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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Mein Onkel
Eingestellt am 27. 04. 2003 16:09


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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

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Mein Onkel

Mit lautem Krachen zersplitterte die Flasche vor mir auf dem Boden. Bier spritzte an meine Hosenbeine und verbreitete einen unangenehmen Kneipengeruch in dem B├╝ro meines Onkels. Automatisch b├╝ckte ich mich, um die Scherben aufzulesen.
„La├č das liegen!“ fuhr mich mein Onkel an. „Was stehst du hier ├╝berhaupt noch herum? Mach dich ab, aber pl├Âtzlich!“
Heute Nachmittag hatte meine Tante uns verlassen, sie hatte den Alkoholkonsum meines Onkels nicht mehr ertragen k├Ânnen. Ich ging in den Garten, um ein wenig Holz zu hacken. Von meinem Onkel war nichts mehr zu h├Âren. Wahrscheinlich lag er wieder sinnlos betrunken im Haus herum. Doch als es d├Ąmmerte trat er vor das Haus und rief mich herein.
„Du hast genug gearbeitet, komm, la├č uns etwas essen.“, seine Stimme klang vers├Âhnlich, fast zu ruhig und zu n├╝chtern, um meinen Onkel zu geh├Âren. Ich hackte noch einen Block Holz entzwei und begab mich dann zu ihm ins Haus. Zu meiner ├ťberraschung war der Tisch bereits gedeckt, es gab Brot, K├Ąse, Wurst und Milch.
„Greif zu. Das war ein schwerer Tag heute.“. Und das ist deine Schuld, dachte ich insgeheim.
Schweigend begannen wir das Abendbrot. Ich hatte ├╝berhaupt keinen Hunger und kaute auf jedem Bissen zehnmal herum, bevor ich ihn hinunter w├╝rgte. Beinahe h├Ątte ich mich erbrochen.
„Wenn du solange auf dem Brot herum kaust, vergeht dir noch der Appetit, und mir ebenfalls.“, schimpfte mein Onkel. Ich sagte nichts dazu, sondern kaute angestrengt weiter. Mein Onkel sah mich w├╝tend an, herausfordernd erwiderte ich seinen Blick.
„Verdammt!“, mein Onkel schlug heftig mit der Faust auf den Tisch. Mir wurde Angst und Bange.
„Morgen rufe ich deine Eltern an, damit sie dich abholen kommen. Ich kann mich nicht l├Ąnger um dich k├╝mmern.“
Seine Worte hallten noch lange in meinem Kopf wider. Bei uns zu Hause gab es keinen Platz f├╝r uns alle und meinen Eltern fehlte das Geld, um mich zu versorgen. Deshalb hatten sie mich zu meinem Onkel gebracht. Der lebte auf dem Land und hatte reichlich Platz.
„Sieh mich nicht so an. Ich wei├č es ja, aber meine Schwester kann sich nicht immer auf mich verlassen. Ich hatte sie ja immer davor gewarnt, diesen Versager zu heiraten. Aber sie wollte ja nicht h├Âren. Und deine Tante ist sowieso nichts wert. Mag ja sein, ich trinke vielleicht zu viel, aber muss sie deswegen gleich abhauen?“
Darauf wollte ich ihm lieber nicht antworten, ich hatte meine Tante immer sehr gerne gehabt. Und mein Vater war kein Versager. Das sagte ich ihm auch.
„Ha! Dieser Mistkerl hat in seinem ganzem Leben nichts zu Wege gebracht. Sieh mich an, ich habe ein gro├čes Haus und es fehlt mir hier an nichts, da kann ich es mir doch leisten ein Schl├╝ckchen zu trinken. Also, es bleibt dabei, morgen ziehst du wieder zu deinen Eltern zur├╝ck. In dir steckt mir zuviel von deinem Vater.“
Das reichte mir. Ich stand auf und rannte aus dem Haus.
„Halt, komm zur├╝ck, du kleiner Drecksack! Du hast mich noch nicht kennengelernt, warte es blo├č ab!“
Aber ich h├Ârte nicht auf meinen Onkel, sondern rannte einfach immer weiter. Es war dunkel und ich stie├č mit einem der Apfelb├Ąume im Garten zusammen. Langsam lie├č ich mich zu Boden sinken, lehnte meinen blutenden Kopf an den Stamm und schlo├č die Augen. Vom Haus her drang das Br├╝llen meines Onkels. Aber das st├Ârte mich nicht mehr, denn Morgen w├╝rde alles besser werden, ganz bestimmt. Ich w├╝rde die Augen aufmachen und meine Tante w├╝rde uns ein sch├Ânes Fr├╝hst├╝ck im Garten vorbereitet haben. Meine Eltern w├╝rden auch da sein. Nur meinen Onkel konnte ich nirgendwo sehen. Es wird ein sch├Âner Tag werden. Im Garten wehte ein eisiger Wind und das Laub raschelte bedrohlich.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hey mikhan,

die Geschichte gef├Ąllt mir sehr gut.
Ein paar Kleinigkeiten k├Ânntest du noch verbessern:

"Heute Nachmittag hatte meine Tante uns verlassen, sie hatte den Alkoholkonsum meines Onkels nicht mehr ertragen k├Ânnen.": besser (um das doppelte "hatte" zu vermeiden):
...sie konnte den Alkoholkonsum meines Onkels nicht mehr ertragen.

"...im Haus herum": das "herum" kannst du einsparen.

"Ich hatte sie ja immer davor gewarnt": Ich habe sie ja davor gewarnt..., denn in der Zeile davor steht auch schon einmal "immer"

Wie gesagt: liest sich ansonsten echt super!
Gru├č, Denschie

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Ja, ich stimme Denschie zu. Die Form geh├Ârt noch etwas ausgefeilt, aber der Plot ist stark.

Gruss
Socke

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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 21
Kommentare: 12
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Hi Denschie, Rote Socke!
Vielen Dank f├╝r eure Kritik, vielleicht ├╝berarbeite ich die Geschichte noch einmal.
Gru├č, Mikhan

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