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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Masken
Eingestellt am 31. 03. 2001 09:58


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Nyxon
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2001

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Maskenbus - Episode 1

Stefan Richter war neunundzwanzig Jahre alt und arbeitete bei einer kleinen Kanzlei in M├╝nchen. Er studierte Jura und war mittlerweile Dozent bei einem renommierten Anwalt. Sein Monatsgehalt war durchschnittlich, er war ledig und hatte zur Zeit keine feste Freundin. Sein Bruder lebte seit zehn Jahren in dieser Stadt und Stefan besuchte ihn mindestens einmal im Jahr. Wenn es seine Arbeit zulie├č, auch mehrmals. Stefan war mit seinem Leben vollends zufrieden. Er hatte mit fast drei├čig alles erreicht, was er angestrebt hatte. Er hatte einen tollen Job, wohnte in einer schicken Eigentumswohnung im Herzen von M├╝nchen und er hatte Kontakt zu vielen m├Ąchtigen Menschen.

Stefan Richter f├╝hlte sich unwohl in diesem grauen Anzug. Er war gesch├Ąftlich in diese Stadt gekommen und mu├čte den Anzug notgedrungen auf der Fahrt tragen. Was h├Ątte es f├╝r ein Bild abgegeben, wenn er im Zug eine Jeans und einen Rollkragenpullover getragen h├Ątte? Wenn nun jemand in das Abteil gekommen w├Ąre, der ihn kannte? Vielleicht ein Gesch├Ąftsfreund. Ein einziger Blick auf seine Kleidung und man h├Ątte Stefan Richter sofort eine Schublade tiefer verfrachtet. Das konnte er sich nicht leisten. So etwas w├╝rde er sich nicht leisten.
Er hatte den Anzug bei einem Schneider anfertigen lassen. Der Stoff war voller Reinheit und Sch├Ânheit. Stefan hatte viele hundert Mark f├╝r ihn ausgegeben. In den Momenten der Freude, dachte Stefan oft daran, was ihm dieser Anzug bereits alles eingebracht hatte.
Als er von seinem jetzigen Vorgesetzten die Frage gestellt bekam, ob er nicht als Dozent f├╝r ihn arbeiten wolle, hatte er diesen Anzug getragen. Und er hatte ihn getragen, als er sein B├╝ro im vierten Stock der Kanzlei bezog. Erst hatten ihn alle als Assistenten bezeichnet, doch der Anwalt hatte es richtiggestellt. Nun hatte Stefan viele Freunde in der Kanzlei. Er ging mit ihnen essen, spielte gelegentlich Golf mit ihnen und ihren Bossen. Er hatte auch schon einmal eine gro├če Konferenz im Ausland mitmachen d├╝rfen. Er hatte mit diesem Anzug wirklich vieles erreicht, was er sich fr├╝her nur ertr├Ąumt hatte.
Aber er hatte auch schlechte Zeiten in diesem Anzug erlebt. Zum Beispiel der gro├če Brombeerfleck auf der Hose. Er war nur sehr schwer wieder herausgegangen. Die W├Ąscherei hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Doch Stefan hatte ihnen den doppelten Preis geboten, wenn sie nur den Fleck herausbekommen k├Ânnten und es hatte geklappt! Doch die Erinnerung an die Entstehung des Flecks sa├č tief.

Das Brombeereis hatte vorz├╝glich geschmeckt. Sabine hatte ihm gegen├╝ber gesessen und einen gro├čen Cappuccino getrunken. Sie waren sehr gl├╝cklich gewesen. Sie hatten eine feste Beziehung gef├╝hrt. Sabine war drei Jahre j├╝nger als er gewesen und sie wollten zusammenziehen. Stefan hatte bereits einen teuren Verlobungsring beim Juwelier gekauft. An diesem einen Tag im Sommer hatte er sie fragen wollen. Er hatte die Unterhaltung mit allgemeinen Dingen angefangen. Freunde hatten sie zum Essen eingeladen. Er sollte f├╝r den Anwalt anfangen. Und er mu├čte daf├╝r von Stuttgart nach M├╝nchen umziehen. Das hatte er Sabine erz├Ąhlt und sie war gar nicht begeistert gewesen. Sie arbeitete in einer Praxis f├╝r Allgemeinmedizin und war ebenfalls gl├╝cklich in ihrem Job.
Stefan hatte sie nach M├╝nchen mitnehmen wollen. Daf├╝r h├Ątte sie jedoch ihre Arbeit in der Praxis niederlegen m├╝ssen. Sabine hatte es nicht gewollt. Stefan fragte sie, was wohl wichtiger w├Ąre. Er und ihre gemeinsame Zukunft in M├╝nchen oder die Arbeit in Stuttgart. Sabine entschied sich f├╝r Stuttgart und daf├╝r, ihm seinen Brombeereisbecher ├╝ber die Hose zu kippen. Dann war sie wutentbrannt davongerauscht.
Stefan hatte sie seit diesem Zeitpunkt nie wieder gesehen.
Von Freunden erfuhr er ein Jahr sp├Ąter, da├č sie einen guten Freund geheiratet hatte, ein Kind erwartete und ihre Arbeit in der Praxis aufgab.

Der Bus hielt nicht an der ersten Station nach dem Bahnhof.
Weder Stefan, noch die Frau, die mit ihm eingestiegen war und jetzt leblos aus dem Fenster sah, wollten aussteigen. An der Haltestelle stand auch niemand, der in den Bus zusteigen wollte, deshalb gab der Busfahrer noch etwas mehr Gas, um noch das Gr├╝n an der n├Ąchsten Ampel zu bekommen.
Das bekommt er nicht mehr, dachte Stefan.
Der Busfahrer mu├čte tief in die Eisen steigen, um den Bus noch rechtzeitig zu stoppen. Stefan hatte bereits Sekunden zuvor geahnt, da├č das Gr├╝n nicht lang genug anhalten w├╝rde.
Auch in dieser Situation behielt er recht.
Stefan hatte sich daran gew├Âhnt, fast immer in seinem neuen Leben recht zu behalten. Er hatte vorausgesagt, da├č Microsoft das Kartellverfahren nicht gewinnen w├╝rde, er hatte den tiefen Fall und danach nur leichten Anstieg des Euros vorausgesagt und auch bei den ├╝brigen F├Ąllen in seiner Kanzlei hatte Stefan einen guten Riecher f├╝r erfolgreiche und weniger erfolgreiche Prozesse.
Stefan legte seine Hand auf die schwarze Aktentasche, die auf seinen Knien gebettet war. In ihr befanden sich die Unterlagen zu einem brisanten Fall, der in der hiesigen Stadt verhandelt werden sollte. Stefan durfte nichts sagen, weder seinen Kollegen in M├╝nchen, noch seinem Bruder hier. Er wollte im Moment noch nicht einmal dar├╝ber nachdenken wollen. Es war einfach zu brisant, um sich jetzt schon Gedanken dar├╝ber zu machen.
Er wollte erst in ein paar Tagen dar├╝ber br├╝ten, wenn er zusammen mit den hiesigen Kollegen den Fall vorbereiten mu├čte. Doch bis dahin war noch gen├╝gend Zeit. Gen├╝gend Zeit, um sich etwas zu erholen und ein paar Tage mit seinem ├Ąlteren Bruder und seiner Verlobten zu verbringen. Zeit, Erholung. Beides Worte, die Stefan Richter nicht mehr allzu oft in den Mund nahm. Er hatte weder viel Freizeit, noch fand er diesem Zeitraum gen├╝gend Ruhe, um es Erholung zu nennen. Stefan arbeitete immer. Wenn er zu Hause war, schlief er entweder ein paar Stunden, oder er bereitete irgendeine Klage gegen irgend jemanden vor, den er niemals pers├Ânlich kennengelernt hatte und es auch nie tun w├╝rde. Der Anwalt w├╝rde sich um das Verfahren vor Gericht k├╝mmern.
Stefan war nur der Mann im Hintergrund. Einer der wichtigen M├Ąnner im Hintergrund, die f├╝r die Anw├Ąlte die richtige Arbeit machten.

Station Zwei. Der Bus hielt und der Busfahrer lie├č einen alten Mann einsteigen. Der Mann wollte durchgehen, doch der Busfahrer hielt ihn zur├╝ck.
"Sie m├╝ssen schon bezahlen, mein Herr", fing er an.
"Ich habe aber kein Geld", lallte der Mann zur├╝ck.
Der Busfahrer r├╝mpfte die Nase. Scheinbar stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase. Er setzte sich zur├╝ck auf den Fahrersitz und schlo├č die Vordert├╝r. "In Ordnung. Sie d├╝rfen ausnahmsweise mitfahren. Das n├Ąchste Mal nehme ich Sie aber nicht mehr mit." Der Mann wollte weitergehen, doch der Busfahrer hielt ihn erneut zur├╝ck. "Wenn Sie hier irgendwelchen ├ärger machen, fliegen Sie an der n├Ąchsten Station wieder raus. Kapiert?"
Der Mann nickte und setzte sich in die dritte Sitzreihe des Busses.
Seine Kleidung bestand fast nur aus Lumpen und im Businneren breitete sich schnell ein starker Alkoholgeruch aus. Der Mann nahm eine Flasche Whiskey aus der Einkaufst├╝te, die er bei sich trug und nahm einen gro├čen Schluck.
So werde ich, Gott sei Dank, niemals enden, dachte Stefan Richter, als er den alten Mann mitleidig ansah.

Der Bus fuhr weiter...

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Yamiko
Guest
Registriert: Not Yet

Hmm... also an sich hat mir die geschichte gut gefallen, von der Idee her. Aber es gibt einpaar punkte die meiner meinung nach wichtig sind:
1. Am ende fragte ich mich - na und? Was soll mir die geschichte denn sagen? Es fehlt ein H├Âhepunkt, das aha erlebnis. ich wusste auch schon vorher dass es menschen wie stefan wie sand am meer gibt. ich bin mir nicht sicher was die "aussage" sein soll.
2. du erz├Ąhlst gut aber an manchen stellen "erz├Ąhlst" du eben nur, es grenzt fast an aufz├Ąhling, es fehlen gef├╝hlsbetonte details die dem leser helfen sich in die person von der berichtet wird, reinzuversetzen.

was ich gut fand war die sache mit dem fleck und dem anzug.
Ich hoffe du kannst mir den kritikpunkten was anfangen. Was meinst du dazu?

warte gespannt auf antwort

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Yamiko
Guest
Registriert: Not Yet

sorry, sehe gerade, es war episode 1... wann kommt die fortsetzung?

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Nyxon
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2001

Werke: 17
Kommentare: 6
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Erst mal danke f├╝r die Kritik ├╝berhaupt. Mit Kritik kann ich immer etwas anfangen.

Also, zu Punkt eins: Du hast recht. Es fehlt ein H├Âhepunkt. Einfachste Erkl├Ąrung ist, dass ich keinen H├Âhepunkt haben wollte. Alle Episoden des Maskenbuses (insgesamat 11), besitzen gewollt keinen H├Âhepunkt. Das soll ja gerade die Banalit├Ąt der Geschichte ausmachen. Du musst dir den gr├Â├čten Teil der Geschichte eigentlich dazudenken. Du kannst dir anhand der einfachen und klaren "Informationen", die gegeben sind, ein Bild von Stefan & Co. machen.

Punkt Zwei habe ich gerade jetzt abgehagt, sehe ich jetzt.


Wenn du interessiert bist an weiteren Teilen des Maskenbus, dann steht dir die n├Ąchste Episode jetzt zur Verf├╝gung.

Sch├Âne Gr├╝sse und allen einen sch├Ânen Urlaub,
NYXON

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