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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Martin Pohlmann rettet ein Kind
Eingestellt am 10. 04. 2019 11:42


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RobertMarkus
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Martin Pohlmann rettet ein Kind

    Vor drei Monaten war im Mietshaus, in dem er wohnte, ein Feuer ausgebrochen. Mitten in der Nacht hatte ein Fernseher im achten Stock beschlossen zu implodieren und in kürzester Zeit standen fünf Stockwerke in Flammen. Martin Pohlmann hatte von all dem nichts bemerkt, weil die Ladung Valium, die er geschluckt hatte, gerade das Wirkungsmaximum erreicht hatte. Valium war nötig gewesen, weil das Kokain, das er regelmäßig nahm, ihn zu sehr aufputschte. Erst als die Feuerwehr die Tür zu seiner Wohnung aufbrach und ihn tief schlafend im Bett vorfand, sorgte das Schicksal dafür, dass sein Leben die entscheidende Wende vom angehenden Räucherschinken zum Helden von Seite 1 machte: Den Feuerwehrleuten gelang es Martin zu wecken.
    Kurz darauf begleitete ihn einer der Männer auf dem Weg vom sechsten Stock ins Erdgeschoss. Als sie im dritten Stockwerk angekommen waren, erhielt der Feuerwehrmann über sein Funkgerät die Meldung, er werde dringend in den oberen Etagen gebraucht. Martin blieb auf der Treppe allein zurück und war kurz davor, sich vor Angst in den Pyjama zu machen. Wäre Martin durch das Valium nicht so benommen gewesen, hätte er bemerkt, dass die unteren Stockwerke bei weitem nicht so verraucht waren und dass der Weg ins Freie ein Kinderspiel war. In seinem aktuellen Zustand war er aber nur ein Häufchen Elend. Doch dann kam der kleine Renas Khayat die Treppe heruntergestolpert. Renas Khayat lebte auf derselben Etage wie Martin Pohlmann und hatte am Nachmittag mit seinen Eltern und ein paar Freunden seinen sechsten Geburtstag gefeiert. Doch jetzt waren die Eltern von Renas weit und breit nicht zu sehen und einen Feuerwehrmann hatte er auch nicht in Begleitung. Er musste den ganzen Weg alleine hinunter gegangen sein. Wahrscheinlich hatte ihn die Feuerwehrtruppe einfach übersehen. Jedenfalls geschah das Unglaubliche: Renas Khayat, sechs Jahre, nahm Martin Pohlmann, zweiunddreißig Jahre, bei der Hand und führte ihn zielstrebig hinab zum Erdgeschoss. Während Martin Rotz und Wasser heulte, versuchte ihn der Junge zu beruhigen und fragte ihn, ob er auch seine Mama verloren habe. Im Erdgeschoss angekommen sah Martin die offene Haustür und stürmte los. Mittlerweile hatte sein Körper genügend Adrenalin produziert, um das Valium nahezu wirkungslos zu machen und jetzt war er nur noch von einem Gedanken beseelt: Er wollte aus dem gottverdammten Haus heraus. Als Anhängsel zog er den kleinen Renas Khayat hinter sich her, der einfach nicht seine Hand loslassen wollte, so sehr Martin sich auch darum bemühte.
    Plötzlich stolperte er ins Freie und spürte die kühle Nachtluft in seinen Lungen. Draußen. Leichter Applaus brandete auf und steigerte sich langsam zu einem Orkan. Er sah sich um und ihm wurde bewusst, was passiert war. Eine Schar der Schaulustigen feierte ihn als Helden, der aus der Flammenhölle einen kleinen Jungen gerettet hatte. Keinem war aufgefallen, dass er noch vor einem Moment alles daran gesetzt hatte, sich von dem Quälgeist loszureißen. Er nutzte die Gunst der Stunde und riss den kleinen Renas in die Luft und setzte ihn auf seine Schultern. Ein Foto von diesem Anblick fand sich tags darauf auf jeder Titelseite der Stadt. Während er der Menge zuwinkte, bedankte er sich bei Renas mit einem leise geflüsterten „Danke, Junge.“ Bei der von ihm selbst verfassten Story über die „Heldentat bei der Brandkatastrophe“ war allerdings aus dem „Danke, Junge“ ein „Danke, Onkel.“ geworden und nicht er hatte die Worte gesagt, sondern das Kind. Außerdem stellte er bei dieser Gelegenheit auch noch ein paar andere Dinge über den Vorfall richtig.

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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Hallo RobertMarkus,

mit der Entscheidung, die Geschichte überwiegend im Plusquamperfekt zu erzählen, bringst Du übermäßig viele Hilfsverben ins Spiel, die dem Text nicht guttun.

quote:
Martin Pohlmann hatte von all dem nichts bemerkt, weil die Ladung Valium, die er geschluckt hatte, gerade das Wirkungsmaximum erreicht hatte.
Der Text wird von zu vielen hatte und war verwässert, und das finde ich schade, denn die Geschichte an sich ist gut. Zudem könnte man einige Füllwörter wie auch und noch eliminieren, denn die braucht es meistens nicht.
quote:
hatte ein Fernseher im achten Stock beschlossen zu implodieren
Mit Sicherheit nicht – diese Formulierung finde ich zu flapsig.

Nicht ganz klar komme ich mit dem Rettungseinsatz: Der Fernseher implodiert im 8. Stock, Pohlmann wohnt im 6., fünf Stockwerke stehen in Flammen – also der 8. – 4.? Pohlmann wird also durch die brennenden Stockwerke 6 – 4 geleitet? Hm … Und der kleine Rhenas läuft allein durchs Feuer? Das klingt für mich nicht ganz stimmig. Vielleicht könnte man aus dem „in Flammen stehen“ eher einen Schwelbrand mit hohem Rauchaufkommen machen.

Soweit meine ersten Gedanken zu dieser Geschichte, die mir grundsätzlich gut gefällt.

Gruß Ciconia



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