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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mein Doktorhut ist weg!
Eingestellt am 01. 10. 2013 12:25


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HajoBe
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Registriert: Feb 2012

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"Angela, hast du meinen Doktorhut gesehen? K├╝rzlich hing er noch am Haken im Flur."
"Nee, Anette, h├Ąngt er denn nicht mehr dort?"
Anette tr├Ągt das Kaffeegeschirr auf.
"Ich sehe ihn nicht mehr. Mensch, wo ist mein Doktorhut?"
"Nun beruhige dich mal! Er wird irgendwo sein. Haste ihn vielleicht mitgenommen auf Dienstreise?"
"Aber nein, wozu? Man tr├Ągt dort Tropenhelme und stell dir vor, er w├Ąre mir dort abhanden gekommen! Au├čerdem habe ich noch einen Ehrenhut in Kairo."
Anette scheint beruhigter, stellt die Kaffeekanne ab. Dann beginnt sie in Schreibtisch, B├╝cherschrank und Wandregalen zu kramen.
"Angela, meine Dissertationsschrift finde ich auch nicht mehr."
"Komm, lass uns erst mal Kaffee trinken! Hast du sie nicht im Keller versteckt? Weisst du, damals, als das mit Karl-Theodor war."
Anette ist sich nicht sicher.
"Stimmt! Ich dachte, soetwas darf mir nicht passieren."
Sie nippt an ihrer Tasse, gibt sich nachdenklich, doch unvermittelt st├╝rzt sie in den Keller.
"Hier ist sie auch nicht", klingt es gereizt von unten.
"Ich kann mich jetzt genau erinnern, wohin ich sie gelegt habe. War vielleicht jemand Fremder im Haus? Die Putzfrau hat allerdings nichts verlauten lassen."
"Stimmt, vor einiger Zeit war jemand vom T├ťV-Rheinland unterwegs und es hie├č, der w├╝rde alle akademischen Haushalte auf plagiative Kellerleichen ├╝berpr├╝fen. Ganz verstanden habe ich das ja nicht, als die Nachbarin davon berichtet hat."
An der T├╝r l├Ąutet es.
"Gehst du, bitte, Angela?"
"Hallo, Silvana!"
Die ist in Tr├Ąnen aufgel├Âst und schluchzt.
"Ich vermisse meinen Doktorhut!"
"Was, du auch? Vielleicht ist er noch in Br├╝ssel? Aber komm erst mal rein!"
Anette ist zur├╝ck aus dem Keller.
"Gr├╝├č dich, Silvana!" K├╝sschen links, K├╝sschen rechts.
Angela bringt noch eine Tasse. Anette hat wieder Platz genommen. Silvana sinkt verheult in einen Sessel und fummelt ein Tempo aus der Handtasche.
"Na, da haben wir es! Ich meine das mit dem bl├Âden T├ťV. Der hat sich nicht angek├╝ndigt, oder?", nimmt Anette den Faden an Angela gerichtet wieder auf.
"Nee, offenbar nicht. Und du, Silvana?"
Beide blicken gespannt auf den Neuank├Âmmling.
"Die haben mich aus Br├╝ssel abberufen und behaupten, ich h├Ątte Schmuh gemacht mit meiner Dissertation. Aber das stimmt doch nicht!"
Es klingelt erneut.
"Das muss die Putzfrau sein."
"Gr├╝├č Gott, zusammen!"
Sie legt den Mantel ab und will in die K├╝che verschwinden.
"War jemand da, w├Ąhrend ich auf Dienstreise war, Frau Schmidt?"
Anettes Stimme hat einen sch├Ąrferen Ton angenommen.
"Ja, ein Mann vom T├ťV. Er meinte, er m├╝sse im Keller etwas Wichtiges ├╝berpr├╝fen."
"Haben Sie den Briefkasten geleert?"
"Ja sicher! Da lag nach ein paar Tagen ein Schreiben drin adressiert an Frau Anette S. Da kein Dr. draufstand, habe ich es zur├╝ckgehen lassen in der Annahme, dass Sie nicht gemeint sein k├Ânnen."
"Und der Absender, Frau Schmidt?"
Die ist in die K├╝che verschwunden und brabbelt: "Geht mich doch nichts an."

"Und... was machen wir nun?"
Die zwei doktorlos Degradierten schauen sich unschl├╝ssig an. Ob "Mutti" Angela helfen kann? Silvana heult noch immer und wischt sich die Tr├Ąnen von den Wangen.
Das Telefon l├Ąutet. Anette nimmt den H├Ârer.
"Du, Frank-Walter? Lange nichts geh├Ârt!"
"Ja, bin zurzeit sehr im Stress. Die wollen mir gegen den Karren fahren."
"Was ist los?"
"Ach, wegen meiner Doktorarbeit. Da ist so ein Hecht im Promoviertenteich, der behauptet, ich h├Ątte gemogelt. Ihr habt doch Erfahrung. Kann ich mal vorbeikommen?"
"Hm, partei├╝bergreifend in solch einem Fall ausnahmsweise. Wir sitzen doch alle im gleichen, leckgeschlagenen Boot". Sie legt auf.
"Angela, Silvana, der Frank-Walter von den Roten will vorbeischauen. Hat Probleme mit seiner Doktorarbeit."
"Na, dann wollen wir mal koalition├Ąr sondierend miteinander reden".
"Ich werde gehen, bin ja nicht mehr gefragt", wirft Silvana ein und erhebt sich.
"Tsch├╝ss, Silvy!"

Angela wirft die Stirn in Falten und beordert die Mundwinkel nach unten.
"Bevor Frank-Walter erscheint", meint sie," sollten wir unter uns planen. Um dich tut es mir leid, Anette, wirklich! Wir beide fahren nach Peru oder Kolumbien oder Ekuador. Dort kaufen wir dir einen neuen Hut und eine Dissertationsschrift ist dort auch nicht gefragt. Die liest ├╝brigens auch hier keiner, und wenn, dann kommt er nur auf dumme Gedanken. Siehste ja bei Frank-Walter. Aber kein Wort zu dem!"
"Nee, und Silvy lassen wir auch au├čen vor, wo sie doch nicht mehr im gemeinsamen Boot sitzt."
"O.K., Angela! Das h├Ątten wir gleich machen sollen, das mit S├╝damerika. Karl-Theodor werde ich mal anmailen. Vielleicht macht er mit?"

"Soll ich abr├Ąumen?"
Frau Schmidt erscheint und wirft die "Bl├Âdzeitung" auf den Couchtisch.
"Die schreiben da was von einem Staatssekret├Ąr, der seine Doktorarbeit gef├Ąlscht haben soll."
Kurz danach verabschiedet sie sich.
"Ich geh dann mal. Tsch├╝ss, Frau Dr. M., Tsch├╝ss Frau S.

Was noch anzumerken bleibt:
T├ťV-Rheinland bedeutet "Titel-├ťberpr├╝fungs-Verbund", Rheinland, Sitz Dortmund-M├╝nster. Und die wollen weiter pr├╝fen. Nicht jeder Politiker wird die befreiende Plakette bekommen.














__________________
Wer nicht verr├╝ckt ist, ist nicht normal!

Version vom 01. 10. 2013 12:25

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo HaJoBe,
diese Dr.-Slapstick-Trag├Âdie ist mir ganz entgangen. Sehr am├╝sant! Ein Gl├╝ck, dass ich keinen Doktorhut habe. Aber ich dokter mal in deinem Text herum (nur Kleinigkeiten!):

quote:
"Ja sicher! Da lag nach ein paar Tagen ein Schreiben drin, Komma! adressiert an Frau Anette S. Da kein Dr. draufstand, habe ich ihn es zur├╝ckgehen lassen in der Annahme, dass Sie nicht gemeint sein k├Ânnen."

quote:
"Hm, partei├╝bergreifend in solch einem Fall ausnahmsweise. Wir sitzen doch alle im gleichen, leckgeschlagenen Boot", Leerzeichen! und legt auf.

quote:
Die liest ├╝brigens auch hier keiner, Komma! und wenn, dann kommt er nur auf dumme Gedanken.

LG USch

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