Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92266
Momentan online:
61 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Marleben
Eingestellt am 30. 09. 2007 21:40


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Daunelt
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2007

Werke: 37
Kommentare: 68
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Daunelt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Marleben


Jetzt bin ich seit vier Wochen hier in Marleben, und es ist wie ein einziger Tag. Schwester Martina hat im Krankenhaus die Entlassungspapiere ausgef├╝llt, mich in ihr kleines Auto gesetzt und mit hierher in ihr Haus genommen, das sie mit schweigsamen Verwandten bewohnt.

Eine kurze Zeit nur und ich kann wieder umhergehen, Fragen stellen, die nicht beantwortet werden und ruhig neben Martina sitzen, wenn sie nach Feierabend am Kamin strickt.

Nachts ├╝brigens schlafe ich neben ihr, freilich ohne sie zu ber├╝hren, und sollte ich doch einmal zu nahe kommen, r├╝ckt sie von mir ab. Manchmal scheint sie mir, scheint der ganze Ort eine Illusion zu sein, und ich bewege mich vorsichtig nach den von ihr aufgestellten Regeln, um das Bild nicht zu zerst├Âren.

Am Tag, meine Schwester bezieht im Krankenhaus Betten und verteilt Medizin, gehe ich durch Marleben, durch den September, bis zur D├Ąmmerung. Die Menschen sind nicht feindselig und nicht freundlich, sie sehen durch mich hindurch. Aber ich f├╝hle mich geborgen, und wie um eine Erinnerung mitzunehmen, vergrabe ich mich im R├╝benhaufen, im Schweinefutter, in den Hundefellen, im Kr├Ąhengeschrei, im Nebel.

Abends weint Martina manchmal, doch ich kann sie nicht tr├Âsten, mir ist der Hals wie zugeschn├╝rt. Meine Hand, die ihr Haar streicheln m├Âchte, scheint gel├Ąhmt, ich schweige sie an.

In solchen Momenten ist mir, als m├╝├čte ich Marleben verlassen und nur aus Mitleid sagt es mir niemand. Oft sehe ich mich auf den schmalen, schnurgeraden Stra├čen, die zu Orten mit merkw├╝rdigen Namen f├╝hren, nach Lanze, Prezelle, nach Waddeweitz und anderswohin und doch immer nur im weiten Bogen nach Marleben zur├╝ck, wo Schwester Martina kopfsch├╝ttelnd im Tor steht und mich erwartet.

Nach solch ersch├Âpfender Wanderung bringt sie mich rasch zu Bett und dabei nehme ich berauscht den Duft ihrer Haut wahr und wie beil├Ąufig ber├╝hrt mein Ellbogen ihre H├╝fte.



(Marleben und die anderen angef├╝hrten Orte sind kleine D├Ârfer im nieders├Ąchsischen Wendland)

__________________
Die Aufgabe des Dichters ist nicht, Wege aufzuzeigen, sondern Sehns├╝chte zu wecken (Hermann Hesse)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


vexierbild
Guest
Registriert: Not Yet

eine h├╝bsche kleine Minigeschichte. Ein Augenblick von Gef├╝hlen, ansprechend r├╝bergebracht.

Ein paar s/├č/ss _fehler gibt's, z.B. erster Absatz da├čdas!

Ansonsten gut.
LG Heri

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Daunelt,

f├╝r mich ist der Text "rund". Seine Schwester ist Schwester und man (ich) kann so viel zwischen den Zeilen lesen. Solche Texte gefallen mir, wenn sie mir Raum geben f├╝r eigene Interpretationen, f├╝r meine Phantasie.
Bitte lass ihn so.

Lieben Gru├č
Franka

Bearbeiten/Löschen    


Daunelt
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2007

Werke: 37
Kommentare: 68
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Daunelt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, ihr Lieben !

Danke f├╝r Eure freundlichen Reaktionen auf den Text "Marleben". Er ist entstanden, als ich am zweiten Tag eines Urlaubs im Wendland (das ich sehr liebe), nach L├╝chow ins Krankenhaus mu├čte. Wenn ich versuchen soll, den Text zu interpretieren: eine - leibliche - Schwester bedeutet f├╝r mich (der ich selbst leider keine habe)immer Schutz, Geborgenheit, N├Ąhe und Liebe. Dies erf├Ąhrt der Mann in der kleinen Geschichte, er bewegt sich, krank und schwach, in einer wundersch├Ânen Landschaft, in einer wundersch├Ânen Jahreszeit, besch├╝tzt von einer Frau, die ihm nahe ist und doch wieder nicht. Die Grenzen, ob es nun eine (Kranken-)Schwester ist oder seine wirkliche Schwester, verwischen sich f├╝r ihn. Die Geschichte kann eigentlich nicht weitergehen. Ob er gesund wird, ist fraglich. Was die Intension der Frau ist, bleibt unbekannt. Es bestehen latente sexuelle W├╝nsche (seinerseits), aber die wird er nicht ausleben k├Ânnen, sein Leben ist eine Illusion, vielleicht ist all das nur ein Fiebertraum im Krankenhausbett.

Ein sch├Ânes Wochenende w├╝nscht Euch

Daunelt
__________________
Die Aufgabe des Dichters ist nicht, Wege aufzuzeigen, sondern Sehns├╝chte zu wecken (Hermann Hesse)

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!