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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mein Bruder
Eingestellt am 29. 09. 2015 17:25


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Hyazinthe
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Mein Bruder

Ich hasste ihn, meinen Bruder Martin. Er verkörperte alles, was ich bewunderte und ersehnte, aber selbst nicht besaß. Obwohl er fast zwei Jahre jĂŒnger war als ich, ĂŒberragte er mich um gut einen halben Kopf. KrĂ€ftig gebaut, mit ausgeprĂ€gten Muskeln an dem schlanken Körper sowie ausgestattet mit strahlend blauen Augen unter dem wilden Blondhaar war er das Idealbild eines Jungen von zehn, elf Jahren und gewann mit seinem immer fröhlichen, unkomplizierten Wesen sofort alle Herzen. Dagegen ich: SchmĂ€chtig, schmal und dunkel, noch dazu mit dem Makel der Kurzsichtigkeit behaftet, die mich zwang, eine dieser hĂ€sslichen Kassenbrillen zu tragen, fristete ich in seinem Schatten mein tristes Dasein. Unsere Schwestern, beide schon fast erwachsen, strichen Martin andauernd ĂŒbers Haar und steckten ihm SĂŒĂŸigkeiten zu, wĂ€hrend sie mich bestenfalls ignorierten oder mich als Leseratte oder BĂŒcherwurm betitelten, wenn ich wieder mal in einem Buch vertieft in der Sofaecke saß, statt draußen mit den anderen Kindern herum zu tollen.
Trost fand ich nur in dem Bewusstsein, das ich Martin in intellektueller Hinsicht ĂŒberlegen war, denn Lesen, Schreiben und Rechnen war seine Sache nicht. Unter seinem mĂŒhseligen Gekratze auf der Schiefertafel zerbrach mancher Griffel, und zum Addieren und Subtrahieren benutze er noch im zweiten Schuljahr die Finger. NatĂŒrlich nutzte ich jede sich bietende Gelegenheit, seine geistige Langsamkeit bloßzustellen und ihn in Verlegenheit zu bringen. So wie damals, als ich ihn veranlasste, fĂŒr unsere Mutter zum Geburtstag ein Gedicht auswendig zu lernen, um ihr durch einen freien Vortrag eine Freude zu machen, wohl wissend, dass er schon bei der zweiten Zeile stecken bleiben und mit schamroten Wangen darstehen wĂŒrde Ich hoffte, mit meinen fein sĂ€uberlich in Schönschrift auf dekorativ bemaltem Papier geschriebenen selbstverfassten Versen einen umso grĂ¶ĂŸeren Eindruck zu machen. Dass Martin trotz seines erbĂ€rmlichen Herumgestotters und mit seinem unordentlichen Blumenstrauß aus Kornblumen und Klatschmohn die herzlichere Umarmung von unserer Mutter erntete, empfand ich als bittere Ungerechtigkeit, an der ich lange zu schlucken hatte.
Martin war der geborene FĂŒhrer. Die Dorfjungen, mit denen wir zusammen spielten, folgten ihm blindlings in jede noch so unsinnige Unternehmung. So wie bei dem Projekt Erdhöhle. Es war ein schöner SpĂ€tsommertag, und damals durften wir Kinder abends draußen noch herumstromern, bis es dunkel wurde. Martin schlug vor, dass wir uns eine Erdhöhle im nahe gelegenen Forst bauen sollten, in der wir unsere geheimen ZusammenkĂŒnfte abhalten konnten. Alle waren sofort Feuer und Flamme. Wir schafften von zu Hause Schaufeln und Hacken herbei und fingen an, an einer geeigneten Stelle ein Loch zu graben. Als eine etwa zwei mal zwei Meter große und anderthalb Meter tiefe Grube ausgehoben war, tat sich das Problem der Überdachung auf. Alle Äste und Zweige, die wir finden konnten, reichten zur ÜberbrĂŒckung der zwei Meter Grubenbreite nicht aus. Ratlos standen die Jungen vor dem Ergebnis ihrer MĂŒhen, verschwitzt und mĂŒde, mit schmutzverkrusteten FĂŒĂŸen und HĂ€nden, und sahen ihren AnfĂŒhrer Antwort heischend an. Martin kratzte sich am Kopf und machte ein dummes Gesicht. Nun sah ich meine Stunde gekommen. „Wir brauchen zwei Leitern“, sagte ich, „die legen wir ĂŒber die Grube. Dann können wir sie mit Zweigen und Laub bedecken und haben ein richtiges Dach.“ Schon waren die Nachbarjungen Tim und Uwe unterwegs, um von den elterlichen Höfen hölzerne Leitern zu holen. Dass diese spĂ€ter vermisst werden wĂŒrden, weil man sie zum Ersteigen der Heuböden in den Scheunen und Dielen benötigte, daran dachte keiner. Es wurde tatsĂ€chlich ein richtig schönes Dach, und als wir uns anschließend zu Viert in der dunklen Höhle zusammenkauerten, kamen wir uns großartig vor. Tim, der Älteste von uns, holte aus der Hosentasche ZĂŒndhölzer und zwei zerknitterte Zigaretten, die er aus der Schachtel seines Vaters gestohlen hatte, und wir teilten uns je eine Zigarette. WĂ€hrend wir so dasaßen, qualmend und paffend und mĂŒhsam den Hustenreiz unterdrĂŒckend, genossen wir den Reiz des Verbotenen in unserem Versteck, und ich sonnte mich in den anerkennenden Blicken der Jungen, die diesmal nicht nur Martin galten.
Martin liebte Herausforderungen. Keiner durchschwamm schneller als er das FlĂŒsschen am Rande unseres Dorfes, das besonders nach der Schneeschmelze im FrĂŒhjahr ĂŒber eine ganz ansehnliche Strömung verfĂŒgte, keiner erkletterte so geschickt wie er die alte Buche vor unserem Haus, die mit ihren höchsten Zweigen wohl an die fĂŒnfzehn Meter in die Höhe ragte. Er kannte keine Furcht, mein Bruder. Lachend und winkend balancierte er ein andermal auf dem First des Scheunendaches, wĂ€hrend ich mit schreckgeweiteten Augen unten stand und mir, stellvertretend fĂŒr Martin, vor Angst fast in die Hosen machte.
Als der alte Petri, der PferdehĂ€ndler, fĂŒnfundachtzigjĂ€hrig starb, kursierte das GerĂŒcht, dass der Teufel seine Seele holen wĂŒrde, bevor er in geweihter Erde bestattet wurde, denn Petri galt als Wucherer und Halsabschneider und, was am schlimmsten war, als Atheist. Keiner von uns Kindern wusste, was das Wort bedeutete, aber es musste etwas sein, was die Verdammung rechtfertigte.
Martin nun kam auf die Idee, dass es unsere Aufgabe sei, den Teufel zu vertreiben. Dazu mussten wir zur Geisterstunde auf dem Friedhof sein und an dem schon ausgehobenen Grab Wache halten. Wenn der Teufel kam, wĂŒrden wir ihn durch lautes Geschrei vertreiben. Tim schlug vor, sicherheitshalber etwas Weihwasser mitzunehmen; er wollte es in einer kleinen Flasche aus dem zu Ostern geweihten Vorrat seiner Mutter mitbringen und den Teufel damit bespritzen.
Martin deklarierte die nĂ€chtliche Unternehmung als Mutprobe, und jeder, der nicht mitmachte, wĂŒrde fĂŒr immer als erbĂ€rmlicher Feigling darstehen. Vor Aufregung machte ich kein Auge zu, wĂ€hrend Martin in aller Seelenruhe bis kurz vor Mitternacht schlief. Ich weckte ihn, und wir schlichen uns leise aus dem Haus.
Die uns sonst so vertraute Welt sah in der Dunkelheit auf unheimliche Art verĂ€ndert aus. Ein fahler Mond stand am Himmel, hĂ€ufig verdeckt von durchziehenden Wolken, die fĂŒr unverhoffte, sich gespenstisch bewegende Schatten sorgten. Beim Friedhof trafen wir unsere beiden Mitverschwörer, und zusammen kauerten wir uns neben der schwarz gĂ€hnenden Grabstelle hin. Ich hatte klugerweise ZĂŒndhölzer und vier Kerzen mitgebracht, die von Weihnachten ĂŒbriggeblieben waren, und als wir jeder ein tröstliches kleines Licht in der Hand hielten, genoss ich den anerkennenden Druck von Martins Arm, den er brĂŒderlich um meine Schultern gelegt hatte.
Als die Kirchturmuhr schlug und die Geisterstunde einlĂ€utete, versteckten wir uns hinter einem großen Grabstein und wagten kaum zu atmen, wĂ€hrend wir den Eingang der Friedhofskapelle, in der der bedauernswerte PferdehĂ€ndler aufgebahrt war, im Auge behielten. Lange Zeit verharrten wir so. Die Kerzen, die wir mit der Hand vor dem Wind schĂŒtzten, brannten langsam nieder. Tapfer verbissen wir uns den von dem herabtropfenden Wachs verursachten Schmerz. Tim hatte die Flasche mit dem Weihwasser griffbereit neben sich gestellt. Eine endlos lange Zeit verging. Nichts geschah. Gerade, als ich merkte, dass mein linker Fuß eingeschlafen war, nahmen wir eine deutliche Bewegung in dem GebĂŒsch neben dem Eingang der Friedhofskapelle wahr, und zwei glĂŒhende Augen starrten uns an. Alle vier sprangen wir schreiend auf, ließen die Kerzen fallen und rannten so schnell wie wir konnten nach Hause.
„Ob wir den Teufel verjagt haben?“, fragte Martin, als wir kurze Zeit spĂ€ter wohlbehalten in unseren Betten lagen. „Tim hat ja ganz vergessen, ihn mit Weihwasser zu bespritzen.“
„Unser Geschrei hat ihn verjagt, da kannst du sicher sein“, beruhigte ich meinen Bruder. Ich erwĂ€hnte nicht, dass ich, gehandicapt durch meinen eingeschlafenen Fuß, im FlĂŒchten noch einen Blick zurĂŒck geworfen hatte und den dicken Kater des Nachbarn hatte weglaufen sehen.

Der Winter, in dem das UnglĂŒck geschah, ĂŒberraschte uns Ende Februar, als alle schon anfingen, an den FrĂŒhling zu denken, mit strengem Frost und einer zehn Zentimeter dicken Schneedecke, die das kahle schwarze Land ĂŒber Nacht noch einmal in ein weißes Paradies verwandelte. Wir Kinder genossen die KĂ€lte und den Schnee, indem wir uns wilde Schneeballschlachten lieferten, auf den zugefrorenen GrĂ€ben lange spiegelglatte Schlitterbahnen freilegten und riesige SchneemĂ€nner bauten. Besonders viel Spaß machte es uns jedoch, auf der makellosen EisflĂ€che der kreisrunden Kraterseen, die zwei fehlgeleitete englische Bomben in dem weitlĂ€ufigen Moorgebiet hinter unserem Dorf hinterlassen hatten, Eishockey zu spielen. Wir suchten uns dazu krĂ€ftige Stöcke mit einer Astgabel, die wir zu einem EishockeyschlĂ€ger zurechtschnitten, und einige flache Steine, die als Puk dienten. Zwar besaßen wir keine Schlittschuhe, aber die Sohlen unserer Winterschuhe waren glatt genug, um ein einwandfreies Gleiten zu gewĂ€hrleisten.
Ohne Murren fand Martin sich damit ab, dass ich mit ihm zusammen eine Mannschaft bildete, wusste er doch, dass er meine sportlichen Defizite leicht mit seiner Wendigkeit und Schnelligkeit ausgleichen konnte. Tim bildete mit Uwe ein ausgewogenes Team,und los ging's. Keiner von uns schenkte im Eifer des Gefechtes dem leisen Knirschen Beachtung, das an einigen Stellen der EisflĂ€che zu hören war, auch nicht, als es mit der Zeit zu einem bedrohlichen Knacken wurde. Ich befand mich auf der Mitte des Kraters, als plötzlich ein krĂ€ftiger Riss quer durch das Eis ging. Vor Schreck blieb ich stocksteif stehen. Die drei anderen, die sich zum GlĂŒck mehr in UfernĂ€he befunden hatte, sprangen mit ein paar Schritten vom Eis, in dem sich immer mehr Risse zeigten. Wie Blitze breiteten sie sich von dem Hauptriss in der Mitte aus. Als durch mein Gewicht unter mir eine dreieckige Scholle abbrach, versank ich von einem Moment zum anderen in dem schwarzen Wasser des Sees, der hier, in der Mitte des Kraters, mehrere Meter tief war. Der Schock des eiskalten Wassers, das ĂŒber mir zusammenschlug, nahm mir den Atem, und es dauerte mehrere Sekunden, bis ich in Panik anfing, mit Beinen und Armen zu rudern, um wieder an die OberflĂ€che zu gelangen. Japsend und prustend schlug ich wild um mich. Ich konnte nicht schwimmen! Mein Herz raste vor Todesangst. Ich wollte schreien, aber brachte nur ein Gurgeln heraus, weil ich immer wieder im Wasser versank. Meine Kleidung saugte sich in Sekundenschnelle voll mit Eiswasser und zog mich nach unten. Immer öfter geriet ich mit dem Kopf unter die WasseroberflĂ€che; das eisige Moorwasser drang mir in Mund und Nase und ich hatte das schreckliche GefĂŒhl zu ertrinken. In unkoordinierten Bewegungen strampelte ich um mein Leben.
„Ruhig, bleib ruhig, Jochen“, hörte ich Martin rufen, „ich komme!“
Ich sah, wie Martin sich auf dem Bauch liegend ĂŒber das immer brĂŒchiger werdende Eis an das Loch heranrobbte und mir die Hand entgegenstreckte. MĂŒhsam den Kopf ĂŒber Wasser haltend, versuchte ich, ihm meine Hand ĂŒber die Kante des EisflĂ€che zu reichen. Martin kroch vorsichtig nĂ€her, wĂ€hrend das Knirschen und Knacken des Eises immer lauter und bedrohlicher wurde. „Ich bin gleich bei dir, Jochen, nur noch ein kleines StĂŒck“, rief er. Ich reckte mich nach seiner rettenden Hand und zog mich so weit es ging auf das Eis. Mit einen hĂ€sslichen Knacken brach die Kante ab und eine große zackige Scholle verschwand im Wasser. Sie riss Martin, der sich auf dem rutschigen Eis nicht halten konnte, mit ins Wasser. Panisch schrie ich auf, als er neben mir in der schwarzen Tiefe versank. Es dauerte endlose Sekunden, bis er nach Luft schnappend wieder auftauchte. Er hatte seine MĂŒtze verloren und die Haare klebten ihm im Gesicht, aber seine Augen blitzten. „Puh, ganz schön kalt, was?“, schnaufte er. „Komm, halte dich an mir fest, ich kann ja schwimmen.“ Ich umklammerte dankbar seinen Hals und kletterte ihm auf den RĂŒcken, wĂ€hrend er Wasser tretend und mit krĂ€ftigem Armrudern unser beider Gewicht trug und uns ĂŒber Wasser hielt.
Inzwischen war mir die KĂ€lte schon in alle Gliedmaßen gekrochen. Ich zitterte am ganzen Körper und meine ZĂ€hne klapperten aufeinander. Immer wieder versuchte Martin, sich an der Eiskante festzuhalten, aber sobald er sich aufstĂŒtzte, brach das Eis ab und das Loch in der Eisdecke vergrĂ¶ĂŸerte sich. „Keine Angst, Jochen, die anderen sind ins Dorf gelaufen und holen Hilfe“, versuchte er mich zu beruhigen, „sie werden sicher gleich wieder da sein und uns hier rausholen.“ Ich antwortete nicht, wusste ich doch, dass der Weg ins Dorf mindestens zehn Minuten dauerte, wenn man rannte, und noch einmal zehn Minuten fĂŒr die Helfer. Inzwischen spĂŒrte ich meine Beine kaum mehr, auch das Zittern hatte aufgehört. Ich klammerte mich an meinen Bruder, der tapfer weiterschwamm und nicht aufgab. Das Eis um uns herum knirschte nur noch leise, es war plötzlich sehr still um uns herum. Nur der vor Anstrengung keuchende Atem Martins war zu hören, und das PlĂ€tschern des moorigen Wassers, das er mit seinen Armen in Bewegung hielt.
Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat, bis schließlich Tim und Uwe mit unserem Vater und weiteren MĂ€nnern aus dem Dorf angerannt kamen. Sie brachten mehrere Leitern und lange Stangen mit Widerhaken mit. Vorsichtig legten sie die Leitern auf das brĂŒchige Eis, eine an die andere, und der Leichteste von ihnen kroch ĂŒber die Leitern zu dem Eisloch herĂŒber, wo Martin sich mit mir auf dem RĂŒcken noch immer ĂŒber Wasser hielt. Der Mann löste meine völlig verkrampften Arme von Martins Hals und zog mich Zentimeter fĂŒr Zentimeter ĂŒber ihn hinweg auf die rettende Leiter.
Ich muss ohnmĂ€chtig geworden sein, denn was anschließend geschah, weiß ich nur aus den spĂ€teren ErzĂ€hlungen. Kaum hatte man mich von dem RĂŒcken Martins gezogen, versank er lautlos in dem eisigen Wasser und tauchte nicht wieder auf. Es dauerte eine halbe Stunde, bis es den MĂ€nnern gelang, mit den Stangen den leblosen Körper aus dem See zu fischen.
Martin war tot. Er hatte die Kraft seines jungen Körpers restlos aufgebraucht, um mich, seinen Bruder, zu retten.

Von Martins Beerdigung, an der das ganze Dorf in echter Trauer teilnahm, bekam ich nichts mit, weil ich mit einer lebensbedrohlichen LungenentzĂŒndung im Bett lag und meine Eltern und die beiden Schwestern darum beteten, nicht auch noch mich zu verlieren.
Als ich endlich körperlich genesen war, umklammerte ein Eispanzer aus Schuld mein Herz, so dass ich immer noch das GefĂŒhl hatte, in dem schrecklichen Wasser auf meinen Tod zu warten. Ich hĂ€tte sterben sollen, nicht mein Bruder! Es dauerte lange, bis ich verstand, dass Martin nur das getan hatte, was seine Natur ihm gebot. Er hĂ€tte gar nicht anders handeln können, auch wenn er gewollt hĂ€tte. Es war nicht meine Schuld, dass er sterben musste, damit ich leben konnte.

Ich musste erst erwachsen werden um zu verstehen, dass ich meinen Bruder nie gehasst habe, dass sich unter dem GestrĂŒpp aus Eifersucht, Neid, Bewunderung und Missgunst ein anderes GefĂŒhl verbarg: tiefe brĂŒderliche Liebe.

__________________
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Version vom 29. 09. 2015 17:25

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rothsten
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Hallo zusammen,

ich störe das KaffeekrĂ€nzchen nur ungern, aber der Kuchen schmeckt nicht. Da hilft auch nicht, dass die Runde die Macken im Text mit allzu sĂŒĂŸem Zuckerguss ĂŒberziehen will.

Ich denke, der Autorin ist mehr geholfen durch ein kritisches Wort, sofern es angebracht ist. Diese gegenseitige Gefallensbekundungen sind ĂŒberflĂŒssig weil ohne Substanz.

Sind wir hier in einem Literaturforum oder auf Kaffeefahrt?

Ich habe mich mal rangemacht, Deinen Text genau unter die Leselupe zu legen. Was ich gesehen habe, wird Dir, Hyazinthe, nicht gefallen. Da kann man sonst noch soviel Zucker reinwerfen, es bleibt eine trĂŒbe BrĂŒhe. Falls Du zart besaitet bist, lies besser nicht weiter.

Ansonsten mal los:

quote:
KrÀftig gebaut, mit ausgeprÀgten Muskeln an dem schlanken Körper sowie ausgestattet mit strahlend blauen Augen unter dem wilden Blondhaar war er das Idealbild eines Jungen von zehn, elf Jahren und gewann mit seinem immer fröhlichen, unkomplizierten Wesen sofort alle Herzen.

- "KrÀftig gebaut mit ausgeprÀgten Muskeln" ist redudant.

- "sowie ausgestattet" ... mit Augen ... ist schlimmstes Behördendeutsch, sorry.

- "blauge Augen unter (?) blonden Haaren"

- "zehn, elf Jahre"

Fehler 1: Weiß das Geschwisterteil nicht, wie alt sein Bruder ist? Warum wird hier geschĂ€tzt?

Fehler 2: Arnold Schwarzenegger mit zehn, elf Jahren? Idealbild? Frauenschwarm?

Sorry, aber das ist völliger KÀse. Das gibt es vielleicht in einem Paralleluniversum, aber in meiner Welt ist man mit zehn, elf Jahren einfach nur ein Junge.

quote:
Unsere Schwestern, beide schon fast erwachsen, strichen Martin ĂŒbers Haar und steckten ihm SĂŒĂŸigkeiten zu, wĂ€hrend sie mich bestenfalls ignorierten oder mich als Leseratte oder BĂŒcherwurm betitelten, wenn ich wieder mal in ein Buch vertieft in der Sofaecke saß, statt draußen mit den anderen Kindern herum zu tollen.
Trost fand ich nur in dem Bewusstsein, das ich Martin in intellektueller Hinsicht ĂŒberlegen war, denn Lesen, Schreiben und Rechnen war seine Sache nicht.


Das ist zu sehr Klischee, zu sehr weiß und schwarz, wenn nicht sogar zu sehr blond und dunkel.

quote:
NatĂŒrlich nutzte ich jede sich bietende Gelegenheit, seine geistige Langsamkeit offensichtlich werden zu lassen und ihn in Verlegenheit zu bringen

Erneut schlimmstes Behördendeutsch, sorry.

quote:
NatĂŒrlich nutzte ich jede sich bietende Gelegenheit, seine geistige Langsamkeit offensichtlich werden zu lassen und ihn in Verlegenheit zu bringen.

Schlimmstes Behördendeutsch, sorry. Ein guter Text setzte hier an und erzÀhlte diesen Kampf, statt ihn lediglich in einem Aktenvermerk zu berichten.

Wie einem sowas runter gehen kann wie "Öl", muss ich nicht begreifen.

quote:
So wie damals, als ich ihn veranlasste, fĂŒr unsere Mutter zum Geburtstag ein Gedicht auswendig zu lernen, um ihr durch einen freien Vortrag eine Freude zu machen, wohl wissend, dass er schon bei der zweiten Zeile stecken bleiben und mit schamroten Wangen darstehen wĂŒrde


- Behördendeutsch: gestelzt,

- Rolle der Mutter unglaubwĂŒrdig: Ihr Sohn sagt ihr zum Geburtstag ein Gedicht auf, und er wird schamrot, wenn er einen Fehler beim Aufsagen macht? Was soll denn das fĂŒr eine Mutter sein? Ja, gibt es, aber das muss man dann auch darlegen.

quote:
Ich hoffte, mit meinen fein sĂ€uberlich in Schönschrift auf dekorativ bemaltem Papier geschriebenen selbstverfassten Versen einen umso grĂ¶ĂŸeren Eindruck zu machen. Dass Martin trotz seines erbĂ€rmlichen Herumgestotters und mit seinem unordentlichen Blumenstrauß aus Kornblumen und Klatschmohn die herzlichere Umarmung von unserer Mutter erntete, empfand ich als bittere Ungerechtigkeit, an der ich lange zu schlucken hatte.

- Behördendeutsch

- Das widerspricht der obigen Rolle der Mutter.

Hier hĂ€tte unbedingt erzĂ€hlt werden mĂŒssen, wie es dazu kam, dass der Prot denkt, die Mutter benachteilige ihn. Das gelingt aber nicht, in dem man einen kindlichen IcherzĂ€hler einen Vermerk fĂŒr die Schulakte schreiben lĂ€sst, das gelingt nur, wenn man uns teil haben lĂ€sst mittels sauber dargestellten Handlungen.

quote:
Als eine etwa zwei mal zwei Meter große und anderthalb Meter tiefe Grube ausgehoben war, tat sich das Problem der Überdachung auf. Alle Äste und Zweige, die wir finden konnten, reichten zur ÜberbrĂŒckung der zwei Meter Grubenbreite nicht aus.

Sprache aus der Amtsstube, hier: Feststellung der BauaktivitĂ€t und Vermerk ĂŒber bauordnungsrechtliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.

Klingt Àhnlich spannend wie die entsprechende Stelle im Text.


quote:
Schon waren die Nachbarjungen Tim und Uwe unterwegs, um von den elterlichen Höfen hölzerne Leitern zu holen.

Als exemplarisch fĂŒr den inflationĂ€ren, unsicheren Gebrauch von Adjektiven habe ich mal diese Stelle rausgepickt. Es gĂ€be viele andere.

"elterlich" gibt es nicht, es ist der Hof der Eltern. Leitern haben es an sich, aus Holz zu sein, "Holzleiter" hĂ€tte auch gereicht, dann wirkte der Text nicht so hölzern. Das Material ist zudem völlig irrelevant. TextĂŒberfrachtung!

Adjektive nur benutzen, wenn sie unabdingbar sind, dem Ganzen eine neue Wendung geben. Ansonsten sind Adjektive der Tod eines Textes; sie zerstören das Kopfkino des Lesers, machen aus lebendigem Deutsch die unverstÀndliche Sprache der Beamten.

Streiche Adjektive, wann immer möglich! Benutze Verben!

quote:
Dass diese spĂ€ter vermisst werden wĂŒrden, weil man sie zum Ersteigen der Heuböden in den Scheunen und Dielen benötigte, daran dachte keiner.

ÜberflĂŒssige Information, TextĂŒberfrachtung.

Nur schildern, was die Handlung trÀgt! Das hier trÀgt nur zur Verwirrung bei.

quote:
WĂ€hrend wir so dasaßen, qualmend und paffend und mĂŒhsam den Hustenreiz unterdrĂŒckend, genossen wir den Reiz des Verbotenen in unserem Versteck, und ich sonnte mich in den anerkennenden Blicken der Jungen, die diesmal nicht nur Martin galten.


So redet oder denkt kein Mensch, schon gar nicht Kinder! Was sieht man denn, wenn Kinder zum ersten Mal heimlich paffen? Sieht man sie den "Reiz des Verbotenen genießen"? Was sieht man denn, wein ein Junge endlich mal Anerkennung erfĂ€hrt? Sieht man ihn sich "in anerkennende Blicke sonnen"?

FĂŒrchterlichstes Behördendeutsch!

quote:
Martin deklarierte die nÀchtliche Unternehmung als Mutprobe,

Hat Martin vorher auch beim Ordnungsamt eine VefĂŒgung beantragt, damit die Unternehmung rechtens wird?

Behördendeutsch.

quote:
und als wir jeder ein tröstliches kleines Licht in der Hand hielten, genoss ich den anerkennenden Druck von Martins Arm, den er brĂŒderlich um meine Schultern gelegt hatte.

Was ist passiert? Hasst der Prot seinen Bruder nicht? Nutzen sie nicht jede Gelegenheit, sich gegenseitig fertig zu machen? Bruderliebe wird man unterstellen können, ja, aber wenn ein IcherzÀhler, der nun erwachsen und reflektiert ist, von Hass gegen seinen Bruder spricht, so hÀtten wir hier einen krassen Wandel der Empfindungen.

Wo ist die Darstellung dieses Wandels? Ich sehe, trotz aller LĂ€nge des Textes, ... nichts.

Das ist eine schlimme ErzĂ€hllĂŒcke. Außerdem werden die Figuren unscharf vorgstellt: zwei weitere, klare und schwerwiegende handwerkliche Fehler.

quote:
„Ob wir den Teufel verjagt haben?“, fragte Martin, als wir kurze Zeit spĂ€ter wohlbehalten in unseren Betten lagen

Hier brechen die ErzÀhlzeiten ein. Der IcherzÀhler erinnert sich an eine Zeit, lang, lang her. Hier suggeriert die wörtliche Rede aber eine zeitliche NÀhe, als sei es grade eben passiert.

Du solltest Dich entscheiden: entweder komplett weit, weit weg oder ganz, ganz nah. Wenn Du mich fragst, wÀhle Letzteres. Wörtliche Rede machte es lebendiger. Das kann einem toten Behördentext nur gut tun.

quote:
Als durch mein Gewicht unter mir eine dreieckige Scholle abbrach, versank ich von einem Moment zum anderen in dem schwarzen Wasser des Sees

Gerade eben waren es noch Krater von Fliegerbomben. Ein See ist etwas völlig anderes. Ungenau.

Übrigens kann man arg bezweifeln, dass ein Krater breit genug ist, um darauf Hockey zu spielen, und tief genug, um darin zu ersaufen.

Mach doch einfach einen See daraus. FĂŒr die Geschichte ist es eh unerheblich, ob Bagger-, Gletscher- oder sonstwas See. Nur breit und tief genug muss er sein. Alles andere ist TextĂŒberfrachtung.

quote:
das eisige Moorwasser drang mir in Mund und Nase und ich hatte das schreckliche GefĂŒhl zu ertrinken

Himmel, der Junge ersĂ€uft, und Du schreibst, er "habe das schrecklcihe GefĂŒhl, zu ertrinken" ...?

Warum schreiben wir? Wollen wir einfach nur Informationen weitertragen, oder wollen wir beim Leser etwas auslösen, ihn einfangen, ihn berĂŒhren? Wohl Letzteres. Wie erreichen wir das? Mit Kopfkino! Wie erreichen wir Kopfkino? Mit lebendigen Bildern! Wann wird ein Bild lebendig? Wenn es neu und unverbraucht ist.

Das kann man nur erreichen, indem man eigensprachlich wird. Es ist ausgeschlossen, einen berĂŒhrenden Text zu schaffen, indem man Behördendeutsch benutzt.

Ich breche hier mal ab. Der Rest enthÀlt die gleichen Fehler wie oben, das Ende ist vorhersehbar.

Fazit:
Der Text leidet vor allem an einer unsĂ€glich gestelzten Sprache. Ein MitfĂŒhlen ist so nicht möglich. Zudem birgt er eine massive ErzĂ€hllĂŒcke, die den Leser ratlos zurĂŒcklĂ€sst. Die Figuren bleiben blass, zum Teil wandeln sie sich auf unerklĂ€rliche Weise. TextĂŒberfrachtungen tun ihr ĂŒbriges, und fertig ist ein Text, den ich so nur als unterdurchschnittlich bezeichnen kann.

Sorry, dass ich so deutlich werde, aber Dir, Hyazinthe, unterstelle ich, dass Du Texte nicht nur vorlegst der warmen Worte wegen, sondern weil Du erfahren willst, was Du hĂ€ttest besser machen können. Dieses gegenseitige ZusĂŒlzen und inhaltslose Beifallklatschen hilft keinem weiter, am wenigsten dem Schreiberling. Dein Text ist handwerklich schlecht, da kann ich nichts schön reden. Will ich auch gar nicht, solche Kommentare bekommst Du ja genug. Fragt sich nur, wessen Kommentare ehrlicher sind.

Ich frage mich ernsthaft, ob meine Vorredner den Text ĂŒberhaupt gelesen oder einfach nur bequem den "Hyazinthe? Like-it-Button" gedrĂŒckt haben.

lg

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Hyazinthe
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Tut mir Leid, rothsten, ich kann deine Kritik nicht nachvollziehen.
Die ErzĂ€hlung wird von einem erwachsenen Ich-ErzĂ€hler aus großer, jahrzehntelanger Distanz rĂŒckblickend erzĂ€hlt. Dem tut die gelegentliche wörtliche Rede keinen Abruch.
Dies wird auch durch die "alten" Details sichtbar, die das Dorfleben in den fĂŒnfziger Jahre veranschaulichen und deshalb nötig sind.
Auch der Wandel von "Hass" zu "Liebe" wird dadurch erklÀrlich:
FĂŒr das kindliche Ich ist vordergrĂŒndig das HassgefĂŒhl dominant, das reflektierende erwachsende Ich erkennt die darunter verborgene, tiefer liegende Liebe und Verehrung.

Schade, dass mein Text bei dir "keine Bilder zum Laufen gebracht hat"; bei anderen Lesern hat er das.

Gruß, Hyazinthe
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aligaga
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Dass es in einem Literaturforum GrĂŒppchen und Seilschaften gibt, die sich fleißig per PN heimsuchen und abstimmen, wenn‘s darum geht, zu pushen oder zu mobben, ist so selbstverstĂ€ndllich wie die Tatsache, dass jeder Mensch einen Stoffwechsel hat – auch oder gerade jene, die sich fĂŒr Literaten halten oder gehalten werden wollen. Sich darĂŒber aufzuregen, ist mĂŒĂŸig. Solches ist in Kreisen, wo’s um Noten und Ranglisten geht wie in Schulklassen, unvermeidbar.

@rothstens Kritik an dem BetroffenheitsstĂŒckerl hĂ€lt @ali fĂŒr ein wenig ĂŒberzogen – so schlimm ist das Deutsch, in dem uns hier berichtet wird, denn doch nicht. Es knarzt zwar ein bisschen und ist nicht besonders schön, aber man versteht doch recht gut, was die DIchterIn sagen möchte.

Wirklich untertrÀglich findet @ali den Schluss, in dem sich der Protagonist vor dem Publikum vom Unrecht, das er seinem Bruder ein Leben lang angetan hat, ebenso wie von der Schuld an seinem Tod, freischwimmen möchte. Die Autorin schreibt:

quote:
Ich musste erst erwachsen werden um zu verstehen, dass ich meinen Bruder nie gehasst habe, dass sich unter dem GestrĂŒpp aus Eifersucht, Neid, Bewunderung und Missgunst ein anderes GefĂŒhl verbarg: tiefe brĂŒderliche Liebe.
und meint wohl, der Leser könnte das – schwupp! – sofort nachvollziehen und ginge damit d‘accord.

Aber so einfach geht das nicht. Die Schuld, die der Protagonist erst mit dem Neid und dann mit dem Hass auf den Bruder – den er zeitlebens fĂŒr einen Dödel hielt – auf sich geladen hat, ist nie mehr abzutragen. Er hat es versĂ€umt, ĂŒber seinen Schatten zuspringen und dem Bruder zu Lebzeiten wenigstens einmal zu sagen, dass er ihn mag.

Am Ende ist es zu spĂ€t. Die Idee mit der finalen KrokodilstrĂ€ne, der scheinheiligen Behauptung, man habe den Bruder zeitlebens geliebt (obwohl man ihm ein Bein stellte, wo es nur ging!), ist keine gute. Die „Pointe“ der Geschichte ist nicht bloß schlecht. Sie ist so eklig wie das, was Mielke selig am 13. November 1989, in die Enge getrieben, vor der Volkskammer stammelte: "Ich liebe - Ich liebe doch alle - alle Menschen - na ich liebe doch - ich setzte mich doch dafĂŒr ein!". Er erntete damals nur schallendes Lachen und Empörung.

Fröstelnd

aligaga

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Ji Rina
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@Hyazinthe:

Falls Du Dich doch mit Selbstzweifeln plagen solltest, könntest Du diesen Satz (der deutlich macht, dass der ErzĂ€hler unter einem “GestrĂŒpp aus Eifersucht, Neid, Bewunderung und Missgunst” litt) mehr ausbauen; oder an zwei drei anderen Stellen des Textes noch verdeutlichen:

“””””und als wir jeder ein tröstliches kleines Licht in der Hand hielten, genoss ich den anerkennenden Druck von Martins Arm, den er brĂŒderlich um meine Schultern gelegt hatte.””””


.damit der Leser begreift, dass der ErzĂ€hler im Grunde kein “böser Mensch” ist, der seinen Bruder am liebsten erschossen hĂ€tte; sondern an Anerkennungsmangel / Minderwertigkeitskomplexen litt.

Liebe GrĂŒsse,
Ji

@Rothsten

“”””Eure lapidaren Antworten kann ich nicht ernst nehmen”””

Klar. So einfach geht das.
(Alles andere hÀtte mich allerdings auch gewundert)


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Der Leser hatÂŽs gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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Hyazinthe
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Lieber rothsten!
Du beklagst dich darĂŒber, dass ich nicht gewĂŒrdigt habe, wie "tief" du mit deinem Kommentar in den Text eingedrungen bist.
Nun gut, dann werde ich mich also mit deiner Kritik auseinandersetzen. Vielleicht kannst du ja von mir auch etwas lernen?
1.ZunÀchst sprichst du von einem "KaffeekrÀnzchen" und unterstellst damit den Vorkommentatoren wipfel, Ji Rina, WilliWieberg, molly und mir, wir hÀtten uns verabredet, den Text zu loben.
Diese Unterstellung finde ich unverschĂ€mt und weise sie mit allem Nachdruck zurĂŒck! Vielleicht trifft es auf dich zu, aber ich habe noch nie irgendwelche Verabredungen hinsichtlich der Bewertung meiner Texte getroffen.
2. Zum Text:
Du kritisierst die Typisierung der beiden Jungen Martin und Jochen. Sorry, aber es gibt diese Art von GegensĂ€tzen zuhauf. Da ist der unbedarfte, sportliche, fröhliche Junge, dem alle Herzen zufliegen (egal ob blond oder braunhaarig), dem der kleine, schmĂ€chtige, intelligentere gegenĂŒbersteht. In jeder Schulklasse kannst du diese GegensĂ€tze beobachten. Wenn sie als BrĂŒder aufeunander treffen, sind Konkurrenz und Konflikte vorprogrammiert.
3. Du beanstandest an 5 Stellen die Ausdrucksweise (eine Textstelle fĂŒhrst du gleich doppelt an; ist damit die "Tiefe" deiner Textanalyse gemeint?) und qualifizierst sie wiederholt als "Behördendeutsch" ab. Wie schon gesagt: Es ist die Sprache eines Erwachsenen, der sein kindliches Verhalten in einer etwas gehobenen, aber klaren Ausdrucksweise reflektiert. Alltagssprache wĂ€re hier unangebracht.
4. Du kritisierst das Verhalten der Mutter als widersprĂŒchlich. Wieso? Ihr Verhalten wird vom kindlichen Ich erlebt und vom erwachsenen Ich-ErzĂ€hler rĂŒckblickend bewertet. Ist also durchaus stimmig.
5. Du monierst meinen Gebrauch von Adjektiven und meinst, eine TextĂŒberfrachtung feststellen zu können. Ich kann dir darin nicht folgen. Die (recht sparsam) eingesetzten Adjektive bereichern den Text, indem sie die damalige Situation veranschaulichen.
6. Nun zum Wichtigsten: Du kritisiert, dass nicht deutlich werde, welche GefĂŒhle die BrĂŒder fĂŒreineinder hegen und dass eine "ErzĂ€hllĂŒcke" entstehe.
Nun, eine Kurzgeschichte will und soll vom Leser interpretiert werden. Nicht alles wird platt und ĂŒberdeutlich erzĂ€hlt. Es gibt in der Geschichte genĂŒgend Hinweise darauf, dass Jochen seinen Bruder trotz Eifersucht und Neid liebt und bewundert. Zum Beispiel, als er Angst um ihn hat angesichts seiner lebensgefĂ€hrlichen Balance auf dem Dach. Oder als er die rettende Idee beisteuert bei dem Problem mit dem Dach der Höhle. Oder als er ihm nachsichtig verschweigt, dass es nur Nachbars Katze war und nicht der Teufel, die die Jungen verscheucht haben.
Das soll genĂŒgen. Auf deine Polemik, die an jeder Stelle durchscheint, möchte ich nicht nĂ€her eingehen. Nur soviel: Vielleicht solltest du selbst einen Text etwas sorgfĂ€ltiger lesen, bevor du ihn als schlecht beurteilst und deinen Mitkommentatoren OberflĂ€chlichkeit vorwirfst.

Gruß, Hyazinthe
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