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Leselupe.de > Kurzprosa
Mein Verlobter
Eingestellt am 25. 08. 2004 20:31


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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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Mein Verlobter hei√üt Klaus. Sein Nachname ist mir im Moment entfallen. Das ist vielleicht verzeihlich, wenn man bedenkt, dass ich ihn erst seit f√ľnf Tagen kenne. Trotzdem: Ich h√§tte einfach besser hinschauen sollen, als er mir seinen Berechtigungsausweis f√ľr die Suppenk√ľche unter die Nase hielt. Mit einem solchen Mann an meiner Seite w√ľrde ich niemals mehr darben m√ľssen; das steht fest. Doch so verlockend diese Aussicht auch sein mag: Ich habe mir noch etwas Bedenkzeit ausgebeten. Er h√§lt mich deswegen f√ľr unentschlossen und, vor allem, undankbar. Zu Recht.

Aber so schnell gibt mein Verlobter nicht auf. Immer und immer wieder malt er mir unsere gemeinsame Zukunft in den schillerndsten Farben aus. Wir werden in vierzehn Tagen heiraten, in seiner Garage ‚Äď vom Feinsten! ‚Äď leben und dreimal in der Woche die Tr√∂delm√§rkte der n√§heren Umgebung um seine im Laufe der Jahre angeh√§uften Sch√§tze bereichern. Kein Mensch, der noch alle Sinne beisammen hat, w√ľrde ein solches Angebot ausschlagen. Keiner. Au√üer einem ausgemachten Idioten wie mir.

Mein Verlobter sitzt immer, und damit meine ich wirklich: immer, in der Kneipe, an der ich vorbei muss, wenn ich zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Amt, zu Freunden oder auch nur mal eben so √ľber die Stra√üe gehen will. Sobald er mich sieht, springt er mit einer Beh√§ndigkeit, die ihm niemand zutrauen w√ľrde, auf und wirft sich mir vor die F√ľ√üe. Ich entkomme ihm also nicht. Genau so hat er das auch ausgedr√ľckt: Du entkommst mir nicht. Kleines. Ich widerspreche nicht. Au√üerdem ist in meinem Alter die Aussicht, von einem Meteoriten erschlagen zu werden, gr√∂√üer als die, noch jemals von einem Mann ‚ÄěKleines‚Äú genannt zu werden.

Mein Verlobter darf mich mit Fug und Recht ‚ÄěKleines‚Äú nennen. Er ist doppelt so gro√ü und dreimal so breit wie ich. Dies unterstreicht er sehr gekonnt durch einen Kleiderstil, den man in Hell‚Äôs-Angels-Kreisen wohl als ‚ÄěKluft‚Äú bezeichnet. Auf seinen baumstammdicken Unterarmen prangen mehrere T√§towierungen, die man aber auf den ersten Blick nicht als solche erkennt. Sie sehen eher aus wie... blaue Flecken. Das kommt daher, dass sie nicht von einem Profit√§towierer gemacht wurden, sondern von einem Zellengenossen. Aber das ist Schnee von gestern, sagt mein Verlobter. Er war damals betrunken. Und ein bisschen hat der Totgeschlagene es auch provoziert.

Jetzt muss er leider weg. Vor drei Wochen hat er seiner Ex-Freundin die Wohnung auseinander genommen. Und diese Schlampe hat es doch tats√§chlich gewagt, ihn anzuzeigen. Aber der Richter ist ein guter alter Bekannter von ihm. Es kann also nicht lange dauern, dann ist er wieder ganz f√ľr mich da.

Er zwinkert mir verschwörerisch zu: Bis nachher. Kleines.


__________________
Am j√ľngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unn√ľtz uns entfallen. - J.W. Goethe -

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

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"Ich werde die Zeit nutzen, um in fieberhafter Eile das N√∂tigste einzupacken, die Wohnung zu k√ľndigen, meinen Namen zu √§ndern und die Stadt mit unbekanntem Ziel zu verlassen. "


liebe arle,

das ungewöhnliche an deiner geschichte ist der schluss,
die regel, glaube ich, ist eher anders.
da wird nicht weggezogen, sondern leider gewartet.


ich habe den text gern gelesen,
allerdings mit ein wenig frösteln
muss ich gestehen .

dir eine gute zeit


montgelas

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alfi
???
Registriert: Dec 2003

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arle

ich muss gestehen, ich lese fast nie prosa, aber deine Zeilen habe ich von anfang bis zu ende gelesen. es hat mich fasziniert, es erinnert mich an die geschichten der knastbr√ľder in die sich frauen unsterblich verlieben weil....
aber das ist eher ein thema der soziologen und anderer
alibibesorger.
Sehr real und x-mal passiert-leider.
__________________
alles was sich reimt ist nicht-
automatisch ein Gedicht. (alfi)

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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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Lieber Montgelas,

eben noch im chat und jetzt schon so ein netter Kommentar. Ich danke dir. Ja, vielleicht macht einen der Text wirklich ein wenig frösteln. Stalker sind wohl doch nicht nur hinter Prominenten her. Und manchmal ist abhauen die einzige Möglichkeit, Schlimmeres zu vermeiden. Ich hoffe allerdings, dass sie genug Mumm und Selbstbewusstsein in den Knochen hat, um ihn zum Verschwinden zu bewegen.

Nochmal vielen Dank und eine gute Nacht.

arle
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arle
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Liebe(r?) alfi,

sch√∂n, dass du mal bei der Prosa h√§ngen geblieben bist. Vielen Dank f√ľr den freundlichen Kommentar und die gute Bewertung.

Ich gestehe: Unter dem soziologischen Aspekt habe ich die Geschichte noch gar nicht betrachtet. Eher aus diesem mulmigen Gef√ľhl von diffuser Angst und ungl√§ubigem Lachen heraus. Aber sicher ist es so, dass auch "Klaus", der ja durchaus seine charmanten Seiten hat, eine Frau dazu bringen k√∂nnte, sich unsterblich in ihn zu verlieben. Unsere Protagonistin ist dazu wahrscheinlich doch nicht einsam genug. Obwohl sie offenbar schon eine gewisse Hilflosigkeit ausstrahlt; denn wie sonst k√§me so ein Kerl dazu, derma√üen selbstsicher auf sie los zu marschieren. Wahrscheinlich muss sie, wie ganz viele Frauen, endlich mal lernen, nicht jedem Menschen erst mal freundlich und zugewandt gegen√ľberzutreten. Es f√§llt vielen nach wie vor wahnsinnig schwer, jemanden einfach mit den knackigen Worten "Verpiss dich, mein Junge" in die Schranken zu weisen.


Hoffend, das bald bis zur Perfektion zu beherrschen: arle

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Gagjack
Autorenanwärter
Registriert: Jul 2004

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Liebe arle,
Du hast eine treffend Beschreibung absurder Realität entwickelt. Das Aufeinanderprallen zweier Lebenswelten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, gepaart mit der unmittelbaren Betroffenheit der Protagonistin, ergibt einen spannenden Erzählrahmen.
F√ľr mich ist es vorallem durch den Gegensatz zwischen Sagen und Handeln (mein Verlobter - die Stadt mit unbekanntem Ziel verlassen) die Absurdit√§t greifbar.
Ein schöner, runder Text.
Bis bald
Gagjack
__________________
nur wer auf den hund gekommen ist versteht und niemand kann sagen warum es mir schlecht ergeht, aber ich kenne den weg, das beste daraus zu machen

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