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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Meeresstern
Eingestellt am 05. 07. 2013 10:30


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Sir Mef
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2013

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Meeresstern


Ich mu├čte lange zur├╝ck denken, bevor ich mir bewu├čt wurde wann ich sie so ein letztes Mal gesehen hatte.
Ihr Blick so tr├╝b, wie ein verwaschenes Glas und Augen, die so rot waren, als wolle sie damit die untergehende Sonne besiegen.
Ich sah den Schmerz nicht nur in ihrem Gesicht sondern so tief in ihrem Herzen, da├č ich ihn nicht mehr hinweg streicheln konnte.
Zum ersten Mal seit langer Zeit, war dieses wunderbare, warme L├Ącheln verschwunden mit dem sie stets durch ihr Leben gezogen war.
Zum ersten Mal waren ihre Augen so rot von dem salzigen Wasser in ihren Augen, da├č es das heimliche Feuer darin erloschen hatten.
K├Ânnte ich ihren Kummer, ihre Tr├Ąnen nur besiegen, doch mir fiel kein tr├Âstendes Wort ein, da├č diesen Schmerz lindern konnte.
Und als ihr die erste Tr├Ąne ├╝ber die Wange rollte, zu Boden fiel und einen feuchten Klecks hinterlie├č, fiel mir eine Geschichte ein mit der ich ihre Tr├Ąnen fruchtbar machen wollte.

ÔÇ×Er war nur ein Tropfen.
Nur eine Tr├Ąne.
Und doch barg er in sich so viel leid und Schmerz, den er mit sich trug, als er aus dem Augenwinkel tropfte und ├╝ber der Wange eine brennende Spur hinterlie├č.
Er sah sich nur als ein Kratzer auf der Seele.
Nur ein winziger Schmerz, der schneller vergehen w├╝rde, als man dar├╝ber nachdenken w├╝rde und doch sp├╝rte er, da├č er mehr war.
Etwas besonderes.
Einmaliges.
Als er die Wange verlie├č und auf dem kalten Br├╝ckengel├Ąnder landete, an dem sich zwei zarte H├Ąnde festhielten, weit ├╝ber gebeugt, den K├Ârper haltend, sehnte er sich zur├╝ck auf diese warme weiche Wange, ├╝ber den sein Weg ihn, viel zu kurz um es zu genie├čen, gef├╝hrt hatte.
Die Sonne warf ihre letzten Strahlen in ihn hinein und er sp├╝rte die W├Ąrme, wie sie durch ihn durch stie├č, und zur Freude lie├č er sich in allen Farben des Regenbogens schimmern.

Und w├Ąhrend er noch leicht vor sich hin leuchtete, verga├č er sich an dem kalten Metall festzuhalten, rutschte ab und fiel.
Sehr tief.
Sehr lange.
Mit dem sehns├╝chtigen Blick auf das sonnige Gel├Ąnder und die weiche Wange klatschte er in den unter ihm liegenden Flu├č, zog weite Kreise und verschwand im Wasser.
Der Aufprall h├Ątte ihm weh tun sollen, doch als er wieder die Augen ├Âffnete, die er vor Furcht geschlossen hatte, sah er sich umgeben von unz├Ąhligen anderen Tropfen, die alle die selbe Richtung einschlugen.
Erst als er versuchte sich mit ihnen zu unterhalten, sich anzufreunden, fiel ihm auf, da├č diese Tropfen nicht so waren wie er.
Die Trauer, sich als Salzwassertropfen in einem S├╝├čwasserflu├č zu befinden, lie├č ihn immer schneller auf den Wellen tanzen.
Er sp├╝rte wieder die sehns├╝chtig erwartete Sonne auf ihn niedersteigen und sprang von Schaumkrone zu Schaumkrone.
Er w├╝nschte sich, die ganzen S├╝├čwassertropfen unter sich, da├č dieser Flu├č kein Ende haben sollte, und da├č er sich immer weiter in der warmen Sonne auf den lustigen Schaumkronen bewegen k├Ânnte.
Doch er sollte nicht eine Tr├Ąne voller Schmerzen und Leid sein, wenn er nicht genau w├╝├čte, da├č dieser Ritt auf den leichten Wellen ein Ende haben sollte.
Und bevor er noch dar├╝ber nachdachte sah er auch schon das offene weite Meer vor dem nahtlosen Horizont, die untergehende Sonne.
Er wurde in den Ozean gesp├╝lt, umgeben von salzigen Tropfen, Tr├Ąnen und Lebewesen, die er zuvor noch nie gesehen hatte.
Doch wie er sich so umsah, umgeben von Gleichgesinnten, w├╝nschte er sich nichts sehnlicher, als den Schmerz, der immer noch in seinem Salz verborgen war zu verlieren.
Er wurde traurig, qu├Ąlte sich an die Oberfl├Ąche und tanzte ein wenig auf den Wellen, den wei├čen Schaumkronen, lie├č die Sonne durch sich hindurch scheinen, doch er konnte sich nicht mehr freuen, lie├č keine bunten Farben gegen den Himmel leuchten.

Auch die anderen sahen seinen Schmerz und wendeten sich von ihm ab.
Er war allein.
Nach einer Zeit, die ihm wie Ewigkeiten vorkamen, sp├╝rte er, da├č weit von ihm entfernt keine Tr├Ąnen mehr ├╝ber die zarten Wangen rollten, auf der sein Weg begonnen hatte und er f├╝hlte, da├č der Schmerz langsam und immer schneller verschwand.
Dann sp├╝rte er die Sonne.
Hielt sich leuchten an einem ihrer Strahlen fest und lie├č sich von ihr gegen den Himmel tragen.
Immer h├Âher.
Als er die Weite des Universums erreichte lie├č er den Strahl los und klammerte sich leuchtend in der Schwerelosigkeit fest.
Ein ewiger Stern, der nie erlischt.
Und je l├Ąnger du weinst desto l├Ąnger mu├č deine kleine Tr├Ąne den Schmerz, den du aus dir heraus weinst mit sich herum tragen und mit tr├╝ber Mine durch Meere und Fl├╝sse wandern, ohne zur Ruhe zu kommen.
Doch wenn dein Schmerz besiegt, die Tr├Ąnen versiegen, leuchten sie so hell ├╝ber dem Himmel auf, da├č sie sich wie ein mahnendes Denkmal ├╝ber dir erheben.
Mit dem Wunsch, dich mit dem Blick gegen die Sterne gl├╝cklich zu machen.ÔÇť

__________________
Matthias Marek

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