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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 04. 11. 2013 23:41


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Maribu
???
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M e m o r y

'Error in 14', meldete der Computer. Wieso in vierzehn? ├╝berlegte er. Bevor er den Cursor bet├Ątigte, stand er auf und drehte die Langspielplatte um. 'Memories', gesungen von seiner Lieblingss├Ąngerin Barbra Streisand.
Wenn zu Hause wenigstens alles in Ordnung w├Ąre! Wo er ├╝berzeugt war, beruflich bald wieder Fu├č zu fassen.
Seitdem sein Arbeitgeber die alte EDV-Anlage durch die schnellste und modernste ersetzt hatte, war die Einleitung von Rationalisierungsma├čnahmen nur die konsequente Folge.
Er machte sich nichts vor: Den Unterschied zwischen 'Soll' und 'Haben' kennen andere auch, und f├╝r die Aufstellung der Bilanz gibt es Steuerberater, die legale oder illegale Tricks kennen - die ihm nicht zug├Ąnglich waren, - um Steuern zu vermeiden!
Notgedrungen musste er den Aufhebungsvertrag, mit entsprechender Abfindung, unterschreiben.
Trotzdem lag das gr├Â├čere Problem im privaten Bereich! Dabei lebten sie wie andere Durchschnittsfamilien auch. Als die S├Âhne auszogen, hatte seine Frau die Stellung als Sekret├Ąrin wieder aufgenommen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag lie├čen sie sich vom Fernsehprogramm berieseln. Manchmal lasen sie ein Buch oder lauschten einem H├Ârspiel, selten gingen sie ins Kino oder Theater. F├╝r seine Frau gab es einmal in der Woche Jazz-Gymnastik, f├╝r ihn zweimal im Monat Bowling.
So ging es einige Monate, bis er eines Abends ihren Brief fand. Ein paar erkl├Ąrende, nicht unfreundliche Zeilen mit dem aber alles ver├Ąndernden Schlusssatz:
"...du erreichst mich vorl├Ąufig unter der Adresse meiner Mutter."
Seitdem sa├č er allein in der gro├čen Wohnung und ├╝bte den Dialog mit dem Computer. Aber die Konzentration war nicht mehr da, weil die Motivation fehlte! - F├╝r wen lohnte es sich jetzt noch?
Den Dialog h├Ątten sie in ihrer Ehe gebraucht. Sie h├Ątten sich gr├Â├čere M├╝he geben, mehr aufeinander eingehen m├╝ssen!
Ob sie es den Jungs schon mitgeteilt hatte? Der eine leistete gerade seinen Wehrdienst ab, der andere studierte in M├╝nster.
Aber nicht etwa Informatik, wie er ihm geraten hatte, sondern Germanistik und Romanistik. (Wo so viele Germanisten als Taxifahrer ihr Geld verdienen mussten) Es war eben sein Ableger, weshalb sollte er die Augen vor der Realit├Ąt verschliessen?!
Er selbst hatte sich zu sehr auf die bestandene Bilanzbuchhalter-Pr├╝fung verlassen. Doch die technische Entwicklung war nicht aufzuhalten! Au├čerdem waren die Ums├Ątze in ihrer Branche nicht mehr zu steigern , da der Markt ges├Ąttigt war. Profit war nur noch durch Reduzierung der Kosten und Personalabbau zu erreichen.
Einige Male hatte er sich beworben, konservativ mit F├╝llhalter, jedoch nur Absagen erhalten. Das n├Ąchste Bewerbungsschreiben mit tabellarischem Lebenslauf w├╝rde er ausdrucken!
Obwohl er fr├╝her wegen seiner einwandfreien Zahlen gelobt wurde, stolz war auf seine gleichm├Ą├čige und gut leserliche, beinahe feminin wirkende Handschrift!
"Ich bin sechsundvierzig Jahre jung und dynamisch..." begann er seine Bewerbungen. Aber die Grafologen lie├čen sich nicht t├Ąuschen! Was die herausfanden, war sicherlich das Gegenteil: F├╝hrungsschw├Ąche und Resignation!
Er hatte zwar das Lehrbuch 'EDV F├ťR EINSTEIGER' vor sich, doch wie konnte er das jetzt noch begreifen, wo er sich eher wie ein 'Aussteiger' f├╝hlte?!
"...touch me, it┬┤s so easy to leave me...", schluchzte die Streisand, dass es ihm kalt ├╝ber den R├╝cken lief.
Sein Blick wanderte zur Fotografie in Postkartengr├Â├če:
Seine Frau und die beiden S├Âhne in Badeanz├╝gen am Nordseestrand. Die Jungen ├╝berragten die Mutter bereits. Es war ein Bild vom letzten gemeinsamen Urlaub. - Blo├č nicht sentimental werden!!!
Er versuchte sich schnell wieder zu konzentrieren, bediente die Tasten bis zur n├Ąchsten Fehlermeldung. 'OUT OF DATA!' leuchtete es auf. - Was bedeutete das nun wieder?
Einen kurzen Moment dachte er dar├╝ber nach. Dann fiel ihm etwas viel Wichtigeres ein: Seine Frau hatte im letzten Satz das Wort 'vorl├Ąufig' verwendet. - 'VORL├äUFIG', konnte das nicht auch - nach einigen Wochen der Besinnung - R├╝ckkehr bedeuten?!
Pl├Âtzlich war er voller Hoffnung! Dem n├Ąchsten, fast schon ├╝berm├╝tigem Gedanken folgend, legte er die CD mit dem 'Dialog-Programm' ein, tippte einen Satz, der seine volle ├ťberzeugung ausdr├╝ckte und gab dann den Befehl: "SAY!"
Sofort h├Ârte er mit gro├čer Begeisterung die blecherne Roboterstimme aus dem Lautsprecher: "I am a Jobkiller, I am a Jobkiller, I am a Jobkiller, I am..."

'Was mich nicht umbringt, macht mich h├Ąrter!' (Nietzsche)


Version vom 04. 11. 2013 23:41

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eenemenetekel
Routinierter Autor
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moin, maribu!

eine recht gut gelungene, plausible verkn├╝pfung von r├╝ckblenden und gegenwart, maschine, arbeits- und gef├╝hlswelt.
hier und da kann man die intention aber sicher noch genauer herausarbeiten.

ein paar dinge, die mir aufgefallen sind:

quote:
'Error in 14', meldete der Computer. absatz
Wieso in vierzehn?, ├╝berlegte er. Bevor er den Cursor bet├Ątigte, stand er auf und drehte die Langspielplatte um. 'Memories', gesungen von seiner Lieblingss├Ąngerin Barbra Streisand.
Wenn zu Hause wenigstens alles in Ordnung w├Ąre! Wo er auf dem besten Weg war, beruflich wieder Fu├č zu fassen. das stellt sich im weiteren verlauf aber anders dar
Seitdem sein Arbeitgeber die alte EDV-Anlage durch die momentan schnellste und modernste ersetzt hatte, war die Einleitung von Rationalisierungsma├čnahmen nur die konsequente Folge.
Er machte sich nichts vor: Den Unterschied zwischen 'Soll' und 'Haben' kennen andere auch, und f├╝r die Aufstellung der Bilanz gibt es Steuerberater., die nicht 'betriebsblind' sind und au├čerdem legale oder illegale Tricks kennen - die ihm nicht zug├Ąnglich waren, - um Steuern zu vermeiden! ein bisschen straffung
Notgedrungen musste er den Aufhebungsvertrag, mit entsprechender Abfindung, unterschreiben. absatz
Trotzdem lag das gr├Â├čere Problem im privaten Bereich! Dabei lebten sie wie andere Durchschnittsfamilien auch. Als die S├Âhne auszogen, hatte seine Frau die Stellung als Sekret├Ąrin wieder aufgenommen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag: den doppelpunkt mag ich nicht Berieselung durch das Fernsehen, manchmal auch ein Buch oder ein H├Ârspiel, seltener Kino oder Theater. F├╝r seine Frau einmal in der Woche Jazz-Gymnastik, f├╝r ihn zweimal im Monat Bowling. absatz
So ging es einige Monate, bis er eines Abends ihren Brief fand. Ein paar erkl├Ąrende, nicht unfreundliche Zeilen mit dem aber alles ver├Ąndernden Schlusssatz:
"Du erreichst mich vorl├Ąufig unter der Adresse meiner Mutter in der Haubachstra├če 103."
Seitdem sa├č er allein in der gro├čen Wohnung und ├╝bte den Dialog mit dem Computer. Aber die Konzentration war nicht mehr da, weil die Motivation fehlte! absatz
F├╝r wen lohnte es sich jetzt noch?
Den Dialog h├Ątten sie in ihrer Ehe gebraucht. Sie h├Ątten sich gr├Â├čere M├╝he geben, mehr aufeinander eingehen m├╝ssen!
Ob sie es den Jungs schon mitgeteilt hatte? Der eine leistete gerade seinen Wehrdienst ab, der andere studierte in M├╝nster.
Aber nicht etwa Informatik, wie er seinem Sohn es ihm geraten hatte, sondern Germanistik und Romanistik. (Wo so viele Germanisten als Taxifahrer arbeiten mussten!) - diese gedankenstriche find ich ├╝berfl├╝ssig Sein Ableger, der ebenfalls die Augen vor der Realit├Ąt verschloss!
Er selbst hatte sich zu sehr auf die bestandene Bilanzbuchhalter-Pr├╝fung verlassen. Doch die technische Entwicklung war nicht aufzuhalten! Au├čerdem waren die Ums├Ątze nicht mehr zu steigern; der Profit nur durch Reduzierung der Kosten, sprich Personalabbau, zu halten oder zu erh├Âhen.
Einige Male hatte er sich beworben, jedoch nur Absagen erhalten. Das n├Ąchste Bewerbungsschreiben mit tabellarischem Lebenslauf w├╝rde er ausdrucken. Obwohl er fr├╝her wegen seiner hier hat sich ein absatz eingeschlichen
einwandfreien Zahlen gelobt wurde, stolz war auf seine gleichm├Ą├čige und gut leserliche, beinahe feminin wirkende Handschrift!
"Ich bin sechsundvierzig Jahre jung und dynamisch...", begann er seine Bewerbungen. da muss er sich aber ├╝ber absagen nicht wundern Aber die Grafologen lie├čen sich nicht t├Ąuschen! Was die herausfanden, war sicherlich das Gegenteil:
F├╝hrungsschw├Ąche und Resignation!
Er hatte zwar das Lehrbuch 'EDV F├ťR EINSTEIGER' vor sich, doch wie konnte er das jetzt noch begreifen, wo er sich eher wie ein 'Aussteiger' f├╝hlte?! unn├Âtiges wortspiel - der ganze absatz k├Ânnte entfallen und das buch fr├╝her oder sp├Ąter erw├Ąhnt werden
"...touch me, it┬┤s so easy to leave me...", schluchzte die Streisand, dass es ihm kalt ├╝ber den R├╝cken lief.
Sein Blick wanderte zur Fotografie in Postkartengr├Â├če:
Seine Frau und die beiden S├Âhne in Badeanz├╝gen am Nordseestrand. Die Jungen ├╝berragten die Mutter bereits. Es war ein Bild vom letzten gemeinsamen Urlaub. - Blo├č nicht sentimental werden!!!
Er versuchte sich schnell wieder auf das Buch zu konzentrieren, "EDV F├ťR EINSTEIGER", bediente die Tastatur bis zur n├Ąchsten Fehlermeldung. 'OUT OF DATA!' leuchtete es auf. - Was bedeutete das nun wieder?
Einen kurzen Moment dachte er dar├╝ber nach. Dann fiel ihm etwas viel Wichtigeres ein: Seine Frau hatte im letzten Satz das Wort 'vorl├Ąufig' verwendet. - 'VORL├äUFIG', konnte das nicht auch - nach einigen Wochen der Besinnung - R├╝ckkehr bedeuten?!
Pl├Âtzlich war er voller Hoffnung! Dem n├Ąchsten, fast schon ├╝berm├╝tigem Gedanken folgend, legte er die CD mit dem 'Dialog-Programm' ein, tippte einige Buchstaben in die Tastatur und gab dann den (m├╝ndlichen?) Befehl: "SAY!"
Sofort ert├Ânte die blecherne Roboterstimme aus dem Lautsprecher: "I am a Jobkiller, I am a Jobkiller, I am a Jobkiller, I am..."

'Was mich nicht umbringt, macht mich h├Ąrter!' (Nietzsche)
w├╝rde ich weglassen. stattdessen vielleicht etwas wie ", war aber nicht zu verstehen."

lg
__________________
Als ich Kind war, lag immer Schnee.
Drei K├Ąse hoch.

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Hallo eenemenetekel,

vielen Dank f├╝r Deine ausf├╝hrliche Kritik und die vielen Hinweise. Ich habe einiges davon umgesetzt, aber auch selbstkritisch von mir aus noch ge├Ąndert.

Gerade die Schlussaussage ist ja, was er selbst denkt und dem Sprachroboter nur befiehlt. Er h├Ârt es mit Freude und sogar einer gewissen Befriedigung!
Dass er so seine Bewerbung anf├Ąngt, h├Ąlt er f├╝r originell, obwohl er keinen Erfolg damit hatte.(aber das muss ich nicht auch noch beschreiben!)

Lieben Gru├č
Maribu

NS. Du k├Ânntest meinen Text jetzt ja auch bewerten, selbstverst├Ąndlich nur, wenn Du das willst! (Aber bitte mit
eenemenetekel und nicht "anonym"!) M...

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