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Leselupe.de > Humor und Satire
Meine Teekanne
Eingestellt am 13. 08. 2002 14:06


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Lugh
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2002

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Es war ein sch├Âner Sonntag. Der Schnee fiel sanft auf den Boden, im Garten meines Nachbarn veranstalteten die Kinder eine Schneeballschlacht. Zuvor hatten sie noch einen h├╝bschen Schneemann gebaucht. Ich genie├če diese ruhigen Wintertage, niemand st├Ârt. Ab und zu kommen schon die Leute um Spenden zu sammeln, wie immer, vier Wochen vor Weihnachten. Wie sch├Ân w├Ąre jetzt eine gute, warme Tasse Tee. Aber das geht leider nicht, denn meine Teekanne spricht. Halten Sie mich jetzt nicht f├╝r verr├╝ckt, denn das bin ich nicht. Ich bin nur ein normaler Mensch mit einer sprechenden Teekanne. Die Teekanne habe ich von meiner Mutter bekommen, ich wei├č aber nicht, ob die Teekanne auch schon mit meiner Mutter geredet hat. Die Teekanne spricht nicht gerne ├╝ber sie. Ich glaube, die Teekanne hatte es bei meiner Mutter nicht so gut wie bei mir. Meine Teekanne vertr├Ągt leider ├╝berhaupt kein hei├čes Wasser, deswegen kann ich mit ihr auch keinen Tee machen. Auch eine zweite Teekanne konnte ich nicht kaufen, da wurde meine alte Teekanne ganz furchtbar w├╝tend. Ich glaube, sie war eifers├╝chtig. Sie fing richtig an zu kochen, obwohl sie doch gar nicht auf dem Herd stand. Aber eigentlich ist es nicht so schlimm, dass ich keinen Tee mehr habe. Jetzt trinke ich halt Fruchtsaft statt Fr├╝chtetee. Ab und zu h├Ąnge ich meiner Teekanne aber einen Teebeutel um, damit sie nach Tee duftete, das gef├Ąllt ihr sehr. Eine Teekanne kommt halt nicht ganz ohne Tee aus. Nat├╝rlich steht meine Teekanne nicht bei dem ordin├Ąren Geschirr. Ich habe ihr ein h├╝bsches Pl├Ątzchen ├╝ber dem Kamin frei gemacht. Dort stelle ich auch immer die Fotos von ihr auf. Da haben wir mich und meine Teekanne zu Weihnachten unter dem Christbaum, ich und meine Teekanne vor den Niagaraf├Ąllen, hier zusammen am Grab von Elvis .... Meine Teekanne begleitet mich ├╝berall hin, schlie├člich kann ich sie ja nicht alleine zu Hause lassen. Mit wem sollte sie da reden? Mit den Salatsch├╝sseln? L├Ącherlich. Also nehme ich sie auch immer mit in die Arbeit. In meine Aktentasche passt sie nicht hinein, also trag ich sie in der anderen Hand. In der einen Hand meine Tasche, in der anderen meine Teekanne, so gehe ich immer zum Bahnhof und fahre zu meiner Arbeit. Im B├╝ro stelle ich sie auf meinen Schreibtisch zu den Pflanzen. Es gef├Ąllt ihr dort am Besten. Aber man muss vorsichtig sein. Vor einiger Zeit wollte doch tats├Ąchlich jemand mit meine Teekanne Tee machen. Da kam ich also vom Kopierer zur├╝ck und musste entsetzt feststellen, dass meine Teekanne weg war. Ein Kollege verriet mir, dass die Sekret├Ąrin mit ihr in die kleine K├╝che am Ende des Ganges gegangen war um Tee zu kochen. Tee kochen, k├Ânnen Sie sich etwas barbarischeres vorstellen? Hei├čes Wasser in diesem arme Gesch├Âpf f├╝llen. Das galt es zu verhindern, ich rannte zur K├╝che. Energisch riss ich die T├╝r auf und sah gerade, wie meine Teekanne zum Wasserhahn gef├╝hrt wurde. „Nein!“, schrie ich. Die Sekret├Ąrin hielt inne und sah mich verwundert an. Schnell war ich bei ihr, stie├č sie weg und nahm meine Teekanne wieder an mich. „Mache Sie das nie wieder. Lassen Sie die Finger von meiner Teekanne, oder Sie werden es bereuen!“ Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und verschwand. Ein paar Tage darauf bekam ich auch mein neues B├╝ro, wo ich das Zimmer ganz f├╝r mich alleine hatte. Es ist zwar nicht so gro├č und sch├Ân eingerichtet wie mein altes B├╝ro, aber hier war ich mit meiner Teekanne alleine und wir konnten uns auch ungest├Ârt unterhalten. Manchmal habe ich jedoch das Gef├╝hl, man w├╝rde uns belauschen. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, denn wen interessiert es schon, was jemand mit seiner Teekanne beredet?

Seit gestern habe ich aber nicht mehr mit ihr geredet. Genaugenommen redete sie nicht mehr mit mir. Ich f├╝rchte, ich habe sie beleidigt. Ich wollte den Kamin abstauben, dabei stie├č ich aus Versehen meine Teekanne und bevor ich noch reagieren konnte, fiel sie auf den Boden. Sofort hob ich sie wieder hoch und fragte sie, ob ihr doch hoffentlich nichts passiert sei. Sie aber wurde w├╝tend und beschimpfte mich als unf├Ąhigen T├Âlpel. Aber was viel schlimmer war, sie beschimpfte auch meine Mutter. Sie sagte, ich w├╝rde mich schon so anstellen wie meine Mutter mit ihren Rheumafingern und dann bezeichnete sie meine Mutter auch noch als alte, senile Schachtel. Das war mir zuviel und ich stie├č sie noch einmal, diesmal absichtlich vom Kamin. Diesmal lie├č ich sie liegen. Erst wenn ich von ihr eine Entschuldigung zu h├Âren bekam, w├╝rde ich sie wieder auf ihren alten Platz stellen. Bis dahin werde ich WARMEN Punsch trinken.

Es ist genug. Seit Stunden sitze ich hier, trinke meine Punsch, aber ich kann nicht mehr fr├Âhlich sein. Ich brauche keinen Punsch, ich brauche meine Teekanne, auch wenn sie mir keinen Tee machen will. Ich habe mich auch so schlecht ihr gegen├╝ber benommen, sie zweimal auf den Boden geschmissen und dort liegen lassen. Hoffentlich ist sie nicht zu b├Âse auf mich.


„Was ist hier passiert?“
„Die Kinder von nebenan haben uns gerufen. Sie haben durch das Fenster gesehen, dass der Mann tot hier lag.“
„Mord?“
„Glaub ich nicht. Der Alkoholfahne nach w├╝rde ich sagen, er ist stockbetrunken in das Zimmer gekommen, und dann ├╝ber diese Teekanne gestolpert. Dabei ist er mit dem Kopf gegen den Kamin gefallen und bumm, tot.“
„Man, das ist aber auch eine potth├Ą├čliche Teekanne.“


Also, seid nett zu euren Teekannen.


__________________
Es gibt nichts sinnloses. Selbst wenn etwas scheinbar sinnlos ist, zeigt es durch seine Sinnlosigkeit doch den Kontrast zum Sinnvollen - und erh├Ąlt dadurch einen Sinn. G├Ąbe es schlie├člich nichts sinnloses, w├╝ssten wir nicht was sinnvoll ist.

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
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Der Anfang finde ich ein wenig monoton , auch der letzte Satz hinterlaesst bei mir ein schales Gefuehl.

Ansonsten ganz nett.

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