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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Maskenbus - Episode 2
Eingestellt am 07. 04. 2001 01:30


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Nyxon
Festzeitungsschreiber
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MASKENBUS - Episode 2

Josef M├Âlleken w├╝rde in drei Tagen sein f├╝nfzigstes Lebensjahr feiern. Feiern bedeutete f├╝r ihn, da├č er sich zwei statt nur eine Flasche Hochprozentigen kaufte und sie allein und ohne fremde Hilfe auf einer Parkbank trinken w├╝rde. Nachdem er sich die zwei Flaschen einverleibt h├Ątte, w├╝rde er sich ein paar Minuten sp├Ąter den letzten Verstand aus dem Hirn kotzen. Dann schliefe er ein und w├╝rde erst wieder am n├Ąchsten Morgen von der Kehrmaschine aufgeweckt werden. Er schnorrte sich ein paar Mark und kaufte sich eine neue Flasche Alkohol. Ein Teufelskreis, der niemals wieder enden w├╝rde.

Noch vor drei Jahren war Josef M├Âlleken Chef einer gutgehenden Autowerkstatt gewesen. Sein Gesch├Ąft verlief sehr gut. Mehrere Wagen am Tag, darunter auch schnittige Sportwagen von reichen Zeitgenossen. Sie bezahlten sehr gut f├╝r sehr gute Arbeit an den Wagen und Josef hatte immer sehr gute Arbeit mit seinen Mitarbeitern vollbracht. Nie war ein Kunde unzufrieden gewesen. Nach vielen Jahren, voller zufriedener Kunden, hatte sich Josef M├Âlleken einen nagelneuen Mercedes SLK gekauft. Er war gl├╝cklich und hatte sich in diesem Gl├╝cksjahr mehrere willige Frauen zugelegt, die ihn ebenfalls sehr gl├╝cklich machten.
Doch dann kam der Fall.
Es geschah an einem Dienstag. In der Werkstatt stand ein blutroter Porsche, der neu lackiert werden sollte. Der Besitzer hatte sich ein dunkles Blau ausgesucht. Der Vertrag war bereits unterzeichnet, die Arbeiter gingen ans Werk. Erst zwei Stunden sp├Ąter merkte Josef, da├č sich einer der Arbeiter mit der Farbe vertan hatte. Anstelle eines Blaus, hatte er eine Kartusche grelles Pink verbraucht. Als Josef den Fehler bemerkte, war die H├Ąlfte des Wagens bereits in dieses Pink getaucht worden. ├ťberspr├╝hen, hatte Josef sich ganz schnell gedacht. Doch der Besitzer kam vorbei und sah die Bescherung. Er verlangte zehntausend Mark Schadensersatz und klagte gegen die Werkstatt. Vor Gericht wurden ihm die zehntausend Mark zugesprochen, au├čerdem hatte Josef die Gerichtskosten zu tragen.
Nach und nach k├╝ndigten die Mitarbeiter, weil sie nicht noch mehr Klagen am Hals haben wollten. Die Arbeit von ein paar Wochen blieb liegen, die Kunden beschwerten sich und Josef mu├čte bereits angezahltes Geld zur├╝ckgeben.
Doch damit nicht genug. Trotz der finanziellen Probleme, lebte er immer noch im alten Luxus. Jeden Monat eine andere Frau, die alle nicht billig im Umgang waren. Josef setzte volltrunken seinen Wagen vor die Mauer eines Hauses.
Eine weitere Klage, wieder Schadensersatz.
Die Frauen gingen fl├Âten, genauso die Wohnung im besten Wohnviertel.
In einer Nacht pr├╝gelte er eine seiner letzten Frauen fast zu Tode.
Eine weitere Klage, diesmal drei├čig Tage Gef├Ąngnis, Rauswurf aus der billigen Mietwohnung im schlimmsten Wohnviertel der Stadt.
Nun lebte er seit drei Jahren auf der Stra├če. Geld f├╝r den Bus hatte er nie. Meistens lie├č man ihn aus Mitleid einfach mitfahren, wenn er versprach keinen ├ärger zu machen. Er machte keinen ├ärger. Es nutzte nichts, ├ärger zu machen. Josef M├Âlleken wollte einfach nur seine Ruhe. Mehr nicht. So war es immer. Er wollte zur Karlstra├če. Obdachlosenasyl Nord. Nettes Fleckchen. Man konnte ihm ein Bett bieten. Er hatte sonst nichts.
Eine Bank oder der Boden waren sein Bett, Zeitungen oder eine zerschlissene Decke hielten ihn in der Nacht nicht warm. Sein Fr├╝hst├╝ck nahm er in einer kostenlosen Obdachlosenk├╝che ein. Harte Br├Âtchen mit etwas Butter, abends einen Teller mit Erbsen ÔÇôoder Linsensuppe. Und zwischen den Mahlzeiten seine ├╝bliche Notration; Alkohol. Ja, er war Alkoholiker. Er stahl f├╝r eine Flasche pro Tag, Geld aus dem Klingelbeutel der Kirchen. Er ├╝berfiel kleine Kinder und er versuchte zu betteln. Letzteres fiel immer fehl. Niemand hatte heutzutage Geld f├╝r einen Penner ├╝brig.
Ob der gutgekleidete Mann hinten im Bus, ihm Geld geben w├╝rde? Josef glaubte nicht daran und lie├č die Idee zu betteln, fallen.
Ein Kichern ert├Ânte hinter ihm. Josef drehte sich um und starrte die Frau, die ein paar Reihen hinter ihm sa├č, einfach nur an.
Sie kicherte weiter. Ihre Z├Ąhne waren gelb. Seine auch.
"Was gibtÔÇśs denn da zu kichern, he? SehÔÇś ich so komisch aus?", fragte er ungehalten. Er wollte keinen ├ärger.
Die Frau kicherte weiter.
"H├Âren Sie gef├Ąlligst auf damit, verstanden? Sonst komm ich Ihnen da hinten hin und drehe Ihnen Ihren fetten Hals um!"
Der Bus stoppte. Es war keine Haltestelle.
Der Busfahrer kam zu Josef "Ich habe Ihnen doch gesagt, ich m├Âchte keinen ├ärger im Bus haben. Wenn Sie nicht sofort die Frau in Ruhe lassen, schmei├če ich sie ebenso schnell hinaus. Haben Sie das verstanden?"
"Aber ich habe doch gar nichts gemacht", protestierte Josef. "Die da hinten kichert die ganze Zeit. Sie macht sich lustig ├╝ber mich. Da werde ich mich doch wohl noch verteidigen d├╝rfen."
"Ich habe Ihre Worte genau geh├Ârt." Der Busfahrer ging zur Frau hin├╝ber. "Und jetzt zu Ihnen. Ich habe diese Nachtschicht nicht gewollt, doch ich fahre sie trotzdem. Aber wenn sich hier im Bus irgendein ├ärger entwickelt, steigen die Schuldigen sofort aus." Er zeigte aus Josef. "Wenn er Sie angreift, fliegt er raus. Aber wenn Sie nicht aufh├Âren, ihn zu provozieren, dann fliegen Sie raus. Verstanden?"
Die Frau nickte und h├Ârte auf zu kichern.
Der Busfahrer drehte sich um und setzte sich wieder auf den Fahrersitz.
Die Frau fing wieder an zu kichern.
Der Busfahrer drehte sich mit ├Ąrgerlichen Blick zu ihr um.
Sie h├Ârte auf.
Josef grinste triumphierend und drehte seinen Kopf wieder in Fahrtrichtung.
Der Busfahrer legte den Gang wieder ein und setzte seinen Weg fort.
Josef dachte an die Situation, bei der als Sieger hervorgegangen war.
Der Bus fuhr an der Haltestelle <Borchert-Universit├Ąt> vorbei, da niemand ein ÔÇôoder aussteigen wollte.
Josef fr├Âstelte es, als an den Regen drau├čen dachte. Er war bereits stark angeschlagen und konnte sich eine Erk├Ąltung nicht leisten. Schei├č Leben.

Der Bus fuhr auch an der Station <Messeplatz> vorbei.
Erst an der Brauerstra├če, der f├╝nften Station des Busses, hielt er an und lie├č eine junge Frau einsteigen. Jung, in Josefs Augen.
Sie l├Âste eine Karte bis zum Magnusweg, bezahlte den verlangten Betrag und ging dann durch die Reihen. Sie beschleunigte den Schritt, als sie an Josef vorbeiging und setzte sich vier Reihen hinter die Frau, die jetzt nicht mehr kicherte.
Josef nahm einen gro├čen Schluck aus seiner Flasche

Der Bus fuhr weiter...

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zero
Festzeitungsschreiber
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Wie geht es weiter...

Hallo!

Damit es eine Episode 3 gibt, will ich mal kurz meinen Senf dazugeben. Ich finde die Idee und die Situationen im Bus gut und interessant. Die beiden bis jetzt geschilderten Personen, Richter & M├Âlleken sind mir zu stereotyp, aber ich will eingestehen, das Klischees ja irgendwo herkommen m├╝ssen.

Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, wie es weitergeht...
__________________
aut zero aut nihil

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