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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Manisch-Depressiv
Eingestellt am 30. 06. 2005 13:56


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Andrea1694
Hobbydichter
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Manisch-Depressiv

Gedankenverloren sa├č ich auf der Terrasse und schaute in die Weite meines Gartens.

Wie begann es damals vor ca. 2 Jahren, als ich den ersten manisch-depressiven Anfall hatte und alles seinen Lauf nahm? So auch meine Gewichtszunahme, die mich jetzt so ungl├╝cklich machte!

ÔÇŽ
Seitdem ich die Liebe meines Lebens gefunden hatte, war ich stets voller Elan, impulsiv und jederzeit dazu bereit, anderen zu helfen wo ich nur konnte. Ich war ein lebensbejahender Mensch, voller Tatendrang und hatte immer ein l├Ącheln im Gesicht.

Nie konnte mich etwas betr├╝ben, da immer in meinem Herzen diese Zufriedenheit war, egal ob es schneite, regnete oder die Sonne schien.

Jeder, der mich kannte und mir begegnete, fragte sich stets, woher ich diese Kraft nahm, all das, was ich an einem Tag erledigte, zu schaffen ohne auch nur einmal dar├╝ber zu klagen, geschweige denn nachzudenken.

Doch dann kam dieser eine Tag, der mein weiteres Leben komplett ver├Ąnderte, als ich mir nichts, dir nichts zusammenbrach und bewusstlos war.

Da die ├ärzte mich, trotz jeglicher Ma├čnahmen, nicht aus meiner Bewusstlosigkeit erwecken konnten, wurde ich auf richterlichen Beschluss in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Nach ca. zwei Tagen ├Âffnete ich das erste Mal meine Augen und war total benommen durch all die Medikamente, die man mir mittels Infusionen in meinen Blutkreislauf gejagt hatte.

Die Zimmer waren zwar wei├č gestrichen, doch schon ziemlich vergilbt. Kein Bild schm├╝ckte die W├Ąnde und keine Pflanze befand sich im Raum.

Alleine im Flur und im Raucherzimmer, dessen Fenster durch Gitterst├Ąbe gesch├╝tzt waren, gab es einige Gr├╝npflanzen, welche wohl die sterile, kalte Atmosph├Ąre etwas auflockern sollten.

Die Regeln besagten, dass man sich nach M├Âglichkeit von den anderen Patienten fern halten sollte. Pers├Ânliche Dinge, die z.B. Suizid- und Borderline-Patienten gef├Ąhrden
konnten, wie Nagelscheren etc. pp, wurden unter Verschluss genommen. Selbst ein Handy durfte man in der geschlossenen nicht behalten.

Am Anfang hatte ich mir eingebildet, dass die Ärzte sich der Patienten mit besonders schwerwiegenden, psychischen Erkrankungen in spezieller Form annahmen, z.B. mittels einer
Gespr├Ąchstherapie, um den eigentlichen Ausl├Âser f├╝r die Erkrankung zu finden.

Aber Pustekuchen, nichts dergleichen geschah. Wenn einer der Patienten einmal zuviel den Mund auftat, bekam er einfach noch mehr Medikamente, bis er letztendlich wie ein
Schlafwandler auf dem Flur auf und ab lief, ohne das, was rechts und links um ihn herum geschah, wirklich wahrzunehmen. Hauptsache er war sch├Ân ruhig gestellt.

F├╝r die Raucher unter den Patienten gab es ein einziges Feuerzeug, dass neben der K├╝che angebracht war. W├Ąhrend der Therapiezeiten (Gymnastik in einem Raum der mal eben
2,50 m x 2,50 m war, Zeichenstunde etc. pp) wurde das Feuerzeug verschlossen und lediglich w├Ąhrend der Pausen f├╝r ca. 10 Min. hinausgehangen.

Patienten, die anfingen Randale zu machen, z.B. in der Form, dass sie ohne Grund die Blumen umschmissen oder herumzuschrien, wurden von einer Horde von ca. 10 heranst├╝rmenden Pflegern/innen ├╝bermannt und einfach f├╝r ein paar Tage splitternackt an ihr Bett gefesselt.

In meinen Augen war dies eine total menschenunw├╝rdige Behandlung.

Ein jeder von uns hatte sich zudem um ihm zugeteilte Aufgaben, wie z.B.: die K├╝che, die Pflege der Blumen, das Raucherzimmer etc. zu k├╝mmern. Hielt man sich nicht daran oder weigerte sich, bekam man einen Verweis und einen Vermerk in seine Akte, welcher nicht gerade das Herannahen des Entlassungstages f├Ârderte.

In der Zeit meines Aufenthaltes hatte ich mir fest vorgenommen einmal ├╝ber die vielen, unterschiedlichen Krankheitsbilder der Menschen, die ich kennenlernen durfte, zu schreiben, doch es sind einfach zu viele um sie erw├Ąhnen zu k├Ânnen.

Doch eines wei├č ich genau, diese Zeit kann und werde ich nie in meinem Leben vergessen, weil mir einfach die Menschen, die sich dort befinden leid tun, da ihnen nicht in dem Sinne geholfen wird, wie es viele von uns glauben m├Âgen.

30. Juni 2005
Andrea

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coxew
???
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manisch depressiv

hallo,

das ganze liest sich wie ein erlebnisbericht und am ende bin ich ersch├╝ttert. wenn das das ziel der geschichte war, hast du es erreicht. ich w├╝rde dann auch nichts mehr ├Ąndern.

freundliche gr├╝├če

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Andrea1694
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Manisch-Depressiv

Hallo coxew,

es ist wirklich ein Erlebnisbericht und soll den Leser am Ende gleicherma├čen wie mich entsetzen.

Ich danke Dir recht herzlich f├╝r Deinen Kommentar.

Sonnige Gr├╝├če sendet Dir
Andrea1694 (bin 1964 geboren) :-)

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Hallo Andrea,

wann und wo hat das denn stattgefunden? (Nein, du mu├čt jetzt nicht deine Intimsph├Ąre hier ausbreiten, die Zeit w├Ąre aber schon interessant.)
Mag sein, da├č es derartige Horror-Institutionen tats├Ąchlich noch gibt; f├╝r mich - sorry, will dir nicht zu nahe treten - liest es sich wie von jemandem geschrieben, der zu viele Filme gesehen hat.
Meine eigenen Erfahrungen sind v├Âllig anders und durchweg positiv; das ist sicher nicht ├╝berall so, aber da├č gar keine Gespr├Ąchstherapie stattfindet, ausschlie├člich Tabletten zur Ruhigstellung - das kann ich mir kaum vorstellen. Auch bei den brutalen Pflegerhorden hast du anscheinend besonderes Pech gehabt.
Die Aufgaben - K├╝chendienst etc.- haben ├╝brigens sehr wohl einen therapeutischen Zweck und sind keine Schikane. Depressive Patienten verlieren ihre Tagesstruktur und ihren Antrieb, durch diese Pflichten lernen sie langsam, ihren Tag wieder einzuteilen und eine Aufgabe zu erf├╝llen. Wer das nicht schafft, bleibt zu Recht noch in Therapie.

Die Darstellung der Erkrankung ist viel zu oberfl├Ąchlich. Vielleicht erschien es der Protagonistin/dir tats├Ąchlich wie ein Zusammenbruch aus heiterem Himmel, aber so etwas gibt es nicht; wenn man zur├╝ckblickt, sieht man sehr wohl die Zeichen. Du deutest das nur an:

quote:
Jeder, der mich kannte und mir begegnete, fragte sich stets, woher ich diese Kraft nahm, all das, was ich an einem Tag erledigte, zu schaffen ohne auch nur einmal dar├╝ber zu klagen, geschweige denn nachzudenken.

Um deinen Bericht tats├Ąchlich aussagekr├Ąftig zu machen, m├╝├čte er sehr viel detaillierter sein. Das hier ist eine Best├Ątigung hinl├Ąnglich bekannter (Vor-)Urteile.

Gru├č,
Gabi



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Andrea1694
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Manisch-Depressiv

Liebe Gabi,

auch Dir danke ich f├╝r Deinen ausf├╝hrlichen Kommentar.

Gerne versuche ich auf diesen n├Ąher einzugehen:
Zeitpunkt: September 2003
Ort: Psychiatrische Anstalt, Neuss
Dienste: K├╝chendienst etc. pp .. wollte ich wirklich nicht als Schikane hinstellen ... sorry, falls dies so her├╝bergekommen ist. Sie dienten wirklich gleicherma├čen, wie Du es bereits gesagt hast, als Therapie.

Im n├Ąheren bin ich nicht auf meine eigenen Erlebnisse innerhalb dieser geschlossenen Anstalt eingegangen, da es ansonsten ein ganzes Buch geworden w├Ąre.

Doch von (Vor-)Urteilen kann ich aus meiner Sicht wirklich nicht sprechen, da es sich wahrhaftig so zugetragen hat, wie ich es versucht habe zu schildern.

Selbst die wirklich wichtigen Gespr├Ąchstherapien blieben g├Ąnzlich bei allen aus.

Sende auch Dir sonnige Gr├╝├če und w├╝nsche Dir einen sch├Ânen Tag,

Andrea1694

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
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Hallo Andrea,

mich hat der Text nicht ersch├╝ttert. Dazu bleibt er zu sehr an der Oberfl├Ąche. Eine Verst├Ąndnisfrage: Warum kommt die Protagonistin - nur, weil sie bewusslos wird - gleich auf richterlichen Beschluss in die Geschlossene? Das ist unlogisch. Da muss doch vorher schon was passiert sein, das diese drastische Ma├čnahme rechtfertigt. Eine Gespr├Ąchstherapie mit einem Maniker in der Hochphase erscheint mir so sinnvoll wie der Versuch, einen D-Zug mit blo├čen H├Ąnden anzuhalten. Insofern sind die Tabletten zur Ruhigstellung erstmal wichtiger.

LG
Majissa

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