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Leselupe.de > Humor und Satire
Mein Restaurant
Eingestellt am 04. 01. 2007 12:04


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Seshmosis
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Registriert: Nov 2006

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Zugegeben: Ich bin als Gastronom eine völlige Niete. Aber mein Onkel sagte schon als Kind zu mir: „Kneipe geht immer!“
Und Recht hat er, man muss nur die richtige GeschĂ€ftsidee finden. So wie ich zum Beispiel, denn ich betreibe seit vier Monaten ein afghanisches Restaurant. UnterstĂŒtzt werde ich von zwei alten Schulfreunden, die von ihren zahlreichen botanischen Studienreisen einen Ziegenhirten vom Hindukusch mitbrachten, der hervorragend kochen kann.
Und was soll ich sagen? Seit der Eröffnung ist mein Lokal jeden Tag rappelvoll. Es kommen so viele StammgĂ€ste, dass fĂŒr Neue kaum ein Platz ist. Am Tisch drei sitzen immer die Amis. Da hat kein Fremder eine Chance, weil die sich die StĂŒhle gegenseitig in die Hand geben. Wenn eine Gruppe der US-Boys dabei ist zu bezahlen, steht die nĂ€chste schon daneben, um ja die PlĂ€tze zu bekommen. Sind ja alles nette Leute und so sauber, in ihren gedeckten AnzĂŒgen, mit den Designersonnenbrillen und den dezenten Stöpseln im Ohr. Und, was die Hauptsache ist, sie verzehren reichlich. Und auch mit Trinkgeldern sind sie nicht so knickrig wie die deutschen GeschĂ€ftsleute aus Pullach von Tisch sieben, die ihre Verzehrquittungen immer in dreifacher Ausfertigung brauchen. Die Briten von Tisch vier sind, wie soll ich sagen, very British eben. Aber dafĂŒr essen sie alles. Vielleicht ist es ja auch koloniale Nostalgie, die sie zu mir treibt. Nicht zu vergessen die frauenbewegten „Engel der internationalen solidaren femininen Gerechtigkeitsliga“, die sich jeden Dienstag und Freitag an dem Tisch unter dem Schild „Burkafreie Zone“ treffen. Montags und mittwochs sitzen dort „Joschkas Jungs“ und plaudern ĂŒber alte Zeiten, Samstag und Sonntag findet man an diesem Tisch die „Omas und Opas von 68“, Donnerstag haben wir Ruhetag.
Suspekt waren mir anfangs die Russen an Tisch acht, weil ich sie nicht einordnen konnte. Aber inzwischen weiß ich, dass es ganz normale HĂ€ndler aus dem Bereich Import hilfreicher Substanzen von Mutter Natur und Vater Chemie sind. Das erklĂ€rt auch die Anwesenheit der TĂŒrken, Ukrainer und Kolumbianer an den umgebenden Tischen. Man weiß ja, dass sich Leute aus einer Branche gerne in bestimmten Szenelokalen treffen. Die einen wollen GeschĂ€ftskontakte knĂŒpfen, die anderen die Konkurrenz beobachten.
Ein Vorteil der Beliebtheit meines Restaurants ist, dass ich nachts die TĂŒre eigentlich gar nicht abschließen mĂŒsste. Mein Restaurant wird permanent von drei geostationĂ€ren Satelliten beobachtet und vom gegenĂŒberliegenden Haus sind tags acht normale und bei Nacht fĂŒnf WĂ€rmebildkameras auf das Lokal gerichtet. Der Hausbesitzer von der anderen Straßenseite reibt sich die HĂ€nde, weil ich ihm so solvente Mieter fĂŒr seine verwahrloste Bruchbude vermittelt habe und drĂŒckt brav die Prozente fĂŒr mich ab.
NĂ€chsten Monat werde ich in den Stockwerken ĂŒber meinem Restaurant einen Pensionsbetrieb aufnehmen. Ich denke, die Nachfrage nach Zimmern wird gut sein.

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