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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mein Handy und ich
Eingestellt am 21. 05. 2006 00:47


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Alina
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Registriert: May 2004

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Seit drei Tagen bin ich unruhig. Der Vibrationsalarm meines Handys ist ausgefallen. An sich ist das keine Katastrophe- jedenfalls nicht f├╝r einen normalen Menschen. Mir bereitet diese Tatsache jedoch Sorgen.
Als ich vor nunmehr zwei Jahren den Karton ├Âffnete und jenen silberfarbenen Gegenstand zum ersten Mal in der Hand hielt, wollte ich vor Stolz fast platzen. Endlich geh├Ârte ich auch zu den privilegierten Menschen, die an jedem Ort erreichbar waren und zum Telefonieren au├čer Haus nicht mehr jene mausgrauen, oftmals penetrant riechenden Zellen betreten mussten. Ich beschloss, meine Neuerwerbung sofort auf ihre Tauglichkeit f├╝r den Alltag auszuprobieren.
Nachdem ich die bereits aufgeladenen Akkus gleich zu Beginn falsch eingelegt hatte, blieb mir nichts weiter ├╝brig, als mich durch das ├╝ber drei├čig Seiten dicke B├╝chlein mit dem Titel ÔÇ×GebrauchsanweisungÔÇť hindurch zu arbeiten. An sich hasse ich diese Texte. Sie rufen in mir beim Lesen immer das Gef├╝hl hervor, zu einem technischen Analphabeten zu mutieren. Aber seiÔÇÖs drum. Um mein Handy richtig bedienen zu k├Ânnen, musste ich diesen Schritt gehen. Ich legte die Akkus entsprechend der beigelegten Zeichnung, die mehr f├╝r Comic-Fans, als f├╝r Normalverbraucher gedacht war, nun richtig herum ein und begann die einzelnen Men├╝punkte zu erforschen. Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest, dass das Anrufen f├╝r den Hersteller zur gr├Â├čten Nebens├Ąchlichkeit geworden zu sein schien. Ich konnte fotografieren, Musik h├Âren, mich ins Internet einloggen, W├Ąhrungen umrechnen, Nachrichten und Bilder versenden, Termine eingeben und noch andere Dinge tun, von denen ich im Zusammenhang mit einem Telefon noch nie etwas geh├Ârt hatte. Dann stie├č ich auf den Vibrationsalarm. Es gab unterschiedliche Varianten,um das elektronische Wunderwerk zum Erbeben zu bringen. Mein Handy erwachte pl├Âtzlich zum Leben. Sofort entstand bei mir eine Art Besch├╝tzerinstinkt und ich ├╝berlegte, wo ich das kleine Ding k├Ârpernah aufbewahren k├Ânnte. Um eventuellen peinlichen Situationen in der ├ľffentlichkeit aus dem Weg zu gehen, probierte ich es erst einmal zu Hause aus. Dazu platzierte ich meine Neuerwerbung an den verschiedensten Stellen. Die Oberschenkel- und Bauchtasche der Hose erwiesen sich als denkbar ung├╝nstige Aufbewahrungsorte, da ich von Lachanf├Ąllen gesch├╝ttelt wurde. In der Leistengegend hatte ich das Gef├╝hl, kurzzeitig mit einem Stromkabel in Ber├╝hrung zu kommen. Auch die Ges├Ą├čtasche kam f├╝r mich nach diesem Experiment nicht mehr in Betracht. Ich f├╝hlte mich wie auf einem Zahnarztstuhl.
Langsam stellte ich mir die Frage, welchen Sinn es macht, einen Vibrationsalarm zu installieren, wenn dieser am K├Ârper solche Wirkungen hervor ruft. Etwas entt├Ąuscht verstaute ich das Handy in die mitgelieferte Tasche und befestigte sie am G├╝rtel. Und da war es- jenes einzigartige Kribbeln, das sich ungehemmt seinen Weg durch alle Nerven bahnte und meine Sinne hellwach werden lie├č. Seit diesem Tag freute ich mich ├╝ber jeden Anruf. Mein Handy sprach mit mir. Es k├╝ndigte mir, je nach gew├Ąhltem Profil, mit unterschiedlichen T├Ânen und Vibrationen bereits vor dem Abnehmen an, wer mich zu erreichen versuchte.
Doch nun bleibt es seltsam unbewegt. Mein Handy klingelt nur noch leise vor sich hin. Kann es sein, dass es auf meinen I-Pod, den ich mir vor drei Tagen kaufte, eifers├╝chtig ist?

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Ex oriente lux

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