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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mein lieber Herr Descartes
Eingestellt am 27. 11. 2001 12:32


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Sebastian Dalkowski
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2001

Werke: 33
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Mein lieber Herr Descartes

„Vatta, komm doch ma an en Grill.“ Die Stimme der Mutter hallt unwiderstehlich durchs Haus. Vatta lĂ€sst sich nicht zweimal bitten, denn er ist: Der Grillmaster. „Ladies and Gentleman, please welcome the official Champion, the one and only, The Grillmaster. Sein Kampfrekord: 75 Schnitzel, 123 WĂŒrstchen, 45 Koteletts, 23 Fische, nur dreimal verbrannt. Ein WĂŒrstchen vom Grill gefallen.“ Seine Haltung: Graziös! Brillant! PhĂ€nomenal! Ausgeburt an komplexer GenialitĂ€t! Die Zange: Stahl, unkaputtbar. GefĂ€hrlich im Schein der untergehenden Sonne funkelnd. Geschwungene Linien. Sexy. Er verkörpert Klischees. Vorsicht, jetzt wird Hilfestellung zur Interpretation geleistet: Er versucht Standardisierungen durch Standardisierungen zu ĂŒberdecken, zu verdrĂ€ngen. Seine Muskeln unter der SchĂŒrze - Aufdruck: Hier bin ich der Chef -sollen weibliche, auf GartenstĂŒhle plazierte Nachbarinnen beeindrucken. Zwischendurch mal ein bisschen jodeln (Kultur!), beilĂ€ufig atlantikprofunde Fremdsprachenkenntnisse behutsam andeuten (noch mal Kultur!) - Hello, my Name is Diether, do you want a WĂŒrstchen? - und natĂŒrlich Witzeken erzĂ€hlen: FrĂŒher wollte ich Philosoph werden, doch meiner Vater der soph schon so viel. Achtung dies ist ein offiziell anerkannter Schenkelklopfer Gag aus dem Mesolithikum, entfernen sie vor Gebrauch bitte die Gesteinsschichten. Der ein oder andere Anwesende versucht ein LĂ€cheln anzudeuten wie Skispringer den Telemark. Aber ernst mit dem lĂ€cheln meint es keiner. Warum auch? Habe ich was vergessen? Die Kleidung. T-Shirt, das zwischen „Beim Löwenkampf im alten Rom voll erwischt“ und „Konkretisierung der Folgen von ĂŒbermĂŒdeten Kinderarbeitern am Webstuhl“ schwankt. Die Hose: Echt Porno. Fast eine Hotpants aus Jeans, die Schwellkörper selbstbewusst ins Rampenlicht gerĂŒckt. Nichts fĂŒr zarte GemĂŒter. Nun aber zur Hauptsache: Grillen. Dat muss sein. Geschickt meint er das WĂŒrstchen zu wenden, geschickt BrĂ€unungszeiten zu kalkulieren. Braunstufe 9: Aha noch drei Minuten. Eine Minute spĂ€ter alles schwarz. Oh ne, meine Statistik! Aber dann: Ein optimal gegrilltes Schnitzel, welche Erleichterung. Ein Meisterwerk der nachkriegszeitlichen Kochkunst. Er wĂ€hnt die ihm zufliegenden Herzen der lokalen Damenwelt, aber es ist nur die Ungeduld der BĂ€renhungriginnen, die gierige Blicke hervorruft (KĂŒrbiskernbrei bis Leck mich am Arsch DiĂ€t ist schließlich kurzzeitig außer Kraft gesetzt). Er tanzt um den Grill und singt 70er Jahre Songs. Zum Zeichen seines funktionierenden Erinnerungsvermögen. Sollte man denken. Ist es doch nur - Interpretateure und alle dies es werden wollen aufgepasst - die Sehnsucht nach besseren Zeiten ohne faden Alltagseinheitsbrei und Potenzunerfreulichkeiten. Aba ma rasch weggegrillt. Man ist ja wer...irgendwie. Ich grille also bin ich.

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