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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Marikati
Eingestellt am 29. 04. 2005 22:18


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sohalt
Routinierter Autor
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Wer wei√ü, sagte Marikati, vielleicht ist es kein Zufall, dass wir uns hier begegnen, dass du hier nicht f√ľnf Minuten sp√§ter lang gekommen bist und nicht f√ľnf Minuten fr√ľher. Vielleicht will dir das Schicksal damit etwas sagen.


Durch sie n√§mlich. Marikati ist wohl so was wie ein Medium. Sie hatte mich vor der Uni abgepasst, um mir zu verk√ľnden, dass sie mir etwas Wichtiges mitzuteilen h√§tte. Da wusste ich ihren Namen noch nicht, ich hatte sie nie zuvor gesehen. Sie war 2 K√∂pfe kleiner als ich, sie hatte gro√üe, dunkle Augen, ein altersloses, herzf√∂rmiges Gesicht und eine Warze am Haaransatz und redete in einem singenden Tonfall auf mich ein. Sie behauptete, in meinen Augen lesen zu k√∂nnen. Dass da ein Ungl√ľck w√§re hinter der Zufriedenheit, eine Blockade, ein Ziel, dass ich einfach nicht erreiche, ein gro√üer Druck. Sie w√ľsste, was ich √§ndern muss.
Ich glaubte ihr kein Wort und fragte mich, wie ich ihr erklären sollte, warum ich dann immer noch bei ihr stand.
Meine Vorlesung begann in 5 Minuten.
-Ich muss weg, und au√üerdem, was willst du √ľberhaupt, mir irgendwelche Tarot-Karten andrehn, oder was?
An die Karten glaube sie selbst nicht, nein, sie w√ľrde mir erst meine Vergangenheit erz√§hlen, dann k√∂nnte ich selbst entscheiden, wie viel ich ihr geben will. Es klang nach einem fairen Deal.
Ich lese sonst nicht mal Horoskope.
Ich wusste, dass mich die kleine Wahrsagerin f√ľr dumm verkaufen wollte, aber mir war es egal. Ich brauchte einen Grund, um Statistik zu schw√§nzen, und au√üerdem war da diese Stimme in meinem Kopf, die mich best√§ndig aufhusste: Komm schon, mach mal was Irrationales, Rational ist langweilig ‚Äď los!

Ich schleppte sie also in ein Caf√© 2 Stra√üen weiter und h√∂rte mir an, was sie zu sagen hatte. Dazwischen stellte ich ihr einige Fragen, wie sie hie√ü, wo sie herkam, wie sie zu diesem Beruf gekommen w√§re und worin genau er eigentlich best√§nde. Und was der Spa√ü kosten sollte, nat√ľrlich. Ich erfuhr, dass man das Wahrsagen nicht lernen kann: Marikati hatte es von ihrer Gro√ümutter geerbt. Ihr Vater war Grieche, ihre Mutter Italienerin, als Marikati 9 war, hatte sie ihre Begabung entdeckt, sie sagte nicht nur die Zukunft voraus, sie half anderen Leuten, das war ihr Beruf. Sie lebte nicht in dieser Stadt, sie war nur heute hier, wegen einer krebskranken Frau. Gew√∂hnlich gaben ihr die Leute 30 Euro, aber ich sollte mir erst anh√∂ren, was sie zu meiner Vergangenheit zu sagen h√§tte, dann w√ľrden wir weitersehen.
30 Euro sind mir sowieso zu teuer, dachte ich, aber lass sie ruhig raten, mal schauen, ob sie’s trifft.
Ich lud sie auf ein Getränk ein, sie bestellte sich einen kleinen Schwarzen. Du musst mir jetzt in die Augen schauen, sagte sie.
Sie haute gleich bei der Einleitung so kräftig daneben, dass ich sagte, tut mir leid, schon verspielt. Aber ich ließ sie trotzdem noch ein wenig weiter erzählen. Sie sprach sehr leise und sehr schnell.
Es muss nicht unbedingt sein, dass sie mich f√ľr dumm verkaufen will, dachte ich, auch wenn sie vielleicht nicht einmal selbst daran glaubt. Sie hat einfach nur eine gute Menschenkenntnis, sie hat gesehen, dass ich unsicher bin, und nicht wei√ü, was werden soll und sie will mir jetzt erz√§hlen, wie alles gut wird, damit ich mich besser f√ľhle.
Und sie deckt mich ein mit ihren Sing-Sang, sie h√ľllte mich armes, anf√§lliges, waidwundes Ding in einen Kokon aus tr√∂stlichen Zukunftsvorhersagen, alles wird gut, du wirst lange leben (warum schreie ich so erschrocken ‚ÄěNein!‚Äú als sie mich fragt, ob ich wissen will wie lange genau, wenn ich ihr doch sowieso nicht glaube?), ich werden einen Mann haben, und 2 Kinder, nie reich sein, aber zufrieden, ist das nicht das liebe, kleine Leben, dass wir uns alle w√ľnschen, gelegentlich? Da ist jemand, der dich liebt, er wei√ü nur noch nicht, ob du die Richtige bist, du f√ľhlst dich einsam, aber du bist es gar nicht.
Ich √ľberlegte mir, dass ich eigentlich doch in Statistik gehen sollte, noch w√ľrde es sich auszahlen. Das, was Marikati da erz√§hlte, war vielleicht interessanter als die Rechenregeln f√ľr Standardabweichungen, aber im Gegensatz dazu nicht klausurrelevant. Und dann dachte ich mir, dass es mir eigentlich doch nicht egal war, f√ľr dumm verkauft zu werden. Eigentlich hasste ich es. Nicht die Leute, die es versuchten, das fand ich legitim. Es gibt nichts, was so sehr danach schreit, ausgen√ľtzt zu werden, wie Dummheit. Nein, ich hatte nichts gegen die kleine Wahrsagerin pers√∂nlich, aber ich hielt es keine Sekunde mehr neben ihr aus.

Ich ging, ohne sie zu bezahlen. Sie war nicht beleidigt, eher traurig. Wenn du mir nicht glaubst, kann ich nichts machen, sagte sie.

Als ich im H√∂rsaal sa√ü, bereute ich es schon wieder. Es h√§tte so viele andere Dinge gegeben, die man mit ihr bereden h√§tte k√∂nnen: Ob man mit der Wahrsagerei seinen Lebensunterhalt verdienen kann, wie die Leute durchschnittlich auf sie reagieren, woher sie den Mut nimmt, wildfremde Leute auf der Stra√üe anzusprechen. Und wie sie so lebt. Es w√§re bestimmt spannend gewesen, sie, die sie sonst immer nur anderen Leuten √ľber deren Leben erz√§hlt, √ľber ihr eigenes Leben erz√§hlen zu lassen. Einen Moment spielte ich sogar mit dem Gedanken, dass ich nachher selbst versuchen h√§tte k√∂nnen, ihr die Zukunft vorherzusagen. Und eins, eins h√§tte mich wirklich brennend interessiert: Wieso sie mich ausgesucht hatte.

Zuerst war mir das √ľberhaupt kein R√§tsel gewesen, die K√∂rpersprache verr√§t viel √ľber einen Menschen, gerade die Unsicherheit, die ihn zum geeigneten Opfer f√ľr Hokus-Pokus macht. Und da ich genau gar nicht darauf achte, wie mein Auftreten auf andere wirkt, verr√§t meine mich wahrscheinlich eins zu eins.

Aber dann dachte ich dar√ľber nach. Eines n√§mlich war seltsam: Gerade in diesem Moment, in dem mich Marikati angesprochen hatte, war ich au√üergew√∂hnlich zuversichtlich. Ich war gerade mit 2 Studienkolleginnen, W. und N. in der Mensa essen gewesen, wir hatten viel gelacht und ich dachte daran, wie gern ich die beiden eigentlich hatte. Was beschwerst du dich √ľberhaupt, sagte ich mir, noch funktionieren die Verdr√§ngungsmechanismen tadellos und der Rest klappt doch wunderbar. Es war warm und hell und bald Wochenende und selbst in der Stadt roch es nach Gras. Drohende Freibadsaison hin oder her, ich liebe den Fr√ľhling, dachte ich.

Schon lange war ich nicht mehr so beschwingt gegangen

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Blackmail
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Schriftsteller-Lehrling

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Ich bin wirklich entt√§uscht wenn nicht gerade emp√∂rt... das war ein echt geiler Vorspiel ohne Sex... ich f√ľhle mich von dir voll verarscht...

Gesichte? Kurzgeschichte? Das ist keine Gesichte mein Freund, das lediglich eine Bestandsaufnahme...

na ja du kannst das sicher besser...
BLACKMAIL

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Wer kämpft, kann verlieren, doch wer nicht kämpft,hat bereits verloren.

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sohalt
Routinierter Autor
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Stimmt. Es mangelt tatsächlich etwas an Action. Wahrscheinlich das falsche Unterforum.

lg
deine FreundIN
sohalt

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xzar
Guest
Registriert: Not Yet

hallo sohalt,

also mir fehlt hier was. der schluss kommt ohne logischen zusammenhang. er rundet die geschichte nicht ab. hat es dich einfach nicht mehr gefreut weiter zu schreiben? dabei hat die geschichte was, finde ich, und du schreibst auch fl√ľssig und angenehm lesbar.

mach doch noch was draus.

lg
co

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