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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Meine erste Liebe
Eingestellt am 04. 01. 2004 23:20


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Acer
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Meine erste Liebe


Während ich in den Apfel beiße und der süße Saft über meine Lippen läuft, denke ich immer noch an Susi, dieses rothaarige Mädchen. Sie gefiel mir schon lange. Etwas ruppig, dünn, überall Sommersprossen und mit zwei langen Zöpfen ausgestattet, sprang sie durch die Straßen. Ich wußte nie, ob sie mich aus- oder anlachte. Keck auf den Gehwegplatten tanzend und dabei fröhlich ein Liedchen pfeiffend, so sah ich sie fast täglich.
Heute früh jedoch, veränderte sich alles. Mir war jetzt noch ganz komisch zumute und ich wußte nicht warum. Meinem Bauch ging es so seltsam, als wäre er in Bewegung. Es war Samstag und ich lief wie gewöhnlich zum Bäcker. „Seppi, Seppi“, rief es. Ich tat, als würde ich nichts hören. „Seppi, bleib doch stehen!“ Susi lief hinter mir her, zwei Äpfel, in jeder Hand einen, vorsichtig balancierend. Manchmal warf sie einen in die Luft und fing ihn flink wieder auf. Sie bemerkte, wie ich auf die Äpfel sah. „Willst du einen haben“, fragte sie? „Ich weiß nicht“, antwortete ich errötend. Sie spielte weiter mit den Äpfeln, die mir mit jedem Moment süßer, leuchtender und begehrenswerter vorkamen. Geschickt jonglierte sie mit den kleinen Kugeln, immer an meiner Nase vorbei. „Willst du, na willst du?“ „Gib mir einen, bitte!“ Meine Stimme erstickte fast. „Aber“, und dabei sah sie mich so seltsam an, „dafür, dafür mußt du mich küssen!“ Mir wurde abwechselnd heiß und kalt, mein Kopf leuchtete wie die Schlußlaterne von einem Zug. Noch röter, das war, glaube ich, nicht möglich. Plötzlich rannte ich, schneller und immer schneller. Doch Susi war noch flinker als ich. Bald hatte sie mich, nach Luft schnappend, eingeholt. „Hier nimm!“ Dabei berührte sie mich flüchtig, fast zufällig und verschwand. Als hätte mich ein Blitz getroffen, stand ich da und konnte an nichts denken. Langsam setzten sich meine Beine in Bewegung.

„Seppi, was willst du?“ „Seppi?“ Wie im Traum sagte ich, „zehn Brötchen.“

Ich spüre, daß die Flüssigkeit den Hals hinunterläuft, der herrliche Saft des Apfels. ‚Ob ein Mädchen auch so süß schmeckt, frage ich mich?‘ Morgen, ja morgen werde ich sie küssen. Ich beiße einfach in sie hinein, ja das werde ich tun.

Die nächsten Tage machte ich einen großen Bogen um ihr Haus, besuchte Freunde und ging Fußballspielen. Ich trainierte, lief und schoß Tore. Meine Mannschaft jubelte und unser Trainer trug mich auf Händen. Zu Hause konnte ich manchen Sieg melden, meine Eltern waren mächtig stolz auf mich. Fast begann ich die Ereignisse zu vergessen. Beim letzten Samstagsspiel gelang mir wieder alles. Doch, als ich auf das Tor zurannte, es stand gerade 1:1, sah ich Susi. Sie stand hinter der Absperrung und spielte mit zwei Äpfeln.

Ich schoß auf das Tor und traf den Pfosten. Heulen hätte ich können. Dieses dumme Kribbeln und am Schluß haben wir auch noch verloren. Wütend über mich selbst, meinen Bauch und die Äpfel verließ ich den Platz. Dabei liefen mir Tränen über die Wangen. Niemanden wollte ich sehen. Ich trocknete mir mein Gesicht ab und versuchte, mich davonzuschleichen. „Seppi, warte doch!“ Wie angewurzelt blieb ich stehen. Meine Füße versagten ihren Dienst. „Komm, wir gehen in den Park“, legte sie fest. Ich trottete hinterher, nicht so recht wissend, was ich mit mir und ihr anfangen sollte. Hinter einem großen Baum am Weiher lag eine Decke. „Setz dich!“ Willenlos ließ ich mich fallen, voller Angst, aber auch ein wenig neugierig, was jetzt kommen sollte. „Mach die Augen zu, los“, kommandierte sie. Ich gehorchte. Schnell presste sie ihre Lippen auf meine und zog blitzartig ihren Kopf zurück. „Wehe, wenn du das irgend jemand erzählst! Dann, dann bringe ich dich um!“
Als wäre nichts geschehen, begann sie auf dem Baum herumzuklettern, dann schlug sie Purzelbäume und rannte über die Wiese. Plötzlich stand sie wieder vor mir. „Wir gehen jetzt nach Hause!“ Ich hörte sie noch sagen, „und denke daran!“

Die nächsten Tage sah ich sie nicht wieder. Ich mußte zur Schule und zum Training. Immer, wenn ich ihre Straße entlang lief, waren die Fenster durch Rollläden verschlossen. Intensiv kümmerte ich mich um meine Aufgaben, hoffte aber insgeheim, sie wiederzusehen. Eines Tages nahm ich all meinen Mut zusammen und klingelte an ihrer Wohnungstür. Niemand öffnete. Immer und immer wieder klingelte ich. Eine Nachbarin sagte mir, daß Susi bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei.
Es war, als würde ein Hubschrauber in meinem Bauch landen. Ich sehe sie nie mehr, schoß es mir durch den Kopf. Nichts wird so sein, wie es war.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schien die Sonne durch mein Fenster. Die hängenden Äste des Baumes zappelten im Wind, sie ähnelten rothaarigen Zöpfen. Und an den Zweigen hingen bunte Äpfel. Es war, als riefen sie mir zu, ich werde dich nicht vergessen!

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Enza ost
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Wunderbar, sehr gelungen, ich schmecke die Äpfel, den Sommer, die erste Liebe....großartig!!!

Gruß von Enza ost

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Rodolfo
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Hallo Acer

Eine schöne Geschichte, wunderbar einfühlend erzählt. Die kindlich - halberwachsenen Gefühle und Reaktionen hast du sehr gut rübergebracht.
Etwas Mühe habe ich nur mit dem Schluss: Das kleine Mädchen hat doch wohl kaum allein dort gewohnt, also wäre doch die Mutter oder jemand von der Familie noch dort gewesen. (Die geschlossenen Rollläden und so.) Vielleicht hätte das Mädchen mit seiner Familie auch einfach weggezogen sein können. (Das ist tragisch genug, glaube mir, ich hab das als Kind so ähnlich erlebt.) Man muss ja seine Prots nicht immer gleich sterben lassen.
Aber, wie gesagt, grosses Kompliment für die Art, wie du die Geschichte erzählst!

Bella Giornata: Rodolfo
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AE
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hallo, acer
ich finde die story zu beginn sehr einfühlsam geschrieben; man kann sich gut in die ersten knospenden gefühle jungen- und mädchenhafter liebe hinein versezten. ich habe aber den eindruck, bitte sei nicht böse, dass du ab der mitte des textes nicht mehr ganz so viel sorgfalt auf deine formulierungen gelegt hast.

zwei beispiele:
+++ Dieses dumme Kribbeln und am Schluß haben wir auch noch verloren
+++ „Komm, wir gehen in den Park“, legte sie fest.

ich glaube, das kannst du noch besser formulieren.

inhaltlich habe ich mit zwei dingen probleme.
1) warum macht der prot alles mögliche, nachdem er sie getroffen hat oder von ihr geküsst worden ist - nur nicht den versuch, sie wirklich wieder zu sehen? normalerweise ist man nach so einem erlebnis entweder gabnz hin und weg, und dann müsstes du sein anderes verhalten erklären. oder er ist nicht beeindruckt, aber das widerspricht deinem restlichen text.
2) ich finde, der tot des mädchens ist zu dramatisch. sie kann ja weggezogen sein. (oder nur krank - und es gint ein happy end). und wo sind die eltern? sind werden doch nicht gleich weg gezogen sein?

Ich denke, mit etwas Feinschliff und mehr erklärungen zum innenleben des jungen kannst du eine richtig gute Story aus "Meine erste Liebe"machen.
liebe grüße
AE


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Acer
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Hallo, Enza, Rodolfo und AE!

Erst mal vielen Dank für die aufbauenden Worte zu meinem Erstlingswerk. Wichtig und gut sind aber auch die kritischen Anmerkungen von AE, sie helfen mir weiter, insbesondere Brüche im literarischen Fluß zu sehen. Es ist schon eigenartig, der erste Teil war ein Guß, fast ohne nachzudenken, den zweiten habe ich dann konstruiert. Entsprechend muß die Wirkung auf den Leser sein?! Diese Rückmeldungen sind enorm wichtig für mich,in meinem Umfeld höre ich nur, ja oder gut. Deswegen meine Bitte um weitere Feedbacks.Sicher werde ich an dem wirklich netten Thema weiterarbeiten und wer weiß, vielleicht lasse ich das Mädchen wieder auferstehen.Das Schöne ist doch, daß wir am Schreibtisch Welten erschaffen und wieder fortwischen können(nach Michael Siefener).

Liebe Grüße an alle, die sich zu meiner Geschichte verirren und diese eventuell noch ergänzend kommentieren.

Lutz

P.S. Acer ist der lateinische Name für Ahorn.

Ich selber heiße Lutz.

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AE
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hallo, lutz
schön, dass du die kommentare positiv und konstruktiv siehst. man merkt dir an, dass du freude am schreiben hast.
ich bin schon gespannt auf die neu bearbeitete version.
in diesem sinne
AE
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Acer
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Meine erste Liebe -überarbeitete Version-

Der Plot soll nicht sterben! Also den Lappen genommen, gewischt und neu gemalt! Viel Freude allen interessierten Lesern!

Liebe Grüße

Euer Acer, auch Lutz genannt




Meine erste Liebe -überarbeitet-



Während ich in den Apfel beiße und der süße Saft über meine Lippen läuft, denke ich immer noch an Susi, dieses rothaarige Mädchen. Sie gefiel mir schon lange. Etwas ruppig, dünn, überall Sommersprossen und mit zwei langen Zöpfen ausgestattet, sprang sie durch die Straßen. Ich wußte nie, ob sie mich aus- oder anlachte. Keck auf den Gehwegplatten tanzend und dabei fröhlich ein Liedchen pfeiffend, so sah ich sie fast täglich.

Heute früh jedoch, veränderte sich alles. Mir war jetzt noch ganz komisch zumute und ich wußte nicht warum. Meinem Bauch ging es so seltsam, als wäre er in Bewegung. Es war Samstag und ich lief wie gewöhnlich zum Bäcker. „Seppi, Seppi“, rief es. Ich tat, als würde ich nichts hören. „Seppi, bleib doch stehen!“ Susi lief hinter mir her, zwei Äpfel, in jeder Hand einen, vorsichtig balancierend. Manchmal warf sie einen in die Luft und fing ihn flink wieder auf. Sie bemerkte, wie ich auf die Äpfel sah. „Willst du einen haben“, fragte sie? „Ich weiß nicht“, antwortete ich errötend. Sie spielte weiter mit den Äpfeln, die mir mit jedem Moment süßer, leuchtender und begehrenswerter vorkamen. Geschickt jonglierte sie mit den kleinen Kugeln, immer an meiner Nase vorbei. „Willst du, na willst du?“ „Gib mir einen, bitte!“ Meine Stimme erstickte fast. „Aber“, und dabei sah sie mich so seltsam an, „dafür, dafür mußt du mich küssen!“ Mir wurde abwechselnd heiß und kalt, mein Kopf leuchtete wie die Schlußlaterne von einem Zug. Noch röter, das war, glaube ich, nicht möglich. Plötzlich rannte ich, schneller und immer schneller. Doch Susi war noch flinker als ich. Bald hatte sie mich, nach Luft schnappend, eingeholt. „Hier nimm!“ Dabei berührte sie mich flüchtig, fast zufällig und verschwand. Als hätte mich ein Blitz getroffen, stand ich da und konnte an nichts denken. Langsam setzten sich meine Beine in Bewegung.

„Seppi, was willst du?“ „Seppi?“ Wie im Traum sagte ich, „zehn Brötchen.“

Ich spüre, daß die Flüssigkeit den Hals hinunterläuft, der herrliche Saft des Apfels. ‚Ob ein Mädchen auch so süß schmeckt, frage ich mich?‘ Morgen, ja morgen werde ich sie küssen. Ich beiße einfach in sie hinein, ja das werde ich tun.

Am Abend mußte ich wieder an sie denken. Ich konnte und konnte nicht einschlafen. Dieses Mädchen war so lustig, mit ihren putzigen Sommersprossen, sie tanzte durch meinen Kopf, immer war sie irgendwie bei mir. Egal, wie ich meinen Kopf drehte, nach links, rechts oder nach hinten pressend, ich sah Susi. Krampfhaft versuchte ich einzuschlafen, doch ihr Bild verfolgte mich, ihre Zöpfe kitzelten an meiner Nase und im Halbschlaf versuchte ich, ihre Äpfel zu fangen. Ich zuckte, war munter, schlief aber sofort wieder ein. Schlief ich oder wachte ich? Es ging hin und her. Mein Mund war ganz trocken, plötzlich dachte ich an den Apfelsaft und meine Zunge schmeckte die feuchte Süße.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Fahrad durch die Straße. Ich hoffte, dort Freunde zu treffen, um gemeinsam Fußball zu spielen, vielleicht aber auch nur, um mich abzulenken. Ein Gedanke trieb mich ganz besonders vorwärts. Werde ich sie wiedersehen?

„Seppi, warte doch!“ Wie angewurzelt blieb ich stehen. Meine Füße versagten ihren Dienst. Ich drehte mich um und mit jedem Stück wurde ich unruhiger. „Laß uns in den Park gehen“, sprach sie leise, fast flüsternd. Ich trottete hinterher, nicht so recht wissend, was ich mit mir und ihr anfangen sollte. Hinter einem großen Baum am Weiher lag eine Decke. „Setz dich!“ Willenlos ließ ich mich fallen, voller Angst, aber auch ein wenig neugierig, was jetzt kommen sollte. „Mach die Augen zu, los“, kommandierte sie. Ich gehorchte. Schnell presste sie ihre Lippen auf meine, mir war, als berührte mich etwas weiches, angenehmes, mehr so innendrin und ruckartig fast erschrocken zog sie ihren Kopf zurück. „Wehe, wenn du das irgend jemand erzählst! Dann, dann bringe ich dich um!“

Als wäre nichts geschehen, begann sie auf dem Baum herumzuklettern, dann schlug sie Purzelbäume und rannte über die Wiese. Plötzlich stand sie wieder vor mir. „Wir gehen jetzt nach Hause!“ Ich hörte sie noch sagen, „und denke daran!“

Abends ging ich ziemlich früh ins Bett. Mein Inneres war komplett durcheinander geraten. Jedenfalls konnte ich nicht schlafen. Immer noch mußte ich an Susi denken. Meine Zunge suchte das Gefühl, war es der Geschmack von süßen Äpfeln oder vielleicht doch der von Erdbeeren. So richtig konnte ich mich nicht entscheiden. Ich werde es noch einmal probieren, von diesen himmlischen Früchten naschen. Zarte Gefühle begannen meine Gedanken auf eine wohlig-warme Weise zu umspülen. Durchs Fenster sah ich auf die Zweige des Baumes. Sie bewegten sich sanft und die daran hängenden Äpfel blinzelten mir zu.

Seppi, Seppi...

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