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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Meine Tante Agnes
Eingestellt am 22. 02. 2002 15:08


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Helmut D.
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Meine Tante Agnes



Meine Tante Agnes


Meine Tante Agnes, geborene Ripplen zu Ripplenburg hat vor 2 Wochen den Grafen Mackelstein geheiratet. Jawohl, den alten, krummen Mackelstein. Meine Tante Agnes hat danach ihr sch├Ânes Schlo├č zu Ripplenburg verlassen und ist in seine Burg bei Mackelstein gezogen. In seine Burg, die eher eine Ruine ist und in der nur noch der alte Fried bewohnbar scheint. Trotzdem ist sie eingezogen und trotzdem hat sie sich in sein Bett gelegt.
Meine Tante Agnes ist noch in der Hochzeitsnacht vor ihm splitternackt auf dem Boden herumgekrochen. Jawohl, auf dem Boden. Vor dem Grafen Mackelstein in seiner alten Burg, in der nur noch der Fried bewohnbar scheint und in dessen Bett sie sich gelegt hat. Klar?
Meine Tante Agnes hat sich nicht geniert, nachdem sie diese erniedrigende Stellung vor dem krummen Hund eingenommen hat, diesen auch noch die F├╝├če zu k├╝ssen. Den alten Sack. Auf seiner Burg. Mitten im Fried, neben seinen Bett! Noch schlimmer! Meine Tante Agnes hat, nachdem sie ihn die F├╝├če gek├╝├čt hat, den krummen Grafen Mackelstein r├╝cklings durch die Wohnung getragen. Wie ein Pferd. Durch die ganze Wohnung. In seinem Fried! Auf Mackelstein! Sowas hat meine Tante Agnes gemacht!
Meine Tante Agnes hat von dem krummen Hund danach einen Tritt bekommen und ist, wie ein Zwerglein die steile Treppe heruntergepurzelt. Splitterfasernackt. In seiner alten Burg. Vor den Augen des Fieslings. Ohne jede Scham! Jawohl, ohne jede Scham hat sie das getan! Aber nicht genug. Meine Tante Agnes hat sich, als sie ohne jede Scham im Fried des krummen Grafen Mackelstein, den sie vorher geheiratet hatte und durch die Wohnung trug, die Treppe hinuntergepurzelt ist, das Genick gebrochen. Man stelle sich vor: Das Genick und dazu splitterfasernackt! Eine Schande ist das! Vor den Augen des krummen Mackelstein ,dem Erzfeind unserer Familie, den schon mein Urgro├čvater 17. Grades zu Raubritter Zeiten zu Tode bek├Ąmpfte!! Eine Unerh├Ârtheit! Aber immer noch nicht genug. Meine Tante Agnes hat, nachdem sie sich das Genick gebrochen hat, auch noch die noble Stirn besessen, vor den F├╝├čen dieses W├╝terichs das Zeitliche zu segnen. Vor den stinkigen F├╝├čen dieses W├╝terichs, den sie vorher geheiratet und durch die Wohnung getragen hat und in dessen saudummen Fried sie seine irrsinnig steile Treppe hinabgest├╝rzt war und dazu noch splitterfasernackt. Splitterfasernackt! Wortlos wird man da. Meine Tante Agnes hat das alles getan ,ohne uns zu konsultieren. Kein einziges Mal hat sie in dieser Angelegenheit mit uns gesprochen, so da├č wir alles aus der Zeitung entnehmen mu├čten, aus der Zeitung, die zu allem Ungl├╝ck noch den Grafen Mackelstein geh├Ârt und in der nur die halbe Wahrheit gestanden hat. In der gestanden hat, da├č meine Tante Agnes den edlen Mackelstein verf├╝hrt h├Ątte und ihn mit ihrem Striptease fast um den Verstand brachte, so da├č er sie durch den Fried getragen und mit hunderten von K├╝ssen ├╝bers├Ąte, worauf sie aus nicht erfindlichen Gr├╝nden pl├Âtzlich geflohen und die Treppe hinab- gest├╝rzt w├Ąre. Meine Tante Agnes sei in Wirklichkeit eine adelige Nymphomanin gewesen, die den armen Mackelstein sch├Ąnden und um sein ganzes Verm├Âgen bringen wollte, die die unanst├Ąndigsten Witze gerissen und die perversesten Spielchen mit ihm getrieben h├Ątte. Die nackend auf dem gro├čen Eichentisch herumgeh├╝pft und auf den L├╝stern durch den Burgsaal geschwebt w├Ąre. Die die furchtbarsten Lustschreie ausgesto├čen und ihn immer wieder um Befriedigung gebeten h├Ątte. Die so schmutzig und verdorben gewesen w├Ąre, da├č es ihm, den anfangs von ihr geblendeten, zum Speien ├╝bel und ganz schal im Magen geworden w├Ąre, so da├č er mehrmals frische Luft schnappen h├Ątte m├╝ssen. Meine Tante Agnes w├Ąre deshalb durch ihre eigenen Verfehlungen ums Leben gekommen und h├Ątte auch kein besseres Los verdient. Meine Tante Agnes sei f├╝r ihn keine Edeldame gewesen, sondern h├Âchstens eine Stippnutte, die ihn von Kopf bis Fu├č betrogen und hinters Licht gef├╝hrt h├Ątte. Widerlich w├Ąre sie gewesen und so verdreckt, da├č er noch Wochen brauchen w├╝rde, um sich von dieser geistigen Beschmutzung wieder reinzuwaschen.
Meine Tante Agnes liegt jetzt im Schlo├čfriedhof zu Ripplenburg begraben und niemand von unserer Familie gibt sich dazu hin sie zu besuchen. Denn, wer unseren hochnoblen Namen so in den Dreck zieht, wie meine Tante Agnes, wer so verwerfliche Dinge mit unserem Erzfeind, dem krummen Mackelstein treibt- und sie hat es mit ihm getrieben- der geh├Ârt nicht mehr zu unserer Familie. Deshalb rufe ich Dir zu, Tante Agnes, wenn Du mich nun im Himmel oben h├Ârst: Tante Agnes, Du bist nicht mehr meine Tante! Du bist von nun an versto├čen, f├╝r immer und ewig! Geh' hin wo der Pfeffer w├Ąchst und la├č Dich blo├č nicht beim Empfang blicken, wenn wir dereinst, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, wenn wir dereinst im g├Âttlichen Vorraum erscheinen. Meine Tante Agnes ist jetzt f├╝r mich gestorben. Ich habe keine Tante Agnes mehr. Darum werde ich diese Geschichte sofort vernichten, denn sie hat mit diesen Moment jede Berechtigung verloren. Hinfort mit Dir Du b├Âse Geschichte, heraus aus aller Leute K├Âpfe, hinweg in die fernsten Weiten des gro├čen Alles!

Meine Tante Agnes..... Meine Tante Agnes geht mir einfach nicht aus dem Sinn. Meine Tante Agnes hat derart schreckliche Dinge getan, da├č es nicht mehr m├Âglich ist, sie aus meinen Gedanken zu entfernen. Darum finde ich mich damit ab und la├č sie ruhen in Frieden. Meine Tante Agnes ich rufe Dir zu: Von nun an bist Du wieder meine Tante Agnes. Willst Du? Du darfst auch bei unserem Empfang im Himmel anwesend sein und uns mit Deinen goldenen Fl├╝geln ber├╝hren. Oh, Tante Agnes, Du bist unsterblich! Immer wirst Du in mir sein und nie werde ich Dich vergessen, denn so sehr ich es auch versuchte: es geht einfach nicht! Meine Tante Agnes, meine gute Tante Agnes, oh Du liebe, feine gute Tante Agnes, vergib mir, da├č ich so gemein zu Dir war. Verzeih' meine Ungerechtigkeit, vielleicht war ja doch alles ganz anders und wir haben Dir Unrecht getan.

Meine Tante Agnes! Meine Tante Agnes......

Gute Nacht!



1986

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