Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
393 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Meine Nacht mit Goethe
Eingestellt am 22. 10. 2007 22:19


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Meine Nacht mit Goethe
(aus schlaflos 1 bis x)

Ich hatte Besuch und diesem mein Schlafzimmer ├╝berlassen, dadurch die Nacht in der Bibliothek verbracht, auf dem G├Ąstebett.
Wie so oft konnte ich nicht einschlafen, dazu noch das falsche Bett und die weiche Matratze, keine Basis f├╝r eine ruhige Nacht.
Sie blieb es auch nicht. Pl├Âtzlich, v├Âllig ├╝berraschend, ├Âffneten sich Zeit und Raum.

Isabel erz├Ąhle mir von ihrem ersten Buch, von Episoden, die nicht im Geisterhaus Platz finden konnten. Ich war fasziniert, mir verschlug es die Sprache und das soll schon etwas hei├čen.

Irgendwann musste ich mir ein P├Ąckchen Tempos holen. Als ich zur├╝ckkam sa├č Noah bei mir auf der Bettkante, meinte, er ├╝berlege, die Medikusreihe fortzusetzen, fragte, ob wir uns mal seine Idee anh├Âren k├Ânnten. Wollten wir nat├╝rlich.

Es muss so kurz nach Mitternacht gewesen sein, als Johann Wolfgang in der T├╝r stand, uns vorwurfsvoll ansah, brummte, wir sollten die Klassiker nicht vergessen. Er w├╝sste, dass er bei mir im B├╝cherregal st├Ąnde, aber unten, wie in den Superm├Ąrkten die Billigwaren. Auch w├╝rde es ihn ├Ąrgern, dass Schiller in der zweiten Reihe st├Ąnde und das John gleich drei Regale einnehmen d├╝rfe. Wer sei ├╝berhaupt dieser Grisham, bestimmt so ein Massenproduzent des geschriebenen Wortes, den w├╝rde doch in einhundert Jahren sowieso keiner mehr kennen. Der geh├Ârte in die unterste Reihe. Ich sollte meine B├╝cher gef├Ąlligst neu sortieren: In Griffh├Âhe das Weltkulturerbe, dann Kinderb├╝cher und nochmals Kinderb├╝cher. Kinder k├Ânnten nicht fr├╝h genug an B├╝cher herangef├╝hrt werden. Schlie├člich will man (Mann) auch in den n├Ąchsten einhundert Jahren noch gelesen werden. Dann bekam ich aber doch noch ein kleines Lob von ihm, denn er entdeckte die Literatur-Nobelpreistr├Ąger. Kaum war ihn das Lob ├╝ber die Lippen, verschwand er auch schon wieder. Ich dachte immer Rentner h├Ątten Zeit, zumal, wenn sie nichts Neues auf den Markt bringen.
John, der inzwischen auch eingetrudelt war, (Er hatte zu lange auf ein Taxi gewartet, es war einfach kein gelbes gekommen.), zeigte sich leicht pikiert, nat├╝rlich kenne er den alten J. Wolfgang, aber Bestseller h├Ątte der nicht geschrieben, mit ÔÇťzudr├╝cken s├Ąmtlicher H├╝hneraugenÔÇŁ k├Ânnte man allenfalls den ÔÇťFaustÔÇŁ als einen solchen betrachten.

So nach und nach f├╝llte sich der Raum, man sa├č auf meinem Bett, auf Kissen, sogar auf dem Fu├čboden. Alle diskutierten, mal ruhig, mal hitzig, teilweise wortgewaltig. Der Einzige, der sich nicht an der Diskussion beteiligte, war Kafka, er hockte in einer Ecke, seine Fersen als Sitzgelegenheit nutzend, nur hin und wieder die Stirn runzelnd und die Mundwinkel nach unten ziehend.

Drau├čen d├Ąmmerte es bereits, als man mich fragte, woran ich gerade arbeitete, ob ich damit Geld verdienen k├Ânne, mein Name w├Ąre ihnen doch noch nie untergekommen. Es w├╝rde ja nun langsam Zeit, die J├╝ngste w├Ąre ich ja wohl auch nicht mehr. Man k├Ânne mir gute Verlage, Lektoren verraten, aber ich m├╝sste nun endlich mal was Brauchbares schreiben.

Ich gab ihnen recht, schmiss sie raus und setzte mich an meinen Computer.




Version vom 22. 10. 2007 22:19

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Sch├Ânes Gedankenspiel, Franka.

drei kleine Sachen in der Rechtschreibung:

... als ich zur├╝ck kam (zur├╝ckkam)

... er w├╝sste, das er bei mir im B├╝cherregal (dass)

... w├Ąre ihnen doch noch nie unter gekommen (untergekommen)

Ein schlauer Text, den ich gern gelesen habe.

LG, Karsten

Bearbeiten/Löschen    


7 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!