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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mein einsamer Vater (noch kein wirklicher Titel)
Eingestellt am 02. 07. 2004 09:18


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SuracI
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2004

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Leider habe ich noch keinen Titel gefunden, aber mich w├╝rde mal Euer erster Leeseeindruck interessieren. Um eines vorweg zu sagen, ich bin nicht das lyrische Ich.

Seit heute wei├č ich nicht, wer mein wirklicher Vater ist. Ja nat├╝rlich, ich wei├č, wer mein leiblicher Vater ist, aber ich wei├č nicht, wer mein wirklicher Vater ist. Mein Leiblicher Vater verlie├č meine Mutter und mich vor 20 Jahren, 2 Monate nach meiner Geburt. Das ich aber nun in Zweifeln ├╝ber meinen wirklichen Vater bin, liegt an dem Bericht, den meine Mutter vor zw├Âlf Jahren in ihr Tagebuch geschrieben hat. Es war reiner Zufall, dass mir ihr privater Schatz in die H├Ąnde viel, aber ich konnte der Versuchung, ein wenig darin zu bl├Ąttern nicht wiederstehen. Und dann fing ich an zu lesen. Und die eine Erz├Ąhlung hat mich sehr irritiert und letztendlich dazu gef├╝hrt, das ich nicht wei├č, wer mein wirklicher Vater ist. Es geschah vor zw├Âlf Jahren, als meine Mutter achtundzwanzig war. Ich war gerade erst acht Jahre alt. Gemeinsam verbrachten wir einen Urlaub in Spanien. Und w├Ąhrend ich nichts ahnend im Meer war und mich vergn├╝gte, geschah die Konversation zwischen meiner Mutter und diesem Mann, der vielleicht mein komplettes Leben ge├Ąndert hat.

ÔÇ×Ich wei├č nicht, wo ich anfangen soll, so durcheinander sind meine Gedanken. In meinen ganzen achtundzwanzig Jahren ist mir nichts wiederfahren, was an diesen Zustand des Nichtswissens herangeragt h├Ątte. Seit zwei Wochen sind nun Anton und ich in Spanien. Fast jeden Tag waren wir am Strand und ich schaute Anton bei seinem Spiel im Wasser zu oder ich las in einem meiner Lieblingsromane. Jetzt jedoch, wenn ich ihm beim Spielen zuschaue, fange ich an zu gr├╝beln. Das Gespr├Ąch mit diesem jungen Mann hat mich irritiert. Und seine Worte gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Es war wieder ein sehr hei├čer Tag, als ich wieder mal in meinem Buch las. Anton war irgendwo im Wasser und vergn├╝gte sich damit, seine Finger in den feuchten Sand zu stecken und einen Sandklumpen zu nehmen um ihn dann zur├╝ck ins Wasser zu werfen. Pl├Âtzlich sprach mich dieser junge Mann an. ÔÇ×Entschuldigen Sie, aber kann ich mich einen Moment lang zu Ihnen setzen?ÔÇť. Dass er uns wohl schon eine ganze Weile beobachtet hatte, wird mir erst im Nachhinein bewusst. Denn er sprach mich direkt auf Deutsch an. Aber zu diesem Zeitpunkt verwunderte es mich nicht, war ich doch so ├╝berrascht durch sein pl├Âtzliches Auftauchen. Verwundert schaute ich ihn an, hatte ich ihn doch vorher noch nie hier gesehen. Ich sch├Ątzte ihn auf ca. zwanzig Jahre. Was mir aber sofort auffiel war, dass er mir tief in die Augen blickte, als wollte er mein ganzes Seelenleben in sich aufnehmen. Noch immer etwas durcheinander durch sein pl├Âtzliches Erscheinen machte ich eine knappe Handbewegung, die ihm Platz auf meinem Handtuch bot. Nachdem er sich gesetzt und mir noch einmal tief in die Augen geblickt hatte, schaute er weit aufs Meer hinaus. Dann begann er mit seiner Erz├Ąhlung, die ich nie vergessen werde. ÔÇ×Ich beobachte Sie und Ihren Sohn nun schon einige Tage und es erf├╝llt mich mit Gl├╝ck, gleichzeitig aber auch mit Trauer, wenn ich sehe, wie lebensfroh er ist. Es ist mir auch nicht leicht gefallen, hierher zu kommen, ist es doch sonst auch nicht meine Art, einfach fremde Menschen anzusprechen, aber ich muss einfach loswerden, was ich auf dem Herzen habe. Wenn ich Ihren Sohn so beobachte, muss ich immer an meine Kindheit denken. Und ich stelle mit Erstaunen fest, dass er mir sehr ├Ąhnlich ist. ├ähnlich wie er, als ich in seinem Alter war, konnte ich Stundenlang am Wasser sitzen, meine H├Ąnde in den Sand stecken und dann kleine Sandb├Ąllchen ins Wasser werfen. Oh ja, wie habe ich das geliebt. Ich habe mich sehr viel alleine besch├Ąftigt, wie Ihr Sohn hier auch. Kleine Dinge konnten mir ganz viel Freude bereiten. Genau wie Ihr Sohn habe ich auch fr├╝her im hei├čen Sand gesessen, habe meine H├Ąnde tief in den Sand gew├╝hlt, dann herausgezogen und die einzelnen K├Ârner aus der Hand heraus auf meine Beine fallen lassen. Und dass er mir so ├Ąhnlich ist ist der Grund, weshalb ich mich entschlossen habe, ihnen meine Geschichte zu erz├Ąhlen. Wie ich eben schon sagte, war ich fr├╝her auch ein sehr fr├Âhliches Kind. Ich habe mich Stundenlang mit kleinen Dingen besch├Ąftigt. Und das hat sich eigentlich nie ge├Ąndert. Ich habe das Alleinsein genossen. Vielleicht mag das auch daran gelegen haben, dass die anderen nicht mit mir spielen wollten.ÔÇť . Er machte eine kurze Pause in der er ein paar mal tief Luft holte, und ich glaube darin einen kleinen Seufzer vernommen zu haben.. Dann steckte er, ohne es bewusst wahrzunehmen, seine rechte Hand in den Sand und lie├č die K├Ârner durch seine Finger rieseln. Dann fuhr er mit seiner Erz├Ąhlung fort. ÔÇ×Auch in der Schule hat sich nichts ge├Ąndert. Ich habe mich zur├╝ckgezogen und meistens f├╝r mich alleine gespielt. Zwar hatte ich noch zwei ├Ąltere Schwestern, aber die haben meistens miteinander gespielt, sodass ich dann immer selbst etwas gemacht habe. Manchmal, wenn ich dann in Gesellschaft sein wollte, haben mich die anderen Kinder nicht wirklich akzeptiert, weil sie es nicht gewohnt waren, dass ich mich bei ihnen aufhielt. So habe ich mich dann wieder zur├╝ckgezogen. Und das ist das Schicksal, worunter ich heute sehr leide. Ich habe verlernt zu kommunizieren. Ich f├╝hle mich einsam und bin ungl├╝cklich. Und wenn ich eingeladen werde, wenn ich mit Menschen zusammenkomme, sitze ich meistens stillschweigend da. Dabei versuche ich so zu tun, als w├╝rde ich irgendeiner Konversation folgen, forme meinen Mund zu einem L├Ącheln, wenn die anderen lauthals loslachen, auch wenn ich nicht mitbekommen habe, wor├╝ber sie gesprochen haben. Und das nur um mir nicht anmerken zu lassen, wie leer ich bin. W├Ąhrend dieser ganzen Zeit denke ich sehr viel. Meine Gedanken sind sozusagen mein Gespr├Ąchspartner. Und das ist furchtbar. Ich mache mich langsam von innen kaputt ohne etwas dagegen tun zu k├Ânnen. Ich habe mein Schicksal begriffen, als es zu sp├Ąt war.ÔÇť Wieder machte er eine kleine Pause. Ich hatte das Gef├╝hl, dass er sich sehr schwer getan hat, mir das mitzuteilen. Und langsam meinte ich zu wissen, warum er sich mir anvertraut hatte. Bevor er fortfuhr schluckte er noch einmal kr├Ąftig, als wollte er seine Trauer einfach herunterschlucken, als sie frei herauszulassen. Dann sah er mir wieder direkt in die Augen und ich bin nicht sicher wenn ich sage, einen leichten Schimmer in seinen Augen gesehen zu haben. Aber nur so leicht, dass es eigentlich nicht aufgefallen w├Ąre, h├Ątte er mir nicht so tief in die Augen geblickt. ÔÇ×Die Trauer zerfrisst mein Inneres. Ich kann mit niemandem dar├╝ber reden. Deswegen habe ich mich Ihnen anvertraut. Tun Sie mir und Ihrem Sohn den Gefallen und sorgen Sie daf├╝r, dass er nicht vereinsamt. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass dieser gl├╝ckliche kleine Junge irgendwann einsam am Strand liegt und seine Kindheit in einem anderen Jungen wiedererkennt. Denn wenn er dann sieht, dass sein Inneres nur noch einer W├╝ste aus Sand gleicht, den er fr├╝her so leicht durch seine H├Ąnde hat rieseln lassen, ist es zu sp├Ąt.ÔÇť Dann erhob er sich, mir noch immer tief in die Augen blickend. Bevor er sich umwandte sagte er noch diesen letzten Satz, der mir am deutlichsten von allen in Erinnerung geblieben ist. ÔÇ×Tun sie mir den Gefallen und denken ├╝ber meine Worte nach. Und bitte sprechen Sie mit niemandem dar├╝berÔÇť. Dann ging er fort ohne sich noch einmal umzusehen. Er legte sich auf sein Handtuch und schaute in den Himmel. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich kein einziges Wort zu ihm gesagt hatte. Ich kannte sein Innerstes und er hatte nicht einmal meine Stimme geh├Ârt. In den folgenden, unseren letzten Tagen hier habe ich ihn nicht mehr bewusst wahrgenommen, aber ich war mir immer sicher, dass er irgendwo da war, ganz in unserer N├Ąhe. Ich habe seine Bitten befolgt und ├╝ber seine Worte nachgedacht. Au├čerdem habe ich mit niemandem dar├╝ber gesprochen und das werde ich auch nicht tun. Daf├╝r hat mich seine Geschichte zu sehr ber├╝hrt. Ich denke nicht, dass sie mich jemals komplett wieder loslassen kann. Ich wei├č auch nicht, wie ich reagieren werde, denn so wie er das Verhalten geschildert hat, kenne ich es von Anton. Zwar habe ich es nie mit vollem Bewusstsein wahrgenommen, aber seit dem Gespr├Ąch sehe ich einiges mit anderen Augen.ÔÇť

Ich musste die Niederschrift meiner Mutter mehrere Male lesen. So irritiert wie ich jetzt bin, wird meine Mutter damals auch gewesen sein. Habe ich diesem Unbekannten mein gl├╝ckliches Leben zu verdanken? Ist er, der Junge, den meine Mutter nur ein einziges Mal gesehen hat, mein Vater gewesen, den ich nie hatte? Zu viele Fragen werfen sich auf, zu viele Fragen, die eine Antwort suchen. W├Ąre ich, wenn meine Mutter nicht ihr Handtuch zur Verf├╝gung gestellt h├Ątte, ebenso traurig wie der junge Mann, der wohl so alt war, wie ich es heute bin? Der Gedanke daran, dass ich vielleicht einem einsamen traurigen Menschen meine gl├╝ckliche Situation zu verdanken habe, w├Ąhrend er vielleicht noch immer innerlich weint, macht mich traurig und nachdenklich. Ich muss meine Mutter fragen, wie sie gehandelt hat, ob er mein ÔÇ×VaterÔÇť ist. Besch├Ąmt lege ich das Tagebuch zur├╝ck. Habe ich doch ihr Versprechen gebrochen, dass niemand von dem Gespr├Ąch erf├Ąhrt.


2004 by MJ

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Alexander Rahm
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2004

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Hallo SuracI!
Grunds├Ątzlich ist Deine Geschichte okay. Der Titel allerdings wirkt wie eine Lesebremse, ich w├╝rde unbedingt (noch kein wirklicher Titel) weglassen, genauso den ersten Absatz Deiner Geschichte. Jeder, der seine Geschichte in der LL ver├Âffentlicht, tut das, um von anderen Feedback zu erhalten.

Okay, ein paar Sache m├Âchte ich erw├Ąhnen:
- Zahlen w├╝rde ich grunds├Ątzlich ausschreiben, das sieht besser aus. Sonst kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass da jemand eine Matheaufgabe pr├Ąsentiert ;-)

- Ein paar Abs├Ątze mehr w├╝rden die Lesbarkeit erh├Âhen.

- Hie und da finden sich noch ein paar Fl├╝chtigkeitsfehler (z.B. Mein Leiblicher Vater anstatt: mein leiblicher Vater)

Wie gesagt, grunds├Ątzlich ist Deine Geschichte okay, wirklich spannend ist sie allerdings nicht. Leider kann ich Dir jetzt auch keine konkreten Verbesserungsvorschl├Ąge geben, wie man┬┤s packender darstellen kann. Das m├╝sstest Du schon selbst herausfinden (falls Du es willst).

Viele Gr├╝├če,
Alexander
__________________
www.alexanderrahm.de

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SuracI
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2004

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Hallo, Danke schonmal f├╝r den Kommentar.

Die Klammer hinter dem Titel soll halt von vornherein schon darauf aufmerksam machen, dass der Titel noch nicht fertig ist .
Die Fl├╝chtigkeitsfehler muss ich ausbessern und die Zahlen werde ich auch alle ausschreiben, da hast Du Recht, sieht besser aus.

Meine Intention war nicht unbedingt, dass es eine spannende Geschichte wird. Sie soll nachdenklich machen, die Leser sollen ├╝ber die Geschichte nachdenken und vielleicht auch ├╝ber ihr Leben.

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SuracI
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2004

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So, ich habe jetzt nochmal ├╝ber den Titel nachgedacht und mir einige ├ťberlegungen gemacht. Letztendlich bin ich zu dem Titel: "Mein fremder Vater" gekommen. Was denkt Ihr ├╝ber diesen Titel?



PS:
Ich habe heute ziemlich lange mit einer Person ├╝ber diese Geschichte gesprochen. Es war ziemlich interessant, denn die Person hatte begonnen, die Geschichte zu interpretieren. In manchen Dingen musste ich meine Intention etwas weiter erl├Ąutern, aber im gro├čen und ganzen war der gro├če Teil der Deutung, was sowohl Struktur als auch Inhalt betrifft zutreffend. Und das hat mich doch sehr erfreuthat es mir doch gezeigt, dass meine Geschichte verstanden wurde.

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