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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Mein erster Versuch, zu schreiben
Eingestellt am 08. 04. 2015 15:37


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Macklemore
Hobbydichter
Registriert: Apr 2015

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Manchmal liege ich in meinem Bett und frage mich, warum Menschen so sind, wie sie sind. Dabei tragen viele verschiedene Dinge eine große Rolle. Wie sie erzogen werden und in was fĂŒr einem Umfeld sie sich befinden. Aber das Entscheidenste, was einen Menschen prĂ€gt, sind Ereignisse, die man nicht beeinflussen kann. Sie passieren einfach. Und jeder Mensch reagiert auf ein bestimmtes Ereignis anders. Der eine verdrĂ€ngt, der andere redet und niemand weiß, warum man gerade auf diese Weise reagiert. Jedenfalls ist das Folgende vielleicht eine ErklĂ€rung dafĂŒr, warum ich so bin, wie ich heute bin.


TAG 1

Einige krĂ€ftige MĂ€nner in rot-weißer Kleidung stĂŒrmen zu unserer HaustĂŒr herein. Sie tragen Koffer, eine Liege und Dinge, bei denen ich nicht im Stande bin, sie zu erkennen. In aller Ruhe befragen sie die Beteiligten. Welche Symptome sind aufgetreten? Haben Sie Schmerzen? Wo? Wie stark sind sie?

Es ist ein ganz gewöhnlicher Herbsttag. Es sind Ferien und ich sitze vor dem Computer, schaue einen Liebesfilm ĂŒber zwei Teenager, also tue das, was 13 Jahre alte MĂ€dchen eben so in ihrer Freizeit unternehmen. Dabei wĂŒnschen sie sich, spĂ€ter einmal einem genau so tollen Jungen zu begegnen, der einen von ganzem Herzen liebt. Als meine Lieblingsszene kommt und ich mir vor lauter GerĂŒhrtheit versuche, meine TrĂ€nen zu unterdrĂŒcken, reißt mein Ă€lterer Bruder die TĂŒr auf.
„Schalte den Film aus, der Krankenwagen kann jede Minute kommen.“
Lachend schaue ich ihn an: „Was soll das? Hör\' bitte zu scherzen auf!“
Bevor ich mich wieder dem dramatischen Liebesfilm widmen kann, der gerade seinen Höhepunkt erreicht, bemerke ich das nicht vorhandene LÀcheln meines Bruders.
FĂŒr einen Moment lang verschwinden alle GerĂ€usche. Ich höre weder die Stimmen der Synchronsprecher des Filmes, noch das Klacken der TĂŒrklinke, die wieder in ihre Ausgangssituation zurĂŒckkehrt, als die Hand meines Bruders sie loslĂ€sst, der in Richtung Wohnzimmer geht.
Das Einzige, das ich hören kann, ist mein immer lauter werdende Herzschlag und mein tiefes Ein- und Ausatmen. Eine Hitzewelle ĂŒberströmt meinen Körper von den FĂŒĂŸen bis hinauf zum Kopf, wo sie schließlich bleibt und mir das Denken erschwert. Ich spĂŒre, wie mir tausend Gedanken in den Kopf schießen, als ich den Film endlich stoppe und meinem Bruder folge.

Mit weit geöffnete Augen, aufgestellten Beinen und zitternd liegt sie da. Die Panik steht meiner Mutter ins Gesicht geschrieben. Mit besorgtem Blick schaut mich mein Vater an und ich weiß, dass es sich um eine ernste Situation handelt. Auf die NotĂ€rzte wartend beobachten wir alle XXXXX und ihr Verhalten. Das Zittern verschlimmert sich von Minute zu Minute, bis die SanitĂ€ter nach einer mir ewig erscheinenden Zeitspanne endlich eintrudeln.

Nicht wirklich wissend, was ich tun sollte, beobachte ich das Szenario. Die Rettungsassistenten fĂŒhren einige Untersuchungen durch, bis sie meine Mutter schließlich mit der Krankentrage hinaus in den Wagen transportieren. Mein Vater beschließt, dem Krankenwagen hinterher zu fahren, wĂ€hrend mein Bruder und ich zuhause bleiben. Obwohl es schon ziemlich spĂ€t ist, haben viele Nachbarn von der Aufregung erfahren. Unter ihnen sind auch meine Tante und ihr Mann. Zum GlĂŒck treffen sie noch meinen Vater, der ihnen alles erklĂ€rt. Sie beschließen, auf uns ein wenig aufzupassen, bis wir alle uns beruhigt haben. Die Stimmung ist deutlich bedrĂŒckt und die Kommunikation hĂ€lt sich ebenfalls in Grenzen. Jeder ist in seinen eigenen Gedanken gefangen. Ich denke, jeder malt sich in solch einer Situation das Schlimmste aus, doch hofft insgeheim, dass nichts ist.
Es ist Mitternacht, als sie heimgehen. Vor Erschöpfung gehe ich in mein Zimmer und lege mich ins Bett. Ich starre nur meine blaue Wand an. Blau – wie die Hoffnung. Die kann ich gerade nur zu gut gebrauchen.


Im Halbschlaf höre ich plötzlich zwei tiefe MĂ€nnerstimmen. Sofort schrecke ich aus meinem Bett auf. Ein Uhr siebenundvierzig. Ich steige aus meinem Bett, öffne meine ZimmertĂŒr und sehe meinen Vater. Ich sehe Traurigkeit in seinen gutmĂŒtigen, kleinen Augen und frage ihn, was los ist.
Tausend Gedanken schwirren mir im Kopf herum bis seine Stimme schließlich zu mir hindurchdringt.
„Gehirntumor“ ist das einzige Wort, welches ich verstehen kann. Wie versteinert stehe ich da, wohingegen mein Vater, der offensichtlich in Hektik ist, ein paar Sachen aus unserem Haus zusammensucht, um sie meiner Mutter zu bringen. Anscheinend muss er nochmal zu ihr los. Da der Druck der letzten Stunden mich mĂŒde gemacht hat, kehre ich unter meine kuschelige warme Bettdecke zurĂŒck. Ich bilde mir ein, sie gebe mir Geborgenheit und Schutz, obwohl ich ganz genau weiß, dass niemand mir dies in solch einer Situation geben kann. Noch nicht einmal mein eigener Vater.
Plötzlich spĂŒre ich, dass etwas sehr Nasses meine Wangen kĂŒhlt – TrĂ€nen. Wie ein Staudamm, den ich jahrelang gesperrt hatte und der nun das Wasser nicht mehr halten kann, löst er sich auf, sodass viele kleine Tropfen mein Gesicht entlang herunterkullern.
Ein Staudamm, der nun kaputt ist, durchbrochen von Schmerz und Leid, löst einen kleinen Teil von der Last, die ich auf meinen Schultern trage.
Vielleicht tut es gut, endlich mal zu weinen. Weinen tut nÀmlich gut, sagen sie. Aber irgendetwas in mir strÀubt sich gewaltig dagegen.
__________________
franziska w.

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Ralph Ronneberger
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Autor mit eigener TV-Show

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