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Leselupe.de > Kurzprosa
Mein Freund der Fuchs
Eingestellt am 17. 03. 2008 13:43


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Greta
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2008

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Den Fuchs lernte ich kennen, als meine Arbeit schon ziemlich weit fortgeschritten war. Sylvia Plath war gerade von Ted Hughes verlassen worden und dachte in den Briefen an ihre Mutter ├╝ber die Scheidung nach. Auf den Fotos waren die Augen geweitet und das Gesicht spitz. Ihr zweites Baby glotzte vergn├╝gt. Bachmann indes meditierte ├╝ber Wittgensteins Sprachphilosophie und das reine Sein und lie├č den Knecht die Amsel kreuzigen. Ich begann mich zunehmend elend zu f├╝hlen.
Um halb drei wusch der Fuchs. An den B├Ąumen seines Obstg├Ąrtchens hingen goldene Fr├╝chte. Eine Schildkr├Âte sagte Hallo. Die Fische lie├čen Blasen an die Oberfl├Ąche steigen. Der Himmel war blassblau, was etwas unrealistisch war. Ich hatte am Computer alles genau eingegeben, Ort Berlin, mitteleurop├Ąische Zeit. ├ťber Berlin war der Himmel grau, der Fuchs hingegen erfreute sich sch├Ânsten Sonnenscheins.
Von nun an begleitete mich der Fuchs. Ich strich das letzte Kapitel meiner Arbeit \"Schlange und Drache bei Bachmann und Plath\" ersatzlos. Ich war nerv├Âs. Die Bienen hatten sich als sehr viel komplexer erwiesen, als ich erwartet hatte. Es wurde kalt. Der allt├Ągliche Gang zum Supermarkt erforderte zunehmend mehr Kleidungsst├╝cke. Ich kaufte mir bei H&M ein dicken Wollschal, den ich auch nachts nicht mehr auszog. Ich a├č jede Menge Griesbrei. Die regelm├Ą├čigen Telefonate mit meinem Freund, dem Kunstgeschichtler drifteten in Psychoterror ab; erst wollte er nur seine Arbeit ├╝ber C├ęzanne in der Spree versenken, schlie├člich sich selbst.
Der Fuchs blieb unbeirrt. Morgens um acht fing er Fische oder erntete ├äpfel. Um elf Uhr f├╝tterte er die Enten. Um ein Uhr picknickte er im Apfelhain. Ich beschloss, das Wochenende frei zu nehmen und fuhr nach Marburg. An den Fuchs dachte ich nicht. Ich irrte ├╝ber die Buchmesse und unterhielt mich mit Buchh├Ąndlern aus Alabama. Ich bewunderte die katalanischen Menschent├╝rme und a├č Hot Dogs im Schatten der Leseb├╝hne.
Sonntag nacht kehrte ich nach einer langen Autofahrt zur├╝ck. Plath und Bachmann hatten sich nicht ger├╝hrt. Unbeteiligt lagen sie in ihren Gr├Ąbern und lie├čen Feministinnen Feministinnen sein.
In der Nacht schaute der Fuchs durch sein Teleskop in den Sternenhimmel. Schlief er nie? Es lie├č mir keine Ruhe. In der folgenden Nacht stand ich um vier Uhr auf. W├╝rde er Nachtfischen? Doch er lag auf der Matte vor dem Teehaus und schlief.
Erleichtert kuschelte ich mich zur Katze, die zu schnurren begann. Ich fing an, mich mit dem Pferd zu besch├Ąftigen, mit schwarzen Hengsten, Einh├Ârnen und den Pferdebestien des Diomedes. Das Verh├Ąltnis von Bachmann und Plath zu Sexualit├Ąt und Liebe war eher verzweifelt. Die Pferde flohen, wurden gestohlen oder schleiften Leute zu Tode. Ich begann zu reiten. Mein Pony hie├č Atlanta. Ich kaufte ihm Pferdeleckerli in Hufeisenform, weil ich hoffte, dass es mich dann lieber m├Âgen w├╝rde.
Nachmittags fuhr der Fuchs auf seinem Boot auf dem See. Er bekam nie Besuch. Ich schon. Einen Abend ├╝ber dem Geruch von Kokosmakronen und Vanillekipferln war das Schicksalsgest├Âhn der Dichterinnen vergessen. Keine gestundeten Stunden, keine Stepford Super-Mamis. Plath schrieb sogar, dass sie sich auf ein Leben ohne M├Ąnner freute und dass die Bienen den Fr├╝hling herbeisehnten. Bachmanns Bienen gr├╝ndeten einen neuen Staat.
Ich fragte mich, was der Fuchs wohl an Heiligabend machen w├╝rde und verl├Ąngerte meine Abgabefrist. Kein Nervenzusammenbruch unter Tannenzweigen. Die Tage wurden dunkler. Wenn der Fuchs bereits im Sonnenaufgang fischte, sa├č ich im Neuk├Âllner Dunkel und erh├Âhte meinen Kaffeekonsum. Eine Freundin wurde arbeitslos. Ein Schicksal, das mich auch erwartet?
Das ist ungewiss. Doch gewiss ist, dass der Fuchs weiter Fischen und Äpfel ernten und Enten füttern wird und eines Tages, so hoffe ich, bekommt er auch Besuch, weil einem netten Programmierer bei I-Google aufgefallen ist, dass das so auch kein Leben ist.

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Auch von mir ein Herzliches Willkommen, Greta. M├Âgest Du Dich wohlf├╝hlen unter all uns Irrlichtern hier (h├Ąh├Ąh├Ą)...

Zum Text. Ein wahres Stakkato, das Mitdenken herausfordert.
Mitunter w├Ąre es (f├╝r mich) gl├╝cklicher zu lesen, g├Ąbe es mehr Abs├Ątze.
Das ist (f├╝r mich) einfach zu sehr aneinandergef├Ądelt, was das Folgen des Plots. erschwert. Da steckt viel Kopfkino drin - ohne Zweifel gut geschrieben - aber das ├ťbergangslose ist (m.M.n.) zuviel.

LG und beobachtend gr├╝├čt

KaGeb

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Pola Lilith
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Hallo Greta,

auch von mir ein Herzliches Willkommen - da ist ja wohl Einiges von Dir zu erwarten !!

Im Gegensatz zu Kageb finde ich die Abs├Ątze gerade richtig placiert.

Kleine St├Ârfaktoren gibt es f├╝r mich zwar auch - was ist schon so grenzenlos perfekt ! (z.B. den plakativen "Feministinnen"-Hinweis; Hinweis auch darauf, da├č Du dich damit besch├Ąftigst, was aber nicht n├Âtig ist, wenn der Bezug zum Fuchs damit nicht greifbar wird - und Plath und Bachmann da in einen Topf zu werfen, ist f├╝r mich nicht nachvollziehbar).

Aber sonst und im Gleichklang zu Kageb viel Lob - ein k├Âstliches, interessantes St├╝ck Kurzprosa, mit dem ich mich gern mehr besch├Ąftigen w├╝rde, h├Ątte ich die Zeit dazu.

Gru├č, Pola

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