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Leselupe.de > Kurzprosa
Malik
Eingestellt am 01. 04. 2006 21:28


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strolch
???
Registriert: Jan 2004

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Mein erstes Zusammenkommen mit Malik, war ein Schock. Es war gleich am ersten Tag an dieser Schule. Malik wurde aus der Klasse raus genommen, weil er den Unterricht erheblich störte.
Ich nahm ihn in einem Raum, der mir zugewiesen war. Der Raum wirkte kalt, hatte kahle Wände. Hier sollte ich ihn beruhigen und arbeiten.

Es dauerte nicht lange und er rannte durch das Zimmer, schrie tobte „hilf mir doch – du kannst es doch und ich nicht!“


Mein Problem war, ich war ABM-Kraft, war von heute auf morgen an diese Schule gekommen. Ich bin keine Pädagogin, später stellte sich heraus, dass gerade diese Tatsache mir half.
Aber in diesem Augenblick war ich überfordert, ich wusste nicht was ich machen sollte.


Je mehr ich ihn beruhigen wollte, je mehr tobte er.
Ich goss mit jedem Wort - Öl ins Feuer.

Dann hatte ich eine Eingebung: ich schwieg – es vergingen Minuten, für mich eine Ewigkeit.


Auf einmal wurde Malik ruhiger, setzte sich wieder hin:
„Sag was“, hörte ich ihn sagen.
Ich schwieg weiter.

Diese Ruhe beruhigte und gleichzeitig verunsicherte ihn.

Er setzte sich an seine Rechenaufgaben. Sagte: “du darfst aber nicht gucken" ich guckte nicht.


Einfach deshalb, weil ich als Kind sehr unter Druck gesetzt wurde. Meine Adoptivmutter saß mit einem Handfeger neben mir, wenn ich Hausaufgaben machten. Dieser wurde nie eingesetzt, aber die Drohung reichte aus. Ich machte noch mehr Fehler.
Auch heute habe ich noch Probleme, wenn mir jemand auf die Finger sieht beim arbeiten, dann verspüre ich das beklemmende Gefühl, wie damals.


Er löste die Aufgaben schnell und fehlerfrei.

Malik war damals 11 Jahre alt und hatte schon einiges hinter sich.
Er war in verschiedenen Heime und Pflegefamilien. Seine neun Geschwister eben so.
Sein jüngerer Bruder, eine ältere Schwester und er lebten wieder zu Hause bei den Eltern.


Seine Schwester erzählte mir, dass ihr Vater, die Mutter immer geschlagen hat, als er noch soff...

An dieser Schule für Lernbehinderte waren alle drei.
Malik war das schwarze Schaf der Familie und nicht nur in der Schule.

Zu Hause durfte er keine Hausaufgaben machen, weil dies für die Eltern zu stressig war. Seine Mutter sagte in einem Gespräch mit der Schulleitung: „wir wollten ihn nicht, ihr wollt ihn nicht, wie entsorgen wir ihn.“

Sicherlich er hat genervt, wurde gleich laut, tobte und schlug um sich.

In den Hofpausen war er ein Angriffspunkt. Andere Schüler versprachen wiederum anderen Schülern Geschenke, wenn sie Malik anspucken oder schlugen. Weil er immer gepetzt hat, wenn andere Schüler Unerlaubtes taten. Nach dem Motto: „ich werde bestraft, dann sollen auch die anderen bestraft werden.

Er wurde oft bestraft, ob er schuldig oder nicht. Es machte sich kaum einer die Mühe nach den Ursprung zu forschen. Malik hatte ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, auch wenn sich dies widersprüchlich anhört.


Malik brauchte ein ruhiges ausgeglichenes Umfeld.
Er brauchte jemanden zu dem er Vertrauen haben konnte und der mit ihm in Ruhe spricht. Das habe ich versucht, aber seine Wutausbrüche hatte er auch bei mir.

Einmal da war er wieder unausstehlich, einfach nicht in Griff zu bekommen. Das war als er den Ausraster hatte.


„Ich schlage dich tot…“
Schrie Malik wutschnaubend. Er biss und trat David.
Frau Rabe verließ schnell mit den anderen Kindern den Klassenraum.
„Ich schlag dich tot“, schrie Malik ihm hinterher. Er hob Schulbänke hoch und ließ sie nach unten knallen.
„Bin sehr wütend.“ er raste durch das Zimmer, nahm einen Glasfiberzeigestock, schlug damit auf die Schulbänke. - Er sprang auf diese, rannte hin und her.
Ich schwieg, wie sollte ich mich verhalten? Dachte, lass ihn in Ruhe, warte ab.


„ Bin wütend!“

„Malik, das sehe ich, - warum?“
„Sag ich nicht.“ dabei lief er ständig auf den Bänken hin und her. Sein Gesichtausdruck, die Körperhaltung – alles eine einzige Drohung. Er fühlte sich überlegen, überragte mich, dies gab ihm Sicherheit.
„Warum nicht?“ blieb dabei ruhig stehen, beobachtete ihn.

Er schrie: „bin wütend - sehr!!!“
„Das sehe ich, willst du mir nicht sagen warum?“

„Verstehste nich - helfen tuste mir auch nicht.“
Holte einen zweiten Stock, ließ diese ganz dicht neben mir auf die Bank sausen.
Mir wurde mulmig. Jetzt nur keinen Fehler machen.
Malik lief wieder wutschnaubend durch den Klassenraum, dann wieder über die Schulbänke.


„Sei still - endlich still - bin sehr wütend!“


Jetzt nur keinen Fehler machen.
Was mache ich, wenn er mich wirklich angreift? Die Bereitschaft ist dazu da.


Es verging einige Zeit. Ich machte nichts, wartete ab.Er wurde einwenig ruhiger, blieb stehen.


„Wehre dich doch.“
Ich war überrascht.
„Malik, ich löse meine Probleme nicht mit Gewalt.“
„Warum?“
Ich bemerkte seine Unsicherheit, aber auch das er wieder begann herum zu laufen. -

„Weil ich es nicht tue -, so gewinnt man nicht.“ (Er will immer gewinnen.)
„Willst du mir nicht sagen was los war?“
„Nein - bin wütend.“
Seine Haltung wurde wieder drohender.
„Ich weiß, du gibst mir aber keine Gelegenheit dir zu helfen - (mir kam ein Gedanke), außerdem bist du bewaffnet, ich nicht.“

Malik zögerte, ihm war anzusehen - er überlegte.


„Hier hast du einen!“
Wollte mir einen von den Stöcken geben. Nun staunte ich, damit hatte ich nicht gerechnet.
„Ich habe dir schon gesagt, ich löse meine Probleme nicht mit Gewalt.“
Jetzt war er ratlos, zögerte einige Zeit. Es dauerte.
Auf einmal setzte er sich auf die Bank, er gab seine Überlegenheit auf.
„Ich erzähle es dir – jetzt...! Der – David - ich habe, habe mit Nicole gespielt - da kam - kam er –spielte -
mit ihr - weißte.“

Jetzt ist alles klar, er war ausgebootet worden.
„Malik, ich denke, David wollte dir nicht wehtun, er wollte mitspielen.“
„Meinste?“
„Ja!“ er ist ruhiger geworden. „Ich denke, du beruhigst dich noch ein wenig, dann gehen wir zu David und erklären ihm alles.“

„ Erzähle es aber nicht meinen Bruder, bitte.“
„Gut, ich sage es ihm nicht.“
„Versprochen?“
„Versprochen!


__________________
"Ich will nicht, daß Frauen Macht über die Männer, sondern über sich selbst erlangen."(Mary Wollstonecraft)

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MDSpinoza
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quote:
Ich nahm ihn in einem Raum, der mir zugewiesen war.
Das kann man jetzt leicht mißverstehen.

Der Raum wirkte kalt, hatte kahle Wände. Hier sollte ich ihm beruhigen und arbeiten. RETTET DEM DATIV!!!

quote:
lernbehinderten Schule
- Ist die Schule lernbehindert? (Antworte bitte nicht, ein paar Illusionen möchte ich noch behalten ;-))

quote:
An der lernbehinderten Schule gingen alle drei.
Wenn, dann: auf die...

quote:
einwenig
ein wenig

__________________
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strolch
???
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hallo,
danke für den kommentar - ja behalt deine illusion. obwohl so unberechtigt ist dein gedanke nicht - manchmal hab ich mich da auch dies gefragt.

weiß nicht hatte einwenig erst zusammen, dann meinte jemand - es wird ein wenig so geschrieben.

lg brigitte


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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Brigitte,

ein beeindruckender Text, sehr "roh gezimmert" aber sehr unmittelbar.
Über den Satz den Spinzoza als erstes zitiert stolperte ich auch. Natürlich wurde mir beim Weiterlesen sofort klar, dass es nicht so gemeint war, aber man könnte das jetzt wirklich als Kindesmissbrauch lesen. "Ich nahm ihn mit in einen Raum...." müsste es wohl heißen.
Auch sonst könntest du noch bisschen drüber gehen (allenfalls jemanden Korrektur lesen lassen), aber ich finde die Fehler eigentlich nicht wirklich störend, weil dein Text eben sehr "unmittelbar" rüberkommt.
(Heißt aber nicht, dass Rechtschreibung und Grammatik beim Schreiben egal wären... .)

LG Mel

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