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Leselupe.de > Kurzprosa
Mein Kampf
Eingestellt am 15. 10. 2007 15:01


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animus
???
Registriert: Mar 2006

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Mein Kampf
Kurzprosa zum Thema Allzu Menschliches



Es fing schon an, als ich gerade eine oder zwei Minuten alt gewesen bin. Schreiend k├Ąmpfte ich um ein paar Liter Sauerstoff, damit ich ├╝berlebe und je l├Ąnger ich schrie, um so mehr brauchte ich davon. Nach ein paar Stunden schrie ich immer noch, weil ich die anderen darauf aufmerksam wollte, dass ich hungrig bin. Es funktionierte. Ich bekamm immer schnell und ordentlich zu essen und alle blickten gl├╝cklich auf, mich satt zu sehen. Kaum habe ich den Mund wieder aufgemacht, schon drehten sie mich auf alle Seiten, klopften auf meinen R├╝cken, inspizierten meinen babyhaften Po, ob er auch sauber und nicht wund ist, oder trugen mich wiegend stundenlang in den Armen, bis es mir zu dumm wurde und ich einschlief. Ich hatte es auch leicht, denn ich durfte meinen Kampf im Liegen austragen, meistens auf dem Bauch, warm mit sauberem Bettzeug zugedeckt. Alle k├╝mmerten sich f├╝rsorglich um mich und sagten unentweg l├Ąchend: „Der Junge hat noch viele Tage vor sich.“
Heute, nach neunzig Jahren, k├Ąmpfe ich immer noch. Ich schreie nach mehr, als nur nach dem einen Liter Sauerstoff, der mir vor der Anstaltsleitung zugeteilt worden ist.
Ich werde st├Ąndig mit irgendeiner Pampe gef├╝ttert und so schreie ich, weil ich keinen Hunger versp├╝re und daf├╝r gibt es kein L├Ącheln, sondern sie verdrehen alle die Augen. Hin und wieder klopfen sie mir auch auf den R├╝cken, aber anders, als damals vor neunzig Jahren, kr├Ąftiger. Meinen Arsch inspiziert auch keiner mehr, folglich bin ich wund und liege die meiste Zeit in der Scheisse. Wiegend auf den Armen, werde ich auch nicht mehr getragen. Einmal wurden sie f├╝rsorglich, wie vor neunzig Jahren, ein paar Tage, als ich im Traum von meinem Verm├Âgen sprach. Es war aber nur ein Traum. Ich tr├Ąumte, ich w├Ąre reich und wieder am Anfang.
Nein, ich bin am Ende. Wenn sie mich heute anschauen und anschliessend fragend um sich blicken, dann lese ich in ihren Gesichtern: „Wie viele Tage dauert es noch?“
Aber eins mu├č ich lassen, den Vorteil, dass ich im Liegen k├Ąmpfen darf, jetzt vorwiegend auf dem R├╝cken, geniesse ich heute noch.





[┬ęanimus]
__________________
Die alten Tr├Ąume waren gute Tr├Ąume.
Sie gingen nicht in Erf├╝llung, aber
ich bin froh sie gehabt zu haben.

Version vom 15. 10. 2007 15:01

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo animus,

als Titel w├Ąre besser "Mein Schrei" oder ├Ąhnliches. Auf "Mein Kampf" w├╝rde ich wohl auch eher verzichten. Mein erster Gedanke war wie bei Haki gewesen.

Grunds├Ątzlich ist die Idee gut.
Ich w├╝rde es pers├Ânlich erweitern.
Schreiend durchs Leben mit Erfolg. Schon als Baby, sp├Ąter im Leben (vielleicht als Vorgesetzter), einer der Frau und Kinder anschreit und am Ende wieder auf dem R├╝cken liegt wie bei der Geburt, schreiend (und im letzten Schrei hilft keiner mehr, hat er keinen Erfolg und stirbt vielleicht ...)

So h├Ątte ich es aufgezogen, vielleicht.

Hier geht er so f├╝r mich, der Text.

Gru├č, Karsten

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