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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Mein Goldschatz
Eingestellt am 19. 10. 2002 09:24


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Heidi
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Registriert: Dec 2001

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Mein Goldschatz

Ich hege einen besonderen Schatz, einen Goldschatz. Er ist in mir, in einem Schatzk├Ąstchen aus meiner Kindheit, einem blechernen, leicht verbeulten Schatzk├Ąstchen, goldlackiert mit blauen Bl├Ąttern.

Seit 45 Jahren lebt dieser Goldschatz mit mir, in mir.

Mitte der f├╝nfziger Jahre zog meine Familie um. Wir zogen in ein kleines Dorf. Ich hatte gar keine Lust, umzuziehen. Alles war fremd. Auf unserem neuen Grundst├╝ck stand der riesige M├Âbelwagen. Meine Eltern und andere Helfer hatten alle H├Ąnde voll zu tun. Ich stand daneben, 5 Jahre alt, f├╝hlte mich allein, fremd. Nach einiger Zeit sah ich, ein paar Meter entfernt, ein kleines M├Ądchen stehen, so klein wie ich, mit blonden Haaren. Sie kam auf mich zu, l├Ąchelte und fragte: „Wollen wir spielen?“. Sofort war meine Einsamkeit verflogen.

Wir verbrachten unsere Kindheit zusammen.

Wir spielten auf unserem Heuboden, spielten mit Puppen; wir zogen der Katzenmama und den Katzenbabys Puppenkleider an. Wir lachten, wenn die Katzen, schick angezogen mit R├╝schenkleidchen, davonliefen.

In den hei├čen Sommermonaten besorgten wir uns Proviant; mein Vater war B├Ąckermeister; hier bekamen wir Streuselschnecken. Von der Mutter meines Goldschatzes bekamen wir Quarkspeise, Quarkspeise mit Erdbeergeschmack, selbstgemacht. Dann machten wir uns auf den Weg mit unseren Puppenwagen, mit einer Decke, auf unsere Weide, etwa 2 km entfernt. Wir legten uns auf die Wiese, packten unsere Puppen aus, verspeisten die Leckereien. Dann ging┬┤s wieder nach Hause.

Wir zankten und vertrugen uns.

Wir beide ├╝bten T├Ąnze ein, selbst ausgedachte T├Ąnze. Wir legten ein Brett ├╝ber den Graben und stellten uns vor, ├╝ber eine tiefe Schlucht zu gehen, stellten uns vor, unten fl├Âsse ein rauschender Bach.

Wir verbrachten unsere Jugendjahre zusammen. Wir schminkten uns, gingen im Dunkeln durchs Dorf.

Wir gingen zum Tanzen, lernten Freunde kennen, hatten Liebeskummer, weinten uns gegenseitig aus.

Wir lernten unsere Lebenspartner kennen, verloren uns f├╝r ein paar Jahre aus den Augen.

Seit einigen Jahren wohnen wir beide wieder im gleichen Ort, etwa 100 km entfernt von unserem Heimatort.

Wir bekamen unsere Kinder, waren f├╝reinander da, sind f├╝reinander da.
F├╝r die Freude, f├╝r die Tr├Ąnen.

Mein Goldschatz wurde krank, lebensbedrohlich krank. Ich habe Angst um ihn, ich sehe ihn wegschweben in eine andere Welt.

Ich werde dich ein St├╝ck begleiten auf diesem Weg in diese andere Welt, wenn du dazu bereit bist. Ich bin es jetzt schon. Ich werde deine Hand halten.

Du wirst nicht mehr auf dieser Welt sein, aber du bleibst in mir, wie immer, in diesem besonderen Schatzk├Ąstchen diesem Schatzk├Ąstchen, welches mir meine Oma vor vielen Jahren geschenkt hatte.

Deine Tochter, dein Sohn, ein Teil von dir, werden mich an dich erinnern.

Du mein Goldschatz, Elke, meine beste Freundin.

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