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Leselupe.de > Kindergeschichten
Marie, die kleine Eisprinzessin
Eingestellt am 20. 09. 2015 22:08


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Ruedipferd
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Marie, die kleine Eisprinzessin

Marie war ein hĂŒbsches dunkelhaariges MĂ€dchen von sieben Jahren. Sie ging gerne zur Schule und lernte auch sehr gut. Maries grĂ¶ĂŸte Liebe aber galt dem Eiskunstlauf. Wie herrlich und glĂŒcklich fĂŒhlte sie sich doch, wenn sie ihr schwarzgoldenes EislaufkostĂŒm und ihre kleinen Schlittschuhe anziehen durfte! Über die weißen Stiefelchen trug sie goldene Schlittschuhschoner und ihr langes lockiges Haar band sie sich zu einem Pferdeschwanz zusammen, der, natĂŒrlich, von einem goldenen Band zusammengehalten wurde. Marie schwebte ĂŒber das Eis. Seit sie denken konnte, erhielt sie Eislaufstunden und fuhr dafĂŒr auch im Sommer viele Kilometer aus ihrer Heimatstadt zu den Eisbahnen in den Harz. Dort erwartete sie stets ihre Trainerin, die ihr ganzes Können aufbrachte, um Marie das Eiskunstlaufen zu lehren. Marie konnte ganz viele schwierige Schrittfolgen und bereits so schnell wunderschöne Pirouetten drehen, dass einem als Zuschauer dabei fast schwindelig wurde.

Ihre Mama begleitete sie und war immer an ihrer Seite, auch wenn Marie mal Kummer hatte. Und das kam in der letzten Zeit leider öfter vor. Die kleine Eisprinzessin beherrschte nĂ€mlich auch schon die wichtigsten SprĂŒnge. Nur, der Axel bereitete ihr Kopfzerbrechen. So sehr sich Marie auch abmĂŒhte, er wollte ihr nur selten gelingen. Und dabei machte sie doch alles richtig! Sie lief an, sprang ab und drehte sich eineinhalb Mal in der Luft. Aber dann, ja dann kam die Landung. Und die setzte nicht rechts rĂŒckwĂ€rts auf der Kufe auf, sondern meistens auf Maries Po. Irgendetwas fehlte da noch. Marie ĂŒbte und ĂŒbte und war ganz verzweifelt. Ihre Mama nahm sie dann in den Arm und versuchte sie zu trösten, aber auch das half nicht immer. Marie war einfach zu ehrgeizig. Sie wollte doch so gerne eine richtige Eisprinzessin sein und bei Wettbewerben gewinnen.

Nach einem anstrengenden Trainingstag, an dem ihr wieder der Königssprung nicht gelingen wollte, lag sie grĂŒbelnd im Bett. Marie hatte ein sehr schönes eigenes Kinderzimmer. Ihre hĂŒbschen Kleidchen hingen aufgerĂ€umt im Schrank und ihre Stofftiere passten wĂ€hrend der Nacht auf sie auf. An der Wand klebte eine niedliche himmelblaue abwaschbare Tapete. Was darauf zu sehen war? EisbĂ€ren, natĂŒrlich! Große und kleine weiße BĂ€ren, zum Teil nur mit ihrem Fell, aber andere waren auch schick angezogen. Doch das Besondere an den BĂ€ren, zu denen auch ganze Familien gehörten, war, dass alle Schlittschuhe trugen und in typischen Eislaufposen auf Marie herabschauten.
Die hatte ihren BĂ€renfreunden natĂŒrlich auch schon Namen gegeben und oft, wenn sie nicht einschlafen konnte, unterhielt sich Marie mit ihnen. Ihr bester Freund hieß Nanuk. Das ist eskimoisch und bedeutet in der Eskimosprache: EisbĂ€r. Nanuk war ein kleiner EisbĂ€renjunge, eingepackt in eine dicke hellblaue Winterjacke und ebensolchen Hosen. Auf dem Kopf trug Nanuk eine buntgestreifte PudelmĂŒtze und an den HĂ€nden gleichfarbige gestrickte Handschuhe.

Huch! Marie, die sich mal wieder ĂŒber ihre verpatzten TrainingssprĂŒnge Ă€rgerte und eigentlich den TrĂ€nen nah war, blickte gebannt auf ihre Tapete. Irgendetwas stimmte da nicht, an der Wand. Richtig, jetzt erkannte sie es! Nanuks PudelmĂŒtze fehlte. Wie konnte das geschehen? Marie suchte die ganze Tapete ab, aber nirgends war die MĂŒtze zu sehen. „Nanuk, wo hast du denn deine MĂŒtze gelassen? Es ist viel zu kalt, ohne Kopfbedeckung herumzulaufen. Auch fĂŒr einen EisbĂ€ren!“, rief sie aus. Nanuk schĂŒttelte traurig den Kopf. „Weiß nicht, hab ich wohl auf dem Schulweg verloren“, meinte er.

Marie ĂŒberlegte einen Moment. Sie schaltete ihre Nachttischlampe mit den vier Feen auf dem Lampenschirm an, sprang aus dem Bett und öffnete ihren bunten Schulranzen. Mit geĂŒbter Hand fand sie, was sie suchte. Sie zog ihre Federtasche heraus und in wenigen Minuten malte sie ihrem BĂ€renfreund Nanuk eine neue MĂŒtze. Zufrieden besah sich Marie einen Augenblick spĂ€ter ihr Werk. Ein paar OhrenschĂŒtzer waren auch noch dazugekommen. „Ich will mich ja nicht loben, aber die sieht jetzt fast noch hĂŒbscher aus, als die Alte. Nun verlier sie nicht wieder“, sagte sie. Schnell holte sie einen Spiegel aus der Kommode und hielt ihn Nanuk vor. „Geil“, rief der spontan aus. „Danke, Marie. Hast was gut bei mir. Meine Mama hĂ€tte bestimmt geschimpft, wenn sie mich morgen frĂŒh ohne MĂŒtze gesehen hĂ€tte.“ „Nicht der Rede wert. Wir sind doch Freunde!“, lachte Marie. Sie packte schnell ihre Federtasche wieder in den Schulranzen, wĂŒnschte Nanuk eine gute Nacht und löschte das Licht. Ein paar Minuten spĂ€ter schlief sie tief und fest.

Der Mond war aufgegangen und blickte zĂ€rtlich auf Marie herab. „Lieber Mond“, sagte Nanuk, „ich möchte mich bei Marie bedanken. Kannst du mir nicht helfen? Sie wĂŒnscht sich so sehr, den Axel richtig springen zu können.“ Der Mond war nicht von gestern und hatte das Dilemma schon lange mitbekommen. „Es ist im Grunde gar nicht so wichtig, ob sie ihn springen kann. Wichtig allein ist ihr gutes Herz, und das hat sie gerade bewiesen. Als sie dir eine neue MĂŒtze gemalt hatte, war der vermaledeite Sprung völlig vergessen. Vielleicht springt sie ihn leichter, wenn sie ihn nicht mehr so wichtig nimmt. Außerdem ist sie doch noch viel zu klein. In ein paar Jahren, wenn sie mit ihrer Trainerin fleißig geĂŒbt hat, lacht sie darĂŒber. Dann wird sie ihn in der einfachen Form sicher stehen und bereits doppelt beginnen.“ Nanuk stöhnte auf.

„Heißt das etwa, dass alles in zwei oder drei Jahren wieder von vorne anfĂ€ngt, weil sie die SprĂŒnge dann alle mit mehreren Umdrehungen versuchen wird? Oh, nein. Das wĂŒrde mir das Herz brechen. Dann sehe ich sie ja nur noch weinen. Lieber Mond, sag, dass das nicht wahr ist!“, rief Nanuk verzweifelt. Er mochte Marie so sehr und konnte es nicht ertragen, wenn seine kleine Freundin traurig war. Der Mond atmete laut aus.

„Doch, Nanuk. Das hat aber nichts mit dem Eiskunstlaufen zu tun. Das ganze Leben ist eine stĂ€ndige Herausforderung. Kaum hat man etwas geschafft, kommt schon die nĂ€chste Aufgabe. Noch geht Marie zur Schule. Sie muss Klassenarbeiten schreiben und irgendwann steht die PrĂŒfung zum Abitur an. Aber auch danach kann sie sich nicht ausruhen. Sie will vielleicht studieren und muss einen Beruf lernen. NatĂŒrlich findet sie auch einen Mann und heiratet. Sie bekommen Kinder, ja Nanuk, das Karussell des Lebens dreht sich immer weiter. Marie braucht etwas, das ihr hilft, auch in schwierigen Augenblicken nicht den Mut zu verlieren und wieder neue Hoffnung zu schöpfen.“ „Ja, Mond, aber was?“ Nanuk schluchzte nun auch.

Plötzlich wurde es ganz hell im Kinderzimmer. Vier wunderschöne Feen lösten sich vom Lampenschirm und tanzten in ihren langen wallenden Kleidern durch den Raum. Sie hielten ZauberstÀbe in den HÀnden und sangen. Nanuk konnte das Lied erst nicht verstehen, aber dann wurde der liebliche Feengesang deutlicher.

„Ein Talismann fĂŒr die kleine Eisprinzessin macht vergessen allen Kummer und alle TrĂ€nen! Mit einem Talismann wird sie die SprĂŒnge irgendwann sicher stehen“, ertönten die vier Stimmen. Jede Fee nahm ihren Zauberstab und zog glitzernde Kreise durch die Luft. Das durchsichtige Bild eines kleinen goldenen EisbĂ€ren an einer ebenso goldenen Kette erschien ganz kurz in der Mitte des Zimmers. Eine Fee nach der anderen segnete das Bild und die schlafende Marie:

„GlĂŒck und Gesundheit“, rief diejenige, die ein hellblaues Kleid trug. „Ein reines Herz und reichlich Verstand“, die zweite, im gelben Kleid. „Mut und Kraft“, sang die dritte, ganz in Rot gekleidet. „Leichtigkeit und Fröhlichkeit, Hoffnung, Vergessen und Verzeihen“, sang die letzte Fee, die in ihrem schneeweißen Ballkleid zu Marie hinĂŒberflog und ihr einen Kuss auf die Wangen hauchte.

„Du wirst eines Tages eine schöne und erfolgreiche Eisprinzessin sein, kleine Marie. Nimm den BĂ€ren und trag ihn bei jedem Wettkampf um den Hals. Er wird dich nicht nur beschĂŒtzen, sondern immer daran erinnern, dass es Wichtigeres im Leben gibt, als einen sportlichen Sieg.Eine MĂŒtze im Winter ist mehr wert, als eine Goldmedaille, denn die hĂ€lt dich nicht warm. Aber du wirst bei deinem Ehrgeiz auch genug Medaillen bekommen, warte es nur ab und ĂŒbe fleißig weiter. Die Voraussetzungen dafĂŒr bringst du selber mit, und alles, was du sonst noch brauchst, hast du jetzt von uns bekommen. Auf Wiedersehen, kleine Prinzessin Marie!“ „Auf Wiedersehen, Marie“, riefen auch die anderen drei Feen und flogen eine nach der anderen wieder in den Lampenschirm zurĂŒck. Nanuk staunte.

„Und woher bekommen wir jetzt einen goldenen EisbĂ€ren an der Kette?“, fragte er den Mond. „Warte es nur ab, und nun schlafe, Nanuk, mit der warmen MĂŒtze!“, antwortete der und zog sich lĂ€chelnd und strahlend wieder an den Sternenhimmel zurĂŒck.

Als Marie am nĂ€chsten Morgen aufwachte, dachte sie an ihren Traum. Nanuk fiel ihr ein, die fehlende MĂŒtze und da waren noch der Mond und die vier Feen von ihrem Lampenschirm gewesen. Sie blickte zur Tapete. Nanuk lachte sie in seiner neuen gemalten MĂŒtze fröhlich an. Sie wollte gerade aufstehen, da sah sie ein kleines PĂ€ckchen auf ihrem Nachttischchen. Daneben lag eine Karte. Verwundert las Marie von den Gaben, die ihr die vier Feen wĂ€hrend ihres Schlafes geschenkt hatten. Aufgeregt, mit zitternden HĂ€nden, öffnete sie ganz vorsichtig das PĂ€ckchen. Ein kleiner goldener EisbĂ€r an einer ebenso goldenen Kette lag darin. Marie konnte kaum sprechen. Sie schaute auf Nanuk. Die beiden BĂ€ren hatten etwas Ähnlichkeit miteinander. Aber, das war doch alles nur ein Traum gewesen?

„Marie, SchĂ€tzchen, du musst zur Schule. Aufstehen!“, rief ihre Mutter plötzlich und stand im Zimmer. „Mama, schau mal, was die Feen und Nanuk mir geschenkt haben!“ Marie schaute ihre Mutter fassungslos an. Die lĂ€chelte vielsagend. „Dann wollen wir dir mal deinen neuen Talismann um den Hals binden. Pass gut auf ihn auf. Er wird dich auf allen deinen Wegen begleiten und sich mit dir freuen, wenn du dich freust, und dich trösten, wenn’s mal nicht so lĂ€uft. Denke dann einfach an Nanuks MĂŒtze“, meinte die Mutter.

Marie trug ihren Talismann spĂ€ter bei jedem Wettkampf, den sie bestritt. Bevor sie auf die Eisbahn lief, rieb sie Nanuk und kĂŒsste ihn. Sie wusste, er war immer bei ihr. Wenn sie gewann und aufs Siegertreppchen steigen durfte, freute sie sich. Leider gab es, wie ĂŒberall und immer im Leben, auch fĂŒr Marie Momente, da klappte gar nichts und sie hĂ€tte sich am liebsten ins nĂ€chste Mauseloch verkrochen. In so einem Augenblick lachte sie nur, dachte an ihre Malstunde auf der Tapete, an die Worte der letzten Fee und schmunzelte: Axel hin, Axel her, es gibt wirklich Schlimmeres, als einen Sprung zu versemmeln! – Ein EisbĂ€r ohne MĂŒtze!

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