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Leselupe.de > Kurzprosa
Meine magische Fernbedienung
Eingestellt am 20. 01. 2007 19:32


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dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
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Eine kurze Geschichte ├╝ber die Zweckentfremdung einer Fernbedienung


Mein Nachbar steht morgens um sieben Uhr auf, kocht Kaffee, widmet sich anschlie├čend ein paar Minuten seiner Morgentoilette, zieht sich an und hastet ohne Fr├╝hst├╝ck mit dem Auto zur Arbeit,
kommt abends zur├╝ck, macht die Glotze an, liest die Abendzeitung und geht dann ins Bett. Freitag abends geht's zum Stammtisch, jeden zweiten Samstag zum Fu├čball. Er ist Single, im Grunde ein netter Kerl, aber er wirkt auf mich immer gestresst und sehr ungl├╝cklich.

Das muss sich ├Ąndern, dachte ich mir. Und was glaubt ihr, was ich gemacht habe, um das Befinden meines Nachbarn zu ver├Ąndern? Ich habe meine Fernbedienung umgebaut. Nun staunt ihr! Ich nutze das Infrarotlicht der Fernbedienung als Tr├Ągerwelle meiner von mir erfundenen nicht-physikalischen Bewusstseinsfelder. Wie habe ich das gemacht? Tja, ich habe einfach biophotonische Felder mit morphogenetischen Feldern kombiniert und die erzeugten Wellenteilchen durch einen Doppelspalt in die f├╝nfte Dimension geschickt. Von dort verzerren nun realit├Ątsver├Ąndernde Felder die Wirklichkeit der Menschen. Gut, ich muss eine Einschr├Ąnkung machen, denn leider wirken meine magischen Felder nur innerhalb der Raumzeit. Ich will mich jetzt nicht weiter mit technischen Schnickschnack aufhalten und zeige euch gleich, wie's funktioniert: Wenn ich auf die Kontrasttaste meiner Fernbedienung dr├╝cke, ver├Ąndert sich das Realit├Ątsempfinden aller Menschen innerhalb des Empfangsbereichs von knapp f├╝nfzig Metern. Seht ihr, auf die einfachsten Erfindungen kommt meist kein Mensch.

Vorgestern Nacht, kurz vor Mitternacht, schlich ich mich zum Haus meines Nachbarn, von dem ich euch bereits erz├Ąhlt habe. Ich wollte meine Erfindung ausprobieren. Also dr├╝ckte ich f├╝nf Minuten auf die Kontrasttaste meiner Fernbedienung und schickte meine magischen Strahlen durch Hausw├Ąnde und Fensterscheiben.

Heute Morgen ├Âffnete ich die Haust├╝r, um die Zeitung zu holen und sah, wie mein Nachbar mit dem Fahrrad vom Br├Âtchenholen zur├╝ck kam. Ich rieb mir die M├╝digkeit aus den Augen und hatte wohl mein n├Ąchtliches Abenteuer schon vergessen, denn ich dachte verwundert: "So was hat er doch noch nie gemacht!" Bevor ich mich wieder erinnern konnte, hatte er mich schon ersp├Ąht, winkte mir zu, bremste und hielt kurz vor meiner T├╝r an. "Herr dubidu, warten's, ich muss ihnen was erz├Ąhlen!" Er sei gestern morgen mit bester Laune aufgewacht, anschlie├čend mit dem Fahrrad durch den Wald zur Arbeit gefahren. Weil er etwas sp├Ąter als gew├Âhnlich ins B├╝rogeb├Ąude st├╝rmte, habe er im Aufzug seine Traumfrau kennen gelernt, mit der er gestern im Konzert gewesen sei, anschlie├čend in einem japanischen Sushi-Restaurant undsoweiter, wie er mir zwinkernd und freudestrahlend andeutete. Ja und nun m├╝sse er rein, denn seine neue Freundin habe schon Kaffee gekocht und er wolle mit ihr das erste gemeinsame Fr├╝hst├╝ck genie├čen.

"Die Macht der Gewohnheit zwingt uns in die unertr├Ągliche Langeweile des Seins. Wer die Ver├Ąnderung nicht will, verliert den Spa├č am Leben", ging mir spontan durch den Kopf.
Mein Experiment war gelungen. Morgen werde ich Deutschlands Stra├čen mit meiner Fernbedienung unsicher machen. Ihr werdet es bald merken. Ich bin gl├╝cklich!
__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

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Liebes dubidu,

Dein Gl├╝ck sei Dir von Herzen geg├Ânnt und wenn Du mich auch gl├╝cklich sehen willst, dann kommst Du mit dieser dubidubiosen Fernbedienung mal bei mir vorbei. Da besteht Bedarf!

Dieses hier t├Ąt ich streichen:

quote:
Verwundert rieb ich mir die M├╝digkeit aus den Augen.

Erz├Ąhl mir nur nicht, Du seist verwundert gewesen. Schlie├člich hattest Du ihn bestrahlt, war h├Âchste Zeit, dass dies Ergebnisse zeitigte. Mit M├╝he schlucke ich, dass zwischen Bestrahlung und morgendlichem Erstaunen ein kompletter Tag herumging, an dem offenbar nichts geschah.

quote:
"Die Macht der Gewohnheit zwingt uns in die unertr├Ągliche Langeweile des Seins. Wer die Ver├Ąnderung nicht will, verliert den Spa├č am Leben", ging mir spontan durch den Kopf.
Mein Experiment war gelungen.
Das ist Moralbestrahlung. Komplett ├╝berfl├╝ssig. "Morgen werde ich ..." ist das ideale Ende. Es l├Ąsst hoffen. Ich warte.

lG Zefira, bed├╝rftig

__________________
schmollfisch

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dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

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Liebe Zeffi,

vielen Dank f├╝r deinen kritisch-konstruktiven Kommentar. Sehr hilfreich! Ich stimme dir zu und werde den ersten Satz ├╝berarbeiten. Auch beim zweiten Satz hast du Recht.

Allerdings bin ich/ist der Protagonist tats├Ąchlich ein Moralbestrahler und mir/dem Protagonisten gehen st├Ąndig solche S├Ątze durch den Kopf. Zudem finde ich den Satz auch sehr gelungen, denn er steht f├╝r die philosophisch-groteske Denke des modernen Daniel D├╝sentriebs. Der Satz erkl├Ąrt auch, warum dieser Kerl auf diese Erfindung gekommen ist. Nur wer so schr├Ąg denkt, kann auch so eine schr├Ąge Erfindung machen.

Gru├č
das dubidu
__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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