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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Marcel und die Liebe
Eingestellt am 25. 06. 2002 03:30


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Dorian
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Als Marcel neunzehn war lernte er seine wahre Liebe kennen. Das wusste er damals nat├╝rlich noch nicht, und selbst als er sich ├╝ber f├╝nf Jahre sp├Ąter von ihr getrennt hatte, wusste er lange Zeit nicht, was ihm da entgangen war.
Kassiopeia war eine Frau mit gewaltigen Minderwertigkeitskomplexen, obwohl sie wundersch├Ân war ... oder vielleicht gerade deswegen.. In der Tanzschule, hatte sie Marcel erz├Ąhlt, wollte sie niemand zum tanzen auffordern. Marcel erfuhr sp├Ąter, dass dem tats├Ąchlich so war und zwar, weil sich niemand traute, einer so sch├Ânen Frau zu nahe zu kommen.
In diesem Alter f├╝hrt so etwas leicht zu Missverst├Ąndnissen, vor allem, wenn man nicht einmal von der Familie R├╝ckhalt bekommt.
Marcel konnte gut verstehen, was mit ihr los war. Er sah selbst recht gut aus, hatte es aber nie so empfunden, nie sein Selbstbewusstsein daran gekoppelt, so dass seine hervorstechendste Eigenschaft Zynismus und in j├╝ngeren Jahren auch eine Form von Gewaltt├Ątigkeit war. Das war einfach leichter, als Gef├╝hle offenbaren zu m├╝ssen. Zynismus half oft nicht, weil er ├╝ber das Verst├Ąndnis seiner Klassenkameraden hinausging, aber wenn man Zeit seines Lebens einen Kopf gr├Â├čer ist als alle, die tagein, tagaus um einen herum sind (inklusive Lehrer), hilft auch Gewaltt├Ątigkeit, oder wenigstens die Androhung derselben. Marcel war der klassische bellende Hund.
Insofern konnte er Kassiopeias Problem nachvollziehen und sich sogar dessen annehmen. Sie war nicht ganz zwei Jahre j├╝nger als er und hatte deswegen Achtung vor ihm, denn in diesem Alter machen zwei Jahre noch sehr viel aus. Er war ein MANN, der bereits einmal mit einer Frau geschlafen hatte, sie war ein jungfr├Ąuliches M├äDCHEN.
Sie blieben ├╝ber f├╝nf Jahre zusammen, machten sich sogar Gedanken ├╝bers heiraten und kinderkriegen. Dann verlie├č sie ihn.
Zuerst war es ihm egal. Er geno├č die freie Zeit. Er konnte mit seinen Kumpels einen saufen gehen, wann immer er wollte und das tat er auch. Er wusste nicht, dass er sie immer noch liebte und sie ihn. Sie hatte zwei Wochen in Linz verbracht und sich dort in einen anderen verliebt. Hatte am Tag ihrer R├╝ckkehr bei ihm angerufen und am Telefon Schlu├č gemacht.
Am Valentinstag.
„Hast du mich betrogen?“, hatte er sie gefragt, nachdem klar war, dass jemand anderes im Spiel war.
„Nein“, hatte sie geantwortet. Sp├Ąter hatte sie ihn so oft belogen, dass Marcel bis zum Zeitpunkt seine Todes nicht klar war, was er glauben sollte, nicht einmal, ob sie ihn jemals geliebt hatte.
Im November kam sie mit einem Mann zusammen, den Marcel schon lange kannte. Mit dem er auf Interrail gewesen war, der wusste, oder wenigstens h├Ątte erahnen k├Ânnen, dass ihm noch etwas an Kassiopeia lag. Vor allem, weil Marcel ihm an dem Abend, als sich die beiden das erste Mal n├Ąher gekommen waren, erz├Ąhlt hatte, dass er solcherlei nicht gerne sieht.
„Ja“, hatte der „Freund“ gesagt, „das kann ich verstehen.“
Danach war Marcel lange Zeit alleine. Weinte viel. Spielte sogar mit dem Gedanken an Selbstmord.
Irgendwann erholte er sich. Nicht ganz, aber doch ein bisschen. ├ťber ein Jahr nachdem sie mit ihm Schlu├č gemacht hatte, fand Marcel eine Frau, die mit ihm schlief. Nicht, dass er keinen Sex gewollt h├Ątte; er war sozusagen geiler denn je. Aber er fand einfach keine Frau die mit ihm schlafen wollte. Vielleicht, so redete er sich sp├Ąter ein, lag es auch an seinem Unterbewusstsein, das verhinderte, dass er zu einer Frau kam. Aber er war wohl einfach nur aus der ├ťbung, wie er sich sp├Ąter eingestehen musste.
Danach ging es halbwegs bergauf, er hatte die eine oder andere Liaison, mit langen Pausen dazwischen.
Wieder ├╝ber ein Jahr sp├Ąter erkannte Marcel, dass einige Frauen doch auf seinen spr├Âden Charme ansprangen. Er musste nur nett sein, etwas wozu er sich zwingen musste, was ihm nie beigebracht worden war, andererseits aber eine Rolle, in der er sich immer wohler f├╝hlte. Die Erfolge h├Ąuften sich.
Innerhalb von drei Wochen hatte er vier Frauen dazu gebracht, sich f├╝r ihn zu interessieren, und zwar sowohl als Freund als auch auf eine recht k├Ârperliche Weise. Ein Erfolg, den er noch nie zustande gebracht hatte, und das obwohl er inzwischen Ende Zwanzig war. Er hatte auch nie derartiges vorgehabt, er verachtete M├Ąnner, deren prim├Ąres Ziel es war, so viele Frauen wie nur m├Âglich abzuschleppen. Er rechnete einfach nicht damit, dass er Erfolg haben k├Ânnte.
Das verwirrte ihn ein bisschen an jenem Abend, an dem die letzte Frau, die er ins Auge gefasst hatte bereitwillig auf seine Ann├Ąherungsversuche einstieg und sogar den ersten Schritt machte. Kurz danach wurde ihm klar, dass bei der n├Ąchsten Gro├čparty, die er mitveranstaltete, alle drei Frauen anwesend sein w├╝rden. Und zwei weitere, an denen er auch interessiert war.
Er war nicht verliebt, aber in Kassiopeia war er schlie├člich auch lange Zeit nicht verliebt gewesen, bis sie ihn eines Besseren belehrt hatte.
An jenem Abend ging er nach Hause und dachte dar├╝ber nach, hatte etwas Angst und freute sich ein bisschen.
Und bevor er einschlief weinte er um seine verlorene Liebe.

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Lonia
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gef├Ąllt

Lieber Dorian!
Deine Geschichte gef├Ąllt mir. Ein Mann, der seine erste gro├če Liebe nicht ├╝berwinden kann.
Normalerweise mache ich das nicht, aber ich habe dein Profile gelesen und deswegen ├╝be ich mich jetzt mal ein bisserl in Kritik:

Ich finde, dass du sehr viele verschiedene Aspekte auf einmal anf├╝hrst ohne sie weiter auszuf├╝hren. Ich als Leser f├╝hle mich da immer etwas "vor den Kopf gesto├čen", so als w├╝rde man mir etwas vorenthalten ;-). Z.B. das mit den Minderwertigkeitskomplexen. Ist das f├╝r die Geschichte relevant, wenn ja, inwiefern? Und wenn sie schon angef├╝hrt werden, woher kommen sie eigentlich? Soweit ich es erkennen kann, ist die Erz├Ąhlweise ja schlie├člich auktorial. Ja, sie bekommt keinen R├╝ckhalt in der Familie, f├╝r was soll sie R├╝ckhalt bekommen, was ist denn in dieser Familie los? Wird sie niedergemacht, gibt es Geschwister, die vorgezogen werden, ist ihr Vater/Mutter ein/e Tyrann/in? Verstehst du, ich finde es ist zu ungenau ausgedr├╝ckt.
Die Stelle mit dem Zynismus gekoppelt mit Gewaltt├Ątigkeit gef├Ąllt mir sehr gut. Hmm, scheint ein seltsamer Mann zu sein...
Aber ist es nicht auch seltsam, dass die beiden f├╝nf Jahre zusammen sind und dieser Marcel, so komisch er auch sein mag, nicht den kleinsten Schmerz bei der Trennung empfindet??
Hmm, au├čerdem widersprichst du dir in deiner Geschichte, soweit ich das richtig erkannt habe:

Das wusste er damals nat├╝rlich noch nicht, und selbst als er sich ├╝ber f├╝nf Jahre sp├Ąter von ihr getrennt hatte, wusste er lange Zeit nicht, was ihm da entgangen war.

Dann verlie├č sie ihn.

Ich finde auch, dass die Art und Weise des Schlussmachens jetzt nach diesem Satz kommen sollte und nicht erst S├Ątze sp├Ąter.

Und sag mal, wieso findet er es um alles in der Welt toll, dass bei der n├Ąchsten "Gro├čparty" alle drei Frauen anwesend sein werden, mit denen er etwas hat? Fliegt dann nicht alles auf?

Ein paar kleine Fehlerchen habe ich auch gefunden, falls es dich nicht st├Ârt:


Als Marcel neunzehn war, lernte er seine wahre Liebe kennen.
In der Tanzschule, hatte sie Marcel erz├Ąhlt, wollte sie niemand zum Tanzen auffordern.

Sie blieben ├╝ber f├╝nf Jahre zusammen, machten sich sogar Gedanken ├╝ber┬┤s Heiraten und Kinder Kriegen.
Er konnte mit seinen Kumpels einen Saufen gehen, wann immer er wollte und das tat er auch. Hatte am Tag ihrer R├╝ckkehr bei ihm angerufen und am Telefon Schluss gemacht.
Aber er fand einfach keine Frau, die mit ihm schlafen wollte.

Das verwirrte ihn ein bisschen an jenem Abend, an dem die letzte Frau, die er ins Auge gefasst hatte,bereitwillig auf seine Ann├Ąherungsversuche einstieg und sogar den ersten Schritt machte.

Und bevor er einschlief, weinte er um seine verlorene Liebe.


Alles Liebe, Lonia
(beim n├Ąchsten Mal halte ich mich zur├╝ck, aber wenn ich erstmal in Fahrt komme... schrecklich;-))

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Dorian
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Hallo Lonia

"Auktorial" ist ein Wort, da├č mir v├Âllig fremd ist.

Ansonsten halte ich Deine Kritik f├╝r sehr stichhaltig und gut argumentiert. Mein Hauptproblem ist, da├č ich einfach nur kurze Sachen hier reinschreiben kann. Die Sache zwischen Marcel und Kassiopeia k├Ânnte Seiten f├╝llen, w├Ąre ich James Joyce, sogar B├╝cher. Dicke B├╝cher.
Es w├Ąre langweilig und nicht meinem Stil entsprechend. Und ├╝berhaupt.
Du hast in sehr vielen Dingen, die Du kritisierst recht, aber das hei├čt noch lange nicht, da├č ich irgendetwas ├Ąndern mu├č. Versteh mich nicht falsch, ich bin bei den meisten Kritikpunkten Deiner Meinung, aber ich habe die Geschichte jetzt nach einiger Zeit nochmal gelesen und mu├č sagen, da├č sie genauso r├╝berkommt, wie sie r├╝berkommen sollte:
Distanziert, jedoch trotzdem ber├╝hrend.

Lg

Dorian

P.S.: Kennst Du das alte englische Sprichwort: "Always leave ┬┤em wanting more"?
Billy Wilder hat sich daran gehalten.

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Lonia
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macht nix

Das ist doch kein Problem. Wegen mir brauchst du nichts ├Ąndern, wollte blo├č ein paar Anregungen geben. W├╝nsche dir noch viel Spa├č beim Schreiben, da f├Ąllt mir ein, das k├Ânnte ich auch mal wieder machen, aber zur Zeit lese ich lieber... Paulo Coehlo - ein Gott!!!
Alles Liebe, Lonia

P.S.: Ein auktorialer Erz├Ąhler ist ein Erz├Ąhler, der ├╝ber den Dingen steht und ├╝ber alles Bescheid wei├č (also auch keine handelnde Person der Geschichte ist).

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