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Leselupe.de > Ungereimtes
Melodie zu HartzIV
Eingestellt am 08. 03. 2005 08:18


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Dorothea
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Melodie zu HartzIV

(Erneut eingestellt)

Mein Vater hockt zu Haus.
Die Arbeit ging ihm aus.
Nun sitzt er auf den Ohren,
hat sich im Suff verloren
und kennt sich nicht mehr aus.

Der ihm die Arbeit nahm,
verschiebt sie ohne Scham
bis in die fernsten Länder,
dort heckt das Geld behender,
das hier nur langsam kam.

Das schöne Etxtrageld,
es reist jetzt um die Welt.
Nur heim in uns're Scheuern,
als grundgerechte Steuern -
das hätte noch gefehlt.

Wer hier dem Staat noch blecht,
ist blöde oder Knecht,
der ohne Raffinessen
malocht, nur um zu essen,
und f√ľr sein gutes Recht.

Der mir mit leichter Hand
den G√ľrtel enger spannt,
kann selber in die Kassen
der Aufsichtsräte fassen
durch kein Gesetz gebannt.


__________________
Dorothea Gebauer
----------------------
Sein ist mehr als Haben.

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Montgelas
???
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liebe dorothea,

der text, obwohl er verdichtet realität
widerspiegelt,
gefällt mir offengestanden nicht.
das liegt meiner meinung daran.
dass er subkutan irgendwie
verschwörungstheoretisch argumentiert.
die da angegriffen werden, ich will sie
nicht verteidigen - um gotteswillen ! -
sind eher determinierte vollzieher eines
weltweit stattfindenden ökonomischen
prozesses, als kreative akteure.

meint

montgelas

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Dorothea
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Vollzieher eines determinierten Prozesses?

Lieber Montgelas,

wenn die Eigner gro√üen Kapitals kein Gestaltungs- und damit Verantwortungspotential mehr haben, wer dann? Deine Anmerkung stellt die Verrohung des heutigen Kapitalismus, der seine sozialen Verpflichtungen gegen√ľber der Gemeinschaft einfach ablegen kann, weil alternative Utopien fehlen, als einen quasi gesetzm√§√üigen Prozess dar, in den nicht gestaltend eingegriffen werden k√∂nne!
Ich denke, manchmal m√ľssen f√ľr die Verursachung verderblicher Entwicklungen Ross und Reiter aus den Kreisen der wirklich M√§chtigen benannt werden, ohne dass deswegen jeder Einzelne aus seiner pers√∂nlichen Mitverantwortung entlassen w√§re.
__________________
Dorothea Gebauer
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Walther
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Liebe Dorothea,

zuerst ein paar kleine Korrekturen etc. in fett und blau.

quote:
Urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von Dorothea
Melodie zu HartzIV

(Erneut eingestellt)

Mein Vater hockt zu Haus.
Die Arbeit ging ihm aus.
Nun sitzt er auf den Ohren,
hat sich im Suff verloren
und kennt sich nicht mehr aus.

Der ihm die Arbeit nahm,
verschiebt sie so ohne Scham
bis in die fernsten Länder,
dort sprudelt Geld behender,
das hier nur langsam kam.

Das schöne Extrageld,
es reist jetzt um die Welt.
Nicht heim in uns're Scheuern,
als grundgerechte Steuern -
Es hätt doch so gefehlt.

Wer hier noch Steuern blecht,
ist saublöd oder Knecht,
der ohne Raffinessen
malocht, nur um zu essen,
f√ľr gute Ehr und Recht.

Der mir mit leichter Hand
den G√ľrtel enger spannt,
kann selber in die Kassen
der Aufsichtsräte fassen
durch kein Gesetz gebannt.


Du siehst mir hoffentlich nach, da√ü ich - meinem Rhythmusgef√ľhl folgend - ein wenig Hand angelegt habe.

Es ist eben doch ein Betroffenheitsgedicht und noch zu nahe am Gef√ľhl, das es angesto√üen hat. Man merkt es am Text in vielen Punkten.

Der √Ąrger ist erkl√§rlich und nachvollziehbar. Der einzelne Mensch f√ľhlt sich den Marktkr√§ften hilflos ausgeliefert, was kann er gro√ü gegen den internationalen Wettbewerb tun. Auf den ersten Blick in der Tat erst einmal nichts.

Auf den zweiten Blick sieht das schon anders aus. Das Erste, was der Einzelne tun muß, ist seine Lage realistisch einschätzen. Die Erkenntnis, die sich aufdrängt, ist: The party is over. Die zweite Erkenntnis ist: Ohne mehr Einsatz zum gleichen Geld werden mir die Chinesen die Butter vom Brot nehmen. Und wenn es nicht die Chinesen sind, dann sind es Esten, Weißrussen und/oder die Litauer. Wobei die Länderbezeichnungen in jedem Fall nur symptomatisch, nicht aber wörtlich zu nehmen sind.

Die dritte Erkenntnis ist: Es gibt kein Ausweichen. Geld stinkt nicht nur nicht, es hat auch noch weder Moral noch Ethik. Es geht schlicht dahin, wo am meisten damit verdient wird. Mitleid und Menschlichkeit sind nicht zu erwarten und können nur von dem geleistet werden, der genug davon hat: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral!" (Bert Brecht).

Gruß

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Dorothea
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quote:
Urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von Walther
Du siehst mir hoffentlich nach, da√ü ich - meinem Rhythmusgef√ľhl folgend - ein wenig Hand angelegt habe.

Vielen Dank f√ľr die akribische Arbeit, die Du dir gemacht hast. Dein Rhythmusgef√ľhl gin, glaube ich, an einer Stelle fehl, w√§hrend Du z.B. in Strophe 4, Zeile drei tats√§chlich einen Fehler gesehen hast. Danke.
Das metrische Schema aller Strophen soll nämlich das folgende sein (X = Hebung, x = Senkung)

xX xX xX
xX xX xX
xX xX xX x
xX xX xX x
xX xX xX

Gegen dieses Schema verstieße Dein zusätzliches "so" in Strophe 2, Zeile 2.
quote:
urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von Walther
Es ist eben doch ein Betroffenheitsgedicht und noch zu nahe am Gef√ľhl, das es angesto√üen hat. Man merkt es am Text in vielen Punkten.

Es soll nahe am Gef√ľhl sein und eben keine mathematische Analyse. Nahe am Gef√ľhl ist Lyrik doch immer auf die eine oder andere Weise. Oder nicht? Nur bei politischen Inhalten ist das abngeblich schlecht. Da soll nur sachlich diskutiert werden. Ich will auch das Gef√ľhl ansprechen, denn es geht um den aufruf von Solidarit√§t gegen Unrecht.
quote:
urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von Walther
Der einzelne Mensch f√ľhlt sich den Marktkr√§ften hilflos ausgeliefert, was kann er gro√ü gegen den internationalen Wettbewerb tun.
[/QWUOTE]
Dieser Standpunkt erscheint mir viel zu neutral formuliert. "Internationaler Wettbewerb", das klingt positiv, unausweichlich, vern√ľnftig, den wirtschaftlichen Pr√§missen entsprechend. Als g√§be es keinen Gestaltungsraum mehr f√ľr die im GG vorgegebene Sozialverpflichtung des Eigentums.
quote:
urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von Walther
Das Erste, was der Einzelne tun muß, ist seine Lage realistisch einschätzen. Die Erkenntnis, die sich aufdrängt, ist: The party is over. Die zweite Erkenntnis ist: Ohne mehr Einsatz zum gleichen Geld werden mir die Chinesen die Butter vom Brot nehmen. Und wenn es nicht die Chinesen sind, dann sind es Esten, Weißrussen und/oder die Litauer.

1. Mit den Ländern der absoluten Niedriglöhne können wir nicht konkurrieren! Denn meine Miete, Versicherungen, .... sinken nicht parallel zu meinem Einkommen.
2. Auch ohne diese Ausweichbewegung des Kapitals in andere L√§nder findet eine Vernichtung der menschlichen Arbeit statt, die auch letzlich zu √úberproduktionskrisen f√ľhren wird, da die wachsenden Anteile verarmter Bev√∂ljkerung die Nachfrage drastisch senken. Wir k√∂nnen das momentan noch durch Export ausgleichen, aber nicht ad infinitum!
Hier wird insgesamt nicht umfassend und sachdienlich diskutiert in Deutschland. Ich möchte durch mein Gedicht in diesen Leerraum der fehlenden Problemdiskussion und der fehlenden Solidarität mit den Bwetroffenen hineinbohren und zum Nachdenken anregen.
quote:
urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von WaltherGeld stinkt nicht nur nicht, es hat auch noch weder Moral noch Ethik.

Geld hat keine Moral - in der Tat. Aber der Mensch sollte sie haben und seine Mittel und Ma√ünahmen so einsetzen, dass sie einem humanen Wertesystem gerecht werden. Ebenso wie den Erfindern und Verwendern der Atomkraft nicht erlaubt werden darf, alles damit zu tun, m√ľssen Kapitaleigner an humane Grenzen orientiert bleiben. Dazu ist Gemeinschaftswesen oder Staat da. Ansonsten brauchen wir n√§mlich keinen und k√∂nnen gleich mit dem Recht des St√§rkeren weiter machen, gegen das schon Thomas Hobbes den Staatsgedanken gesetzt hat.

Die Zeile "Und f√ľr sein gutes Recht" m√∂chte ich aus diesem Grund so lassen. Der B√ľrger als Steuerzahler blecht eben nicht nur f√ľr sein Fressen, sondern auch f√ľr sein Recht, dessen Wahrung durch steuerfinanzierte Gemeinschaftseinrichtung (unabh√§ngige Richter etc.) gew√§hrleistet wird.

Aber finalmente m√∂chte ich Dir doch f√ľr Deinen umfangreichen Beitrag und die M√ľhe mit meinem Text herzlich danken.
__________________
Dorothea Gebauer
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Sein ist mehr als Haben.

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