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Leselupe.de > Humor und Satire
Membrum Virile
Eingestellt am 27. 04. 2003 17:44


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majissa
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Membrum Virile

Meine Geburt stand unter einem schlechten Stern. Kurz bevor ich zum ersten Mal nach Luft rang, ertr√§nkte sich Mr. Tripps, der Familiensittich, im Badeh√§uschen und Oma Fine brach sich beim Versuch, ihn davon abzuhalten, den Hals. Es gab keine Abschiedsbriefe, die mich entlastet h√§tten. √úberzeugt davon, mit meiner Geburt den Sturz seiner Mutter forciert zu haben, bestritt Vater a priori jede Beteiligung an meinem Dasein. Er hielt mich f√ľr das teuflische Produkt eines woll√ľstigen Elementargeistes, der es Nacht f√ľr Nacht meiner Mutter besorgte, w√§hrend er in fremden St√§dten Konzerte gab, um die Familie zu ern√§hren. Ein nach Schwefel stinkender Succubus, der mich in seine Frau pflanzte, um sp√§ter mit meiner Hilfe die Weltherrschaft an sich zu rei√üen. Dabei lag die nach √úberzeugung meiner Mutter schon in Oma Fines H√§nden. Sie war der "Don" der Familie und f√ľhrte auch h√§ufig vom Keller aus Ferngespr√§che nach Saudiarabien.

Die Nachricht von den Todesf√§llen ereilte meinen Vater, noch bevor sich die T√ľr zum Krei√üsaal √∂ffnete. Eine waschmaschinengro√üe Hebamme mit Pianistenh√§nden trat in den Warteraum und rief:
"Wer ist der Gl√ľckliche?"
"Ein Succubus!", schluchzte mein Vater und rannte nach Hause.

Um ihn in seinem albernen D√§monenglauben nicht zu best√§rken, verschwiegen wir ihm die n√§heren Umst√§nde meiner Geburt. Ich kam v√∂llig schweigsam zur Welt und auch meine Mutter machte keinen Mucks. Sie war stinksauer, weil ich ihr in eine Doppelfolge des Denver Clans geplatzt war. Und wenn sie stinksauer war, schwieg sie oder rauchte Kette. Sie h√§tte auch w√§hrend der Entbindung gern geraucht, um nicht schweigen zu m√ľssen, erkl√§rte sie sp√§ter. Besonders w√§hrend der Presswehen. So aber ging ich als die stillste Geburt in die Geschichte des Severinskl√∂sterchens ein.

Als Tante Luise "Der Don ist tot!", in den H√∂rer br√ľllte, war die Sache mit dem Denver Clan vergessen und ich verlie√ü mit einer euphorischen Mutter das Krankenhaus.

Eine handtellergro√üe Beule im Grammophondeckel, ein tiefgefrorener H√ľftknochen und zwei Z√§hne in einem Samtk√§stchen erinnern noch heute an den Todestag von Oma Fine. Das Grammophon ist aus Mooreiche und der Gedanke, dass Fines Kopf den schweren Deckel so eindellen konnte, half meinem Vater schlie√ülich √ľber den Verlust hinweg.
"Sie hatte die h√§rteste Hirnschale der Welt", verk√ľndete er jedes Mal stolz beim Entstauben und Polieren der Beule.
"Ja, sie heizte dem Ding so richtig ein!", versicherten wir ihm, hielten den Daumen hoch und tauschten im Keller den ekligen H√ľftknochen des "Don" gegen ein Modell aus Ton aus.

Trotz des schlechten Starts fehlte es mir nicht an elterlicher Zuwendung. Schon fr√ľh w√§lzte ich mit meiner Mutter medizinische Schm√∂ker durch, die sich mit seltenen, dermatologischen Beschwerden befa√üten. Die Faszination am Greuel hielt uns bis in die Nachtstunden wach. Warzen√ľbers√§te Gesichter, eitrige Flechten, chronische Ausschl√§ge und interessante Beulenbildungen an den undenkbarsten Stellen des menschlichen K√∂rpers waren meine bevorzugten, n√§chtlichen Begleiter. Es gab da die dreibr√ľstige Tibetanerin. Sie war mein Favorit. Frau Holle und Peter Pan kamen einfach nicht gegen den wohlgeformten dritten Busen an, der da aus ihrer Stirn wuchs und das rechte Auge √ľberdeckte. Bei Vollmond schwoll er angeblich an. √úber den Busen bei Neumond gab die tibetanische Frau keine Auskunft. Das machte mich fertig. Meine Mutter qu√§lte sich mit der Frage nach der K√∂rbchengr√∂√üe.
"Sie hat dort oben doch mindestens 50 D?!“
‚ÄěNein, sie hat Cup C, aber der 50er-Umfang d√ľrfte hinhauen.‚Äú, behauptete ich.

Dank Madame Camille kannte ich mich mit BH-Gr√∂√üen bestens aus. So oft ich konnte, lungerte ich in ihrem Dessous-L√§dchen herum und lie√ü mir alles Wissenswerte √ľber den weiblichen Busen erkl√§ren. Madame Camille erkannte sehr schnell meine Leidenschaft und nannte mich ihre ‚Äěpetite √©l√®ve‚Äú. Ich lernte spielerisch mit Fr√ľchten. Cup A stand f√ľr Mandarinen, Cup B f√ľr mittelgro√üe √Ąpfelchen, Cup C f√ľr Pampelmusen und Cup D f√ľr Honigmelonen. Weiter ging‚Äôs mit Wassermelonen und K√ľrbissen. Die Fr√ľchte f√ľr Cup G ‚Äď Z mussten noch erfunden werden. Die weibliche Bev√∂lkerung meiner Stadt war f√ľr mich ein einziges gro√ües Obstsortiment.

Mein Vater versuchte, mir die sch√∂nen K√ľnste n√§herzubringen. Er lehrte mich das Komponieren und Singen, steckte mich in einen Malkurs und nahm mich wutschnaubend wieder heraus, als ich ihm die "Warzenschulter eines sumatranischen J√ľnglings" in √Ėl pr√§sentierte. Es war ein sch√∂nes Gem√§lde. Meine Mutter hing es in den Keller zu den anderen Bildern. Es gab da das "Dorf jungfr√§ulicher Elefantenfrauen", die "Tibetanische Brust bei Neumond", "Herbstflechten" und "Membrum Virile", das einen √ľbergl√ľcklichen Mexikaner mit 2 Schw√§nzen zeigte. "Membrum Virile" bekam mein Vater auf dem Kopf stehend zu sehen. "Das nenn ich doch mal Kunst!" rief er begeistert aus. "Aber warum spielt der Fl√∂tist auf zwei Instrumenten gleichzeitig? Ausserdem k√∂nnte er sich mal den Bart schneiden. Wer ist denn das √ľberhaupt?" Es war stets ein schlechtes Zeichen, wenn mein Vater anfing, die Gem√§lde hin- und herzudrehen. Meine Kindheit f√ľhrte mich allzu oft in den Keller mit dem Hinweis So l√§uft das nicht!

Meine Neigung zum Experimentieren zeigte sich fr√ľh. Im zarten Alter von vier begann ich, die ersten Pflanzen anzunagen und auf die Nebenwirkungen zu warten. Die leicht s√§uerlichen, durchaus bek√∂mmlichen Butterblumen in unserem Garten bildeten den Anfang. Der L√∂wenzahn auf dem Nachbargrundst√ľck verursachte leichte Atembeschwerden. Aber die k√∂stliche Milch der meisten Pflanzenstengel berauschte mich. Ich erweiterte mein Territorium, fra√ü mich durch wilde G√§rten, weidete an grasbewachsenen H√ľgeln und machte selbst vor den den Fu√üballplatz umgebenden, saftigen Wiesen nicht Halt.

"Dein Kind grast die ganze, verdammte Stadt ab!", schrie mein Vater meine Mutter an.
"Ach ja? Wer sagt das?"
Gerade lief ein Double-Feature von Reich und Schön.
"Unser Nachbar möchte sie zum Heckenstutzen mieten!"
"Frag ihn, was dabei herausspringt und vergiss‚Äė auf dem R√ľckweg meine Zigaretten nicht!", schnitt meine Mutter ihm und Stefanie Forrester das Wort ab.

Meine Tage verbrachte ich haupts√§chlich damit, das Fassungsverm√∂gen meiner Blase auf nat√ľrliche Weise zu erweitern. Ich ging nicht mehr auf Toilette. Das f√ľhrte neben einem verkniffenen Gesichtsausdruck zu √ľbersteigerten Aggressionen.

Als ich von der Existenz des Sandmanns erfuhr, bekam ich panische Angst.
"Er streut dir doch nur Traumkörnchen in die Augen, damit du einschläfst", sagte meine Mutter.
"Ach ja? Nenn’ mir einen, der schmerzlos einschläft, wenn er die Augen voller Sand hat!"
Ich fand das krank. Was waren die Beweggr√ľnde dieses Mannes? Und warum hatte er nichts Besseres zu tun, als mit Sack und Schaufel bewaffnet in die Schlafzimmer fremder Menschen einzudringen? F√ľr mich war die Sache klar: Der Sandmann war gef√§hrlich und stand dem geistig debilen Hasen, der die Haushalte in nur einer Nacht ungefragt mit Eiern √ľberschwemmte, in nichts nach. Ich lie√ü meine Eltern auf "Die Haut und ihre Anhangsgebilde" von Georg Deutschmann schw√∂ren, da√ü es keinen Streichholzmann gab, der in Vollmondn√§chten die Fu√üsohlen junger M√§dchen ansengte, damit sie besser laufen konnten.

Alles, was es im √úberflu√ü gab, machte mich mi√ütrauisch. So √ľbte ich mich kurz vor der Einschulung in exzessivem Atmen. Schuld daran war mein Vater. "Es gibt nichts umsonst, merk‚Äô dir das! Wenn es was umsonst gibt, hat es einen Haken. Spare in der Zeit, so hast du in der Not!", predigte er bei jeder Gelegenheit. Ich sparte Sauerstoff. F√ľr schlechte Zeiten hortete ich frische Luft in T√ľten und Dosen und eignete mir die Atemtechnik unseres Hundes an. "Warum hechelt das Kind so?" fragte Tante Luise, die als Schwester meiner Mutter, Geschiedene meines Onkels und in der gesamten Nachbarschaft als "die Besoffene aus dem Bush√§uschen" bekannt war. Volltrunken zog es Tante Luise in die Ferne. Meist schaffte sie es bis zum Bush√§uschen, wo wir sie oft aus einem Bierflaschenteppich heraussch√§len mussten.
"Na, sie sammelt Sauerstoff", brummte mein Vater unwillig.
"Ja weißt du denn auch, Kleines", hob Luise an, "daß die Haut mitatmet?" Dabei beugte sie sich so weit vor, daß sie mir mit der rotfarbenen Spitze ihrer Haarpyramide ins Auge stach. "Nein!" rief ich erstaunt aus, entledigte mich aber augenblicklich all meiner Kleidung. Lange Zeit war ich ein nacktes, sauerstoffdurchtränktes Kind.

Mit der Einschulung begannen die ersten zwanghaften Verhaltensweisen. "Halt‚Äô blo√ü die Augen offen. Dann verpa√üt du nichts!", rief mir meine Mutter am ersten Schultag zu, nachdem man mich gewaltsam, Finger f√ľr Finger, von ihr losgerissen hatte. Ich hielt die Augen offen. Nach ein paar Tagen gelang es mir, das Zwinkern v√∂llig einzustellen. Meine Augen lagen auf dem Trockendock, doch daf√ľr nahm ich t√§glich wesentlich mehr Eindr√ľcke in mich auf als meine zwinkernden Mitsch√ľler, denen ich bald meine nutzlosen Lider zum Verkauf anbot.
"Ihr Kind starrt", sagte man meiner Mutter beim ersten Elternsprechtag. "Es starrt?" "Nun, es bewegt seine Lider nicht.", erklärte mein Klassenlehrer mit einem raschen Seitenblick auf mich. Er mied mich. Mein Glotzen hatte ihn mit der Zeit nervös gemacht.

Ich wurde zu einem guten Therapeuten geschickt, der mich von der Notwendigkeit des Zwinkerns zu √ľberzeugen suchte. Stundenlang sa√ü ich in einem abgedunkeltem Zimmer und schaute mir an, wie Herr H√§nse demonstrativ seine Augen vor mir auf- und zuschlug. Als mir die Sache zu albern wurde, blinzelte ich einmal heftig mit dem rechten Augenlid. Es quietschte dankbar. H√§nse knuffte mich wie verr√ľckt und entlie√ü mich als geheilt in die Welt der Zwinkernden. Mein Tick war damit nicht etwa verschwunden. Ich verfeinerte ihn, indem ich drei Tage mit dem rechten, drei Tage mit dem linken Auge zwinkerte. Sonntags guckte ich gar nicht. Das glotzende Auge richtete ich nach wie vor auf meinen Klassenlehrer, der seinerseits ein nerv√∂ses Zucken entwickelte.

Mein Schulweg war langweilig. Da begann ich, meine Schritte bis nach Hause zu z√§hlen. Ich kam auf 1216. Mal versuchte ich, die Zahl zu halbieren, mal zu verdoppeln, mal schritt ich aus wie ein Soldat, mal wie eine Spitzent√§nzerin. Die Langeweile blieb. Der Heimweg wurde zum Hindernisparcours, als ich ihn in drei Etappen einteilte, die jeweils mit einer streng vorgegebenen Anzahl an Bodenber√ľhrungen zu bew√§ltigen waren. Der erste Streckenabschnitt begann vor dem Schultor und endete unmittelbar dahinter, mu√üte aber mit 35 Bodenber√ľhrungen zur√ľckgelegt werden. Auf der Stelle laufen war nicht erlaubt. Die zweite Etappe war die gef√§hrlichste. Sie f√ľhrte √ľber eine gro√üe Kreuzung, die mit geschlossenen Augen zu bew√§ltigen war. Der letzte Abschnitt begann am Stamm einer Eiche aus Tante Luises Garten und endete vor der elterlichen T√ľrschwelle. Mit 16 Schritten und vier Flugrollen war er zu schaffen. Versagte ich auf einer Etappe, gab es zwei M√∂glichkeiten: Entweder ich begann wieder am Schultor oder ich erteilte mir Absolution durch die Abb√ľ√üung sorgf√§ltig erdachter Strafen. Unterlief mir ein Fehler beim letzten Abschnitt, konnte ich ihn durch eine innige Umarmung mit Tante Luises J√§gerzaun ausmerzen. √Ėffnete ich versehentlich auf Etappe drei ein Auge, mu√üte ich den Rest der Strecke ohne T-Shirt zur√ľcklegen. Das entband mich nicht etwa von den Flugrollen.

"Das ist nicht unser leibliches Kind!" riefen meine Eltern oft wie aus einem Munde zu den gaffenden Nachbarn, wenn ich mit entbl√∂√ütem Oberk√∂rper zum Mittagessen auf der T√ľrschwelle aufschlug.
Tante Luise war es peinlich, wenn sie mich dabei erwischte, wie ich ihren Jägerzaun umarmte. "Was machst du da nur?" fragte sie und zerrte mich ins Haus. "Du solltest dich was schämen!" "Wenn du mich ihn jetzt nicht umarmen läßt, komme ich vielleicht in einer halben Stunde ohne Shirt vorbei und knuddel ihn trotzdem", entgegnete ich trotzig.

"Dein Kind ist gänzlich aus der Art geschlagen!" ereiferte sich mein Vater.
"Ach ja? Und was meinst du, woher es seine Macken hat? Na?", schrie meine Mutter aufgebracht.
"Vom Succubus?!"

Auch ich dachte √ľber diese Angelegenheit nach, w√§hrend ich oben in meinem Zimmer sa√ü, mit dem linken Auge zuckte und versuchte, Bleistifte mit meinen Lippen zu spitzen.

Auf dem erzbisch√∂flichen Gymnasium f√ľr M√§dchen entdeckte ich schnell, da√ü Schwester Leoni soff wie ein Loch. Sie gab Kunstunterricht. Ich brachte ihr hochprozentigen Stoff von zu Hause mit. Daf√ľr lie√ü sie mich in Ruhe. Ich hatte keine Zeit, stundenlang auf Bildkompositionen verstorbener K√ľnstler zu starren. Das wollte ich mir f√ľr die Zeit auf dem Sterbebett aufheben. Als 14j√§hriger Teenager interessierte mich der Umgang mit Ton und was sich aus ihm formen lie√ü. Es entstanden einige Kunstwerke, die mein Vater zu den Gem√§lden in den Keller verbannte:

Das blutende Ohr Van Goghs
Vagina einer √úbergewichtigen
Rabelais bei der Sezierung an einem Gehängten
Komplettes Werkzeug des Rippers
Ein Jungfrauenopfer zu Ehren der Göttin Bali

Die "Zeugung Mose" stie√ü auf gro√ües Interesse. "Sch√∂n, wirklich sch√∂n. Ein religi√∂ses Motiv, sagtest du? Was stellt es dar?", fragte mein Vater und betrachtete ehrf√ľrchtig das t√∂nerne Gebilde in seinen H√§nden. "Na, einen hebr√§ischen Bauern und ein Pharaonenflittchen beim Akt."
Wortlos und mit h√§ngenden Schultern trug er die Zeugung in den Keller. Er sprach zwei Wochen nicht mit mir. Zur Bes√§nftigung t√∂pferte ich ihm die "Papagena" aus Mozarts "Zauberfl√∂te". Mein Vater weinte vor R√ľhrung. Als er sich beruhigt hatte, fragte er, was es mit dem seltsamen Hubbel auf Papagenas Stirn auf sich habe. ‚ÄěSchau, das ist eine Pampel...‚Äú, hob ich an, wurde aber von einem kr√§ftigen Tritt meiner Mutter zum Schweigen gebracht.

Als ich erfuhr, da√ü Gehirnzellen absterben, traf ich den Entschlu√ü, all die nutzlosen Lehren und Eindr√ľcke, die t√§glich auf mich eindrangen, abzublocken. Ich teilte mein Gehirn in Sektoren ein und f√ľhrte meinen geistigen Beeten fest entschlossen nur das zu, was ich als erachtenswert betrachtete. Albert Camus Erkenntnis der Sinnlosigkeit aller Dinge kam mir bei dem Versuch zupa√ü, bereits gespeicherte, jedoch hartn√§ckig auf ihren Platz beharrende, Daten zu l√∂schen.
Die tibetanische Brust erhielt einen Ehrenplatz neben der Erinnerung an eine Feuersbrunst, w√§hrend der Sandmann und die Knallgasprobe rausflogen. Die chronologische Abfolge der Ereignisse w√§hrend der franz√∂sischen Revolution lie√ü mich kalt. Doch die freiz√ľgige Oberbekleidungsmode des weiblichen franz√∂sischen P√∂bels speicherte ich gleich unter der naturgetreuen Abbildung einer blutverschmierten Guillotine.

Aus Angst, meine grauen Zellen versehentlich mit Schrott zu f√ľllen, schw√§nzte ich den Lateinunterricht. Unter der Doppelbelastung einer toten Sprache und eines nervt√∂tenden Sprachfehlers der Lateinlehrerin, Frau Schopp, bef√ľrchtete ich einen totalen Absturz meiner sorgf√§ltig angelegten Sektoren. Frau Schopp begann ihren Unterricht mit einer Drohung: "Sie alle werden, m√§h, das gro√üe m√§h, Latinum unter meiner m√§h, Leitung schaffen. M√§h?" Ihr Latein h√∂rte sich nicht besser an: "Ego occidi m√§h, unum porcum et m√§h ego habet bon m√§h vino. M√§h?" (Ich habe geschlachtet m√§h ein Schwein und m√§h ich habe guten m√§h Wein. M√§h?)
Ich schaffte weder das kleine, noch das gro√üe Latinum, gewann aber daf√ľr einen gro√üen, freien Sektor f√ľr zuk√ľnftigen Drogenmi√übrauch.

W√§hrend einer Klausur zu Stefan Zweigs "Schachnovelle" entdeckte ich Kira, eine Gleichgesinnte. Ausdruckslos sa√ü sie vor ihren leeren Bl√§ttern und sinnierte. Gelegentlich ging ein Ruck durch ihren K√∂rper, woraufhin sie erschrocken zur "Schachnovelle" griff und heftig darin herumbl√§tterte. Sie tat das mit einem Ausdruck ungl√§ubigen Erstaunens. Wie ein junger Welpe, der seine tapsige Pfote zum ersten Mal in tiefen Schnee taucht. Dann ‚Äď wom√∂glich zur Beruhigung ‚Äď wandte sie sich einem Haufen bunter Radiergummis zu, den sie vor sich ausgebreitet hatte. Sie radierte mit einer Inbrunst, da√ü es eine Lust war, ihr dabei zuzuschauen. Die Schnipsel sortierte sie nach Farben und deponierte sie in einem eigens daf√ľr vorgesehenen K√§stchen.
Wir wurden Freunde.

Kira brachte mir bei, Joints zu drehen und die Muskulatur der Oberschenkel so weit anzuspannen, da√ü sie nahezu jedes Gewicht aushielt. Als uns das Stemmen kleinerer Kraftr√§der zu langweilig wurde, legten wir unsere Beine unter das Auto ihres Bruders, der dann zwei-, dreimal √ľber uns hinweg fuhr. Als mein Vater davon erfuhr, war er au√üer sich. Meine Mutter war begeistert und lie√ü sich zusammen mit uns √ľberfahren.

Kira soff mit der gleichen Inbrunst wie sie radierte. Wir verbrachten viel Zeit in zwielichtigen Bars, in denen man schon breit war, wenn man nur einmal tief durchatmete. Als entschiedene Gegner der Mittelmäßigkeit kifften und soffen wir uns durch die gesamte Stadt bis in die Notaufnahme des Krankenhauses. Wir kamen ins gleiche Zimmer und erhielten die gleiche, knappe Genesungskarte:
"In vino mäh veritas. Ibi jacet mäh lepus. Mäh?"
(Im Wein mäh liegt die Wahrheit. Da liegt mäh der Hase [im Pfeffer]. Mäh?)
Selbst von meinem Vater erhielt ich einen Genesungswunsch. Er schickte mir den Holzschnitt eines gefallenen Engels und unterschrieb mit "Succubus".

Die Zeit kurz vor den Abiturpr√ľfungen verbrachte ich vor dem Fernseher. Mit halbgeschlossenen Augen und verz√ľcktem Gesichtsausdruck erforschte ich die Welt der Seifenopern. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit galt dem Modehaus Forrester aus Reich und Sch√∂n. Die Dialoge waren von simpler Sch√∂nheit:

Ein B√ľro in LA
Ridge Forrester: "Mutter, wo haben wir noch gleich die Stoffe f√ľr die Fr√ľhjahrskollektion?"
Stefanie Forrester: "Na, die hat sich Brooke, dein kleines Flittchen, unter den Nagel gerissen!"
Brooke Logan: "Stefanie! Ich werde deinen Sohn heiraten. Du kannst es nicht verhindern.

Ein anderes B√ľro in LA
Thorn Forrester: "Vater, wo haben wir noch gleich die Mappe f√ľr die Winterkollektion?"
Eric Forrester: "Na, die hat Clarke, der kleine Emporkömmling, gestohlen!"
Clarke: "Eric! Ich werde deinen Sohn heiraten. Du wirst mich nicht daran hindern können.

Strandhaus in LA
Taylor Hayse: [blickt versonnen auf den Wehenschreiber] Oh Ridge! Wie wirst du reagieren, wenn du erfährst, daß ich dein Kind unter meinem Herzen trage?"

Das Problem war, da√ü Taylor nie mit der Sprache herausr√ľckte. Bis heute warte ich darauf, wie Ridge reagieren wird. Taylor war verdammt nah dran, es ihm zu beichten. Doch immer kam Brooke dazwischen. Ich lernte den Satz auswendig. Bald konnte ich ihn schnurren wie die Hayse und trug den gleichen sehnsuchtsvollen Ausdruck in den Augen.
"Oh, Ridge! Wie wirst du reagieren, wenn du erf√§hrst, da√ü ich dein Kind unter meinem Herzen trage?" sagte ich beim Fr√ľhst√ľck zu meiner Mutter. Als ich meinen Vater mit der Stimme von Thorn Forrester fragte, wo er noch gleich die Mappe f√ľr die Winterkollektion habe, zertr√ľmmerte er den Fernseher und trug ihn in den Keller zu den Bildern und der Zeugung Mose.

Aus mir ist etwas geworden.

Ich studierte Medizin und habe heute mein Auskommen als gl√ľckliche Besitzerin einer kleinen Praxis im S√ľden der Stadt. Die Kunstwerke aus dem Keller meines Vaters schm√ľcken nun die W√§nde meines Behandlungszimmers. "Sie ist v√∂llig aus der Art geschlagen", behauptet einer meiner Kollegen, der mich zuf√§llig bei der Bew√§ltigung meines langweiligen Heimweges beobachtete.



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aboreas
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hallo majissa,

eigentlich ist alles ganz normal: ein musisches, wohl auch ein dem Intellektuellen hingeneigtes Elternhaus, von dem das Kind (wie auch immer) wahrgenommen wird, was es auf kindliche anarchische Weise „freundlichst“ zur√ľckgibt. Eine gute Schulausbildung, eine wenn auch nicht n√§her beschriebene Berufsausbildung und ein Mindestma√ü an Willenskraft. Das ist eigentlich schon so ungef√§hr gutes B√ľrgertum pur!!!! Es f√ľhrt meistens zu etablierten Lebensverh√§ltnissen.

Am√ľsant, wie erst die Mutter die „Kunstwerke“ in den Keller bringt, sp√§ter der Vater und wie das Kind sie am Ende in seiner Praxis aufh√§ngt. Ja, das ist Familie... Wie auch, dass der Vater sich schlie√ülich zu seinem Kind bekennt, indem er mit Succubus unterschreibt.

Auch das tr√§gt zur Glaubw√ľrdigkeit, zur Lust weiter zu lesen, zum Interesse am Fortgang der Geschichte bei. Und dann: Im Kontrast zu diesem versteckt liegenden Ger√ľst, eingebettet in die Familienverh√§ltnisse entwickelst du diese skurrilen Verhaltensmuster, die individuellen Wesensz√ľge, die kindlichen Verr√ľcktheiten - aber es passt alles so wunderbar. Und es bringt dem Leser (mir jedenfalls!) einen h√∂llischen Spa√ü, um nicht zu sagen: eine succubussische Lust. ;-)

Eine rhythmische, abwechslungsreiche Schreibe; alles sehr dicht, kompakt, reif; daher auch sehr atmosphärisch, schön...

Na ja, eine klitzekleine Verst√§ndnis-Frage habe ich allerdings... das Modehaus Forrester! Die Passagen hierzu erscheinen mir in der Relation zur gesamten Geschichte leicht √ľbergewichtig. Oder habe ich da etwas nicht verstanden? Sollten die Szenen einen Entwicklungsschritt des Kindes darstellen?

Ach ja. Ich bewerte mit Bestnote (obwohl ich von diesen Benotungen eigentlich nicht allzu viel halte)

Einen dicken Gruß und einen schönen Wochenbeginn.

aboreas

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majissa
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Lieber Aboreas,

du siehst mich succubussisch erfreut. ;)

Danke f√ľr deine schnelle Reaktion. Dein Kommentar ist mir sehr hilfreich, weil du bereits der Dritte mit einem gutem Textgef√ľhl bist, der das Soap-Fragment zu lang findet. Also muss ja irgendwas dran sein. Annabelle, der ich hiermit f√ľr ihr prima Lektorat danke, meinte, die Protagonistin gehe dem Leser dort einfach √ľber mehrere Abs√§tze hinweg verloren.

Und nein, die Szene sollte keinen Entwicklungsschritt im Leben des Kindes darstellen. Eher einen vor√ľbergehenden R√ľckzug in die stumpfsinnige Welt der Seifenopern, um vielleicht auf diese Art und Weise die durch die anstehende Abipr√ľfung mit Lehrstoff √ľberf√ľllten Hirnsektoren einer Zwangsformatierung zu unterziehen. ;)
Wie auch immer - wahrscheinlich werde ich die Szene radikal k√ľrzen oder ein paar erkl√§rende Zeilen zwischenf√ľgen m√ľssen.

Bemerkenswert an deinem Kommentar finde ich, dass du Dinge erkannt hast, an die ich beim Schreiben √ľberhaupt nicht dachte. Beispielsweise, dass der Vater sich mit seiner Succubus-Unterschrift doch noch zu seinem Kind bekennt. Erstaunlich, was man da unbewu√üt so alles einbaut. Wom√∂glich liegt's auch daran, dass die Geschichte teilweise authentisch ist. Wo genau, wird aber nicht verraten...

Liebe Gr√ľsse, Dank f√ľr's Lob und eine sch√∂ne Woche
Majissa

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Disclaimer

Dies ist ein von der Autorin gew√ľnschtes Lektorat und stellt keinen wie auch immer gearteten √úbergriff auf einen mir v√∂llig fremden Text dar.
Elsa Laska

Meine Geburt stand unter einem schlechten Stern. Kurz bevor ich zum ersten Mal nach Luft rang, ertränkte sich Mr. Tripps, der Familiensittich, im Badehäuschen und Oma Fine brach sich beim Versuch, ihn davon abzuhalten, den Hals.
Unschöne Trennung von Akkusativobjekt und Prädikat. Vorschlag:
und Oma Fine brach sich den Hals beim Versuch, ihn davon abzuhalten.


Es gab keine Abschiedsbriefe, die mich entlastet hätten. Überzeugt davon, mit meiner Geburt den Sturz
nun, es war ja wohl eher DAS ABLEBEN, weniger der STURZ, also lieber auf Tod oder ABLEBEN referieren, damit das BESTREITEN des Vaters besser motiviert dargestellt werden kann

seiner Mutter forciert zu haben, bestritt Vater a priori jede Beteiligung an meinem Dasein. Er hielt mich f√ľr das teuflische Produkt eines woll√ľstigen Elementargeistes, der es Nacht f√ľr Nacht meiner Mutter besorgte HATTE , hier ist vorvorvergangenheit gefordert
, w√§hrend er in fremden St√§dten Konzerte gab, um die Familie zu ern√§hren. Ein nach Schwefel stinkender Succubus, der mich in seine Frau pflanzte, um sp√§ter mit meiner Hilfe die Weltherrschaft an sich zu rei√üen. Dabei lag die nach √úberzeugung meiner Mutter schon in Oma Fines H√§nden. Sie war der "Don" der Familie und f√ľhrte auch h√§ufig vom Keller aus Ferngespr√§che nach Saudiarabien.
Saudi-Arabien

Die Nachricht von den Todesf√§llen ereilte meinen Vater, noch bevor sich die T√ľr zum Krei√üsaal √∂ffnete. Eine waschmaschinengro√üe Hebamme mit Pianistenh√§nden trat in den Warteraum
gelungene Zeichnung;-)
und rief:
"Wer ist der Gl√ľckliche?"
"Ein Succubus!", schluchzte mein Vater und rannte nach Hause.

Um ihn in seinem albernen D√§monenglauben nicht zu best√§rken, verschwiegen wir ihm die n√§heren Umst√§nde meiner Geburt. Ich kam v√∂llig schweigsam zur Welt und auch meine Mutter machte keinen Mucks. Sie war stinksauer, weil ich ihr in eine Doppelfolge des Denver Clans geplatzt war. Und wenn sie stinksauer war, schwieg sie oder rauchte Kette. Sie h√§tte auch w√§hrend der Entbindung gern geraucht, um nicht schweigen zu m√ľssen, erkl√§rte sie sp√§ter. Besonders w√§hrend der Presswehen. So aber ging ich als die stillste Geburt in die Geschichte des Severinskl√∂sterchens ein.

Als Tante Luise "Der Don ist tot!", in den H√∂rer br√ľllte, war die Sache mit dem Denver Clan vergessen und ich verlie√ü mit einer euphorischen Mutter das Krankenhaus.

Eine handtellergro√üe Beule im Grammophondeckel, ein tiefgefrorener H√ľftknochen und zwei Z√§hne in einem Samtk√§stchen erinnern noch heute an den Todestag von Oma Fine. Das Grammophon ist aus Mooreiche und der Gedanke, dass Fines Kopf den schweren Deckel so eindellen konnte, half meinem Vater schlie√ülich √ľber den Verlust hinweg.
"Sie hatte die h√§rteste Hirnschale der Welt", verk√ľndete er jedes Mal stolz beim Entstauben und Polieren der Beule.
ähm, ja , Du meinst aber eine Delle. Eine Beule wölbt sich nach oben und die Oma ist doch mit dem Kopf auf das Ding gefallen, also muss sich der Deckel ja nach innen wölben= Delle


"Ja, sie heizte dem Ding so richtig ein!", tschuldigung, hier ist wieder vorvergangenheit angesagt: sie hat dem ding richtig eingeheizt

versicherten wir ihm, hielten den Daumen hoch und tauschten im Keller den ekligen H√ľftknochen des "Don" gegen ein Modell aus Ton aus.

Trotz des schlechten Starts fehlte es mir nicht an elterlicher Zuwendung.
das ist unlogisch, weil doch der Vater total gegen den Sohn/die Tochter ist, also vielleicht eher „m√ľtterlicher Zuwendung“

Schon fr√ľh w√§lzte ich mit meiner Mutter medizinische Schm√∂ker durch, die sich mit seltenen, dermatologischen Beschwerden befa√üten.
befaSSten , je nach rs,

Die Faszination am Greuel (ok alte RS)hielt uns bis in die Nachtstunden wach. Warzen√ľbers√§te Gesichter, eitrige Flechten, chronische Ausschl√§ge und interessante Beulenbildungen (hier ist BEULE KORREKT;-) ) an den undenkbarsten Stellen des menschlichen K√∂rpers waren meine bevorzugten, n√§chtlichen Begleiter. Es gab da die dreibr√ľstige Tibetanerin. Sie war mein Favorit. Frau Holle und Peter Pan kamen einfach nicht gegen den wohlgeformten dritten Busen an, der da aus ihrer Stirn wuchs und das rechte Auge √ľberdeckte. Bei Vollmond schwoll er angeblich an. √úber den Busen bei Neumond gab die tibetanische Frau keine Auskunft. (schludrig formuliert) Das machte mich fertig. [das auch)

Meine Mutter quälte sich mit der Frage nach der Körbchengröße.
"Sie hat dort oben doch mindestens 50 D?!“
„Nein, sie hat Cup C, aber der 50er-Umfang d√ľrfte hinhauen.“, behauptete ich. ANF√úHRUNGSSTRICH, ohne Punkt, KOMMA nach ANF√úHRUNGSSTRICH

Dank Madame Camille kannte ich mich mit BH-Gr√∂√üen bestens aus. So oft ich konnte, lungerte ich in ihrem Dessous-L√§dchen herum und lie√ü mir alles Wissenswerte √ľber den weiblichen Busen erkl√§ren. Madame Camille erkannte sehr schnell meine Leidenschaft und nannte mich ihre „petite √©l√®ve“. Ich lernte spielerisch mit Fr√ľchten. Cup A stand f√ľr Mandarinen, Cup B f√ľr mittelgro√üe √Ąpfelchen, Cup C f√ľr Pampelmusen und Cup D f√ľr Honigmelonen. (Danke f√ľr die Eselsbr√ľcke, endlich kann ich mir diesen K√∂rbchenscheiss auch mal merken;-) )Weiter ging’s mit Wassermelonen und K√ľrbissen. Die Fr√ľchte f√ľr Cup G – Z mussten noch erfunden werden. Die weibliche Bev√∂lkerung meiner Stadt war f√ľr mich ein einziges gro√ües Obstsortiment.

Mein Vater versuchte, mir die sch√∂nen K√ľnste n√§herzubringen. Er lehrte mich das Komponieren und Singen, steckte mich in einen Malkurs und nahm mich wutschnaubend wieder heraus, als ich ihm die "Warzenschulter eines sumatranischen J√ľnglings" in √Ėl pr√§sentierte. Es war ein sch√∂nes Gem√§lde. Meine Mutter hing es in den Keller zu den anderen Bildern. Es gab da das "Dorf jungfr√§ulicher Elefantenfrauen", die "Tibetanische Brust bei Neumond", "Herbstflechten" und "Membrum Virile", das einen √ľbergl√ľcklichen Mexikaner mit 2 Schw√§nzen zeigte. "Membrum Virile" bekam mein Vater auf dem Kopf stehend zu sehen. "Das nenn ich doch mal Kunst!" KOMMA nach neuer RS, aber du bist irgendwie nicht ganz konsequent was alte-neue RS betrifft rief er begeistert aus. "Aber warum spielt der Fl√∂tist auf zwei Instrumenten gleichzeitig? Ausserdem k√∂nnte er sich mal den Bart schneiden. Wer ist denn das √ľberhaupt?" Es war stets ein schlechtes Zeichen, wenn mein Vater anfing, die Gem√§lde hin- und herzudrehen. Meine Kindheit f√ľhrte mich allzu oft in den Keller mit dem Hinweis So l√§uft das nicht!
(versteh ich nicht. was läuft nicht. und Außerdem könne er sich mal den Bart schneiden mit scharf s, auch nach neuer RS)

Meine Neigung zum Experimentieren zeigte sich fr√ľh. Im zarten Alter von vier begann ich, die ersten Pflanzen anzunagen und auf die Nebenwirkungen zu warten. Die leicht s√§uerlichen, durchaus bek√∂mmlichen Butterblumen in unserem Garten bildeten den Anfang. Der L√∂wenzahn auf dem Nachbargrundst√ľck verursachte leichte Atembeschwerden. Aber die k√∂stliche Milch der meisten Pflanzenstengel berauschte mich. Ich erweiterte mein Territorium, fra√ü mich durch wilde G√§rten, weidete an grasbewachsenen H√ľgeln und machte selbst vor den den Fu√üballplatz umgebenden, saftigen Wiesen nicht Halt. h√ľstel: vor den saftigen Wiesen, die den Fu√üballplatz umgaben, nicht Halt.

"Dein Kind grast die ganze, verdammte Stadt ab!", schrie mein Vater meine Mutter an.
"Ach ja? Wer sagt das?"
Gerade lief ein Double-Feature von Reich und Schön.
"Unser Nachbar möchte sie zum Heckenstutzen mieten!"
"Frag ihn, was dabei herausspringt und vergiss‘ auf dem R√ľckweg meine Zigaretten nicht!", schnitt meine Mutter ihm und Stefanie Forrester das Wort ab.

Meine Tage verbrachte ich haupts√§chlich damit, das Fassungsverm√∂gen meiner Blase auf nat√ľrliche Weise zu erweitern. Ich ging nicht mehr auf DIE Toilette. Das f√ľhrte neben einem verkniffenen Gesichtsausdruck zu √ľbersteigerten Aggressionen.

Als ich von der Existenz des Sandmanns erfuhr, bekam ich panische Angst.
"Er streut dir doch nur Traumkörnchen in die Augen, damit du einschläfst", sagte meine Mutter.
"Ach ja? Nenn’ mir einen, der schmerzlos einschl√§ft, wenn er die Augen voller Sand hat!"
Ich fand das krank. Was waren die Beweggr√ľnde dieses Mannes? Und warum hatte er nichts Besseres zu tun, als mit Sack und Schaufel bewaffnet in die Schlafzimmer fremder Menschen einzudringen? F√ľr mich war die Sache klar: Der Sandmann war gef√§hrlich und stand dem geistig debilen Hasen, der die Haushalte in nur einer Nacht ungefragt mit Eiern √ľberschwemmte, in nichts nach. Ich lie√ü meine Eltern auf "Die Haut und ihre Anhangsgebilde" von Georg Deutschmann schw√∂ren, da√ü (also doch ALTE RS, dann kannst Du Dir aber die Kommata nach !“ sparen es keinen Streichholzmann gab, der in Vollmondn√§chten die Fu√üsohlen junger M√§dchen ansengte, damit sie besser laufen konnten.

Alles, was es im √úberflu√ü gab, machte mich mi√ütrauisch. So √ľbte ich mich kurz vor der Einschulung in exzessivem Atmen. Schuld daran war mein Vater. "Es gibt nichts umsonst, merk’ dir das! Wenn es was umsonst gibt, hat es einen Haken. Spare in der Zeit, so hast du in der Not!", predigte er bei jeder Gelegenheit. Ich sparte Sauerstoff. F√ľr schlechte Zeiten hortete ich frische Luft in T√ľten und Dosen und eignete mir die Atemtechnik unseres Hundes an. "Warum hechelt das Kind so?" fragte Tante Luise, die als Schwester meiner Mutter, Geschiedene meines Onkels und in der gesamten Nachbarschaft als "die Besoffene aus dem Bush√§uschen" bekannt war. Volltrunken zog es Tante Luise in die Ferne. Meist schaffte sie es bis zum Bush√§uschen, wo wir sie oft aus einem Bierflaschenteppich heraussch√§len mussten. (schiefes Bild)
"Na, sie sammelt Sauerstoff", brummte mein Vater unwillig.
"Ja weißt du denn auch, Kleines", hob Luise an, "daß die Haut mitatmet?" Dabei beugte sie sich so weit vor, daß sie mir mit der rotfarbenen Spitze ihrer Haarpyramide ins Auge stach. "Nein!" rief ich erstaunt aus, entledigte mich aber augenblicklich all meiner Kleidung. Lange Zeit war ich ein nacktes, sauerstoffdurchtränktes Kind.

Mit der Einschulung begannen die ersten zwanghaften Verhaltensweisen.
ach doch?J

"Halt’ blo√ü die Augen offen. Dann verpa√üt du nichts!", rief mir meine Mutter am ersten Schultag zu, nachdem man mich gewaltsam, Finger f√ľr Finger, von ihr losgerissen hatte. Ich hielt die Augen offen. Nach ein paar Tagen gelang es mir, das Zwinkern v√∂llig einzustellen. Meine Augen lagen auf dem Trockendock, doch daf√ľr nahm ich t√§glich wesentlich mehr Eindr√ľcke in mich auf als meine zwinkernden Mitsch√ľler, denen ich bald meine nutzlosen Lider zum Verkauf anbot.
"Ihr Kind starrt", sagte man meiner Mutter beim ersten Elternsprechtag. "Es starrt?" "Nun, es bewegt seine Lider nicht.", KEIN PUNKT erklärte mein Klassenlehrer mit einem raschen Seitenblick auf mich. Er mied mich. Mein Glotzen hatte ihn mit der Zeit nervös gemacht.

Ich wurde zu einem guten Therapeuten geschickt, der mich von der Notwendigkeit des Zwinkerns zu √ľberzeugen suchte. Stundenlang sa√ü ich in einem abgedunkeltem Zimmer und schaute mir an, wie Herr H√§nse demonstrativ seine Augen vor mir auf- und zuschlug. Als mir die Sache zu albern wurde, blinzelte ich einmal heftig mit dem rechten Augenlid. Es quietschte dankbar. H√§nse knuffte mich wie verr√ľckt und entlie√ü mich als geheilt in die Welt der Zwinkernden. Mein Tick war damit nicht etwa verschwunden. Ich verfeinerte ihn, indem ich drei Tage mit dem rechten, drei Tage mit dem linken Auge zwinkerte. Sonntags guckte ich gar nicht. Das glotzende Auge richtete ich nach wie vor auf meinen Klassenlehrer, der seinerseits ein nerv√∂ses Zucken entwickelte.

Mein Schulweg war langweilig. Da begann ich,
ALSO begann ich...


meine Schritte bis nach Hause zu z√§hlen. Ich kam auf 1216. Mal versuchte ich, die Zahl zu halbieren, mal zu verdoppeln, mal schritt ich aus wie ein Soldat, mal wie eine Spitzent√§nzerin. Die Langeweile blieb. Der Heimweg wurde zum Hindernisparcours, als ich ihn in drei Etappen einteilte, die jeweils mit einer streng vorgegebenen Anzahl an Bodenber√ľhrungen zu bew√§ltigen waren. Der erste Streckenabschnitt begann vor dem Schultor und endete unmittelbar dahinter, mu√üte aber mit 35 Bodenber√ľhrungen zur√ľckgelegt werden. Auf der Stelle laufen war nicht erlaubt. Die zweite Etappe war die gef√§hrlichste. Sie f√ľhrte √ľber eine gro√üe Kreuzung, die mit geschlossenen Augen zu bew√§ltigen war. Der letzte Abschnitt begann am Stamm einer Eiche aus Tante Luises Garten und endete vor der elterlichen T√ľrschwelle. Mit 16 Schritten und vier Flugrollen war er zu schaffen. Versagte ich auf einer Etappe, gab es zwei M√∂glichkeiten: Entweder ich begann wieder am Schultor oder ich erteilte mir Absolution durch die Abb√ľ√üung sorgf√§ltig erdachter Strafen. Unterlief mir ein Fehler beim letzten Abschnitt, konnte ich ihn durch eine innige Umarmung mit Tante Luises J√§gerzaun ausmerzen. √Ėffnete ich versehentlich auf Etappe drei ein Auge, mu√üte ich den Rest der Strecke ohne T-Shirt zur√ľcklegen. Das entband mich nicht etwa von den Flugrollen.
GUT!
"Das ist nicht unser leibliches Kind!" riefen meine Eltern oft wie aus einem Munde zu den gaffenden Nachbarn, wenn ich mit entbl√∂√ütem Oberk√∂rper zum Mittagessen auf der T√ľrschwelle aufschlug.
Tante Luise war es peinlich, wenn sie mich dabei erwischte, wie ich ihren Jägerzaun umarmte. "Was machst du da nur?" fragte sie und zerrte mich ins Haus. "Du solltest dich was schämen!" "Wenn du mich ihn jetzt nicht umarmen läßt, komme ich vielleicht in einer halben Stunde ohne Shirt vorbei und knuddel ihn trotzdem", entgegnete ich trotzig.

"Dein Kind ist gänzlich aus der Art geschlagen!" ereiferte sich mein Vater.
"Ach ja? Und was meinst du, woher es seine Macken hat? Na?", schrie meine Mutter aufgebracht.
"Vom Succubus?!"

Auch ich dachte √ľber diese Angelegenheit nach, w√§hrend ich oben in meinem Zimmer sa√ü, mit dem linken Auge zuckte und versuchte, Bleistifte mit meinen Lippen zu spitzen.

Auf dem erzbisch√∂flichen Gymnasium f√ľr M√§dchen entdeckte ich schnell, da√ü Schwester Leoni soff wie ein Loch. Sie gab Kunstunterricht. Ich brachte ihr hochprozentigen Stoff von zu Hause mit. Daf√ľr lie√ü sie mich in Ruhe. Ich hatte keine Zeit, stundenlang auf Bildkompositionen verstorbener K√ľnstler zu starren. Das wollte ich mir f√ľr die Zeit auf dem Sterbebett aufheben. Als 14j√§hriger Teenager interessierte mich der Umgang mit Ton und was sich aus ihm formen lie√ü. Es entstanden einige Kunstwerke, die mein Vater zu den Gem√§lden in den Keller verbannte:

Das blutende Ohr Van Goghs
Vagina einer √úbergewichtigen
Rabelais bei der Sezierung an einem Gehängten
Komplettes Werkzeug des Rippers
Ein Jungfrauenopfer zu Ehren der Göttin Bali

KALI! KALI!nicht Bali, oder?

Die "Zeugung Mose" stie√ü auf gro√ües Interesse. "Sch√∂n, wirklich sch√∂n. Ein religi√∂ses Motiv, sagtest du? Was stellt es dar?", fragte mein Vater und betrachtete ehrf√ľrchtig das t√∂nerne Gebilde in seinen H√§nden. "Na, einen hebr√§ischen Bauern und ein Pharaonenflittchen beim Akt."
Wortlos und mit h√§ngenden Schultern trug er die Zeugung in den Keller. Er sprach zwei Wochen nicht mit mir. Zur Bes√§nftigung t√∂pferte ich ihm die "Papagena" aus Mozarts "Zauberfl√∂te". Mein Vater weinte vor R√ľhrung. Als er sich beruhigt hatte, fragte er, was es mit dem seltsamen Hubbel auf Papagenas Stirn auf sich habe. „Schau, das ist eine Pampel...“, hob ich an, wurde aber von einem kr√§ftigen Tritt meiner Mutter zum Schweigen gebracht.

Als ich erfuhr, da√ü Gehirnzellen absterben, traf ich den Entschlu√ü, all die nutzlosen Lehren und Eindr√ľcke, die t√§glich auf mich eindrangen, abzublocken. Ich teilte mein Gehirn in Sektoren ein und f√ľhrte meinen geistigen Beeten fest entschlossen nur das zu, was ich als erachtenswert betrachtete. Albert Camus Erkenntnis der Sinnlosigkeit aller Dinge kam mir bei dem Versuch zupa√ü, bereits gespeicherte, jedoch hartn√§ckig auf ihren Platz beharrende, Daten zu l√∂schen. zu manieriert

Die tibetanische Brust erhielt einen Ehrenplatz neben der Erinnerung an eine Feuersbrunst, w√§hrend der Sandmann und die Knallgasprobe rausflogen. Die chronologische Abfolge der Ereignisse w√§hrend der franz√∂sischen Revolution lie√ü mich kalt. Doch die freiz√ľgige Oberbekleidungsmode des weiblichen franz√∂sischen P√∂bels speicherte ich gleich unter der naturgetreuen Abbildung einer blutverschmierten Guillotine.

Aus Angst, meine grauen Zellen versehentlich mit Schrott zu f√ľllen, schw√§nzte ich den Lateinunterricht. Unter der Doppelbelastung einer toten Sprache und eines nervt√∂tenden Sprachfehlers der Lateinlehrerin, Frau Schopp, bef√ľrchtete ich einen totalen Absturz meiner sorgf√§ltig angelegten Sektoren.
cool

Frau Schopp begann ihren Unterricht mit einer Drohung: "Sie alle werden, mäh, das große mäh, Latinum unter meiner mäh, Leitung schaffen. Mäh?" Ihr Latein hörte sich nicht besser an: "Ego occidi mäh, unum porcum et mäh ego habet bon mäh vino. Mäh?" (Ich habe geschlachtet mäh ein Schwein und mäh ich habe guten mäh Wein. Mäh?)
Ich schaffte weder das kleine, noch das gro√üe Latinum, gewann aber daf√ľr einen gro√üen, freien Sektor f√ľr zuk√ľnftigen Drogenmi√übrauch.

W√§hrend einer Klausur zu Stefan Zweigs "Schachnovelle" entdeckte ich Kira, eine Gleichgesinnte. Ausdruckslos sa√ü sie vor ihren leeren Bl√§ttern und sinnierte. Gelegentlich ging ein Ruck durch ihren K√∂rper, woraufhin sie erschrocken zur "Schachnovelle" griff und heftig darin herumbl√§tterte. Sie tat das mit einem Ausdruck ungl√§ubigen Erstaunens. Wie ein junger Welpe, der seine tapsige Pfote zum ersten Mal in tiefen Schnee taucht. Dann – wom√∂glich zur Beruhigung – wandte sie sich einem Haufen bunter Radiergummis zu, den sie vor sich ausgebreitet hatte. Sie radierte mit einer Inbrunst, da√ü es eine Lust war, ihr dabei zuzuschauen. Die Schnipsel sortierte sie nach Farben und deponierte sie in einem eigens daf√ľr vorgesehenen K√§stchen.
Wir wurden Freunde.

Kira brachte mir bei, Joints zu drehen und die Muskulatur der Oberschenkel so weit anzuspannen, da√ü sie nahezu jedes Gewicht aushielt. Als uns das Stemmen kleinerer Kraftr√§der zu langweilig wurde, legten wir unsere Beine unter das Auto ihres Bruders, der dann zwei-, dreimal √ľber uns hinweg fuhr. Als mein Vater davon erfuhr, war er au√üer sich. Meine Mutter war begeistert und lie√ü sich zusammen mit uns √ľberfahren.

Kira soff mit der gleichen Inbrunst wie sie radierte. Wir verbrachten viel Zeit in zwielichtigen Bars, in denen man schon breit war, wenn man nur einmal tief durchatmete. Als entschiedene Gegner der Mittelmäßigkeit kifften und soffen wir uns durch die gesamte Stadt bis in die Notaufnahme des Krankenhauses. Wir kamen ins gleiche Zimmer und erhielten die gleiche, knappe Genesungskarte:
"In vino mäh veritas. Ibi jacet mäh lepus. Mäh?"
(Im Wein mäh liegt die Wahrheit. Da liegt mäh der Hase [im Pfeffer]. Mäh?)
Selbst von meinem Vater erhielt ich einen Genesungswunsch. Er schickte mir den Holzschnitt eines gefallenen Engels und unterschrieb mit "Succubus".

Die Zeit kurz vor den Abiturpr√ľfungen verbrachte ich vor dem Fernseher. Mit halbgeschlossenen Augen und verz√ľcktem Gesichtsausdruck erforschte ich die Welt der Seifenopern. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit galt dem Modehaus Forrester aus Reich und Sch√∂n. Die Dialoge waren von simpler Sch√∂nheit:

Ein B√ľro in LA
Ridge Forrester: "Mutter, wo haben wir noch gleich die Stoffe f√ľr die Fr√ľhjahrskollektion?"
Stefanie Forrester: "Na, die hat sich Brooke, dein kleines Flittchen, unter den Nagel gerissen!"
Brooke Logan: "Stefanie! Ich werde deinen Sohn heiraten. Du kannst es nicht verhindern.

Ein anderes B√ľro in LA
Thorn Forrester: "Vater, wo haben wir noch gleich die Mappe f√ľr die Winterkollektion?"
Eric Forrester: "Na, die hat Clarke, der kleine Emporkömmling, gestohlen!"
Clarke: "Eric! Ich werde deinen Sohn heiraten. Du wirst mich nicht daran hindern können.

Strandhaus in LA
Taylor Hayse: [blickt versonnen auf den Wehenschreiber] Oh Ridge! Wie wirst du reagieren, wenn du erfährst, daß ich dein Kind unter meinem Herzen trage?"

Das Problem war, da√ü Taylor nie mit der Sprache herausr√ľckte. Bis heute warte ich darauf, wie Ridge reagieren wird. Taylor war verdammt nah dran, es ihm zu beichten. Doch immer kam Brooke dazwischen. Ich lernte den Satz auswendig. Bald konnte ich ihn schnurren wie die Hayse und trug den gleichen sehnsuchtsvollen Ausdruck in den Augen.
"Oh, Ridge! Wie wirst du reagieren, wenn du erf√§hrst, da√ü ich dein Kind unter meinem Herzen trage?" sagte ich beim Fr√ľhst√ľck zu meiner Mutter. Als ich meinen Vater mit der Stimme von Thorn Forrester fragte, wo er noch gleich die Mappe f√ľr die Winterkollektion habe, zertr√ľmmerte er den Fernseher und trug ihn in den Keller zu den Bildern und der Zeugung Mose.

Aus mir ist etwas geworden.

Ich studierte Medizin und habe heute mein Auskommen als gl√ľckliche Besitzerin einer kleinen Praxis im S√ľden der Stadt. Die Kunstwerke aus dem Keller meines Vaters schm√ľcken nun die W√§nde meines Behandlungszimmers. "Sie ist v√∂llig aus der Art geschlagen", behauptet einer meiner Kollegen, der mich zuf√§llig bei der Bew√§ltigung meines langweiligen Heimweges beobachtete.

- Achtung bei der Zeichensetzung, die entspricht nicht der alten RS
- Du trennst zugerne die Objekte GAAAAANZ weit vom Prädikat weg ab;-)
- Der Schlu√ü gef√§llt mir nicht. Der Kollege kommt mir zu unvermittelt, kannst Du das nicht anders r√ľberbringen, dass sie immer noch Flugrollen etc macht?
- Mach es fr√ľher deutlich, dass sie ein M√§dchen/Frau ist
- Coole BILDTITEL!


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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

PS- Aus aktuellem Anlaß

Ich vergass...

ein SUCCUBUS ist ein weiblicher Beischlafdämon, der den Samen eines Menschenmannes aufnimmt

ein INCUBUS ist ein männlicher Beischlafdämon, der seinen Samen in die Menschenfrau pflanzt.

Das ist eine Kleinigkeit, die mich sehr gestört hat.

Demnach m√ľsste also Deine Geschichte eigentlich INCUBUS hei√üen...

Lieben Gruß
die Walpurgisnacht-Elsa

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
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Majissa dankt...

...f√ľr deine M√ľhe und die hilfreichen Anmerkungen, Elsa. Besonders f√ľr die Hinweise zu Kali/Bali...*r√§usper*...sowie den Incubi und Succubi, die ich mal wieder verwechselt habe. Meine Erfahrung mit Beischlafd√§monen h√§lt sich ja auch in Grenzen...

Du hast noch einige Ungereimtheiten entdeckt, die mir so nie aufgefallen wären. Obwohl ich den Text nach dem Schreiben noch einige Male korrigiert habe. So ging ich ganz automatisch davon aus, dass der Leser gleich um das Geschlecht des Prot. weiß. Und ich sollte mich wohl langsam mal zwischen alter und neuer RS entscheiden.

Noch mal kurz zu den Flugrollen:

Der Kollege am Ende der Story wundert sich √ľber die eigenartige Bew√§ltung des Heimweges. Ich nahm an, dass sein Ausruf "Sie ist v√∂llig aus der Art geschlagen" als Hinweis darauf, dass die Protagonistin sich auch als Erwachsene immer noch nach Hause turnt, ausreichend ist.

So, nun lass' ich mir das alles mal durch den Kopf gehen und w√ľnsch dir einen sch√∂nen 1. Mai.

Liebe Gr√ľsse
Majissa

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