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Leselupe.de > Kurzprosa
Mein Name ist Nobody
Eingestellt am 27. 10. 2003 21:05


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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

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Mein Name ist Nobody


Wie der Westernheld kam ich eines Tages aus dem Nirgendwo. Aber ├╝ber mich wird kein Film gedreht, keine Lieder singen meine Geschichte, in Romanen hinterlasse ich nur die Abdr├╝cke meiner Finger. Mein Name ist Nobody.

Ich bin unsichtbar. Ich geh├Âre zu denen, die die Stra├čen f├╝llen, die das Bild beleben, die die Menge ausmachen, in deren Mitte dir eine Einzige auff├Ąllt. Ich bin nicht die Einzige. Ich bin eine von vielen. Ich bin die, die dir den Platz im Bus oder der U-Bahn wegnimmt, die dich mit ihrem Gep├Ąck anrempelt. Und nur dann falle ich dir auf, f├╝r einen Augenblick. Ich trinke zuviel, ich esse das Falsche, ich bin zu laut und bin nicht zu h├Âren.

Aus der Abgeschiedenheit der Provinz zog ich in die Einsamkeit der Stadt. Ich bin in der Menge, die den Frauenschwof zu dem macht, was er ist. Ich f├╝lle die Vernissage, die Lesung, die Party. Du siehst mich und nimmst mich gleichzeitig nicht wahr. Du schaust dich suchend um, deine Augen gleiten ├╝ber mich, aber sie schweifen rastlos weiter, w├Ąhrend mein Blick in atemloser Hast dem deinen nacheilt und dich doch nicht erreicht.

Ich entspreche keinem der ├╝blichen Sch├Ânheitsideale. Ich bin nicht mehr jung, meine grauen Haare werden t├Ąglich mehr. Ich kleide mich mit mehr R├╝cksicht auf meine Bequemlichkeit als auf meinen Wunsch wahrgenommen zu werden. Mein L├Ącheln ist harmlos, unbeschwert, dass meine Z├Ąhne schief stehen. Ich bin nicht die, auf die du gewartet hast. Ich bin nicht die, die du suchst. Du siehst mich nicht, wenn du die bist, die ich suche.

Mich gibt es tausendfach. Wie alle bin ich einzig. Und aus uns vielen Farbtupfern macht dein Auge, das schon soviel gesehen hat, ein gro├čes Grau. Dein Blick gleitet ├╝ber mich, an mir vorbei auf seiner Suche. Das ist kein Vorwurf. Auch meine Augen w├╝rden nicht lange auf mir verweilen, und wenn, dann nur, weil sie, m├╝de geworden, nach innen blicken, meinen Geist begleiten, der im Geschauten einen Ruhepunkt sucht.

Ich kenne das. Ich kenne dich. Du schaust so lange ins Nichts, bis ich, entz├╝ckt, endlich Aufmerksamkeit geweckt zu haben, eine Geste mache, die dich aus der Tr├Ąumerei erneut zur Jagd ruft. Ich bin nicht die Beute. Ich bin der Wald.






__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Mara K.
Guest
Registriert: Not Yet

hallo blaustrumpf,

du beschreibst hier eine kleine graue maus, welche glaubt nicht wichtig zu sein. jeder mensch ist einzigartig, jeder mensch hat seine strahlenden seiten und seine goldigen inneren werte. du schreibst du bist der wald. tja, was w├Ąre ein j├Ąger ohne wald !? ist es denn so toll, immer beute zu sein ? ich m├Âchte nicht wissen, wieviele von den bizarren kunterbunten beutetieren sich manchmal danach sehnen einfach nur graue maus zu sein.
m├╝ssen wir alle in der gr├Â├če 38 etc. leben um akzeptiert zu werden ? okay, gr├Â├če 60 hat nur noch wenig reize, von der form her, aber auch eine lady in der gr├Â├če 60 lebend kann ein so glockenhelles mitrei├čendes lachen und strahlende augen, gesichtsz├╝ge voller liebreiz ihr eigen nennen, dass sich manch ein schlankes beutetier davon eine scheibe abschneiden k├Ânnte.
erst neulich wurde mir versichert ( nenne auch rubensh├╝ften mein eigen )... dass mancher mitmensch sich nicht unbedingt gern an gertenschlank kuschelt.
m├Âchte niemandem zu nahe treten bittsch├Ân.

abschlie├čend, ... es wird ein mensch beschrieben mit ecken und kanten und das gef├Ąllt mir.

eine frage zu dem satz: ' Mein Lachen ist harmlos, unbeschwert, dass meine Z├Ąhne schief stehen ...'
ich habe das gef├╝hl, nach stehen fehlt noch was, so in der richtung "...stehen, ist nicht verwunderlich." ...
kann mich auch irren.

habe es gern gelesen und es macht mich nachdenklich.
danke sehr. herzlich Mara K.

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

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Hallo, Mara K.

Herzlichen Dank, dass du dich so mit diesem kleinen Text besch├Ąftigt hast. "Das L├Ącheln ist unbeschwert, obwohl die Z├Ąhne schief stehen", w├Ąre eindeutiger. Aber leider wollte ich das nicht schreiben. "Unbeschwert ob der Tatsache, dass..." war mir zu gestelzt, die Verk├╝rzung sorgte dann wohl f├╝r die Uneindeutigkeit.

Meine Protagonistin bedankt sich ├╝brigens sehr f├╝r das Mitgef├╝hl. Nat├╝rlich glaubt sie nicht von sich selbst, dass sie eine graue Maus ist. Sie empfindet nur, dass sie so erlebt wird. H├Ątte sie Kleidergr├Â├če 60, w├Ąre sie tats├Ąchlich auffallend, der Typ "Erdmutter" ist auch auf Frauenfesten mittlerweile eher selten geworden.

Mal schauen, vielleicht schicke ich sie in einem anderen Text in eine Umgebung, in der sie - eventuell sogar positiv - auffallen wird. Ich f├╝rchte nur, dass diese Protagonistin dann zu den Ersten geh├Âren wird, die "Wolf" rufen. Aber wer wei├č, wo es mich morgen wohl hinschreibt.

Sch├Âne Gr├╝├če von blaustrumpf
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Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Klaus Ant
Guest
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Liebe blaustrumpf,

mit soviel verve vorgetragene Minderwertigkeit ist nur noch kokett und verdient zur K├Ânigin der Metaphern gew├Ąhlt zu werden. Anstatt von Terence Hill, w├╝nschte ich Du w├╝rdest in Deine Tirade von Odysseus einf├╝hren lassen, der f├╝r die Literatur zweifelsohne den gr├Â├čeren Nobody gegeben hat und Deinem Text noch mehr M├Âglichkeiten geben w├╝rde: dann w├Ąren die, die auf Deinen Niemand schauen, Zyklopen und damit schwerstbehindert, was Deinem Protagonisten u.U. ein Trost sein k├Ânnte und Anla├č auf alles zu schei├čen, was von diesen Kr├╝ppeln abgesondert wird.
Aber die Geschichte wolltest Du gar nicht schreiben oder?

Klaus

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

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Hallo, Klaus Ant

Danke, dass du dich mit diesem Text besch├Ąftigt hast, der ja nach der Leselupen-eigenen Halbwertzeit schon nicht mehr so ganz taufrisch ist.

Wie allerdings ein Protagonist auf einen Frauenschwof geraten k├Ânnte, da bedarf es in meinen Augen einer gewissen erkl├Ąrenden Untermauerung. Dieser Text erz├Ąhlt von einer Frau. Woran liegt es, dass dies f├╝r dich nicht so offensichtlich war?

Die Ausgangslage bei Terence Hill und nicht bei Odysseus zu "verorten", geschah allerdings mit Absicht. Es geht unter anderem auch um die Oberfl├Ąchlichkeit der Vergn├╝gungen. Da denke ich, dass der Spa├čwestern mit ein paar stilisierten Ballereien die naheliegendere Assoziation ist als ein Sagenheld, der aus den blutigen Schlachten nicht mehr heim findet.

Die, bei denen die Protagonistin nicht den ersehnten Anklang findet, durch k├Ârperliche Unerfreulichkeiten zu entstellen, ist eine interessante Anregung. Aber du hast Recht: Ich erz├Ąhle nicht die Fabel von den sauren Trauben neu, sondern lasse ein so genanntes Mauerbl├╝mchen berichten.

Dankesch├Ân, dass du ihr durch diesen Text hindurch deine Aufmerksamkeit gewidmet hast!

Sch├Âne Gr├╝├če von blaustrumpf
__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Klaus Ant
Guest
Registriert: Not Yet

Verehrter Blaustrumpf,

wie kommst Du darauf, da├č ich Deinen Hauptdarsteller f├╝r einen Mann halten k├Ânnte?
Wo in Deinem Text geht es um oberfl├Ąchliche Vergn├╝gungen?

Ich lese von einer selbstbewu├čten Frau, die ihr Selbstvertrauen aus der Erkenntnis ihrer eigenen Durchschnittlichkeit bezieht. Durchschnittlichkeit als Normalit├Ąt als geistige Gesundheit.
Wie komme ich auf diese Folge? - Aufgrund der in meinem ersten Kommentar bereits erw├Ąhnten verve des Vortrags. Sie rempelt mich an, sie nimmt mir den Platz weg, sie is(s)t zu laut - alles Aussagen, die sie nur aufgrund von Beobachtung des eigenen Agierens in der Welt treffen kann.
Wenn sie das alles erkannt hat, ist sie auch in der Lage mich wahrzunehmen, den sie des ├Âfteren direkt anspricht "Du", "Dich". Wenn sie sowohl mich als auch sich selber wahrnehmen kann, kann sie auch entscheiden ob sie auffallen m├Âchte oder nicht.
Der Niemand des Homer will nicht auffallen und blendet den Zyklopen.
Wenn Deine Figur auffallen wollte, k├Ânnte sie das, und (deswegen mu├čte ich an Homer denken) sie w├╝rde ihr Gegen├╝ber auch 'blenden', wie man ├╝bertragen zu 'beeindrucken' sagt, aber eben aus genau
entgegengesetztem Motiv wie Odysseus.
Da sie sich frei entscheidet, sagen wir f├╝r das Understatement, k├Ânntest Du ihr und dem Leser z.B. den
Spass erlauben, die blinden, triebgesteuerten Gestalten um sie herum als Zyklopen wahrzunehmen.
Diese Vorstellung scho├č mir w├Ąhrend der Lekt├╝re spontan durch den Kopf.
Dein Hauptdarsteller hat es zweifellos nicht n├Âtig auf die Fr├╝chte von Herrn La Fontaine zu verzichten.

Gr├╝├če, Klaus

P.S.: Wo kommst Du her? Im Rheinischen schreibt man Schwoof mit zwei 'o'.

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