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Leselupe.de > Kurzprosa
Melly
Eingestellt am 02. 04. 2012 15:37


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kuehen
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2003

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Melly Mellfell war f├╝r eine F├╝nfj├Ąhrige durchschnittlich gut entwickelt. Sie zeigte weder besondere Talente, noch Besorgnis erregende Schw├Ąchen. Sie konnte durchschnittlich gut reden, laufen, zanken und bockig sein. Sie hatte ihre bisherigen f├╝nf Jahre durchschnittlich gut f├╝r ihre Pers├Ânlichkeitsentwicklung ausgenutzt, wobei weder sie, noch ihre Eltern sich sonderlich ein Bein daf├╝r ausgerissen h├Ątten. Alles in allem konnte man sagen, dass Melly Mellfell, das Beste herausgeholt hatte, ohne sich anzustrengen. Seitdem sie gelernt hatte, Fahrrad zu fahren vernachl├Ąssigte sie das Gehen etwas, aber alle an ihrer Entwicklung beteiligten Personen meinten, dass sich das mit der Zeit wieder geben w├╝rde. Auch wenn Melly Mellfell dabei anderer Meinung war. Zu gut f├╝hlte sich es sich an, den Wind an ihrem braunen Lockenkopf zu sp├╝ren (der eines Tages, wenn er nicht mehr durchschnittlich frisiert sein w├╝rde, ├╝berdurchschnittlich wuchern w├╝rde und grade in ihrer Studentinnenzeit hervorragend zu ihrem alternativ/klassischen Kleidungsstil passen w├╝rde, welcher mit Gr├╝nt├Ânen in allen Variationen in Verbindung mit einem ├╝berdurchschnittlich gutem Busen und einem L├Ącheln, in dem mehr Arbeit steckte, als in allem, was sie bis zu ihrem f├╝nften Lebensjahr erreicht hatte, mehrere junge M├Ąnner und einige junge Frauen zum s├╝ssen Wahnsinn Liebe verhelfen w├╝rde). Ihr Fahrrad war in seinem ersten Leben, welches es bei dem Sohn einer Freundin der Mutter verbracht hatte, bis der Junge zu gro├č wurde, schwarz. Nun, da es Melly geh├Ârte und Melly kein Schwarz mochte (jedenfalls sagte das Mellys Vater) war es rosa. Aber egal, ob rosa, oder schwarz, f├╝r Melly war wichtig, dass es schnell war und, dass sie es fahren konnte. Ihrer Meinung nach hatte sie beim herk├Âmmlichen Gehen alles erreicht, was man erreichen musste, wenn man kein Leistungssportler werden wollte. Melly fuhr ├╝berall mit dem Fahrrad hin. H├Ątten ihre Eltern erlaubt, dass sie es mit in die Wohnung nehmen d├╝rfte, w├Ąre sie auch ins Bad damit gefahren, oder in die K├╝che, oder in das Wohnzimmer, vorbei an Ger├╝chen und Tapeten an die sie sich sp├Ąter als an ihre Kindheit erinnern w├╝rde. Aber ihre Eltern erlaubten kein Radfahren in der Wohnung und solange sie keine eigene Wohnung h├Ątte, musste sie sich dieser Regel beugen (Melly w├╝rde nie eine eigene Wohnung haben. Sie w├╝rde von ihren Eltern in eine Studenten-WG ziehen, dort w├╝rde sich der Freund ihrer Mitbewohnerin in sie verlieben und nach einigen ├╝berdurchschnittlich peinlichen Situationen, w├╝rde sie mit ihm zusammenziehen, was er im nach hinein mehr bereute als sie, aber da war sie schon schwanger und seine Erziehung nicht nonkonformistisch genug, um eine schwangere Frau zu verlassen). Eine andere Regel aus Mellys Kindheit besagte, dass sie nicht alleine mit dem Rad fahren durfte. Wobei es bei dieser Regel eine Ausnahme gab. Der Friseur drei Eing├Ąnge weiter. Kein anderes Kind wird jemals so oft zum Friseur gefahren sein wie Melly. Zwei, drei Mal die Woche genoss sie ihre Autonomie, sich auf ihr Rad zu setzen und die zwanzig Meter zu fahren. Nat├╝rlich lie├č sie sich nicht jedes Mal die Haare schneiden. Meistens setzte sie sich nur auf einen nach alten Frauen duftenden roten Samtstuhl und bl├Ątterte so lange eine Illustrierte durch, bis sie dachte, sie h├Ątte genug gewartet, um zur├╝ck zu fahren, ohne dass ihre Mutter Verdacht sch├Âpfte, dass sie gar nicht wirklich beim Haare schneiden war. Etwas, das zu einer von Mellys fr├╝hesten Erinnerungen werden sollte, passierte an einem Tag, an dem sie sich tats├Ąchlich die Haare schneiden lassen wollte. Unter ihrem Stuhl fand Melly eine Brosche. Eine Brosche, der man ansah, dass jemand sie vermissen w├╝rde, eine Brosche, die genau wie der Stuhl unter dem sie lag, nach alter Frau duftete und in dem Moment, als sich ihre kleine Hand fest um die Brosche schloss, wurde Melly klar, dass es ihr vollkommen egal war, ob andere Leute gl├╝cklich sind.

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wirena
Autorenanw├Ąrter
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Hallo kuehen

Der Einstieg in Deine Kurzgeschichte ist m.E. gut gelungen. Ich war unmittelbar interessiert. Doch dann, bei den nachfolgend zitierten ÔÇ×PassagenÔÇť, habe ich beinahe die Lust am Weiterlesen verloren. F├╝r mein Empfinden, ist die "Pointe", der Schluss der Geschichte, sehr einf├╝hlsam beschrieben.

Lg wirena

Zitat:
ÔÇ×Zu gut f├╝hlte sich es sich an, den Wind an ihrem braunen Lockenkopf zu sp├╝ren (der eines Tages, wenn er nicht mehr durchschnittlich frisiert sein w├╝rde, ├╝berdurchschnittlich wuchern w├╝rde und grade in ihrer Studentinnenzeit hervorragend zu ihrem alternativ/klassischen Kleidungsstil passen w├╝rde, welcher mit Gr├╝nt├Ânen in allen Variationen in Verbindung mit einem ├╝berdurchschnittlich gutem Busen und einem L├Ącheln, in dem mehr Arbeit steckte, als in allem, was sie bis zu ihrem f├╝nften Lebensjahr erreicht hatte, mehrere junge M├Ąnner und einige junge Frauen zum s├╝ssen Wahnsinn Liebe verhelfen w├╝rde). Ihr Fahrrad war in seinem ersten Leben, welches es bei dem Sohn einer Freundin der Mutter verbracht hatte, bis der Junge zu gro├č wurde, schwarz. Nun, da es Melly geh├Ârte und Melly kein Schwarz mochte (jedenfalls sagte das Mellys Vater) war es rosaÔÇŽÔÇŽ

ÔÇŽÔÇŽ(Melly w├╝rde nie eine eigene Wohnung haben. Sie w├╝rde von ihren Eltern in eine Studenten-WG ziehen, dort w├╝rde sich der Freund ihrer Mitbewohnerin in sie verlieben und nach einigen ├╝berdurchschnittlich peinlichen Situationen, w├╝rde sie mit ihm zusammenziehen, was er im nach hinein mehr bereute als sie, aber da war sie schon schwanger und seine Erziehung nicht nonkonformistisch genug, um eine schwangere Frau zu verlassen).ÔÇť

__________________
Das Innere oder Innerliche ist um so wirklicher, als ich es mir immer wieder erobern muss.
"Was ich selbst erlebt habe, ist nur dann wahr, wenn es als verwandelter Vorgang wiederkehrt. Hans Bender, geb. 01.07.1919

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