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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mathildas Jahrmarkt (Kurzgeschichte)
Eingestellt am 26. 07. 2002 19:15


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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

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Mathildas Jahrmarkt
Mathilda, ein kleines, achtj√§hriges M√§dchen, mit zwei ganz wunderbaren Z√∂pfen, die sie noch zus√§tzlich mit Schlaufen geschm√ľckt hatte und einer kunterbunten Kleidung, die sie jeden Tag aufs Neue zusammenstellte, sehr zum Verdruss ihrer Mutter, die Mathilda am liebsten den ganzen Tag in ihre Schuluniform eingeh√ľllt gesehen h√§tte, hatte einen Traum.
Schon seit einer Woche war ein Jahrmarkt in der Stadt gewesen und Mathilda hatte sich nichts sehnlicher gew√ľnscht, als da√ü ihre Mutter sie einaml dorthin mitgenommen h√§tte. Doch Mathildas Mutter hielt nichts von Jahrm√§rkten, und so kam es, da√ü der Jahrmarkt die Stadt wieder verlie√ü, ohne da√ü Mathilda auch nur in die N√§he von ihm gekommen w√§re. Wie gl√ľcklich war sie da, als sie in ihrem Traum durch das Eingangstor zum Jahrmarkt schreiten konnte. Sie war noch nie auf einem Jahrmarkt gewesen und war daher sehr gespannt, was sie dort wohl noch erwarten w√ľrde.
Im gleichen Moment, wie mathilda den jahrmarkt betrat, wurde sie auch schon von einer gewaltigen Menschenmenge aufgesogen, welche sie unbarmherzig vorw√§rtsstie√ü. Die Schaubuden, die den Weg zu beiden Seiten s√§umten zogen an ihr vorbei, ohne da√ü es ihr m√∂glich gewesen w√§re, sich einer von ihnen zu n√§hern. Lediglich den starken Geruch von S√ľssigkeiten konnte sie aufschnappen, ebenso wie eine fr√∂hliche Musik, die aus allen Richtungen ert√∂nte, und Mathilda albern vorkam.
Der Weg, der einen Kreis um den gesamten Jahrmarkt beschrieb, gab seine erste Attraktion frei, ein gigantischer, rosaroter Elefantenkopf erschien am Wegesrand. Aus den leeren Augenh√∂hlen quollen Kinder heraus, die darauf brannten, den riesigen, gewundenen R√ľssel des Elefanten hinabzurutschen.
Mathilda w√§re auch gerne einmal gerutscht, aber die Menge wurde von den Rufen eines Marktschreiers angelockt, der die n√§chste Attraktion anpries. Ehe sie sich versah, stand sie auch schon davor: zuerst sah sie nur zwei grosse F√ľsse, die an zwei langen Beinen hingen, dann den grossen weiblichen Oberk√∂rper, Mathilda kam dieser K√∂rper auf seltsame Weise vertraut vor, und als sie ihren Kopf bis ganz nach oben richtete, wusste sie auch warum. Dort oben, auf dem fetten Plastikhals dieser unheimlich grossen Puppe thronte der Kopf ihrer Mutter. Der oder die K√ľnstler hatten gute Arbeit geleistet, das b√∂se, unbewegliche L√§cheln der Puppe liessen diese √§u√üerst realistisch erscheinen. Beinahe glaubte Mathilda die Stimme ihrer Mutter h√∂ren zu k√∂nnen.
"Mathilda, ich hatte dir doch verboten jemals hierher zu kommen. Sieh nur, was sie aus mir gemacht haben! Alle lachen mich aus!"
In der Tat schien der Zweck dieser Puppe die Belustigung des Publikums zu sein, denn die Menge lachte br√ľllend heraus und machte abf√§llige Bemerkungen √ľber die Proportionen ihrer Mutter. Das war verst√§ndlich, schliesslich war der K√∂rper iher Mutter auf groteske Art und Weise deformiert und aufgebl√§ht worden. Mathilda ignoriert swohl die Puppe als auch die Menschen und war froh als die Menge schliesslich beschloss weiterzuziehen. Sie trug keine Schuld daran, da√ü ihre Mutter zu einer Jahrmarktsattraktion geworden war. Sie h√§tte eben netter sein sollen.
Als N√§chstes lockte ein lustiger Clown die Zuschauer herbei, um sie zu einem heiteren Ratespiel zu animieren. Mit verf√ľhrerischen Preisen versuchte er die Menge zur Teilnahme zu ermuntern. Doch seine Fragen waren so schwierig, da√ü niemand es wagte, eine Antwort zu geben. Sch√§umend vor Wut suchte sich der Clown daraufhin einfach einen Kandidatenheraus und erniedrigte ihn dann vor den Augen des Publikums, da√ü die Dummheit des Kandidaten mit einem schadenfrohen Lachen kommentiert, da√ü sofort wieder verstummte, als der Clown sein n√§chstes Opfer zu suchen begann. F√ľr einen Augenblick ruhte sein ausgestreckter Zeigefinger sogar auf Mathilda.
Dies l√∂ste einen f√ľrchterlichen Schwindelanfall bei Mathilda aus, die sich vorkam, als h√§tte sie ein √ľberdimensionales Karussel betreten, da√ü sich immer schneller zu drehen begann.
Hilfesuchend sah sie um sich. Doch au√üer dem Elefanten, der ihr listig zuzwinkerte, der Puppe ihrer Mutter, deren b√∂se Miene eine teuflische Zufriedenheit bekundete und dem Clown, der Witze √ľber die Todes√§ngste ausstehende Mathilda riss, und damit die Symphatie seiner Zuschauer gewann, war niemand da, der ihr h√§tte helfen k√∂nnen. Mathilda stie√ü einige angsterf√ľllte Schreie aus, mehere Male - vergeblich. Leise begann sie zu wimmern.
Mathilda schlug die Augen auf. Dicht √ľber sie gebeugt stand ihre Mutter an der Bettkante. F√ľr eine kurzen Augenblick meinte Mathilda wieder das fette, k√ľnstliche Gesicht der Puppe vor sich zu sehen.
"Mathilda, Lieling. Du hattest einen Alptraum." h√∂rte sie ihre Mutter sagen. Ihre Mutter blien noch eine Weile bei ihr im Zimmer sitzen und sagte dann schliesslich, da√ü sie wieder schlafen gehen wolle. Mathilda sah zu, wie ihre Mutter zur Zimmert√ľr ging und diese langsam hinter sich schloss. Im verbliebenden Licht, da√ü der T√ľrspalt durchliess, sha sie noch einmal das Gesicht der Puppe, mit dem b√∂sen sterilen L√§cheln.
Dann versank ihr Zimmer in Dunkelheit.

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