Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92265
Momentan online:
587 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Mein Lieblingsfilm in spe: "The Prestige"
Eingestellt am 05. 01. 2007 17:08


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Film beginnt damit, dass ein Kanarienvogel verschwindet und wieder auftaucht. Cutter (Sir Michael Caine) führt diesen Trick einem kleinen Mädchen vor. Später werden wir erfahren, dass der verschwundene Vogel gestorben ist und durch einen Doppelgänger ersetzt wurde. Einst hatte Cutter, der als Erfinder für Zauberkünstler arbeitet, einen Trick entwickelt, bei dem der Vogel nicht sterben muss. Das und das Leuchten in den Augen des Kindes bleibt am Ende das einzig Optimistische des Films …

Es ist unglaublich schwer, den Film nachfühlbar zu beschreiben, ohne ihn dabei zu zerstören. Vielleicht geht das auch gar nicht und vielleicht ist das – dass es nicht geht – das größte Lob für einen Film.

Wenn man es ganz einfach nimmt, dann erzählt "The Prestige" über die Rivalität zweier Männer, zwei Meister-Magier um 1900. Der eine – Robert Angier (Hugh Jackman) – glaubt den anderen – Alfred Borden (Christian Bale) – schuldig am Tod seiner Frau. Aus diesem Hass erwächst ein beruflicher Zweikampf, in dem die beiden sich gegenseitig die Tricks stehlen und die Shows verderben. Schließlich macht Borden seine noch in besseren Tagen gegenüber Angier und Cutter verlautbarte Behauptung wahr und präsentiert den Trick, an dem sich alle anderen Magier die Köpfe zerbrechen werden: den "transportierten Mann". Eigentlich ist der Trick ganz einfach und Angier kopiert ihn auch – showwirksamer und damit erfolgreicher als Borden. Andererseits kann Bordens Trick unmöglich so simpel sein, ein offensichtlicher Umstand spricht dagegen, und Angier jagt dem echten Trick nach. Bis zum entsetzlichen Finale …

Wenn man es etwas genauer nimmt, dann erzählt der Film von Gefühlen. Von Hass. Von Ehrgeiz. Von Liebe. Und von Besessenheit, davon vor allem. In "The Prestige" kommt alles zusammen, was nötig ist, um diese Dinge unausweichlich sichtbar zu machen: Eine intensive Story, präzis treffende Dialoge und Bilder und brillante Darsteller. Nur eine Figur sprengt diesen Rahmen etwas, aber dass Tesla (David Bowie) und seine historisch verbürgte Rivalität mit Edison so frei in die Geschichte hinein-erfunden wurden und deshalb reichlich unglaubwürdig wirken, liegt wohl an der Romanvorlage von Christopher Priest, der in diesem Teil der Story auch jenes Element unterbringt, das die Geschichte letztlich zur historisierenden Phantastik macht. Damit passt das Ganze hervorragend in den Thriller-Trend, der in den 1990er Jahren boomte und bis heute vor allem im Buchsektor nachwirkt.

Doch zurück zum Film: Wenn man ganz genau hinschaut, dann erzählt er auch noch von zwischen- und anderen menschlichen Mechanismen. Davon, was Ruhm und Erfolg ausmacht, zum Beispiel. Was man für Ruhm macht und was Ruhm aus einem macht. Davon, wie Liebe stirbt und wie sie getötet wird. Davon, wie Menschen ausbrennen und was dennoch in ihnen bleibt. Davon, wie man sich in Menschen täuschen kann, vor allem dann, wenn man "es" doch eigentlich schon wusste. Von Illusionen generell. Vom Wunsch nach Illusionen, ja der Sucht danach …

Als ich den Film gesehen hatte, ging ich mit einem Gefühl der Enttäuschung aus dem Kino. Ich hatte wohl etwas zu früh für die Filmdramaturgie die "Oh mein Gott!"-Erkenntnis gehabt – danach lauerte ich darauf, dass sich erweisen möge, dass ich Unrecht hatte. Hatte ich aber nicht und das nahm dem "Oh mein Gott!"-Finale des Films deutlich die Wirkung. Trotzdem wird dieser Film wohl einer meiner Lieblingsfilme werden. Weil so von Anfang an kaputte oder im Laufe des Films zerbrechende Charaktere ganz meine Kragenweite sind. Weil ich solche intensiven Geschichten liebe und weil ich so magisch glaubhafte Bilder mag. Weil Jackman, Caine, Bowie, Bale und die anderen hielten, was ich mir von ihren Auftritten versprach. Weil der Film gut ist.

Wirklich gut.



Filmografisches:
The Prestige – Meister der Magie
(USA 2006 – "The Prestige")
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Hugh Jackman (Robert Angier),  Christian Bale (Alfred Borden),  Sir Michael Caine (Cutter), Scarlett Johansson (Olivia Wenscombe), David Bowie (Tesla) u.a.

__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 62
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um dubidu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe jon,

einen hast du vergessen zu erwähnen: den guten alten David Bowie, das große Pop-Chamäleon, der Trendsetter per excellence, einer der letzten großen Musiker und Schauspieler, sprich: einer der letzten großen Popstars! Aber das ist wohl nicht ganz deine Zeit (oder Ort?).

Bowie spielt den schrulligen Tesla! Nochmals: er spielt das allergrößte Genie der Elektrizität, den Magister des Wechselstroms!

ZurĂĽck zum Thema: richtig groĂźes Kino gab es im letzten Jahr mit Hollywood-Schauspielern nicht gerade; einzige Ausnahme war Babel, allerdings unter mexikanischer Regie.
Und The Prestige ist ja Gott-sei-Dank nicht reines Hollywood, sondern eine Co-Produktion der Inselaffen und Cowboys. Im Grunde sollten wir den ganzen Ami-ScheiĂź boykottieren - aber das ist ein anderes Thema.

Bleiben wir bei deinem Thema und schauen wir etwas mehr hinter die Kulissen. Warum schreiben wir nicht eine Glosse über die großen genialen Erfinder und Wegbereiter der Elektrizität, wie z.B. Tesla, Westinghouse, Edison und Finnessen. Das wäre doch mal was Neues: ein Text von jon, der etwas mehr als üblich die Oberfläche der normalen Langeweile durchbohrt!

Viele GrĂĽĂźe
das dubidu
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Dawid Bowie hab ich nicht vergessen, nur weggelassen, weil ich die Figur nicht mag. Nichts gegen Tesla und üüüüberhaupt nichts dagegen, wie Bowie ihn spielte (genial wie immer, er war neben Jackman und Caine der dritte Grund für mich, ins Kino zu gehen), aber ich hasse es geradezu, wenn historische Personen in Bücher/Filme heinein-vergewaltigt werden, ohne dass es nötig wäre – mit jedem anderen Namen wäre es genauso gegangen. Nur weil der Autor "Tesla" draufschreibt, ist noch lange nicht "Wirklichkeit" drin! Aber du hast Recht, eigentlich passt Bowie noch rein …

Um über Tesla, Edison, Westinghouse und Co zu schreiben, weiß ich zu wenig, aber was ich weiß (, manchmal bildet Fernsehen eben doch,) lässt mich vermuten, dass man einen spannenden Roman draus stricken könnte.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hier klicken fĂĽr die zweite Version.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!