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Leselupe.de > Kurzprosa
Margarethe
Eingestellt am 13. 08. 2010 23:52


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eva held
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2010

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Margarethe.


Und wieder bleibst Du zur├╝ck, und wieder kann ich Dich nicht als Zur├╝ckbleibende begreifen, als w├╝rdest Du Dich samt Haus und Hof und Tor mit der Erde wegdrehen unter den scheinbar Verreisenden, die eigentlich zur├╝ckbleiben in ihrem Stillstand.

Ich kann mir Dein Leben nicht vorstellen, wei├č nicht ob bescheiden selbstlos selbstaufgegeben duldsam kleinlaut Worte sind um Dich zu beschreiben. Vielleicht religi├Âs.

Immer waren die anderen wichtig. Und am Ende bist Du gestorben wo Du niemals sein wolltest wo Du nicht einmal wirklich angekommen warst wo deine Tochter Dir noch das bisschen Raum das Du hattest streitig gemacht hat. Und Du? Hast dich zur├╝ckgezogen.
Ist das Kraft oder Feigheit?

Habe nie gute Worte geh├Ârt von Ihr ├╝ber Dich. Aber Deinen Tod hat sie uns vorgehalten wie eine Waffe.

Handschuhe hast Du gerne getragen, gro├če H├╝te und T├╝cher aus Chiffon. Nicht viele gab es mehr in deinem schlichten Nachkriegsschrank. Ein paar B├╝cher, wenig Porzellan. Und Spott.

Dein Geruch: Geruch der Chiffonseide, eine bisschen m├╝de, ein bisschen staubig, vertr├Ąumt.
Welche Tr├Ąume hast Du getr├Ąumt? ÔÇô Ich kannte nur die grausigen, die kaum ausgesprochenen, die nicht getr├Ąumt werden konnten weil sie wahr waren, damals.

Aus deinem Leben nur kleine Augenblicke, die rauchigen Kneipen, Du dort am Tisch, verpackt in Dein L├Ącheln, verschanzt gegen die Lebenslust Deines Mannes. Heirate nie.

Ein St├╝ckchen Film: Picknick, auf eine Liege gekauert, trotzdem noch ein bisschen mond├Ąn, behauptest Dich tapfer gegen dicke Biertrinker. War das n├Âtig?

Eine andere Geschichte: Du. Immer wieder die Retterin/ Gerettete.
Kind auf dem Arm. Damals, in der alten Heimat, das Kind Deiner Schwester, die mit der unstillbaren Lust auf Leben, gestorben an der eigenen Gier?

Ein Geschenk an Dich. Dankbar solltest Du sein, in Deiner Kinderlosigkeit, die Kleine aufziehen zu d├╝rfen, die das kleine bisschen zuviel war.

Heute, in der Neuen Welt, Deine Enkelin/ Gro├čnichte. Du, die, alleine zur├╝ckgeblieben in dem neuen Altersleben ohne den treibenden Mann, eine Aufgabe braucht.

Eine Zugfahrt nach Norden, zur Gro├čtante, die vielleicht eine letzte Geschichte erz├Ąhlen kann ├╝ber Dich. Die damals dabei war, im Nebenzimmer, bei der Geburt, weil sie beim Menschen erleben wollte was sie so oft im Kuhstall und bei den Schafen gesehen hatte. Bilder, die nicht zusammenfinden konnten mit den Menschen in ihren Kleidern, mit Besteck in den H├Ąnden und auch nicht mit den Strumpfhaltern auf dem Nachttisch.

Am Bahnhof bin ich umgekehrt, wieder in den Zug gestiegen.
Vier Wochen sp├Ąter war sie tot, meine letzte Zeugin.

Dieses seltsame Hemmung, den Menschen die Andere zu sein.
Die fragt, die meint, die ist.
Die nicht nur zuh├Ârt, anpasst, erf├╝llt.

Einmal mehr bin ich zu sp├Ąt, um Dir zu begegnen.

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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hallo eva,
und ein herzliches willkommen in der ll.

ein st├╝ck prosa soll es sein, dein erstlingswerk.

mir scheint da ist sehr viel pers├Ânliches hineingewoben.
autor und erz├Ąhler sind m.e. dieselbe person.
wenn dem so ist geh├Ârte dieses st├╝ck eher ins tagebuch.
nun gut:

zu erst das offensichtliche
du hats eine eigenwillige rechtschreibung und orthographie.
vor allem das gro├čgeschriebene " du", wie man es nur in briefen tut, kommt sehr eigenwillig daher.

inhaltlich:
der erz├Ąhler kommt mir so vor als w├╝rde er/sie ein photoalbum betrachten und ihm k├Ąmen beim herumst├Âbern gedanken-bruchst├╝cke
zu der person "margarete", die wom├Âglich mutter oder oma sein k├Ânnte.

dieses bruchst├╝ckhafte erschert mir den zugang. kaum erhasche ich ein bild, zieht es auch schon wieder vorbei.

nichtsdetsotrotz sind da auch kleinode hineingewoben:

z.b.
"Aus deinem Leben nur kleine Augenblicke, die rauchigen Kneipen, Du dort am Tisch, verpackt in Dein L├Ącheln, verschanzt gegen die Lebenslust Deines Mannes. Heirate nie."

"Habe nie gute Worte geh├Ârt von Ihr ├╝ber Dich. Aber Deinen Tod hat sie uns vorgehalten wie eine Waffe."

das gef├Ąllt mir schon


lg
ralf

__________________
RL

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eva held
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2010

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Hallo Ralf,

danke f├╝r die Reaktion auf meine "Erstling", macht Mut, macht Spa├č. Tagebuch ist es nicht - freut mich aber dass es so authentisch daherkommt.

Orthografie - das "Du" war mir wichtig, um die Distanz - mehr noch die ├ťberh├Âhung der Angesprochenen durch die Erz├Ąhlerin zu betonen. Satzbau und Interpunktion - da steh ich jetzt mal dazu, denke aber dar├╝ber nach.

Photoalbum - vielleich ist der Text sogar eher eine Schachtel mit alten Fotos, das hat Du sehr gut getroffen. Es ist ein Ausschnitt aus einem Text an dem ich aktuell arbeite, denn ich habe mich entschieden mit etwas frischem, daf├╝r vielleicht auch ein wenig unreifen zu starten auf diesem gro├čartigen Portal.

Mal sehen ob ein Photoalbum und irgendwann mehr daraus wird...

Gru├č,

eva




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