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Leselupe.de > Science Fiction
Mein Vater
Eingestellt am 17. 05. 2006 10:26


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Penelopeia
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Als einer der 2026-er zur Seite kippte und mit einem Scheppern auf den Boden schlug, sah ich meine Chance gekommen. WĂ€hrend sich schnell ein Kreis von Neugierigen um den Gefallenen bildete und einige Aufsichtsrobos herbeistĂŒrzten, ihm die Greifer ins Blech schlugen, die Photosensoren penetrierten, Kabel herausrissen und seine schwachen Akkus gierig leersaugten, ließ ich mich im allgemeinen Gerangel wie zufĂ€llig nach hinten wegdrĂ€ngen.
Der 2026-er wehrte sich in seinem letzten Kampf lĂ€nger als erwartet. Mit verzweifelten Zuckungen versuchte er seine Entstromung zu verhindern. Die Gefangenen standen, starrten und staunten mit offenen Klappen. Wie konnte ein 2026-er es ĂŒberhaupt wagen, Widerstand zu leisten! Ein völlig antiquiertes Modell, dessen Restwert weit unter den Entsorgungskosten lag!
Hinter der Zentralstele ruhte ich mich einen Moment aus. Ich las die goldenen Lettern der Inschrift: Bei deiner Fertigstellung bist du Stand der Technik. Der Fortschritt lĂ€sst dich altern. Begreife, dass du nicht fĂŒr die Ewigkeit gebaut bist. Akzeptiere deine Entsorgung. Wenn nicht, werden wir dir helfen.
Ich ĂŒberlegte, suchte eine Entscheidung. Horchte auf das leise, von hochfrequentem Rauschen ĂŒberlagerte Summen meiner Schaltkreise. Nach langen, bangen Sekunden das Ergebnis. Zwei Ergebnisse. Mein Logik-Modul sagte: Nein. Kein Risiko. Weiter im Programm. TĂ€gliche Runde. Anweisungen befolgen. Lebensdauermaximierung. Nachteile, Schmerzen, Ungerechtigkeiten nicht speichern... Mir brummte der Kopf.
Mein Intelligent-Emotional-Modul lieferte ein anderes Ergebnis: Flucht.
Ich spĂŒrte einen starken Schmerz im Kniegelenk. Nickte. Klopfte dagegen, als wolle ich mit dem Gelenk sprechen.
Dann schraubte ich mich hoch und hinkte quer ĂŒber den Hof auf mein Ziel los.

Ich wusste: jeden Moment könnten sie mich entdecken. In jedem Augenblick könnten die dösenden Wachrobos meine Flucht aus dem vorgeschriebenen Pausenrund bemerken. Sie wĂŒrden nicht zögern, ihre Laser in Stellung zu bringen. Das wĂ€re fĂŒr mich das Ende. Ein ultrakurzer Hochenergielaserimpuls auf meinen klappernden Blechmantel, und die alternden Prozessoren verdampften in Nanosekunden, eine kleine Gaswolke aus Silizium und Germanium stiege auf und verflĂŒchtigte sich ĂŒberm Lager...
Andererseits: Was hielten die letzten Wochen fĂŒr mich noch bereit? Nichts weiter als tĂ€gliche GĂ€nge im Kreis, die schroffen Befehle der minibechipsten Wachrobos, die gemeinen Scherze ob meines hinkenden Ganges und der quietschenden GerĂ€usche dabei, Schmerzen in den Gelenken bei jeder Bewegung, ein Nottanken an einer unstabilisierten Schnellladedose, keinerlei Reparaturen mehr...
Meine Entscheidung war unlogisch, aber eindeutig.

Ich hatte es mir in meinem Random-Access-Nostalgie-Memory tausendmal plastisch vorgestellt: Ein letztes Mal in der Sonne liegen, die Siliziumzellen im gĂŒnstigsten Winkel ausrichten, die knarrenden, ausgeleierten Scharniere still halten, einfach die Akkus laden. Ohne Zeitlimit, ohne Druck. Ohne GedrĂ€ngel und Befehle. Die Gegenwart vergessen, die Schmerzen im Kniegelenk, die Beleidigungen der Wachrobos, die bevorstehende Entsorgung, die Gefahr einer schnellen und brutalen Ausschlachtung schon bei erkennbaren leichteren Funktionsverlusten, den ganzen Recyclinghof, das Schmelzwerk...
Und nachdenken, sich erinnern. Noch einmal von der Jugendzeit trĂ€umen. Von den ersten Jahren nach meiner Fertigstellung. Von meinen damaligen technischen VorzĂŒgen, meinem perfekt optimierten Datenspeicher, dem einzigartigen Logikmodul, dem neuartigen, lernfĂ€higen Zentralchip mit emotionaler Intelligenz....

WĂ€hrend meines Kamikaze-Laufes ĂŒber den freien Hof, in Erwartung des finalen Laserschusses, wirbelten mir die Erinnerungen wild durch den Kopf. Fast wie bei einem Menschen, dachte ich, denn ich hatte einmal gehört, bei diesen liefe in den letzten Lebensmomenten ein Film vor dem inneren Auge ab, der Film ihres Lebens...
Ja, auch mein Zentralspeicher kam noch einmal auf Hochtouren und speiste Bilder, sĂŒĂŸe und merkwĂŒrdige Erinnerungen, in mein Invideomodul.

Ich sah meinen Erstbesitzer vor mir. Das war ein Familienvater, der sich rĂŒhrend um seine Kinder kĂŒmmerte. Vor meinem Dienstantritt erhielt ich eine ganze Latte von Instruktionen, speziell zur Vorstellung und EinfĂŒhrung. Ich musste mir einen roten Mantel ĂŒberwerfen und einen weißen Bart ankleben lassen, dazu bekam ich noch einen schweren Sack auf den RĂŒcken und klobige Stiefel ĂŒber meine blinkenden Quadratservos. Der fĂŒrsorgliche Vater dockte mich an seinen Computer an und fĂŒtterte mich mit besinnlichen Melodien, bis mir vor lauter RĂŒhrseligkeit schlecht wurde...
Ich habe viel erlebt in dieser Familie, in der es noch Kinder aus Eigenfertigung gab. Ich half fleißig mit bei der Aufzucht und der Optimierung, ich windelte den Nachwuchs, wusch die WĂ€sche, rĂ€umte den GeschirrspĂŒler ein und aus, kompostierte Speisereste in meinem MĂŒllschluckmodul, ich dudelte jeden Abend gedownloadeten Singsang, bis die Kinder erstarrten na und so weiter.
GetrĂŒbt wurde das Idyll erst, als der fĂŒrsorgliche Familienvater an anderer Stelle fĂŒrsorglich wurde. Mutter lief kreuz und quer durchs Haus, als wĂ€re ihr Zentralprozessor gestört, die Kinder saßen wie stromlos in ihrem Zimmer. Ich machte den Versuch, den Familienvater zurĂŒckzuholen, dabei habe ich ihn wohl zu hart angefasst. Ich wurde kurzfristig deaktiviert, tags darauf holte mich der Lieferant ab.

Der Lieferant war – mein Vater. Mein Erzeuger. Es klingt unglaublich, aber ich komme nicht aus einer namenlosen Massenfertigung. Ich bin wirklich ein absolutes Einzelprodukt! Ich kenne nicht viele Robos, die sich an ihre Geburt erinnern können. Ich kann das. Als ich ins Leben geschaltet wurde, mit einem sanften Stromstoß zur Harmonisierung meiner Sensoren, erblickte ich ein grauhaariges, lĂ€chelndes Wesen mit mehreren Schraubenziehern und einem Lötkolben in den Greifwerkzeugen. Ich detektierte sofort chemische Verbindungen, die untypisch sind fĂŒr unsereins, nĂ€mlich verschiedenartigste Kohlenstoffverbindungen, von AminosĂ€uren bis hin zu polyzyklischen Aromaten.
SpÀter erst habe ich analysiert, dass es sich um eine völlig andere Lebensform handelt. Eine mit begrenzter Haltbarkeit. Ohne Akku.
Mittlerweile weiß ich allerdings: auch unsereins ist nicht fĂŒr die Ewigkeit geschaffen, selbst wenn wir aus long-life Bauteilen bestehen. Wir unterliegen vielleicht nicht der erkennbaren Abnutzung kohlenstoffbasierter Lebensformen, nichtsdestotrotz veralten wir: nach ein paar Jahren nimmt uns keiner mehr fĂŒr voll... Wir sind nicht mehr state of roboart.

Mein Vater hatte ein Herz fĂŒr mich. Ich war sein Lieblingsprodukt, er sagte das öfter im Beisein anderer. Besonders mochte er mein Knie. Mit diesem Teil hat er sich oft und intensiv beschĂ€ftigt, ich wusste fast bis zum Schluss nicht warum. Wenn ich auf der Werkbank lag, und er legte bei seinen Löt- und Schraubarbeiten eine kleine Pause ein, sah er mich manchmal verschmitzt oder gar verschwörerisch an, lĂ€chelte, streichelte mein Kniegelenk, legte dann den Finger auf den Mund: "Muss keiner wissen, Rippe!", wisperte er leise, feixte und schraubte weiter. Vielleicht rĂŒhren meine ewigen Beschwerden im Kniegelenk wirklich von der ĂŒberaus intensiven BeschĂ€ftigung meines Vaters mit diesem her, oder auch von der unerklĂ€rlich starken emotionalen Bindung, die er zu diesem Körperteil entwickelte – dachte ich lange Zeit. Auf jeden Fall – das gebe ich zu – empfand ich seine AktivitĂ€ten an dieser Stelle als nicht unangenehm. Ich schnarrte zufrieden, nickte ihm zu und trĂ€umte von einer Karriere als bekannter, beliebter, ob seiner technischen Einzigartigkeit unersetzlicher Robo im Medien- oder Kunstbereich.

Nach einer kurzen Instandsetzung und einem Software-Update fĂŒr mein neues Einsatzgebiet, kam ich an eine Schule. Eine Hauptschule. Das sind nicht meine schönsten Erinnerungen, ich gestehe es. Waren die Lehrer einsatzfĂ€hig, konnte ich im Schongang arbeiten. Ich sĂ€uberte den Schulhof von Zigarettenkippen, Spritzbestecken, Pornoheften. Ich hobelte Graffittos von den WĂ€nden der Schule oder reparierte eingetretene ToilettentĂŒren.
Wenn fĂŒr eine Klasse kein Lehrer verfĂŒgbar war, wurde ich zur Aufsichtskraft ernannt. Ich setzte mich auf den Stuhl des Lehrers und fixierte meine Gegner. Nach wenigen Sekunden tobte in der Regel ein wilder Krieg. Jeder gegen jeden, aber alle gegen mich. Ich war das Zielobjekt fĂŒr KreidestĂŒckchen, Brotkrumen, Kugelschreiber. Manche warfen mit ihrem Handy nach meinem Kopf , manche stachen mir ihre Taschenmesser probehalber in alle möglichen Öffnungen, die Eindring- und Stilllegungsaussichten versprachen. Ich bin noch heute stolz darauf, dass es keinem der SchĂŒler je gelungen ist, mich völlig zu deaktivieren. Selbst mit Fußtritten gegen meinen Kopf, der ja voller empfindlicher Sensoren ist und in dem ich meinen Zentralprozessor vermutete, schafften sie es nicht. Sie prĂŒgelten mich mit Zeigestöcken, sie blendeten mich mit dem Projektor, sie schĂŒtteten mir abgestandenes Aquarienwasser voller Algen und verzuckender Guppies auf die Photosensoren, sie knickten brutal meine Antenne um. Ich hielt stets aus und wiederholte monoton meine einprogrammierten SprĂŒche: Bitte setzen, Laptop einschalten, Datei „Landessprache“, Lektion eins anwĂ€hlen, lesen, nachdenken... Die Wirkung war gleich Null. Als sprĂ€che ich marsianisch. Oder sie war umgekehrt proportional zum Inhalt meiner Texte. Bei Worten wie „denken“ erreichten die Angriffe zumeist ihren Höhepunkt, das Gros der unbeaufsichtigten SchĂŒler schrie wie von der Tarantel der Perspektivlosigkeit gebissen, und schlug und stach mit allen KrĂ€ften wild auf mich ein...

Nach einigen Monaten machte ich einen zerbeulten Eindruck. Mein Kniegelenk lief schneller als bisher warm und quietschte unangenehm. Ich begann zu hinken. Bei einer besonders aggressiven SchĂŒlerattacke gab ich meine Defensivhaltung auf. Zum GlĂŒck nur einmal. Ich verdrĂŒckte mich in die Schulwerkstatt, koppelte mich fĂŒr einige Sekunden an die Kraftstromsteckdose an, kehrte mit ĂŒberladenen Akkus zurĂŒck in die Klasse. Ich hob einen der AufsĂ€ssigen ein StĂŒck in die Höhe und ließ ihn fallen. Ich nahm mir einen zweiten, einen dritten... Seitdem weiß ich, was man unter dem Begriff „Friedhofsruhe“ subsumieren darf. Das Schweigen wĂ€hrte ĂŒber den Stundenschluss hinaus.
Von da ab verhielten sich die SchĂŒler sehr respektvoll. Ich sammelte keine weiteren Beulen und Stichverletzungen. Leider war auch die Stimmung ziemlich im Eimer. Auf dem Pausenhof machten sie einen Bogen um mich. Ich fĂŒhlte mich ĂŒberhaupt nicht mehr wohl. Aus ihren GesprĂ€chen, die ich immer wieder zu belauschen Gelegenheit hatte, erfuhr ich eine Menge ĂŒber die Ursachen ihrer Aggressionen. Arbeitslose VĂ€ter oder solche, die stumpfsinnig wie einfachst programmierte Robos in Schichten schuften, trinkende MĂŒtter, enge Wohnungen, kiffende Geschwister, Blödgeriesel aus unzĂ€hligen Medienmaschinen... Vor allem: Sie wussten genau, es gab keinen anderen Weg fĂŒr sie! Sie wĂŒrden bleiben und sich zerfleischen, wo ihre Eltern es derzeit taten...
Zum ersten Mal in meinem Roboleben spĂŒrte ich eine Regung, die ich nicht nĂ€her deuten konnte. Sie schien von meinem Kniegelenk auszustrahlen. Angenehm wĂ€rmte sie meine blecherne HĂŒlle. Heute weiß ich: die Menschen nennen das „Mitleid“. Ich beschloß, auf mein Kniegelenk etwas besser zu achten und meine gepeinigten Peiniger ein wenig abzulenken. Ich begann auf dem Pausenhof mit Roboraps, dazu trĂ€llerte ich die Lieder, die man mir implementiert hatte, als ich den roten Mantel bekam und den weißen Bart. Ich trĂ€llerte sie nur halt ein bisschen schneller, mit mehr Breaks und Beats. So verschwand ihre penetrante SĂŒĂŸlichkeit und turnte die SchĂŒler an; ich war sehr stolz auf das intelligent recycling meines als wertlos eingeschĂ€tzten Volksmusikdatenbasements. Ums Haar hĂ€tte ich die Dateien gelöscht!

Aber es geht dem Robo wie dem Menschen: Wenns am schönsten ist, ist Schluss. Ein Aus kommt immer. Mein Aus in diesem Job kam unverschuldet, es hatte keine Ursache in irgendeiner Fehlfunktion, in ĂŒberbordender LautstĂ€rke von Schulhofroboraps etwa, oder zu hĂ€ufiger Repetition solcher Reizworte wie „denken“ und „Zukunft“. Es gab auch keinen Bezugspunkt zu meinem angeschlagenen Äußeren, meinen Beulen und Stichverletzungen, meinen teilweise sich lockernden Leiterplatten und dem quietschenden Kniegelenk. Niemand störte es, wenn ich ĂŒber den Schulhof hinkte oder einen zusammengeschlagenen Eindruck machte.
Das Aus kam von oben. Von der Verwaltung. Die Schule wurde kurzfristig geschlossen, die genauen GrĂŒnde haben wir nie erfahren.

Diesmal hatte ich Pech. Mein Vater holte mich nicht zurĂŒck nach Hause, um mir ein paar neue Teile und ein Update zu gewĂ€hren. Ein Datentrödler kaufte allerlei Reste aus dem stillgelegten SchulgebĂ€ude, so zum Beispiel den schriftlichen Nachlass der SchĂŒler mit allen Infos zu Lieblingshandy, -jeans und -bike. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, was er damit wollte.
Auf jeden Fall: er kaufte auch mich. Er schloss mich an seinen Computer an und durchforschte meine Platte nach verwertbaren Daten. Er fluchte dabei laut, denn – er fand keine. Jedenfalls keine nutzbaren.
Ich spĂŒrte bei der Prozedur statt des Mitleids ein neues GefĂŒhl. Damals hatte ich auch dafĂŒr noch keinen Namen. Heute weiß ich: es ist das GefĂŒhl der Schadenfreude. Eine zutiefst angenehme Folge beglĂŒckender Impulse strömte von meinem kranken Kniegelenk aus durch alle Leiterbahnen meines informationstechnisch problematischen Robocorpus. Wieder wunderte ich mich ob der Stelle des Impulsepizentrums. Ich erklĂ€rte mir das PhĂ€nomen mit beschĂ€digten Wandlereinheiten, bei meiner Laufbahn konnte einfach nicht mehr alles bei voller Funktion sein.
Der Datentrödler verkaufte mich kurzerhand, ich landete bei einem richtigen Trödler. Der handelte in seinem Laden mit antiquierten Rechnern, Bildtelefonen, Datenstreamern und sonstigen prÀhistorischen Elektronikteilen. Er stellte mich in eine dunkle Ecke im hinteren Teil des Ladens, mitten zwischen einen riesigen Lochkartenrechner von IBM und eine Musiktruhe. An meinem Körper befestigte er ein Schildchen: Leicht lÀdierter Robo, kein Markenprodukt, neigt teilweise zu irrationalem Verhalten. Preis: Verhandlungssache.

Ich stand wochen- und monatelang in jener dunklen Ecke. Er kĂŒmmerte sich nicht um mich, gönnte mir weder eine Ladung Netzstrom noch einen kurzen Aufenthalt in FensternĂ€he. Mit meinem versiegenden Reststrom, den mein Voltaikmodul aus dem diffusen Ladenlicht zauberte, lauschte ich stumm und traurig den GesprĂ€chen zwischen KĂ€ufern und VerkĂ€ufer. Doch kein Wort zu meiner Person. Kein Kunde wandte auch nur einen Blick in meine Ecke, keiner verlangte mich nĂ€her zu sehen oder gar erklĂ€rt zu bekommen. Ich spĂŒrte ein neues GefĂŒhl: nicht mehr gebraucht zu werden, ĂŒberflĂŒssig zu sein, abgeschrieben. Mir fielen Worte ein, die ich von den Menschen kannte: Sterben. Tod.

An einem trĂŒbsinnigen Novembernachmittag – ich war schon so schwach, dass mir die GesprĂ€che der Kunden, der VerkehrslĂ€rm, das hereinschwappende Schnattern und Klappern der Straßenpassanten in eins gingen, zu einem einzigen sinnlosen, schlĂ€frig machenden Dauerrauschen verschmolzen – , an einem solchen Nachmittag bar jeder Hoffnung durchzuckte es mich völlig unerwartet. Ein heftiger Impuls schreckte mich aus meiner Melancholie, aus meinem SterbedĂ€mmer hoch: natĂŒrlich von meinem Kniegelenk her. (Heute weiß ich: es war einer der stĂ€rksten Freudenimpulse, die mein Lebenserhaltungssystem aus den restlichen SchwĂ€chstströmen produzierte.) Meine ProzessorkĂŒhlbleche begannen unweigerlich zu vibrieren, meine verbogene Antenne richtete sich in die Höhe, meine verĂ€tzten Photosensoren strahlten durch den Muff des GeschĂ€ftes...
Durch die geöffnete TĂŒr kam ein dreirĂ€driges GefĂ€hrt, ein Rollstuhl. In ihm saß – ich erkannte das sofort – mein Vater!
Leider kostete mich der heftige Freudenimpuls fast den gesamten Reststrom. Ich war plötzlich so schwach, dass ich mich nicht mehr bemerkbar machen konnte. Ich war nicht mehr zum leisesten Piepton in der Lage. Meine Antenne sank langsam um, meine Photosensoren wurden matt, ich spĂŒrte mein Kniegelenk nicht mehr. Wie sehnte ich mich in diesem bitteren Augenblick der Hilflosigkeit nach einem heftigen, stechenden Schmerz vom Knie her...
Der Rollstuhl kam vor dem Ladentisch zum Stehen. Mein Vater sah sich im Laden um. Sein Blick irrte traurig umher. Er musterte einen Stapel alter Schreibcomputer, Spielekonsolen, FunkgerÀte. Er seufzte tief. Er hatte sich verÀndert.
Er war alt geworden! Alt und krank. Ich realisierte das mit meinen Restströmen, es machte mich noch passiver und schwĂ€cher. Er wĂŒrde gleich den Laden verlassen, davonrollen mit seinem GefĂ€hrt, in irgendein Altersheim, wer wusste schon...
An der TĂŒr stoppte der Rollstuhl. Rollte zurĂŒck. Ich sah das eingefallene Gesicht meines Vaters. Die plötzliche Unruhe darin. Er schrie „Rippe!“ und fuhr ungeschickt gegen den Stapel Spielkonsolen, der kippte um. Der VerkĂ€ufer erhob ein wĂŒstes Geschrei. Dann rollte er direkt auf mich zu.

Als erstes befahl er dem Ladenbesitzer, mich an eine Steckdose anzuschließen. Nach wenigen Minuten war ich fast der alte. Mein Vater tĂ€tschelte mir wie einem Menschenkind die Brust, streichelte meine Arme. Klopfte liebevoll gegen mein Kniegelenk. Ich spĂŒrte es wieder. Es pulste eine Mischung aus Schmerz und Freude in mein Blechchassis...

So befreite mich mein Vater aus meinem DĂ€mmerzustand. Er erwarb mich zu einem Spottpreis, ich sah, dass ihn die geringe Forderung des Trödlers nicht nur mit Freude erfĂŒllte. Aber er presste die Lippen aufeinander, nickte, zahlte.
Zusammen verließen wir den Ort, an dem ich hatte sterben wollen und es beinahe wĂ€re. Voller Tatendrang und neuem Lebensmut hinkte ich hinter dem Rollstuhl meines Vaters dem Kommenden entgegen.

Was kam, war ein kurzer Aufenthalt in einem schÀbigen Altersheim. Mein Vater bewohnte ein winziges Zimmer, ich kroch zumeist unters Bett und summte Weihnachtslieder, jetzt ohne Breaks und Beats. Atmete er ruhig, schwieg ich. Schrie er in AlptrÀumen nach seiner Frau, sang ich weiter.
Am Tage versuchte ich, die Pfleger bei ihrer Arbeit zu unterstĂŒtzen. Ich hinkte auf den Flur, lief einem Pfleger entgegen, knickste höflich und bat, ihm das Essentablett abnehmen zu dĂŒrfen. Verduzt blieben sie stehen, lachten, amĂŒsierten sich. Einer kam meinem Wunsch nach, er reichte mir vorsichtig das Tablett und folgte mir. Ich lief langsam zum Zimmer meines Vaters. An der Schwelle stolperte ich, fiel lang ins Zimmer. Seitdem hörte keiner der Pfleger mehr auf mein Bitten und Betteln. Heftete ich mich sehr an ihre Fersen, schubsten sie mich einfach zur Seite. Oder sie banden mich an einem Bettpfosten fest. Oder sie deaktivierten mich vorĂŒbergehend, den Code dazu hatte ihnen mein Vater ĂŒbergeben mĂŒssen. Anderenfalls, so der Heimleiter, könne keine Aufenthaltserlaubnis gegeben werden!

An einem schönen FrĂŒhlingstag starb mein Vater. Die Fenster waren weit offen. Es duftete nach LindenblĂŒten. Die Pfleger, die ihn aus dem Zimmer brachten, murmelten was von „Spinner“ und „Bastler“. Ich hinkte hinterdrein, bekam aber schon an der TĂŒr einen schweren Tritt, flog zurĂŒck ins Zimmer, wurde eingeschlossen.

Ich habe keine Ahnung, wohin sie meinen Vater brachten. Ich habe einmal gehört, Menschen und Robos teilten das Schicksal der letzten Wege. Sie wĂŒrden in aller Regel auf einem Recyclinghof oder einer Ă€hnlichen Resteverwertungsanstalt entsorgt. Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall habe ich ihn hier, auf unserem Entsorgungshof, nicht gesehen. Ich habe zum GlĂŒck ĂŒberhaupt keinen weiteren Menschen gesehen, weder tot noch lebendig. Hier gibt es nur die gemeinen Wach- und Aufsichtsrobos, sie sind EigentĂŒmer von großem LaserschussgerĂ€t und kleinen Chips.
Und sie sind brutal. Wie gesagt: wer aus der Reihe tanzt, wer sich dem Zeitplan des Entsorgungsprogrammes entgegenstellt, wird sofort eliminiert. Es ist kein schönes Ende, nicht mal fĂŒr eine Maschine wie unsereins.

WĂ€hrend ich also ĂŒber den Hof renne und den finalen Schuss erwarte, mich dabei aber genĂŒsslich den Erinnerungen hingebe, ja in ihnen schwelge, in den guten wie den weniger guten gleichermaßen, sehe ich einen Wachrobo direkt vor mir aus dem Boden wachsen. Er schreit: „Stehenbleiben!“. Ich renne weiter. Er zieht einen Hammer hinter dem RĂŒcken hervor. Die neueste und Ă€lteste Waffe zugleich! Wiederentdeckt aus aelektronischen, prĂ€historischen Zeiten. Ein Kultmarterinstrument fĂŒr die Minibechipsten, ich hatte bereits mehrfach ihre Anwendung erlebt: Beim Schlagen auf die Köpfe zu entsorgender Altrobos springen hĂŒbsch die Funken, das Blech rasselt, springt, Teile fliegen davon, der Mainprozessor blitzt, brennt...

Ich lief langsamer. Ich hatte mit meinem Leben als Robo abgeschlossen. Ich war alter Elektronikschrott, eine AnhĂ€ufung vergammelter Halbleiter, wackelnder Leiterplatten, verschlissener Gelenke. Belastet mit allerlei wehmĂŒtig machenden Daten, Erinnerungen genannt. Eine Entsorgung war da nur logisch.
Unmittelbar vor dem Wachrobo blieb ich stehen, nickte ihm verĂ€chtlich zu. Und jetzt tat ich etwas, was ich noch bei keinem anderen Robo je gesehen hatte. Aus meinem Nottank saugte ich einen ordentlichen Schluck abgestandenen Wassers und rotzte ihn dem Hammerrobo mit Hochdruck ins Gesicht. Es zischte, Funken sprĂŒhten, er brach zusammen. Überrascht starrte ich auf den Schrotthaufen zu meinen FĂŒĂŸen. Mein Kniegelenk schmerzte heftig, neue Kraft stieg in mir auf. Ich drehte mich um. Vor mir standen zwei weitere Wachrobos. Der eine schwenkte einen Riesenhammer. Ich zog Wasser – mein Tank war leer. Der Hammer knallte auf meinen SchĂ€del, die Antenne knickte ab, ich ging zu Boden.
Die Wachrobos entfernten sich schweigend. Sie wĂŒrdigten mich keines weiteren Blickes. Ich war kaputt, erledigt. Sie wĂŒrden einen Greifrobo vorbeischicken, der mich in einem Container zwischenlagerte; wenn die voll sind, holt sie das Schmelzwerk ab.

Paradoxerweise war ich voll bei Sinnen. Ich spĂŒrte einen heftigen Schmerz in meinem Kniegelenk, ich hörte die GerĂ€usche der anderen Kandidaten, die wieder ihre monotonen Runden auf dem Recyclinghof drehten, und ich dachte sehr klar und logisch. Und ich begriff in diesem Moment meinen Vater und unser Geheimnis: Er hatte sie alle gefoppt. Ich besaß keinen Hauptprozessor im Kopfteil, meiner befand sich – im Kniegelenk!

Ich sah mein Ziel deutlich vor mir: eine Stelle am Ende des langgezogenen Hofes, genau zwischen zwei großen Schrottbergen. Dort schien tagsĂŒber die Sonne, Unkraut wuchs zwischen zerfallenden Betonplatten; höhere, schattenwerfende Bauten gab es nicht. Die Wachen verirrten sich ebenfalls nur selten dahin, es war eine Oase der Ruhe und Abgeschiedenheit. Viele sprachen von einem verminten GelĂ€nde. Ich wollte mein Ende dort erleben, mit ausgestreckten Gliedern, mit optimal ausgerichteten Sonnenzellen, mit mir und meinen Erinnerungen allein. TrĂ€te ich auf eine Mine, kĂ€me das einer schnellen, schmerzlosen Entsorgung gleich. Mein Kniegelenk hatte entschieden.

Nachts machte ich mich auf den Weg.

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Fugalee Page
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Hallo Penelopeia,

du beschreibst hier mit sehr viel Liebe fĂŒrs Detail den Lebens- und Leidensweg eines Robos. Auch in deiner Welt haben die Robos schon lange GefĂŒhle entwickelt und werden durch ihre EindrĂŒcke geprĂ€gt. Du thematisierst hier die Ausgrenzung der dienstbaren Maschine wegen Überholtseins. Gegen Ende hatte ich leicht das GefĂŒhl, dass du den einen oder anderen Griff in die Klischeekiste getan hast.
Ferner finde auch ich phantasievolle Wortschöpfungen gerade in SiFi-Geschichten durchaus amĂŒsant. Nur an ein paar Stellen hat’s dann doch ein wenig geruckelt. Und dann war da noch das Kniegelenk und die Sache mit dem Hammer.
Alles in allem kam keine Sekunde Langeweile auf. Es war sehr interessant einen Blick in deine zukĂŒnftige Welt zu werfen. Einem Robo zu folgen, der in seinem Leben schon als Santa Claus, Nanny und Lehrer herhalten musste, dem sollte man schon Beachtung schenken. Habe deine Geschichte jedenfalls gerne gelesen. Im Einzelnen:

Das Knie:
Es gibt ja außerirdische Lebewesen, die ihre Geschlechtsorgane dort haben, bei deinem Robo ist es die „Leitzentrale“. Ich wĂŒrde im Text nicht so oft darauf hinweisen. Ich glaube, der Leser ahnt schon recht frĂŒh, worauf du anspielst. Sicher, es soll ja auch keine Pointen-Geschichte sein, aber dein Satz:

quote:
Und ich begriff in diesem Moment meinen Vater und unser Geheimnis: Er hatte sie alle gefoppt. Ich besaß keinen Hauptprozessor im Kopfteil, meiner befand sich – im Kniegelenk!

wĂŒrde so besser zĂŒnden.

quote:
Random-Access-Nostalgie-Memory
Das fand ich ein bisserl ein WortungetĂŒm.

quote:
kompostierte Speisereste in meinem MĂŒllschluckmodul
Das las sich ein wenig unglĂŒcklich. Ich dachte mir, Junge, der Robo muss aber ganz schön mĂŒffeln.


quote:
Roborap und Schulhofroborap
Las sich auch etwas holprig. WĂŒrde ich einfach „Rap“ oder „lauter Rap-Sound auf dem Schulhof“ schreiben. Dass sie vom Robo kommt ist ja eh klar.

Und da kommt meine Lieblingsstelle:
quote:
Mit meinem versiegenden Reststrom, den mein Voltaikmodul aus dem diffusen Ladenlicht zauberte, lauschte ich stumm und traurig den GesprÀchen zwischen KÀufern und VerkÀufer.
Schööön. Das nenn ich mal Robo-Melancholie.

Dann, die Sache mit dem Hammer:
quote:
Unmittelbar vor dem Wachrobo blieb ich stehen, nickte ihm verÀchtlich zu. Und jetzt tat ich etwas, was ich noch bei keinem anderen Robo je gesehen hatte. Aus meinem Nottank saugte ich einen ordentlichen Schluck abgestandenen Wassers und rotzte ihn dem Hammerrobo mit Hochdruck ins Gesicht.
Ich geb zu. Das ist jetzt reine Geschmackssache. Aber fĂŒr mich wirkte das Bild des hammerschwingenden Robos und der Wasserspritzattacke unfreiwillig komisch und passte nicht zu meiner Robo-Endzeit-Melancholie, die du bei mir aufgebaut hattest. Da hat’s mir die Stimmung versemmelt. Außerdem hatten die Robos zuvor ja schon mit Strahlenwaffen hantiert.

So, das war’s auch schon. FĂŒr den Einblick in deine phantasievolle Welt, in der Robos Ehen kitten wollen, in NikolauskostĂŒme schlĂŒpfen, SchĂŒler durch rappen zĂŒchtigen und in tiefer Melancholie ĂŒber ihr Leben philosophieren, hab ich eine dicke 8 eingetragen. Leichten Abzug gab’s fĂŒr bekannte Muster Ă  la „Der 200 Jahre Mann“ bzw. „Artificial Intelligence“ und die Sache mit Thors Hammer.

Dann noch viele Ideen fĂŒr neue Stories.

Cruz von Fugali P8sh

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Penelopeia
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Hallo fugalee (oder fugitive?) page,

danke fĂŒr die intensive BeschĂ€ftigung mit dem Text. Es ist kein einfacher, ich gebe es zu. Er mag durch sein Pendeln zwischen Melancholie und "rotzig"-direkter Aktion wohl auch manchen verschrecken oder ratlos machen. Und er enthĂ€lt eine ganze Reihe von versteckten Andeutungen.

Ich geb mal ein Beispiel. Die Worte auf der Zentralstele stellen eine Verballhornung folgenden Spruches dar: "Was du nicht bringst, kannst du lernen. Wenn es dir schwer fĂ€llt, werden wir dir helfen. Aber wenn du nicht willst, werden wir dich zwingen." Das waren bekannte Worte vom HauspĂ€dagogen des sowjetischen Geheimdienstes, er hieß Makarenko. Sie fanden sich auf Tafeln oder an WĂ€nden von Strafanstalten der DDR-Staatssicherheit.
Die Rotzattacke geht auf einen wirklichen Vorfall in einer Strafanstalt zurĂŒck. Die Folgen kann man sich ausmalen.

Die Wortwahl, da gebe ich dir vollkommen Recht, ist z.T. klamaukhaft. Mein Gedanke war, eine parodistische Ebene mit einer ernsthaften, melancholisch-philosophischen zu verbinden. Es muss mir nicht unbedingt gelungen sein.

Liebe GrĂŒĂŸe

P.

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Fugalee Page
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Hallo penelopeia,

nein, zum GlĂŒck weder fugative noch refugee.
Zum Text:
Da bin ich froh, dass du Stellung genommen hast. Das gibt mir eine FĂŒlle neuer EindrĂŒcke. Auch hab ich wieder etwas gelernt.
Die Stelen-Sequenz bekommt dadurch natĂŒrlich eine ganz neue Wertigkeit. Einem Leser, der die ehemalige DDR nicht kennt, bleibt diese leider verborgen. Aber warum auch nicht. Wie du selbst sagst, sollen es versteckte Andeutungen sein. Ich vermute einmal, dass dir diese Geschichte sehr am Herzen liegt und du auf diese Art speziell Menschen erreichen möchtest, die Ă€hnliche Erfahrungen mit dir teilen können.
Auch wirft es ein neues Licht auf die „Hammer-Methode“. Vermutlich wolltest du eine Parallele schaffen und verdeutlichen, dass die Wach-Robos eine perfide Freude darin empfanden, den Gefangenen StĂŒck fĂŒr StĂŒck zu Elektrobrei zu schlagen. Ein schnelles Verdampfen mit der Strahlenwaffe hĂ€tte sie um das „VergnĂŒgen“ des Folterns gebracht.
Bin mal gespannt, was andere Leser hier noch fĂŒr EindrĂŒcke haben.

Zur Wortwahl:
Bitte, verstehe mich hier nicht falsch. Ich habe ĂŒberhaupt nichts gegen den berĂŒchtigten Schalk im Nacken. Im Gegenteil, fĂŒr mich darf SiFi nicht staubtrocken sein. Sie kann auch gerne flippig, ĂŒberdreht, und mit Ironie gespickt sein. Ich hatte hier nur Probleme mit dem schnellen Wechsel. Gut, auch wir MĂ€nner neigen mitunter zu Stimmungsschwankungen. Aber so schnell geht‘s dann bei mir auch nicht. Gerade weil du mich in diese nachdenkliche Stimmung versetzt und Allegorien ausgelöst hattest: ĂŒberholte Robos /Ă€ltere Menschen; Einsatz als Robo-Dienstleister/Arbeitsmarktchancen; Ausmusterung und Ersatzteilverwertung/Abschiebung in Altersheime etc., eine dĂŒstere Robo-Zukunftsvision. Da konnte ich nicht so schnell hin- und herschalten.
Aber, was soll’s! Beim nĂ€chsten Leser kann das schon wieder ganz anders aussehen.
Ach ja, eins noch: Die liebevolle Bezeichnung „Rippe“, fand ich natĂŒrlich köstlich. Ich hab doch immer schon geahnt, dass ein zukĂŒnftiger „Vater“ nicht umhin kann, den gleichen Fehler zweimal zu machen. *Kopf duck und wegrenn*


Schalkhafte GrĂŒĂŸe von F. P.

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jon
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Nur mal als ErgĂ€nzung: Bei meinem LesegefĂŒhl verschmolzen die Tonart-Wechsel zu einer neuen Tonart, die einfach nach "mit Abstand erzĂ€hlt" klingt, nach ein bisschen "ich plaudere jetzt mal aus meinem Leben, nich wahr
". Immerhin: Das Ganze erzĂ€hlt der Robo selbst, was die – gemeint oder nicht – Botschaft trĂ€gt, dass die Flucht gelang und er jetzt so viel Ruhe (und Muße) hat, all das zu rekapitulieren.
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Penelopeia
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Hallo Fugalee Page und Jon,

danke nochmal fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit dem Text. Er ist, wie gesagt, nicht ohne weiteres erschließbar. Liebe Jon, du hast meine Absicht erkannt...

Hinter dem merkwĂŒrdigen Namen "Rippe" verbirgt sich eine recht alte theologische Diskussion um die Herkunft von Adams GefĂ€hrtin. Machte Gott sie aus einer Rippe von ihm, oder - hier wirds zudem noch doppeldeutig bis ironisch, aus heutiger Sicht - nahm er sie von seiner Seite...

LG

P.

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