Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
369 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Mecki - eine wahre Geschichte
Eingestellt am 11. 02. 2009 11:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
zandalee
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2009

Werke: 9
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um zandalee eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mecki

Gestern habe ich beim Durchw├╝hlen alter Kisten ein Foto von Mecki gefunden. Ich bin nat├╝rlich auch darauf zu sehen ÔÇô in Schlaghosen und mit einer furchtbaren Hornbrille. Ich war damals etwa 10 Jahre alt, und obwohl inzwischen 30 Jahre vergangen sind, erinnere ich mich gut an das kleine Kerlchen. Eines Abends im Sp├Ątherbst klingelte es unerwartet an der T├╝r. Drau├čen stand ein guter Bekannter aus der Nachbarschaft und hielt einen Schuhkarton in den H├Ąnden. Er nahm den Deckel ab und zeigte den Inhalt meiner Mutter:

ÔÇ×Den haben wir heute im Wald gefunden. Ihr habt doch schon ein paar Tauben aufgep├Ąppelt, da dachte ich, ihr k├Ânnt euch vielleicht auch um das kleine Kerlchen hier k├╝mmern.ÔÇť

Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und sah neugierig in die Kiste. Darin lag eine kleine stachelige Kugel, die leicht zu zittern schien. Es war ein junger Igel, der scheinbar vergessen hatte sich rechtzeitig Winterspeck anzufressen. Meine Mutter schaute ratlos auf das H├Ąufchen Elend herunter. Ich zupfte an ihrem Arm und sah sie flehend an.

ÔÇ×Bitte Mama! Ich k├╝mmere mich auch um ihn. Ehrlich!ÔÇť

Schlie├člich seufzte sie und sagte: ÔÇ×Na gut, wir k├Ânnen es ja zumindest versuchen.ÔÇť

Wir wohnten in einer Gro├čstadt und hatten nicht die geringste Ahnung von Igeln. Das einzige, was wir wussten war, dass es einen Comic-Igel namens Mecki gab. Und nun ratet einmal, wie wir unseren neuen Mitbewohner nannten. Genau, Mecki.

Ihr m├╝sst bedenken, dass es damals noch kein Internet gab. Man konnte nicht einfach den PC einschalten und ÔÇ×IgelÔÇť eingeben um an Informationen zu kommen. Ich wusste nicht, wen ich fragen sollte, also ging ich mit dem Kleinen erst einmal zum Tierarzt. Der untersuchte vorsichtig die Haut zwischen den Stacheln und stellte fest, dass Mecki einen Haufen Untermieter hatte, n├Ąmlich Fl├Âhe. Es gibt ├╝brigens kaum einen Igel in der freien Natur, der keine hat. Der Tierarzt gab mir ein spezielles Mittel und berechnete mir netterweise nichts daf├╝r, weil der Kleine ja ein Wildtier war. In einer Buchhandlung fand ich schlie├člich noch ein kleines Buch, in dem stand, was man bei der Pflege von Igeln alles beachten muss. Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass sie keine Milch trinken d├╝rfen, weil sie davon krank werden k├Ânnen? Ich fand das ganz erstaunlich, denn die meisten Leute denken als Erstes an Milch, wenn es um Igel geht.

Jedenfalls war ich jetzt ganz gut f├╝r meine Aufgabe als Ersatzmama gewappnet.Nachdem der kleine Igel das l├Ąstige Ungeziefer von der Pelle hatte, zog er in zwei gro├če zusammengeklebte Kartons, die durch eine ├ľffnung verbunden waren und in meinem Zimmer standen. Weil ich ihm immer Futter gab und mich oft um ihn k├╝mmerte, lief er mir bald hinterher wie ein H├╝ndchen und lie├č sich von mir sogar an der Nase kraulen. Darauf war ich besonders stolz, denn bei allen anderen Menschen rollte er sich blitzschnell zu einer stacheligen Kugel zusammen, wenn sie auch nur in die N├Ąhe seiner Knopfnase kamen. Als das Thema ÔÇ×IgelÔÇť im Biologieunterricht an der Reihe war, nahm ich ihn sogar mit in die Schule und lie├č in frei im Klassenzimmer herumlaufen. Da war vielleicht was los! Habt ihr schon mal einen Igel rennen sehen? Die sind schneller als man denkt. Die Kinder in meiner Klasse waren ganz aus dem H├Ąuschen vor Begeisterung.

Einmal, an einem Sonntagmorgen war Mecki aus seinem Karton verschwunden und meine Eltern suchten ihn in der ganzen Wohnung. Ich lag noch faul im Bett und hatte eigentlich ├╝berhaupt keine Lust aufzustehen. Meine Mutter fand das nicht so toll, denn schlie├člich hatte ich ja versprochen mich um das Igelchen zu k├╝mmern. Um gr├Â├čeren ├ärger zu vermeiden, schlug ich die Decke ein St├╝ck zur├╝ck und streckte mich erst einmal gen├╝sslich. Autsch! Da piekte mich etwas ganz ekelhaft in die Zehen. Ihr habt bestimmt schon erraten, was es war, oder? Genau, es war Mecki, der sich zusammen gerollt hatte und an meinem Fu├čende unter der Decke schlief.

Aber die verr├╝ckteste Geschichte war wohl die mit den Mehlw├╝rmern. Passt auf, ich erz├Ąhle sie euch:

Mecki liebte Mehlw├╝rmer! Kaum erschn├╝ffelte er sie in seinem Napf, st├╝rzte er sich darauf und verschlang einen nach dem anderen mit lautem Schmatzen ÔÇô lebend versteht sich. Leider war die n├Ąchste Tierhandlung, die Lebendfutter f├╝hrte, nicht gerade um die Ecke.Ich musste mit der Stra├čenbahn extra in die Innenstadt fahren um welche zu besorgen. Aber zum Gl├╝ck hatte ich ja meine einfallsreiche Mutter, die eines Tages kurzerhand beschloss selbst Mehlw├╝rmer zu z├╝chten. Sie hatte irgendwo gelesen, dass man die W├╝rmer lediglich in eine dunkle Dose mit etwas Mehl setzten musste, die man mit einem Deckel verschloss. Nach etwa vierzehn Tagen h├Ątten sie dann angeblich Kinderchen.

Wir f├╝llten also Mehl in eine leere Kaffeedose, gaben reichlich Mehlw├╝rmer dazu und warteten zwei Wochen. Dann ├Âffneten wir gespannt die Dose undÔÇŽ... ÔÇô machten lange Gesichter. Einige Mehlw├╝rmer waren tot andere krochen etwas altersschwach im Mehl herum. Ein wenig entt├Ąuscht beschloss meine Mutter ihre Karriere als Mehlwurmz├╝chterin an den Nagel zu h├Ąngen und gab den Doseninhalt zum Verzehr frei. Meckis Tischmanieren waren schon bei einer kleinen Portion Wurm nicht die Besten und so richteten wir ihm das Festmahl kurzerhand in der Badewanne an. Und nun ratet mal, was dann passierte. Falsch! Der kleine Flohf├Ąnger r├╝hrte nicht einen einzigen Mehlwurm an. Meine Mutter und ich hockten uns vor die Wanne und ├╝berlegten.

ÔÇ×Vielleicht ist es ihm zu hellÔÇť
Sagte ich nach einer Weile.

Also schalteten wir das Licht aus. Doch auch das kuschelige Halbdunkel konnte seinen Appetit offenbar nicht anregen.

ÔÇ×Vielleicht st├Ârt ihn das viele MehlÔÇť meinte meine Mutter nach einer Pause.

Sie fackelte nicht lange und schaltete den F├Ân ein um das Mehl von den W├╝rmern zu pusten. Das Ergebnis war ├╝berw├Ąltigend! Inmitten einer gro├čen wei├čen Wolke wirbelten die Mehlw├╝rmer aus der Badewanne und quer durch das ganze Bad. Erschrocken schaltete meine Mutter den F├Âhn ab und sah mich fassungslos an. Ich versuchte krampfhaft nicht loszuprusten. Allerdings ohne Erfolg. Am Ende sa├čen wir beide auf den Fliesen und konnten uns kaum noch halten vor lachen.
Als wir uns endlich wieder beruhigt hatten, ging meine Mutter mit dem Staubsauger auf W├╝rmerjagd und ich wusch Mecki die glibberigen Reste von den Pfoten. Er hatte zwar nichts von dem Doseninhalt gefressen, aber daf├╝r war er ausgiebig darauf herumgetrampelt.

├ťbrigens wurde noch Wochen sp├Ąter, als unser Igelchen schon gem├╝tlich im Keller seinen Winterschlaf hielt hinter einem der Badschr├Ąnke ein einsamer Mehlwurm gesichtet.

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was eigentlich aus dem kleinen Mecki geworden ist?
Nat├╝rlich h├Ątte ich das kleine Kerlchen nur zu gerne behalten. Aber Igel sind nun einmal Wildtiere und geh├Âren unbedingt in die freie Natur. Weil wir selbst leider keinen Garten hatten, haben wir ihn im Fr├╝hling, als es sch├Ân gr├╝n und immer w├Ąrmer wurde bei Bekannten in den Garten gesetzt. Dort gew├Âhnte er sich schnell ein und schloss Freundschaft mit dem Familienkater.


__________________
Tanz mit dem Herzen oder tanz gar nicht! (Fehlfarben)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


5 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!