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...fl├╝ssig und mit freude zu lesen...

hallo maldoror,

erstmal willkommen auf der lupe und noch viel spa├č hier.

ich will in deinem eigenwilligen text nicht herumschmieren da ich glaube, dann seine identit├Ąt zu zerst├Âren. nur eine stelle ist mir so "unangenehm" aufgefallen, dass ich mal ne anmerkung loslassen mu├č:

"Der Rauch steigt in Kringeln an die Decke, du starrst auf den umgesto├čenen CD-Turm und die Plastikhaufen drum rum und dieses Zeug und die Gedanken an Stella mittendrin, du kannst dich nicht r├╝hren."

...und dieses zeug... st├Ârt die melodie, passt nicht. ich denke, du kannst es getrost rauslassen, im fortgang wird es sowieso noch klar.


ach ja, bitte mehr davon. dein schreibstil ist so herrlich rotzig.


gr├╝├če

rainer

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Maldoror
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Hallo Rainer,
danke f├╝r Deinen aufbauenden Kommentar! Rotzig? Hm. Wei├č gar nicht, ob das meine Absicht war, aber ich sinniere mal dr├╝ber, hihi. Jedenfalls nehme ich es als Kompliment...
Das mit dem Zeug - tja, nach nochmaligem Lesen wei├č ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau, was ich damit eigentlich meine, dieses ganze Zeug halt, das einem so im Leben herumpfuscht...
W├╝nsche Dir gutes - Zeug.
Bis dann
M.
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mye
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hallo maldoror,

ebenfalls kompliment an deinen schreibstil, frech und anders eben... und aus diesem grund fesselnd (und das ist ja ein sch├Âner effekt). nach etwas ├╝berlegung bin ich auch zu dem entschluss gekommen, dass die "schimpfw├Ârter" in diesen text passen (k├Ânnte man jetzt auch negativ auffassen, ist aber nicht so gemeint). auch der titel gef├Ąllt mir sehr gut... eher sinnlich... und somit im kontrast zu deinem stil stehend; mal davon abgesehen, dass ich es gar nicht leicht finde, einen guten titel zu finden.
also, weiter so.

gru├č
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man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

www.moviereporter.net

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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rotzig war und ist als kompliment gemeint - halt nicht verklausuliert, symboltr├Ąchtig ├╝berfrachtet etc - das w├╝rde nicht zum text passen.

und gutes zeug habe ich immer.


gr├╝├če

rainer
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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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