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Leselupe.de > Science Fiction
Mensch Morgen
Eingestellt am 12. 11. 2003 10:14


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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

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Teleportation

Zeit: 04.05.2207

Mein Liebes,

schade, dass du noch immer krank bist und nicht die Kraft hast zu portieren. Sonst hĂ€ttest du kommen und dir die alten Dateien hier bei mir angucken können. Und wie du weißt, muss ich gerade selber Medizineinheiten nehmen. Das macht mich so mĂŒde, dass ich mich auf einen Port, noch dazu mit GepĂ€ck, nicht richtig konzentrieren kann.
Aber was soll's. Ich hab noch jede Menge Kommunikationseinheiten - und die mĂŒssen ja auch nicht verfallen. Kriegst du halt eine Datei, die kannst du ja ohne UmstĂ€nde fĂŒr deinen History-Report kopieren. Ich hoffe, das Material ist zu gebrauchen und du bekommst eine gute Bewertung.
Gib deinen Eltern einen Kuss von mir und sag ihnen, dass ich voraussichtlich nÀchste Woche wieder fit genug bin zum Portieren.

Deine Oma Marlene

*****

Es ist jetzt an die hundert Jahre her, da begann die ganze, leidige, unendliche Misere. Zu nennen sind da der Zusammenbruch der sozialen und sicherheitsrelevaten Systeme, ökologische und ökonomische Probleme, die alle einander bedingten und zum völligen Zusammenbruch der bestehenden nachindustriellen Ordnung fĂŒhrten. Innerhalb weniger Jahre wurde die gesamte Weltbevölkerung vom einundzwanzigsten praktisch zurĂŒck ins neunzehnte Jahrhundert katapultiert. Großrechner und Pferdewagen, Hochtechnologie und die UnfĂ€higkeit eine Kiste Waren in ertrĂ€glicher Zeit von einem Ort zum anderen zu transportieren.

Nun kommen die Urgroßeltern ins Spiel.
Beide waren, wie du ja weißt, reinrassige Teleporter, so wie alle in unserer Familie es heute sind. Sie waren natĂŒrliche Mutanten, nicht genmanipuliert. Zudem hatten sie sich per Zufall kennen und lieben gelernt. Die heute ĂŒbliche Partnerauswahl nach genetischen Eigenschaften gab es noch nicht. Aus diesem Grunde gehörten sie zu den wenigen GlĂŒcklichen, an denen die immer schlimmer werdenden VerhĂ€ltnisse spurlos vorbei gingen.

Es war mit HĂ€nden zu greifen, dass die besondere genetische Ausstattung es den Urgroßeltern erlaubte, Dinge zu tun und damit Möglichkeiten auszuschöpfen - und sich damit Vorteile zu verschaffen, die den meisten ihrer Zeitgenossen verschlossen waren.
Ohne RĂŒcksicht auf Zeitverlust und MobilitĂ€tskosten (der Kauf eines Wintermantels z. B. war mit mehreren Stunden Zeitaufwand und umgerechnet 50 Verrechnungseinheiten nur fĂŒr Fahrtkosten, nicht etwa fĂŒr die Ware selbst, verbunden) konnten sie Waren und Dienstleistungen einzig nach Preis und QualitĂ€t erwerben.
Es war ihnen möglich, hoch bezahlte Posten anzunehmen, obwohl sie fernab von jeder grĂ¶ĂŸeren Stadt wohnten. Auch konnten sie ihre Arbeitstellen entsprechend schnell wechseln, wenn es nötig oder sinnvoll erschien. Sie brauchten als Teleporter nicht umzuziehen, was seinerzeit umgerechnet 10.000 Verrechnungseinheiten kostete und dem Quartalsverdienst eines Ausbilders (damals nannte man sie Lehrer) entsprach.
Kurz: Teleportieren sparte Zeit und Geld und damit Ressourcen, die man gut anderweitig einsetzen konnte. Durch die Vorteile, die deine Urgroßeltern durch ihre Mutation hatten, war es ihnen möglich, viel mehr Kinder zu bekommen und zu erziehen als andere.
Du ahnst wohl schon, worauf ich hinaus möchte! Wirklich freie Schul- und UniversitĂ€tswahl fĂŒr alle, keine erhöhten Ausgaben fĂŒr Zusatzwohnungen oder MobilitĂ€t usw. Je mehr Personen mit ganz bestimmten, fĂŒr die Familie nĂŒtzlichen Eigenschaften, brachten materiellen Wohlstand, soziale Sicherheit und Privilegien fĂŒr alle.
Umgekehrt wirbelt ein einziger Immobiler eine Familie von Teleportern ganz schön durcheinander. Stell dir vor, du hĂ€ttest ein Kind, dass du x-mal am Tag irgndwohin bringen und wieder abholen mĂŒsstest. Du könntest nicht mehr arbeiten, hĂ€ttest kein eigenes Einkommen mehr und die Familie mĂŒsste gleich zwei Personen auf immens lange Zeit durchfĂŒttern! Da wĂ€re schnell Schluss mit dem angenehmen Leben, und zwar fĂŒr alle!
Über die traurigen ZustĂ€nde der Immobilen brauchst du einfach nur den Umkehrschluss zu ziehen. Ortsgebundenheit, schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Verdienstmöglichkeiten, zu wenig Ressourcen fĂŒr eine ausreichend große Familie, mangelhafte soziale Sicherheit.

Die Datei mit den Statistiken ĂŒber die rĂŒcklĂ€ufigen Geburtenraten Immobiler und die steigenden Geburtenraten der Teleporter schicke ich dir als Anhang mit. Sie sind nagelneu und noch nicht im öffentlichen Datennetz. Als Leckerli fĂŒr deinen Ausbilder schicke ich noch die Grafik ĂŒber die Vererbungslehre mit. Ich habe auf Teleportation umgeschrieben, dann muss dein Ausbilder nicht auch noch fĂŒr Kopien euren Unterrichtsetat anknabbern.

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Edgar GĂŒttge
Guest
Registriert: Not Yet

auf Teleportation umschreiben?

Hallo Marlene,

nette Idee, dieser Kontrast: Der Mensch lernt einerseits innerhalb von 200 Jahren das Teleportieren und hat es andererseits immer noch nicht geschafft, das Unterrichtswesen in den Griff zu kriegen. Immer noch das Problem mit dem Haushaltsdefizit!

Ich gehe davon aus, dass das hier eine Art E-Mail mit drei AnhĂ€ngen sein soll, von denen einer dieser History-Report ist. (Oder ist das ein Brief mit einer Diskette?) Die Art der Übertragung wird nicht ganz deutlich.
Leider verstehe ich den letzten Satz nicht ganz. Was ist mit 'auf Teleportation umgeschrieben' gemeint. Habe ich da vielleicht irgend einen Hinweis ĂŒbersehen?

Ansonsten ist mir die Rahmenhandlung rund um die Texte etwas zu schwach. Das Kind ist krank, also ist das mit der Datei doch nicht so dringend, oder steht da doch noch irgend ein Abgabetermin bevor?

(Ein Tippfehler ist mir aufgefallen: irg(e)ndwohin).

Insgesamt hat es mir gefallen.

Gruß
Edgar

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MarleneGeselle
???
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Mendel und die Erbsen

Hallo Edgar,

danke fĂŒr deine prompte Antwort.

Gemeint ist das Ganze als eine Art Email mit AnhÀngen, so wie wir das heute auch kennen.
Du wunderst dich, dass trotz kranker Oma und krankem Kind so viel Betriebsamkeit herrscht! Auch im hier und jetzt des zwanzigsten Jahrhunderts mĂŒssen Kinder alles an Unterrichtsstoff nachholen, egal wie lange sie krank sind. Und in einer Leistungsgesellschaft macht es immer miese, wenn die Noten nicht stimmen, man eventuell Schuljahre/Kurse wiederholen muss. Wer in kĂŒnftigen Zeiten seinen Platz in der Elite erkĂ€mpfen bzw. behaupten muss, wird sich da auch nicht viel leisten können!
Du möchtest wissen, was ich mit "auf Teleportation umgeschrieben" meine: Ich spiele auf das Beispiel von Mendel mit den grĂŒnen und gelben Erbsen an; kennt jeder aus dem Biologiebuch. Dieses Beispiel habe ich meine Oma eben umschreiben lassen. Das Enkelkind soll ja eine gute Bewertung kriegen und der Lehrer eine gute Meinung von dem ganzen Clan.

So, ich hoffe, ich habe die ganzen Unklarheiten beseitigt.

GrĂŒĂŸe aus dem hier und jetzt
Marlene

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Edgar GĂŒttge
Guest
Registriert: Not Yet

hatte Biologie abgewÀhlt

Hallo Marlene,

vielen Dank fĂŒr deine ErlĂ€uterung.
Das mit den Kindern kenne ich. Meine Töchter haben auch stĂ€ndig Stress wegen der Punkte. (Ich habe noch immer die Hoffnung, dass sich daran kĂŒnftig etwas Ă€ndert, dass die Kinder leben lernen, nicht leben um zu lernen, obwohl ich nichts dagegen habe, ein Leben lang zu lernen.)
Du schreibst, jeder kennt es aus dem Biologiebuch? Ich hatte damals Biologie abwĂ€hlen mĂŒssen (es lebe die Allgemeinbildung!), hatte statt dessen Chemie und Physik. Also ich hatte hier eine BildungslĂŒcke.
Trotzdem meine ich, dass aus dem Text immanent nicht deutlich hervorgeht, wie du von den Mendelschen Gesetzen und Kreuzungsversuchen mit Erbsenrassen und Chromosomen auf Umschreiben auf Teleportation kommst und wieso der Lehrer dadurch Kopien spart. Mir fehlt hier ein Gedankenschritt im Text, und damit geht m.E. die Schlusspointe unter.
Gruß
Edgar

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jon
Foren-Redakteur
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Lektor
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Der Zusammenhang zwischen dem Umschreiben auf Teleportation (den ich ĂŒbrigens gleich beim ersten Mal so las, wie Marlene dann erklĂ€rte) und den ersparten Kopien versteh ich auch nicht

Aber ansonsten finde ich die Arbiet ganz gelungen (und verkneife mir deshalb Betrachtungen darĂŒber, ob Teleportation als biologische FĂ€higkeit machbar und damit SF ist
)
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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MarleneGeselle
???
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selber kopieren

Hallo Jon,

danke fĂŒr deine prompte Antwort.

Die Geschichte mit dem Teleportieren habe ich von diversen anderen SF-Geschichten ĂŒbernommen. FĂ€nde es privat ganz witzig, statt stundenlang mit dem Auto unterwegs zu sein, in Sekundenschnelle jeden beliebigen Ort der Welt erreichen zu können.

Dass mit dem Kopien ziehen scheint wirklich schlecht rĂŒbergekommen zu sein. Das Enkelchen sollte von Omas Datei daheim selber kopien ziehen und im Unterricht verteilen. Wird heutzutage öfters schon im Unterricht gemacht, besonders bei Referaten, Übungsaufgaben usw. Jeder aus der Klasse liefert was und alle profitieren. Ist bei uns schon so normal, dass ich es anderen gewissermaßen "unterschiebe".

GrĂŒĂŸe
Marlene

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