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Leselupe.de > Kurzprosa
Mein Herz brennt
Eingestellt am 27. 10. 2007 00:19


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animus
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Registriert: Mar 2006

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Mein Herz brennt.
Kurzprosa zum Thema Menschen


Seit zwei Jahren stand ich endlich in dem Rampenlicht, von dem ich immer getr├Ąumt hatte. Egal wo ich hinkam, wurde ich sofort erkannt und von allen Altersgruppen umlagert. Ich zeigte mein ganzes Wissen, meinen Charme, meinen K├Ârper und meine Arroganz, ohne mir ├╝ber die Konsequenzen, die mein Verhalten naturgem├Ą├č mit sich brachte, nachzudenken. Ich beschritt meinen Weg, ohne nach rechts oder links zu schauen, und merkte nicht, welche Spur ich hinterlie├č. Das Ziel, das ich vor Augen hatte, machte mich blind, taub und gef├╝hlslos. Jeden Tag genoss ich. Ohne Skrupel sagte ich jedem was ich wollte, und machte auch was ich wollte. Je mehr ich feststellte, dass mir keine T├╝r verschlossen blieb, dass es Keiner wagt, mir den Weg zu versperren, um so anspruchsvoller und hungriger nach noch mehr Erfolg wurde ich. Ich f├╝hlte mich stark, voller Energie, deren Quelle unersch├Âpflich zu sein schien. Ich brannte innerlich jedem neuen Tag entgegen und ging Nacht f├╝r Nacht mit dem Wissen schlafen, nicht nur ununterbrochen beobachtet, sondern geliebt und gehasst zu werden.
Es war fr├╝h, als ich an jenem Morgen aufwachte. Ungew├Âhnliche Zeit f├╝r mich, denn normalerweise schlief ich bis Mittag, aber die fremde Ger├Ąuschkulisse, die von der Stra├če bis in mein Schlafzimmer eindrang, hatte mich aufgeweckt. Schlecht gelaunt stand ich auf, lehnte mich an die Wand und sah verst├Ąndnislos durch das Fenster dem fieberhaften Treiben eines Feuerwehrteams zu.
Hastig liefen sie in ihren steifen Anz├╝gen hin und her, gestikulierten wild, einige von ihnen standen mit einem ratlosen Gesichtsausdruck da, andere hielten sich den Kopf fest, als wenn sie sagen wollten: „Es ist nicht zu fassen!“ Nur wenige machten ihre Arbeit und rollten im Laufschritt die Schl├Ąuche ├╝ber die Stra├če aus, um sie an den Hydranten anschlie├čen zu k├Ânnen. F├╝nf von ihnen stellten sich in eine sichere Pose und standen fest entschlossen, die Hochdruckspritzen auf mein Fenster gerichtet, in ihren Schutzanz├╝gen da und warteten auf den baldigen Befehl. Meine Bem├╝hungen, zu verstehen, was vor meinem Haus geschah, f├╝hrten zu nichts daher ├Âffnete ich das Fenster, lehnte mich hinaus und blickte ├╝ber die ganze Stra├če. Links und rechts, hinter den provisorisch aufgebauten Absperrungen dr├Ąngten sich Menschen so weit ich sehen konnte, und sie alle starrten zu mir hoch. Sie standen da, ohne die ├╝bliche Unruhe zu erzeugen. Ich kannte sie anders. Ungeduldig, laut und st├Ąndig in Bewegung. Diesmal waren sie still, bewegten sich nicht, ihre Gesichter waren auf mich gerichtet und ich sp├╝rte ihre stechenden Blicke. Ihre eingefallene Augen waren kreisewei├č umrahmt. Ich sah nur Liebe und Hass. Auf allen diesen wei├čen Masken, mit Falten, Narben, jung oder alt, flackerten kleine Flammen eines entfernten Feuers.
Ihre Blicke irritierten mich. Mir wurde pl├Âtzlich warm und ich roch verbranntes Fleisch. Wie auf Befehl ging eine wellenartige Bewegung durch die Menschenmenge. Vereint und diszipliniert hoben alle Menschen ihre Arme und zeigten geschlossen in meine Richtung.
Es war das erste Mal, dass ich Angst versp├╝rte vor einer Menschenmenge. Bis heute habe ich sie immer gesucht und mich mittendrin wohl gef├╝hlt, aber diesmal stand ich nicht mittendrin, sondern au├čen und die Menschenmenge schaute mich mit anderen Augen an, als ich es sonst gewohnt war.
Mein Oberk├Ârper f├╝hlte sich wie ein gl├╝hender Ofen an und ich hatte das Gef├╝hl, dass Tausende von wei├čgesichtigen Heizern ununterbrochen Kohle ins Feuer nachwarfen.
Z├Âgernd neigte ich meinen Kopf und blickte an mir herab. Nun sah ich die Quelle der flackernden Flammen, die sich in den wei├čen Gesichtern spiegelten.
Meine Brust brannte. Kleine rote Flammen schlugen wie Zungen aus meiner Brust und leckten gierig an meiner Haut. Nun f├╝hlte ich weder Angst noch Schmerz, sondern ich erinnerte mich. Meine Erinnerungen richteten mich auf und ich schaute ├╝ber die Menschenmasse hinweg in den gelbroten Lichtstreifen am Horizont.
„ES brennt.“ Schrie ich der Menschenmenge zu.
Das „Wassermarsch“, ging im orkanartigen Applaus unter.





[┬ęanimus]


__________________
Die alten Tr├Ąume waren gute Tr├Ąume.
Sie gingen nicht in Erf├╝llung, aber
ich bin froh sie gehabt zu haben.

Version vom 27. 10. 2007 00:19
Version vom 27. 10. 2007 11:03
Version vom 27. 10. 2007 22:11

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