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Leselupe.de > Kurzprosa
Marionetten
Eingestellt am 11. 01. 2009 03:41


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HerrSommer
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2003

Werke: 7
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Man k├Ânnte da doch ein riesiges Marionettentheater hineinbauen, Du wei├čt schon, mit 3 Meter gro├čen Puppen, die man von oben bedient. Sagte er und blickte versonnen nach gegen├╝ber in das Schaufenster des trostlos und schlecht beworbenen Ladens. Sicherlich hielt er das f├╝r eine ziemlich gute Idee, dachte sie und fragte sich, an ihre Erlebnisse des heutigen Arbeitstages denkend, was wohl los war.
Sie hatte sich, gut aufgestellt, wie sie geglaubt hatte, pl├Âtzlich in einem Sog voller Unverst├Ąndnis, Intrigen, zwischenmenschlicher K├Ąlte und gro├čer Betroffenheit wieder gefunden und sie war noch immer verwirrt, weil sie noch keine Antworten auf ihre Fragen gefunden hatte. Eigentlich wusste sie gar nicht genau, was sie denken und f├╝hlen sollte und so sa├č sie gegen├╝ber von diesem riesigen Schaufenster und sinnierte ├╝ber dem irren Kn├Ąuel unfertig gedachter Fragen und dem erdr├╝ckenden Gef├╝hl des Alleingelassenseins mehr ├╝ber sich und den noch nicht vergangenen Tag. Sie hatte vor lauter Verwirrtheit und Entt├Ąuschung keine Antenne f├╝r ihn und sein komisches Verhalten. Es war ihr nicht bewusst, was um sie herum passierte, sie redete wirres Zeug und verstrickte sich in einen monotonen Redeschwall ├╝ber offensichtlich Unwichtiges und noch nicht einmal lustig Dahergesagtes.
Sie nahm dabei nicht wahr, wie sie sich in eine Spirale von Oberfl├Ąchlichkeit hinein katapultierte, wie sie ihn mit jedem Wort ein St├╝ck mehr von sich wies und ihn immer mehr verlor, so sehr war sie mit sich selbst und den Erlebnissen ihres Arbeitstages besch├Ąftigt.
Er sa├č da, neben ihr, spielte das Spiel mit, unerkennbar, was in ihm vorging. Er gebot ihr keinen Einhalt, war genauso in sich und seinen eigenen Kummer versunken wie sie.
Wie fremd sie sich waren. Noch vor kurzem hatten sie sich, in stockenden, unbeholfenen Andeutungen, ihre Liebe gestanden, einander in verzweifeltem Mut glaubhaft versichert, dass sie es noch einmal miteinander versuchen wollten. Er hatte eine schwere Zeit vor sich und beide waren sich einig, dass er erst die Dinge hinter sich lassen musste, bevor sie, beide vorsichtig und verletzt, einen Neuanfang wagen wollten.


Alles, was sie danach noch von ihm gesehen hatte, war eine kurze Nachricht, in der er ihr deutlich ├╝ber sein Elend schrieb und dar├╝ber, dass er es nicht ├╝berspielen konnte. Er entschuldigte sich daf├╝r.
Seitdem gr├╝belte sie. Sie hatte nichts mehr von ihm geh├Ârt, ihre Emails gepr├╝ft und auf ihr Telefon gestarrt.
Sie hatte versucht, ihm zu schreiben, Trost zu spenden, f├╝r ihn da zu sein, ihm alles zu erkl├Ąren. Aber die richtigen Worte wollten sich nicht finden lassen und so hatte sie an diesem Morgen seufzend zu ihrem besten Freund gesagt, Ich kann nichts f├╝r ihn tun, er muss da durch. Und sie hoffte, dass sie Recht hatte.
Sie hatte ihm doch noch eine Karte geschickt, einen kurzen, melancholischen Text dazu verfasst und danach beschlossen, ihn in Ruhe zu lassen. Keine weitere Kontaktaufnahme.
Ihn loslassen.

Damit er wiederkommen konnte.

__________________
HerrSommer

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