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Leselupe.de > Horror und Psycho
Meer der Halme
Eingestellt am 04. 04. 2007 14:49


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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

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Meer der Halme



„Alles begann mit diesem Traum;
und es endete auch dort…“



„Zuerst denke ich immer, dass ich allein bin“, flüsterte Jens Reich dem Therapeuten zu.
„Dann sehe ich Anne.
Das Korn steht ihr bis zu den Hüften und ich lasse die rote Scheibe immer weiter und höher hinaus tanzen. Ihr Haar schwingt hin und her. Dieses blonde Haar, das sie von ihrer Mutter hat, so wie sie alles von ihrer Mutter hat.
Geschickt fängt sie in der Ferne den Frisbee und ruft mir etwas zu.
Ich kann sie nicht hören und laufe einige Schritte in das Feld hinein; über mir ein goldener Himmel, in dem sich Sturmwolken drängen.
Ein eiskalter Wind lässt die Ähren wie Wellen gegen meine Jeans branden.
Ich lege die Hände um meinen Mund.
ANNE!
Wir müssen zurück bevor es zu regnen beginnt.
Dann sehe ich sie stolpern. Sie fällt und reckt die Arme wie eine Ertrinkende aus dem Meer der Halme.
Ich laufe auf sie zu. Jemand ist bei ihr. Ich sehe Hände, die nach ihr greifen und einen Schatten, der in den Ähren wie aus unbekannter Tiefe zu ihr emporgestiegen ist.
Anne scheint davon schwimmen zu wollen. Sie rudert mit den Armen. Sie schreit und ich bin fast bei ihr.
Da, ihre Hand!
Ich verfehle sie nur um Augenblicke.
Dann ist sie fort.
Ich greife in das Stroh. Mein Gott, sie war doch eben noch hier!
Ich laufe umher, gebückt, mit den Händen tief in den rauschenden Halmen.
Ich rufe ihren Namen.
ANNE!
ANNE!“

„Sie wachen jetzt auf. Ich werde bis drei zählen und dann in die Hände klatschen und dann wachen Sie auf.“
„Aber ich bin wach“, sagte Reich und sah den Therapeuten mit offenen Augen an.
„Nein, das sind Sie nicht. Ich werde jetzt bis drei zählen.
Eins…“
Jens Reich schüttelte den Kopf, als müsse er einen Alptraum vertreiben.
„Zwei.“
Er hyperventilierte…
„Drei.
Sie sind jetzt wach!“

„Ich weiß“, sagte Reich und war doch in Gedanken noch bei seiner Tochter.

Marquard kannte Reich erst ein paar Jahre. Und ein paar Jahre zählten bei den meisten Menschen nicht, wenn es darum ging, hinter ihre Fassaden zu blicken.
Bei Reich war das anders. Es war von Anfang an anders, denn sie hatten sich nicht in irgendeiner Kneipe, irgendeinem Ort, der sich von keinem anderen unterschied, kennen gelernt. Sie waren aufeinander geprallt, schicksalhaft, in einer unübersichtlichen Kurve, in einer Nacht, aus der es für beide kein Entkommen gab.
Das Blut, die Haare, die überall klebten, die sah Marquard jeden Tag im Spiegel und es nutzte ihm auch nichts, dass er wusste, dass es nicht sein Fehler gewesen war, als der Fiat von der Straße abkam.
Reich und seine Frau waren von einer Autowerkstadt auf dem Weg nach Hause, als er ihnen das erste Mal begegnete. Deshalb waren sie in zwei Fahrzeugen unterwegs. Reich fuhr hinter seiner Frau und er brachte seinen Wagen kaum ein paar Zentimeter hinter der Unfallstelle zum Stehen.
Da war seine Frau schon durch Marquards Frontscheibe hindurch und überall auf den Sitzen und in Marquards Gesicht.
Marquard schrie nicht.
Er sah nur, wie Reich ihn ansah, voller Entsetzen und er war der erste, der ihn in die Arme nahm, bevor seine Kollegen den Unfallort erreichten.
Das hatte ihm nie jemand beigebracht, wie das war, wenn man einem Opfer plötzlich so nahe war.
… bis aufs Blut nah.

Dann kam jener schicksalhafte Sommer; heiß, unübersichtlich, weil überall der Boden flimmerte und die Berge am Horizont wie Wasser in die Erde flossen. Marquard fuhr den Wagen und Reich schrie ihn an, dass er es gesehen hatte, wie etwas Anne in die Tiefe gezogen hatte, als wäre das Kornfeld ein Meer und darin gäbe es Haie oder Schlimmeres.
„Ich habe Hände gesehen, die sahen aus wie schwarzes Stroh“, schrie Reich und sie kamen am Rand des Feldes an, wo die Ähren im Wind so aussahen, als seien sie Wellen auf einem Meer.
Marquard wurde kalt bei diesem Gedanken.
„Wir müssen sie finden!“
Die endlose Oberfläche dieses Meeres der Halme verspottete Reich mit ihrer gleichgültigen Eintönigkeit.
„Wir durchkämmen das Feld von hier bis zum Waldrand!“, gab Marquard Anweisungen. „Dann lassen wir ausschwärmen. Vermutlich hat er sie in den Wald gebracht.“
„Wieso ER?“, fragte Reich mit zitternder Stimme.
Marquard wendete sich von seinen Kollegen ab und legte Reich die Hand auf die Schulter.
„Wir finden sie“, sagte er.

Es war eine Lüge. Es war von vornherein eine Lüge gewesen, auch wenn es Marquard anders wollte oder gehofft hatte. Ohne es zu wollen, war er in jene beiden entscheidenden Augenblicke in Jens Reichs Leben hineingeraten, in denen Reich alles verlor und geschlagen und verlassen daraus hervor ging.
Nichts war dem ehemaligen Architekten geblieben.
Nur Marquard, der wie zufällig und doch durch die Ereignisse verpflichtet, in sein Leben getreten war und der nun keinen Ausweg mehr daraus fand, ohne dabei Reich in seinem Dilemma allein zurück zu lassen
Jenny und Anne, seine Frau und seine Tochter, waren lange fort. Sie waren gegangen und hatten Reich ein leeres Haus und ein über alle Maßen entleertes Leben zurück gelassen.
Wenn er früher ein ohnehin spartanischer Charakter gewesen war, so war er jetzt wie ein Geist, dem man die Gefühle wie Federn ausgerissen hatte und der, wie ein nackter Vogel, weder zum Fliegen noch zum Brüten taugte.
Marquard warf ihm das manchmal vor, wenn sie über die Felder marschierten, in endlosen Spaziergängen, meistens in der Nähe jenes Feldes, in dem Anne damals verschwunden war. Reich hatte ihren Verlust niemals verwinden können.
„Jenny war ohnehin ganz weit weg“, sagte Reich nachdenklich und ließ eine Hand durch die Ähren gleiten.
Marquard und er waren stehen geblieben und schauten über das Halmenmeer in weite Ferne.
„Ich meine, du kanntest sie ja.“ Reich sagte das, obwohl er wusste, dass Marquard ihr nur ein einziges Mal begegnet war.
Marquard atmete tief durch.
„Du hast mir erzählt, dass sie viel gearbeitet hat. Sie machte diese Sache mit den Kindern…“
„Bewegungstherapie“, sagte Reich hastig. „Ja, aber das war nicht der Grund. Wir…“ Er hielt inne und lauschte in sich hinein.
„Wir waren einfach nicht mehr so zusammen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“
„Ich bin sicher…“
„Nein, nein, nein“, sagte Reich hastig. „Es war nicht mehr so. Sie wollte weg und hätte Anne mitgenommen, wenn sie gekonnt hätte.“
Marquard sah ihn an und konnte nichts sagen. Dass sich Reich Vorwürfe machte, war klar, aber dass er jetzt begann, alles in Frage zu stellen, was ihm früher als heilig galt, das machte Marquard unruhig.
„Manchmal bin ich mir nicht mal sicher, ob sie damals nicht absichtlich die Spur gewechselt hat.“
Reich sah Marquard an und ihre Blicke versenkten sich beunruhigend tief ineinander.
„Unsinn, es war ein Unfall!“, sagte Marquard hastig.
Reich schwieg und ging gemächlich einige Schritte voraus.
Dieses Schweigen war schlimmer als alles andere.
„Nun sind sie beide fort“, sagte er schließlich.

Reich erwachte aus einem Alptraum. Er war geschwommen, weit draußen. Es war zuerst sehr beruhigend gewesen, das Gefühl zu haben, nicht untergehen zu können und er atmete unter Wasser, bevor er auftauchte und sah, dass er sich weit vom Ufer entfernt hatte. Ein Rauschen in der Uferböschung ließ ihn im Wasser herumfahren und unter ihm zog ein Schatten herauf und Hände aus Stroh griffen nach ihm. Das Wasser verwandelte sich in Ähren und er schwamm in ihnen, Zug um Zug auf das Ufer zu.
Dann hörte er Annes Stimme und erwachte.
Reich knetete seine verschwitzten Lippen und starrte in die Dunkelheit.
Etwas verbarg sich zwischen den Halmen, dort draußen, etwas das ihn sogar bis in seine Träume verfolgte. Als er das Fenster öffnete, hörte er den Wind, der durch das Feld wie ein Flüstern ging. Er sah hinauf zum Mond; er leuchtete so hell vom Firmament herab, als wolle er ihm aus dieser Nacht einen Tag machen. Reich zog sich an und ging die Treppen hinab und in den Garten. Hinter einem kleinen Zaun begann das Feld und er watete hindurch, wie durch nassen schweren Schlamm.
Dann drehte er sich um und war hunderte Meter vom Haus entfernt.
Als er nach unten schaute, sah er, wie Wasser aus den Spalten der Erde drang.
Reich begann zu laufen.
Das Wasser spritzte in die Höhe und schien immer schneller anzusteigen. Bald watete Reich und zog die Beine mühselig durch das kniehohe Nass und er spürte, wie er einzusinken begann; ganz langsam, als würde das Wasser nicht steigen, sondern der Boden in die Tiefe sinken.
Bald standen ihm die Ähren und das Wasser bis zur Brust.
Dann verlor er den Boden unter den Füßen und begann zu schwimmen.
Etwas peitschte in der Ferne die Wasseroberfläche auf.
Reich sah sich um.
Er sah etwas Schwarzes, das eben gerade in die Tiefe tauchte.
Reichs Herz raste. Er sah, wie dieser schwarze Schatten durch das Wasser aus Ähren glitt, es wie Erde pflügte und in seine Richtung steuerte.
Kurz vor ihm glitt es in die Tiefe.
Reich schluckte Wasser und spuckte Ähren aus.
„Papa?“, flüsterte Anne hinter ihm.
Reich drehte sich um und erwachte schreiend.

„Gehst du noch zu diesem Therapeuten?“, fragte Marquard und setzte sich ans Fenster, das Reich wegen der gnadenlosen Julisonne geschlossen hielt. Das leise Brummen der Klimaanlage bereitete Marquard Kopfschmerzen.
Am Tisch in der Mitte des Raumes saß Reich und hielt die Hände gefaltet.
„Jeden Sonntag.“
„Kommst du vorwärts?“
Reich öffnete die Hände und schloss sie wieder.
„Mal so, mal so“, sagte er ruhig aber verschlossen.
„Wenn diese Alpträume nicht wären…“
Marquard nickte und griff sich an die Stirn.
Obwohl er Reichs Frau niemals wirklich kennen gelernt hatte, war sie ihm durch seine Träume so vertraut wie ein realer Mensch.
„Manchmal spricht sie im Traum zu mir“, sagte Marquard und wünschte, er hätte es nicht getan.
„Was sagt sie?“
„Dass wir unbedingt etwas zusammen unternehmen müssen…“
Etwas Bedrohliches lag in seinen Worten.
„Sie kommt mich abholen“, sagt sie. „Und dann unternehmen wir etwas zusammen…“
„Glaubst du, dass sie dir verziehen hat?“, fragte Reich plötzlich.
„Ich weiß nicht“, sagte Marquard, „es sind schließlich nur Träume.“
Reich schloss die Augen und verkrampfte die gefalteten Hände ineinander.
„Ja, Träume“, flüsterte.
„Sie ist fort.“ Und seine Stimme zitterte.
„Für immer…“

Es war ein Glück, zuerst, dass es in dieser Nacht wie aus Eimern schüttete. Und ein Nachbar und ein zweiter kamen herüber und brachten ihre Frauen und guten Korn mit, weil es etwas zu feiern gab. Sie redeten über die Ernte, die ganze Zeit, und Reich und Marquard waren froh, dass sie das Thema gewechselt bekamen.
Alle hier wussten über Reich bescheid, aber sie nahmen es hin und redeten irgendwann nicht mehr darüber.
Bald war die kleine Gruppe über ein fröhliches Gespräch in die Küche im Erdgeschoss gewandert. Man hatte die Fenster geöffnet, um dem Regen zu lauschen und Marquard war froh, dass er nicht gefahren war. Der Alkohol legte sich ihm wie ein Schwamm aufs Gemüt und schien alle schrecklichen Träume für wenige Stunden in sich auf zu saugen. Kräftige Wurst landete auf dem Tisch und frisches Brot und im Allgemeinen war man sich darüber einig, dass es einer dieser Augenblicke war, der die Schwierigkeiten und Mühsale des Lebens lohnte.
Die Nacht kam hastig und viel zu schnell über diese kurzen, lebensfrohen Stunden.

Der kleine Richard stapfte durch den noch feuchten Roggen; in gewisser Weise vertrottelt und hin und her schwankend, wie Kleinkinder das so an sich haben. Für einen Augenblick vergessen, hatte er sich in die große, weite Welt hinaus gewagt und war dümmlicher Weise in das Roggenfeld hinein geraten, das ihm mit seinen schweren, hängenden Ähren den Blick verstellte.
Wie durch Theatervorhänge kämpfte sich der Kleine Schritt für Schritt voran. Die Eltern hatten ihr Plätzchen unter einer Weide aufgeschlagen und sinnierten auf einer Wolldecke mit ihren Blicken im Weidenlaub umher.
Reich sah sie schon von weitem.
Er machte Marquard auf das kleine Glück aufmerksam. Der lächelte und fragte, ob Reich nicht eigentlich zu seinem Psychologen müsste. Reich winkte ab.
Diese Spaziergänge taten ihm im Herzen gut. Und er hatte keine Alpträume gehabt, letzte Nacht, was er wohl auf den Alkohol zurückführen durfte. Ihre Augen waren verquollen, aber die Mittagshitze legte sich wie Balsam auf ihre Gesichter. Die Hände gegen die Stirn, das steile Sonnenlicht abschirmend, waren sie gemütlich zwischen den Pfützen unterwegs, die die Sonne noch nicht hatte hinfort nehmen können.
Währenddessen war der kleine Richard für sie noch nicht zu sehen. Nur sein Kopf mit den kurzen, blonden Haaren ragte aus dem Feld hervor und er kämpfte sich ritterlich Schritt um Schritt voran und musste kaum die Schmach eines Sturzes auf sich nehmen, weil ihn die kräftigen Halme, die dicht beieinander standen, wie Stützräder an einem Fahrrad auf den Beinen hielten.
Reich nahm den Schatten nur aus dem Augenwinkel wahr. Etwas hastete an ihnen vorbei, schwarz und tief im Roggen. Reich ruckte herum und sah es gerade noch abtauchen, als er auch schon einen Schrei ausstieß, als wollte ihm das Herz stehen bleiben. Das Ding raste durch das Feld in die Tiefe.
Reichs Augen flimmerten umher.
„Was ist los?“, fragte Marquard und sah erst ihn an und schließlich auf das Feld, in dem er eine fortlaufende Schneise auszumachen glaubte. Dann stach etwas Schwarzes aus den Halmen hervor, wirbelte umher und verschwand wie ein schlanker, gelenkloser Arm eines Rückenschwimmers.
Reich sah mit einem Mal das Kind, dessen Kopf in einiger Entfernung durch die Ähren wankte. Er streckte den Arm aus und kreischte.
Die Eltern waren, plötzlich hellwach, von der Decke aufgestanden und schauten zu ihnen herüber. Die Frau hatte Reichs Schrei in Panik versetzt. Sie konnte ihren Jungen nicht finden. Sie rief seinen Namen und ging, lief, rannte auf das Feld zu. Dann sah sie Richard, wie er gemächlich vor sich hin stapfte und schien über einen Anblick beruhigt, denn er war ja kaum zwanzig Meter von ihr entfernt.
Reich aber war in vollem Lauf am Rand des Feldes unterwegs. Er gestikulierte, brüllte, sie sollte verdammt noch mal das Kind aus dem Feld holen! Neben Ihm raste etwas durch die Ähren. Es war schneller. Aber Reich hatte für einen Augenblick vergessen, dass etwas schneller sein konnte als er. Und er holte es ein, bog in das Feld und glaubte es noch vor dem Kind abfangen zu können.
Die Frau war nun einige Schritte in das Feld hinein und bei Gott, dieser Kerl, der da auf ihren Jungen zuhastete, der machte ihr Angst und ihr Mann war jetzt keinen Schritt hinter ihr und stand gebückt, als warte er nur darauf, dass Reich sich an das Kind heran machen wollte.
Richard stapfte völlig planlos durch die Ähren.
Marquard begriff einen Augenblick zu spät, was sich hier abspielte. Reich war ihm zu weit voraus. Marquard rannte. Er sah, wie sich der Vater Reich in den Weg stellte und ihn aus vollem Lauf zu Boden riss. Er sah die Schneise und den schwarzen, gelenklosen Arm, der sich dem Kind näherte und den die Eltern nicht beachteten, weil sie Reich für einen Irren hielten.
Reich versuchte sich los zu reißen. Das Ding im Roggen war jetzt bei dem Kind und umkreiste es.
„MEIN GOTT, DAS KIND!“, schrie Reich wie ein Wahnsinniger, als der Junge im Roggen zu quieken begann.
Dann lachte das Kind plötzlich, so fröhlich und verschmitzt, wie es nur kleine Kinder tun. Eine schwarze Promenadenmischung stupste ihn mit seiner kalten Schnauze an und wedelte mit dem Schweif. Das war der gelenklose Arm, den Marquard gesehen zu haben glaubte.
Atemlos hielt Reich inne und ließ sich von dem Vater zu Boden ringen.
Marquard kam hinzu und brachte die Männer auseinander.

EIN VERSEHEN, versuchte er zu erklären;
SEINE TOCHTER WURDE IN DIESEN FELDERN ENTFÜHRT;
Das mussten sie verstehen. Die Mutter nahm ihren kleinen Richard so fest in die Arme, als hätte sie ein Schauer befallen.
Und sie verstanden es.

Marquard nahm sich für eine Woche frei. Er konnte Reich so nicht alleine lassen.

Es war ein Alptraum. In gewisser Weise war alles ein Alptraum. Reich behauptete, er hätte etwas in den Feldern gesehen. „Der Hund“, redete Marquard auf ihn ein. „Es war ein Hund“, sagte er. Aber Reich pochte darauf, dass da noch etwas anderes gewesen sei, etwas, das nur er gesehen hatte, und das niemand von ihnen gesehen hatte, weil es einfach zu absurd und grauenvoll gewesen war. Eine Hand aus schwarzem Stroh, die sich nach dem Jungen ausstreckte und die der Hund im letzten Augenblick vertrieben hatte.
Marquard schüttelte den Kopf und wollte sich die Ohren zuhalten.
„Du musst endlich aufhören“, beschwor er Reich.
„Bevor es zu spät ist.“

Reich war von der Sache nicht abzubringen. Er erzählte ihm von einer Sage, von einer Frau im Roggen. Marquard kannte die alten Märchen, Kindergeschichten, die einen realen Bezug hatten, aber die doch um Himmels Willen nicht in ihre Gegenwart gehörten.
„Jens“, sagte Marquard laut und fasste ihn bei den Schultern, „das ist nicht real!“
Reich riss sich von ihm los und führte ihn in die Bibliothek, wo er ihm wortlos Bücher auf den Tisch knallte, wie unumstößliche Beweise. Die Seiten quollen über vor wahllos abgerissenen Lesezeichen. Reich störte es nicht, dass die Bücher zum größten Teil Kinderbücher waren. Die bunten Illustrationen machten jedes seiner Worte lächerlicher, als sie ohnehin schon waren.
„Was, wenn Anne immer noch gefangen ist“, flüsterte er mitten in seinen Ausführungen, „und ich sie auslösen könnte.“
„Auslösen?“, fragte Marquard entsetzt.
„Jens, du weißt nicht, was du redest.“
Reich hatte sich ganz in seinen Wahnsinn zurückgezogen.
„Ein Kind für ein Kind, das ist doch gerecht, findest du nicht auch? Ich meine…“ Er trat ans Fenster und sah auf das weite, sonnenüberflutete Feld hinaus.
„… wenn ich dem, was da im Roggen ist, etwas anbieten könnte, was es über alle Maßen will…“
Er hielt inne und war für einen Augenblick über seine Worte ebenso entsetzt, wie Marquard es war.

Marquard hatte Reich in die Welt des Schlafes entlassen; in einen traumlosen Schlaf, wie er hoffte. Die kleine Apotheke in Reichs Badezimmer war so beängstigend wohl ausgestattet, dass er beschloss einen Großteil davon in den Müll zu entsorgen. Antidepressiva reihten sich an legale Drogen, die einen nur kaputt machen konnten und die vermutlich mit dafür verantwortlich waren, dass dieser Mann nicht in der Lage war, seiner grauenvollen Vergangenheit zu entfliehen. Er tat ihm leid und er tat sich selbst leid, dass er in diese Geschichte hineingeraten war, ohne etwas dazu tun zu können.
In der Bibliothek, während Reich oben eine Auszeit von diesem Irrsinn nahm, setzte sich Marquard erst widerstrebend, dann aber mit aller Hingabe zu den Büchern, die Reich ihm aufgeschlagen hatte. Er wusste, er musste seinen Wahnsinn verstehen, wenn er ihm helfen wollte.
Die Bücher selbst, die vor ihm lagen, waren so wunderbar einfach gestrickt, dass er für einen Augenblick die grauenvolle Wirklichkeit vergaß. Die Kinder in diesen Büchern spielten in der Sonne und in den Felder rauschte ein fröhlicher Wind.
Doch über allem drohte schließlich eine Gefahr, wenn man sich auf die Geschichten einließ. Eine Frau, ein Weib, eine Gestalt aus Ähren und Halmen suchte die Felder heim. Und mal gingen die Kinder hinein und schliefen mit glühend heißen Wangen ein, um nie mehr zu erwachen und für immer verschwunden zu bleiben. Dann tauchte wieder ein Weib auf und lockte sie tiefer und tiefer in die Felder hinein, bis sie sie hatte und mit sich fort nahm. Reichs Theorie fand seine Grundlage in einer einzigen Geschichte, in der jenes geheimnisumwitterte Weib ein Kleinkind gegen ein anderes eintauschte und es erst wieder frei gab, als der schreckliche Tausch bemerkt wurde und das falsche Kind zurück in das Feld gelegt wurde. Das Weinen dieses falschen Kindes, der Gedanke daran ließ Marquard erschauern, brachte das Weib im Roggen dazu, es zurück zu nehmen.
Wahnsinn, dachte er, was für ein Wahnsinn.
Und er schlug das Buch so heftig zu, dass er erschrocken auffuhr.
„…etwas anbieten, was es über alle Maßen will…“, flüsterte er. Das waren Reichs Worte gewesen.
Nachdenklich sah er aus dem Fenster auf das Feld hinaus.

Reich war mitten in den Feldern. Irgendetwas sagte ihm, dass es ein Traum war oder etwas Ähnliches. Er spazierte dahin, die Hände in den Ähren und er fühlte sich mit einem Mal so frei, wie schon lange nicht mehr. In seinen Lungen wusch ein frischer Wind alle Angst und Trauer hinfort. Um seine Jeans herum knisterte das trockene Stroh und Feldmäuse huschten vor seinen weit ausgreifenden Schritten in das Meer der Halme davon.
Die Sonne stand hoch und wärmte seinen Nacken. Er sah empor und sah die rote Scheibe, wie sie nieder tanzte. Es war ein roter Frisbee, der über ihm an der Sonne vorbeigezogen war, wie der Mond zu einer Sonnenfinsternis, und der sich nun, um sich selbst drehend, auf einem Bett aus Ähren nieder senkte.
Reich erkannte ihn sofort und er hörte Annes Stimme hinter sich, die ihm etwas zu rief. Er konnte sie auf diese Entfernung kaum verstehen und er lief hastig zu dem Frisbee, um ihn ihr zurück zu schicken.
Dann drehte er sich um und sah sich selbst am Rande des Feldes stehen, die Hände zu einem Trichter an den Mund gelegt und Annes Namen rufend.
Wie damals. Diese Geschichte hatte er sicher an die hundert Mal seinem Therapeuten erzählt.
Am Himmel breiteten sich Sturmwolken aus und er selbst rief sich vom Feldrand zu, dass sie zurück müssten, bevor der Regen einsetzte.
Und er? War er Anne und stand hier genau an der Stelle, wo sie damals für immer verschwunden war?
Reich sah sich um. Der Frisbee tanzte auf den Wellen aus goldenen Ähren, durch die der Wind pflügte. Ein Raunen ging ihm durch Mark und Bein, als wollte ihm jemand etwas zuflüstern. Er lauschte in das Rauschen hinein; vernahm von fern seine eigenen ängstlichen Schreie.
Sie solle da raus kommen! Sie solle da verdammt noch mal sofort raus!
Aber Reich hörte nicht darauf. Er musste jetzt herausfinden, was damals geschehen war. Da! Seitlich von ihm war kurz etwas aus den Ähren aufgetaucht und im selben Augenblick verschwunden. Er konnte eine Haarsträhne ausmachen, so blond wie die von Anne. Sie sah ihrer Mutter immer so ähnlich.
Da, wieder! Eine schwarze Hand war aus dem Halmenmeer emporgestiegen und hatte ihn flüchtig an der Jeans berührt. Mit einem Ruck ging er in die Knie und stieß einen entsetzten Schrei aus. Etwas hatte ihn in die Tiefe ziehen wollen.
Wieder!
Mit aller Kraft kämpfte Reich gegen die Arme unter ihm an. Sie packten ihn und zerrten wie wild an seiner Hüfte. Er verlor den Halt und geriet für einen Augenblick unter die Oberfläche der über ihm wogenden Ähren. Er konnte nicht atmen!
Noch einmal kam er an die Oberfläche und kämpfte wie ein Ertrinkender. Er sah sein Ebenbild, das nur noch wenige Schritte entfernt war. Er streckte ihm die Hand entgegen.
Dann zog es ihn mit aller Gewalt in die Tiefe…

…dann zog es Anne vor seinen Augen in die Tiefe. Schreiend kam Reich inmitten der zerwühlten Ähren zum Stehen.
„Anne“, flüsterte er keuchend und griff mit den Händen tief in die wogenden Halme hinein. Aber er griff ins Leere, überall ins Leere und er ging umher, rufend, gebückt, die Hände im Feld, die Ähren ganz dicht vor dem Gesicht.
„ANNE!“
“ANNE!“
Und mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass er mitten im Feld war, allein. Dass er nicht hier sein durfte, dass es ein Traum war oder etwas Ähnliches; etwas beunruhigend Ähnliches!
Und plötzlich sah er eine Schneise und dann einen schwarzen Arm, der sich aus der Tiefe zu ihm empor reckte, aus schwarzem Stroh. In dieses schwarze Stroh rankten sich Adern und Blutgefäße, Muskelfasern breiteten sich wie ein Schimmel darauf aus, dann Haut und schließlich tauchte ein weißes, nacktes Gesicht aus den Ähren auf, dem im selben Augenblick die blonden Haare wie frisches Gras aus dem Schädel sprossen.
„Jenny!“ Es war die Frau, die er einmal geliebt hatte und die er immer noch liebte, die da durch die wogenden Halme auf ihn zu kam und ihm die Hand auf die Wangen legte. Reich glaubte ohnmächtig zu werden.
„Ich habe Dich vermisst“, flüsterte er. Und sie nahm sein Gesicht in ihre Hände.
„Ich habe auf dich gewartet.“
Reich nickte.
„Ich weiß“, flüsterte er mit Tränen in den Augen.
„Und wenn du mir Anne zurück gibst…“
Jenny sah ihn entsetzt an. Ihr Blick verfinsterte sich.
„Glaub mir, ich gebe dir alles…“ Er packte Jenny beim Arm. Ihre Augen funkelten. Dann wurden sie schwarz und Reich hielt sie trotz seiner Furcht weiter am Arm gepackt und wollte sie nicht loslassen.
„Du hast sie mir weggenommen“, sagte er und spürte ihre unbändige Kraft, als sie sich von ihm losreißen wollte.
Seine Hand begann zu bluten, als scharfe Ähren und Stroh wie Nadeln durch ihre weiche Haut stachen. Ihr Gesicht verwandelte sich wieder. Schwarzes Korn brach aus ihrem Mund hervor.
„Ich werde dich nicht loslassen, bis du mir sagst, was du willst…“
Reich hielt jetzt nur noch ein Bündel aus schwarzem Stroh in den Händen.
„Was willst du?“, brüllte er.
„Was zum Teufel willst du?“

Reich schlug die Augen auf. Er lag in seinem Bett und die Abendsonne funkelte durch das Fenster herein. An seiner Seite saß Marquard und hielt ihn an der Schulter.
„Wach auf“, forderte er, als Reich ihn ansah.
„Wach auf!“
Reich drückte seine Hand bei Seite.
„Ich bin doch wach“, sagte er kalt.
Marquard schüttelte den Kopf.
„Nein, das bist du nicht. Vielleicht solltest du erst mal duschen und wieder zu dir kommen.“
„Habe ich im Traum gesprochen?“
Marquard runzelte die Stirn.

„Vielleicht ist es doch besser, wenn ich deinen Arzt anrufe.“
Marquard ging zum Telefon, während Reich ganz ruhig gegen den Rahmen der Küchentür gelehnt stand.
„Ich habe von ihr geträumt“, sagte er und betrachtete seine Fingernägel.
„Von Anne?“
„Nein, von Jenny.“
Marquard hielt den Telefonhörer in der Hand.
„Jenny ist tot und Anne ist tot, wann begreifst du das endlich.“
„Nicht, wenn ich Jenny das gebe, was sie will.“
Marquard schüttelte den Kopf.
„Jenny hat absolut gar nichts mit Annes Verschwinden zu tun!“
Reich lachte.
„Sie hat sie geholt!“
Marquard atmete tief durch und reichte Reich den Telefonhörer.
„Ich glaube, es ist besser, wenn du das machst. Ruf diesen Therapeuten an und sag ihm, dass es so nicht weiter geht, dass du Hilfe brauchst.“
Reich ging auf ihn zu und nahm den Hörer. Er hob ihn hoch, als wolle er telefonieren.
Dann hielt er plötzlich inne.
„Weißt du, ich weiß jetzt, was sie will.“
Marquard erschauderte.
„Jens, du musst dir jetzt helfen lassen.“
Er drehte sich um und wollte die Telefonnummer wählen. Hinter ihm hob Reich den schweren Kunststoffhörer in die Höhe.
„Sie will dich“, flüsterte er.
„Sie wollte dich von Anfang an.“

Reich zerrt den schweren Körper wie einen Sack Kohlen hinter sich her, durch das Stroh, durch die Ähren, die im Wind auf und nieder wogen. Er muss ein ganzes Stück ins Feld hinein, denkt er sich, damit es funktioniert. Während er zerrt und an Marquards Fersen reißt, redet er mit Marquard, der ohnmächtig die Augen geschlossen hält.
„Du hättest sie nicht töten sollen“, sagt er. „Das hättest du nicht tun sollen.“
Er hält inne und schaut mitleidig auf Marquards Körper.
„Aber du konntest nichts dafür…“ Für einen Augenblick ist Reich verwirrt und in seinem Verstand sprechen verschiedene Stimmen.
Dann lauscht er auf den Wind und glaubt Annes Stimme zu hören.
„Ich komme ja“, sagt er fröhlich und zerrt den Körper weiter, bis er ganz in der Mitte des Feldes ist. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und streckt sich wie nach schwerer Arbeit. Marquard stöhnt und kommt langsam zu sich.
Reich richtet den Mann auf und fesselt ihm die Hände auf den Rücken, dann die Füße und Marquard kniet vor ihm, als warte er auf seine Hinrichtung.
Ein heißer, stickiger Wind pfeift durch das Korn.
„Sie kommt“, flüstert Reich und geht einige Schritte zurück.
Marquard schüttelt den Kopf und versucht bei Bewusstsein zu bleiben.
„Du hast selbst gesagt, dass sie sich umbringen wollte!“
Reich lächelt verträumt.
„Sie hätte mich nie verlassen!“
Marquard schaut zu ihm auf.
„Das ist doch alles nicht real. Sie wird nicht kommen, hörst du? Sie ist tot.“
Reich sieht etwas durch das Korn gleiten und legt den Zeigefinger an seinen Mund.
„SCHSCHT!“, macht er und deutet lächelnd in die Ferne.
„Sie ist es…“
Marquard ruckt mit dem Kopf herum. Die Ähren stehen ihm bis zur Brust und er sieht plötzlich einen Schatten durch das Korn jagen. Dann ist er wieder verschwunden, aber er hört das Knistern von Stroh, als haste etwas durch die Halme.
„Kannst du sie hören?“, fragt Reich.
Marquard schüttelt den Kopf.
„Das muss ein Hund sein“, flüstert er.
„Ein Tier…“
Reich ist über alle Maßen enttäuscht von Marquard, dass er selbst jetzt nicht begreift, was hier vorgeht.
„Sie kommt“, sagt er. „Sie kommt…“
Und plötzlich ist etwas an Marquard heran und reißt so heftig an seinem Oberschenkel, dass es ihn fast umwirft. Ängstlich schreit er auf. Etwas packt ihn und rüttelt an ihm. Schwarze Strohhalme wischen ihm wie Hände über das Gesicht und er hat ein Gefühl, als versänke der Boden unter ihm.
Für einen Augenblick zieht es ihn in die Tiefe und er kann nicht atmen.
Dann kommt er noch einmal an die Oberfläche und spukt kleine Körner und Strohfetzen aus, als hätte er sich daran verschluckt.
Reich sieht noch einmal seinen verängstigten Blick, bevor es Marquard für immer verschlingt.

Dann hört er Annes Stimme.
„Papa?“
Reich schließt die Augen.
„Ich wusste, dass du zurück kommen würdest“, flüstert er und er will sich umdrehen und Anne in die Arme nehmen.
Er streckt die Arme aus und stellt sich vor, wie sie verstecken spielen.
„Wo bist du?“, ruft er lachend und stolpert blind in ihre Richtung.

Dann fühlt er ihre Hand, dann ihr Gesicht und er lässt seine Hände durch ihr blondes Haar gleiten. Sie ist so schön wie damals, denkt er sich. Sie kichert, als er mit seinen Fingerspitzen ihre Stupsnase berührt.
Als er seine Augen öffnet, verwandeln sich ihre Haare in schwarzes Stroh.
„Du weißt, was ich will“, hört er die schwarze Gestalt flüstern, als sie ihn mit ganzer Wucht an sich reißt. Reich blickt ihr in die schwarzen hohlen Augen und beginnt zu schreien.

Stille; bis die Vögel wieder zu zirpen beginnen. Die goldgelbe Oberfläche des Roggenfeldes liegt wie ein Meer an einem Strand aus grünem Gras, an der sich die Hauptstraße entlang schlängelt. Die Sonne steht wie ein roter Frisbee am Himmel und will nicht mehr zur Erde fallen. Im Rauschen des Windes, der die Ähren wie Wellen auf einem Meer tanzen lässt, vernimmt man eine Stimme, die von weitem in eine tote, leere Welt eindringt.
„Sie wachen jetzt auf“, ruft die Stimme durch den Wind.
„Ich werde bis drei zählen und in die Hände klatschen und dann wachen Sie auf!
Eins…“
Aber niemand ist dort, in diesem Feld, der seine Stimme hört.
„Zwei…“
Er ist gegangen.
„Drei!“
Reich blinzelt nicht einmal, als der Therapeut in die Hände klatscht. Er rüttelt an seinen Schultern, schreit ihn an, er solle um Himmels Willen aufwachen.

Reich öffnet den Mund, als wolle er sprechen.
Dann bricht schwarzes Korn aus seiner Tiefe empor…


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"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Grünbein

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no-name
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Himmel Marcus, jetzt habe ich heute schon die zweite, wirklich beeindruckende Geschichte von dir gelesen.

Es ist toll, wie du es schaffst, aus einer zugegebenermaßen grandiosen Grundidee eine extrem spannende, psychologisch schlüssige Story zu schreiben, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Zudem wirklich super, wie du es geschafft hast, bei mir als Leser den Eindruck zu erwecken, dass sich die Fiktion und Phantasie deines Protagonisten miteinander vermischen...

Dein "Meer der Halme" ist für mich der Psychohorror pur - dafür von mir dafür eine glatte zehn, und diese Note vergebe ich nun wahrlich nicht oft!

Herzliche Grüße von no-name.

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Marcus Richter
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Hey Pete,

das ist kein Problem. Deva hat die Geschichte auch nicht gefallen. Da kann man aber nichts machen - so ist eben das Leserverhalten.

Für´s Verständnis: Alles spielt sich nur auf der Couch eines Psychotherapeuten ab. Alles beginnt und endet auch dort.
Der Therapeut möchte, dass der Patient aufwacht, aber das tut er nicht; er glaubt es nur. In diesem Augenblick dringt der Leser per Erzähler in seine Träume ein, die sich schließlich als Alpträume entpuppen, aus denen es kein Entkommen gibt.
Der Schluss ist dann datürlich Finesse. Wir erwachen zusammen mit dem Erzähler, und stellen fest, dass der Protagonist in seinem Alptraum verloren gegangen ist, und dass es kein zurück mehr gibt. Er ist für immer in diesem Traum.

Und jetzt die Pointe. "Schwarzes Korn bricht aus seinem Mund hervor". Ha, das ist jetzt nicht mehr der Erzähler, der da zu uns spricht; dass sind wir, die wir glaubten, aus diesem Traum entkommen zu sein, während es der Prot. nicht geschafft hat.
Aber ganz ehrlich, sind wir das? Oder gibt es auch für uns kein Entkommen?

Gruss, Marcus
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Durs Grünbein

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Burana
Guest
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Hallo Marcus!
Ich habe Deine Geschichte fasziniert gelesen, bin aber auch ab und zu etwas ratlos zwischen den 'Brüchen' herumgeirrt. Dass es ein Traum auf der Couch eines Therapeuten ist, hab ich gleich verstanden. Aber irgendwann nicht mehr kapiert, wessen Frau warum ums Leben gekommen ist, und warum Reich's Frau Marquard hätte haben wollen...
Ab und zu irritieren mich auch die neuen Zeilenanfänge bei wörtlichen Reden, wenn sie durch kurze Einfügungen unterbrochen wurden. Da weiß ich dann nicht, wer jetzt eigentlich redet, weil es so aussieht, als wäre der Rest die Antwort des Gegenübers.
Den Schluss habe ich völlig anders gesehen, als Du ihn in Deinem Komm beschreibst. Da haben sich für mich Realität und Fiktion (des Prot) einfach nochmal überschnitten. Was ich für sehr gelungen halte.
Ansonsten muss ich sagen, dass Dir eine gute, wenn auch für meine Begriffe überarbeitungswürdige(auf jeden Fall würdige!) Geschichte gelungen ist.
Liebe Grüße, Burana

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Marcus Richter
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Hallo Carmen,

na, da zeichnet sich doch langsam ein Bild der Geschichte ab, mit der ich arbeiten kann, und mir zeigt es, wo ich mit meinen Geschichten stehe.
Und das Prädikat Bearbeitungs"würdig" schreibe ich mir gerne auf die Fahnen.
Dass Reich´s Frau(das, was im Roggen ist), Marquard "haben" will, ergibt sich für mich einfach aus der Tatsache, dass er an ihrem Tod beteiligt war(vielleicht schuldig?). Das ist natürlich ein Klischee aus der Geisterkiste, das ich nicht unbedingt näher beschreiben wollte, weil es so banal ist - "Es will eben, was es will".

Für eine weitere Bearbeitung der Geschichte, denke ich, ist es noch zu früh. Vielleicht gibt es ja mal eine Auschreibung, für die es sich lohnt, auf Eure Hinweise zurück zu greifen.

Bis dahin, danke Carmen,
und Grüsse



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Haremsdame
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Hallo Marcel,

viele Anläufe brauchte es, ehe ich Deine Story "geschafft" habe. Die Länge hat mich mehrmals abgeschreckt. Sicher ließe sich so etwas besser in gedruckter Form lesen, obwohl ich mit dem Notebook auch bequem auf dem Sofa sitze...

Auf jeden Fall hat es sich gelohnt, diesmal dabei zu bleiben. Die Spannung zog mich mit, es gab nichts mehr, was mich ablenken konnte. Ich bin restlos begeistert!

Gerade das Verschwimmen der unterschiedlichen Ebenen gefiel mir. Das "Nicht-mehr-wissen", wo ich mich gerade befinde... Dabei ist unser Sofa nicht mit Stroh gefüllt .

Danke für diesen Lesegenuss
sagt die Haremsdame
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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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