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Leselupe.de > Kindergeschichten
Mein Freund Flubbi
Eingestellt am 22. 06. 2016 09:05


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LUPESIWA
Festzeitungsschreiber
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Mein Freund Flubbi

Traurig steht Lisa auf dem kleinen Balkon und starrt seit einer Ewigkeit auf die beiden großen NadelbĂ€ume. Es ist ein schöner Sommertag. In den StrĂ€uchern zwitschern und piepsen kleine Vögel, trippeln pickend ĂŒber den Rasen und flattern aufgeregt hoch. Eine riesige schwarze Katze streift umher.
Lisa merkt nichts davon. Sie vermisst ihr altes Zimmer, ihren Lieblingsplatz auf der Terrasse und ihre Freunde: den kleinen Igel Fips, den grauen Kater Strolch und vor allem Flubbi,
Flubbi ist ein zahmes Eichhörnchen mit wunderschönem rotbraunem Fell, einem langen wuschligen Schwanz und krĂ€ftigen NagezĂ€hnen. Wenn es Lust hatte, fraß es NĂŒsse aus ihrer Hand und sie konnte die kleinen Pinselhaare an den Ohren genau sehen.
Plötzlich entdeckt sie einen Schatten zwischen den BÀumen und schreit laut auf.
„Mama, komm schnell her“, gellt es durch die offene BalkontĂŒr, „da ist Flubbi, ich habe Flubbi gesehen!“
Lisas Mutti erschreckt sich so sehr, dass ihr der Teller aus der Hand fĂ€llt. Mit lautem `KrÀÀtsch` zerschellt er auf den Fliesen und einige kleine rote Tomaten rollen durch die KĂŒche. Sie lĂ€sst alles liegen und eilt auf den Balkon.
„Was ist passiert meine SĂŒĂŸe? Wem hast du gesehen?“
„Ich habe Flubbi gesehen, mein Eichhörnchen, es ist hier“, wiederholt Lisa. Gemeinsam halten sie eine ganze Weile Ausschau.
„Eigentlich“, sagt Lisas Mama ganz vorsichtig und streicht ihr dabei eine wilde blonde Locke aus dem Gesicht, „eigentlich geht das nicht. Flubbi wohnt viel zu weit von
.“.
„Nein, nein, nein!“, unterbricht Lisa ihre Mama und schubst die Hand weg. „Es war Flubbi, ich hab ihn gesehen!“, trumpft sie auf und ihre blauen Augen blitzten zornig. „Du nimmst mir alles weg, erst Papa, dann Flubbi, na eben alles!“, bricht es aus ihr heraus. Sie rennt in ihr Zimmer und knallt die TĂŒr hinter sich zu.

Lisas Mama ist sehr traurig. Ihr ist klar, dass Lisa es nicht so meint. Vor einem Jahr hatte sie den Papa verloren, ein Autounfall. Dann vor ein paar Wochen mussten sie umziehen ans andere Ende der Stadt. Nicht eine TrĂ€ne hat das 6 Jahre alte MĂ€dchen bisher geweint. Das schmerzt Lisas Mama sehr und sie weiß genau, da hilft nur viel Liebe, Geduld und Zeit.
Lisa wĂ€lzt sich in ihrem Bett. Sie wollte gar nicht so böse zu ihrer Mama sein. Aber manchmal kam der dicke Kloß in ihrem Bauch hoch und machte sie ganz garstig. Leise schleicht sie durch die dunkle Wohnung und hört aus dem Schlafzimmer lautes Weinen.
„Mama“, ruft sie erschrocken, „weinst du wegen mir?“
„Aber nein mein Engelchen, mir fehlt Papa so sehr“, antwortet die Mutter sanft.
„Dir auch?“, flĂŒstert Lisa mit großen Augen und schlĂŒpft dabei in das warme Bett. Eng aneinander gekuschelt weinen sie sich in den Schlaf.

Am nĂ€chsten Morgen, einem herrlichen Sommersonntagmorgen, kann es Lisa kaum erwarten. In Windeseile schlingt sie das FrĂŒhstĂŒcksbrötchen runter und lĂ€uft auf den Balkon. Nach ein paar Minuten stĂŒrmt sie zurĂŒck in die Wohnung. „Es ist wieder da“, ruft sie mit unterdrĂŒckter Stimme. „Mama komm! Flubbi ist wieder da. Aber leise, damit es sich nicht erschreckt.“ TatsĂ€chlich, auf dem untersten Ast sitzt ein Eichhörnchen und knabbert friedlich an einer Tannzapfe. Lisas Mama sieht sofort, dass es nicht Flubbi ist. Aber das soll ihr MĂ€dchen selbst herausfinden.
Den Nachmittag wollten sie in einem schönen Park verbringen. Da gab es viele Eichhörnchen und SpielplĂ€tze fĂŒr Kinder. Aber Lisa bewegte sich nicht weg von dem Balkon. Stundenlang versuchte sie das Eichhörnchen mit NĂŒssen zu locken. Einmal kam es bis auf ein paar Meter heran.
Da schlich die schwarze Katze durchs Gras und schwupp flitzte das Eichhörnchen auf den Baum. Es kletterte geschickt von Baum zu Baum, hĂ€ngte sich dann mit seinen Greifzehen an einen Ast und Ă€ugte kopfĂŒber neugierig zu Lisa.
Plötzlich kam Wind auf und eine dicke schwarze Wolke machte sich am Himmel ĂŒber allen HĂ€usern breit.
Der Wind wurde immer stĂ€rker, bog die großen Äste der alten BĂ€ume hin und her und fegte ĂŒber die Balkons. LĂ€ngst stand Lisa hinter der geschlossenen TĂŒr und schaute Ă€ngstlich hinaus. Angst hatte sie ja nur um ihren Flubbi.
Ein ohrenbetÀubender Knall riss sie aus ihren Gedanken. Die Mama zog Lisa vom Fenster weg und gemeinsam schauten sie dem Unwetter zu. Helle Blitze schossen aus dem Himmel. Sekunden spÀter krachte es und der Sturm peitschte fette Regentropfen wie einen dichten Schleier vor sich her.

Das Sommergewitter war vorbei. Die DÀmmerung brach herein und Lisa lag nach diesem aufregenden Tag schon lÀngst im Bett.
Keine Vögel zwitscherten mehr und nur die schwarze Katze pirschte auf leisen Pfoten durch ihr Revier. Da stieß sie an einen großen Ast. Den hatte wohl der Sturm vom Baum gerissen. Eingeklemmt lag das rotbraune Eichhörnchen darunter. Die Katze stupste es an und blickte argwöhnisch in große Ă€ngstliche Augen. In der Natur sind Katzen Feinde der Eichhörnchen, aber dieses tat ihr ein wenig leid. Gerade wollte sie sich davon machen, da hĂŒpft eine fette schwarze KrĂ€he heran und pickt mit ihrem krĂ€ftigen Schnabel auf das Eichhörnchen ein. Mit einem Satz springt die Katze zurĂŒck und verjagt mit lautem Fauchen den gefrĂ€ĂŸigen Vogel. Dann legt sie sich dicht neben das verletzte Tierchen, wĂ€rmt und beschĂŒtzt es die ganze Nacht.

Kaum hat Lisa am nĂ€chsten Morgen die Augen auf, da lĂ€uft sie schon zum Balkon. Sie drĂŒckt ihre Nase an der Scheibe platt. Ihre Mutter schließt die TĂŒr auf und gemeinsam treten sie an die BrĂŒstung. Das Gewitter hatte allerhand Sachen durch die Gegend gewirbelt.
„Auweia, auweia“, schreit Lisa entsetzt, „Mama, da liegt Flubbi, da unter dem großen Ast. Das schwarze Biest muss weg, wir mĂŒssen ihm helfen!“ Vor Aufregung ĂŒberschlĂ€gt sich ihre Stimme und am liebsten hĂ€tte sie irgendetwas nach der Katze geworfen.
„Machen wir Kleines“, versucht die Mutter sie zu beruhigen. „Schau doch mal, die Katze tut ihm nichts. Vielleicht hat sie Flubbi in der Nacht sogar beschĂŒtzt.“
„Vielleicht“, erwidert Lisa kleinlaut, „aber jetzt braucht es uns. Die Katze kann nicht mit ihm zum Doktor!"
„Da hast du recht“, schmunzelt die Mutter. Sie nimmt ein Handtuch und eilt mit Lisa zu dem verunglĂŒckten Eichhörnchen.
„Lebt es noch?“ fragt ihr Nachbar vom Balkon nebenan. „Ich habe es auch gerade entdeckt.“
„Ja es lebt noch. Es ist unter dem großen Ast eingeklemmt und das linke Hinterbein hat wohl etwas abbekommen. Es mĂŒsste zum Tierarzt“, erklĂ€rt Lisas Mutter freundlich. Dann schiebt sie den Ast zur Seite, hebt das leichte Tierchen vorsichtig auf und wickelt es in das weiche Handtuch.
„Tierarzt, so, so“, brummelt der Ă€ltere Mann herĂŒber. „Da gibt es einen auf der Hauptstrasse, zweite Bushaltestelle in Richtung Stadt.“
Lisas Mutter bedankt sich und sie machen sich auf den Weg. Vorher ruft sie die KITA an und meldet Lisa fĂŒr den heutigen Tag ab.

Die TierĂ€rztin ist nett und sie untersucht das verletzte Eichhörnchen ganz grĂŒndlich. Lisa darf mit ins Behandlungszimmer. Sie weicht keinen Meter von Flubbis Seite.
„Na, kleines FrĂ€ulein, es ist halb so schlimm. Dein Eichhörnchen ist ein krĂ€ftiges Kerlchen. Das linke Hinterbein ist wahrscheinlich angebrochen, das mĂŒssen wir ruhig stellen.“
Nach einer kurzen Pause sagt sie mit gerunzelter Stirn, „ Aber ein Eichhörnchen ist kein Haustier.“
In wenigen SÀtzen erzÀhlt Lisas Mama die ganze Geschichte.
„Na, wenn das so ist, könnt ihr Flubbi zu Hause pflegen. Ich verordne ihm frisches Wasser, ein paar NĂŒsse und viel Ruhe“, lacht sie schelmisch. „ In zwei Wochen flitzt es wieder von Ast zu Ast.“
Lisa ist ĂŒberglĂŒcklich. Die TierĂ€rztin borgt ihnen noch einen großen KĂ€fig. Darin hat Flubbi genĂŒgend Platz. Gemeinsam mit ihrer Mama pflegt sie das Eichhörnchen gesund. An einem Sonntagmorgen hĂŒpft es munter auf dem Balkon herum. Plötzlich flitzt es die BrĂŒstung entlang, springt schwuppdiwupp ins Gras und gleich darauf zwischen den BĂ€umen hin und her. Von da ab kommt es regelmĂ€ĂŸig zu Besuch, setzt sich auf die BalkonbrĂŒstung und knabbert NĂŒsse aus Lisas Hand.
Eines Nachts hĂŒpft Lisa unter Mamas Bettdecke und flĂŒstert ihr ins Ohr. „Ich verrate dir jetzt mein Geheimnis. Flubbi ist gar nicht Flubbi, aber es ist doch mein Flubbi!“
„Ach!“, flĂŒstert die Mama erstaunt zurĂŒck und nimmt Lisa schmunzelnd und sehr froh fest in den Arm.

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Die TrÀume sind frei

Version vom 22. 06. 2016 09:05

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