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Leselupe.de > Kindergeschichten
Mia Maria und die Küchenshow
Eingestellt am 10. 02. 2003 16:29


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Mike S.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2003

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Mia Maria und die Küchenshow

Mia-Maria lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Der Mond schien durch die weißen Fenstergardienen und verursachte kleine Schatten an der Wand. Sie war seit zwei Wochen sieben Jahre alt und verstand nicht, dass sie noch immer so früh ins Bett gehen musste.
Das es noch etwas Langweiligeres als Schlafen gäbe, konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Sie dachte, dass es total sinnlos sei, die ganze Nacht bewegungslos im Bett zu liegen. Man könnte doch so viele schöne Dinge tun. Man könnte lesen, man könnte spielen, man könnte sich Geschichten anhören. All diese Gedanken wanderten jeden Abend in Mia-Marias Kopf umher. Je länger sie darüber nachdachte, desto munterer wurde sie. Also starrte sie weiter an die Decke und beobachtete die Schatten des Mondlichtes.
Ihr Zimmer lag dem Schlafzimmer der Eltern gegenüber und wenn sie die Tür klappen hörte, wusste sie, dass es 23.30 Uhr war, denn Ihre Eltern arbeiteten beide als Lehrer und gingen regelmäßig um diese Uhrzeit ins Bett.
Das Haus, in dem sie wohnten, hatte zwei Etagen. In der oberen befanden sich das Badezimmer, das Schlafzimmer, ein kleines Wohnzimmer und ihr Kinderzimmer. In der unteren Etage hatten ihre Eltern nur eine große Küche und ein Gästebad bauen lassen. Sie waren der Meinung eine große Küche muss sein, da man sich in der Küche am meisten aufhielte. Mia-Maria konnte auch das nicht verstehen, sie blieb lieber in ihrem Zimmer, als den ganzen Tag in einer Küche zu sitzen.
Nun wurde auch die kleine Stadt, in der sie lebte, still und man konnte die Kirchenglocke läuten hören. Mia zählet mit. Zehn, Elf, Zwölf.
Um Zwölf Uhr. Ihr wurde klar das sie morgen in der Schule wieder sehr müde sein würde. Doch was sollte sie tun, sie konnte einfach nicht einschlafen. Aber dann fiel ihr ein, dass morgen Sonnabend ist und sie beruhigte sich, denn sonnabends schliefen alle erst einmal richtig aus.
Plötzlich polterte es leise im Haus. Mia-Maria horchte in die Stille. Nichts.
Dann wieder eigenartige Geräusche, fast wie leises Trommeln, ja sie glaubte Musik zu hören.
Mia setzte sich aufrecht hin und lauschte angestrengt. Eindeutig leise Musik.
Hatten ihre Eltern verschwiegen, dass sie heute eine Feiern hatten? Mia-Maria stand leise auf und ging zur Tür. Sie öffnete die Tür einen kleinen Spalt.
Musik, eindeutig Musik dachte sie.
Vorsichtig öffnete sie nun die Tür und trat in den Flur. Eigenartig, die Musik schien aus der Küche zu kommen. Doch ihre Eltern feierten immer in dem kleinen Wohnzimmer. Außerdem war die Musik zu leise für eine Party.
Mia-Maria kam zu dem Schluss , dass ihre Mutter oder ihr Vater vielleicht noch einen Schluck Wasser tranken und schon bekam sie auch Durst. Sie schlich zur Treppe und die Musik wurde ein wenig lauter.
Ob Mutter oder Vater, sie hatte einen Plan. Leise wollte sie die Treppe hinuntergehen, um dann mit einem Satz in die Küche zu springen, um denjenigen, der dort gerade war, zu erschrecken.
Auf Zehenspitzen schlich sie vorsichtig die Wendeltreppe hinunter. Auf den letzten Stufen vor der Küche blieb sie stehen.
Ein Flasche Olivenöl stand auf der letzten Stufe. Mia-Maria rieb sich verdutzt die Augen. Träumt sie denn etwa? Liegt sie eigentlich in ihrem Bett und schläft? Denn das, was sie sah, war eigentlich unmöglich.
Die Olivenölflasche schien sich im Takt der Musik hin und her zu bewegen. Doch es wurde noch eigenartiger. Plötzlich kamen links und rechts zwei kleine Arme zum Vorschein. Die Ölflasche schien, in die Hände zu klatschen. Mia -Maria staunte nicht schlecht, denn das war noch nicht alles. Die Ölflasche stand plötzlich auf zwei kleinen dünnen Beinchen, sprang die letzte Stufe hinab und verschwand in der Küche.
Starr vor Schreck und Erstaunen, saß die kleine Mia auf der Treppe. Was sie von dieser Sache halten sollte, wusste sie nicht. Unbewusst fing sie an, einen kleinen Knoten in ihr fast schwarzes, schulterlanges Haar zu drehen. Das tat sie immer, wenn sie angestrengt nachdachte. Ihre Mutter hatte sie schon des öfteren deswegen ermahnt, denn es dauerte immer ein paar Minuten, die Knoten wieder zu entfernen, wenn Mia-Maria in der Schule eine Klassenarbeit geschrieben hatte. Sie wusste, sie befand sich in einer Situation, in der es schwer ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Sollte sie ihren Eltern Bescheid sagen, dass etwas Merkwürdiges in der Küche vorging? Doch die Neugierde überwältigte sie.
Leise stand sie auf und horchte. Die Musik schien etwas lauter zu sein und ein paar piepsige Stimmen konnte sie jetzt auch hören.
Mia schlich weiter die nächste Stufe hinab, um einen Blick in die Küche zu werfen.
Heiß und kalt wurde ihr, als sie sah, was in der Küche vorging. Zwei hölzerne Kochlöffel, die sich Topflappen als Kleider umgebunden hatten, tanzten zu einem spanischen Lied, das aus dem Radio kam. Sie tanzten auf einem großen Kochtopf mitten auf dem Küchentisch. Gabeln und Messer, große und kleine Löffel, Quirle und Kartoffelstampfer standen um den Kochtopf herum und klatschten in winzige, kleine Hände. Alle schienen ausgelassen zu feiern.
Mia Maria stand wie angewurzelt auf der Treppe. Die Musik aus dem Radio verstummte. Das kleine Milchkännchen, dass wie eine Kuh aussah und welches Mia so liebte, stand am Radio und schaltete es nun ab. Die beiden hölzernen Kochlöffel, die zuvor so gut getanzt hatten, verbeugten sich und das umherstehende Besteck applaudierte.
„Und nun kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Abends:” rief das kuhähnliche Milchkännchen.
Mia Maria drückte sich an die Wand , um nicht erkannt zu werden. Noch immer zweifelte sie daran, dass sie wirklich wach war. Alles was sie hier sah, war so unwahrscheinlich, dass sie eigentlich nur träumen konnte.
Plötzlich rollte der blaue Mülleimer aus seinem Versteck unter der Spüle hervor. Wieder jubelte das Besteck begeistert. Das Milchkännchen hielt seine kleinen, dünnen Arme in die Luft und bat um Ruhe. „Und nun mein verehrtes Publikum hier auf dem Tisch und auf den oberen Rängen.”
Mia schaute auf das Küchenregal an der Wand und erkannte Großomas Silberlöffel, die in einer Reihe standen und an diesem Abend besonders glänzten. Die silbernen Herrschaften in der oberen Reihe verbeugten sich höflich, als sie vom Milchkännchen begrüßt wurden.
„Ich bitte um Ruhe.” rief noch einmal die Porzellankuh. “Der große singende Mülleimer, Giovanni Überrestie, singt für sie heute Abend ein selbstkomponiertes Lied über die Einsamkeit eines Mülleimers, der getrennt von seinen Verwandten ein Leben unter einer Spüle fristen muss.“
Mia Maria hielt sich den Mund zu, denn sie musste plötzlich lachen. Immer stärker wurde dieser Drang, so dass sie sich schließlich nicht mehr beherrschen konnte und laut loslachte.
Erschrocken schauten die Küchenbewohner auf Mia Maria. Stille herrschte im Raum, dann, wie auf ein geheimes Kommando, fiel das gesamte Besteck mit viel Lärm um, der Mülleimer stand regungslos im Raum und das Milchkännchen sah aus wie immer. Mia rieb sich die Augen und ging zum Küchentisch. Sie hörte die Schlafzimmertür in der obersten Etage klappen. Ihre Mutter kam die Treppe herab, schaute auf das Chaos und dann auf Mia Maria.
„Ach Schätzchen,” sagte sie sanft „was hast du denn angestellt? Konntest du wieder nicht schlafen? Komm wir gehen ins Bett.”
Die kleine Mia stand betreten da und wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. “Aber Mama,“ stotterte sie “aber Mama, weißt du, was hier los war?”
“Ich sehe es!” antwortete die Mutter ein wenig streng. “Komm jetzt! Wir gehen schlafen, das Chaos räumen wir morgen auf.”
“Aber Mami! Na gut. Aber lass mich alles schnell aufräumen und dann gehe ich wieder ins Bett.“
Die Mutter schaute auf die Uhr. “Na gut ,in zehn Minuten ist es 1.00 Uhr, dann bist du spätestens wieder im Bett oder es gibt Ärger!” Leise ging Mias Mutter die Treppe hinauf und klappte die Tür zum Schlafzimmer wieder zu.
“Hallo ihr!” flüsterte Mia leise und stupste die kleine Milchkanne an. Ein kleiner Blitz schien über das Porzellan zu huschen, dann öffneten sich zwei kleine braune Augen.
“Hallo Mia Maria.”
“Hallo Milchkännchen.” erwiderte das kleine Mädchen.
“Danke, dass du uns nicht verraten hast.” Die Kuh schaute zur Küchenuhr. “Wir haben nicht viel Zeit Mia. Sieh!” Mia Maria drehte sich um und sah wie das Besteck auf dem Weg zurück in seine Schublade war, der Mülleimer unter die Spüle rollte und dabei ein Lied summte und sie sah die Ölflasche, welche versuchte am Tischbein hoch zu klettern, aber immer ab der Mitte wieder nach unten glitt. Mia half der Flasche auf den Tisch. Diese bedankte sich und stellte sich danach wieder neben Salz und Pfeffer, um kurze Zeit später, wieder wie immer auszusehen. Mia ging zum Kännchen zurück. “ Was passiert hier?”
“Wir sind leider nur eine Stunde in der Woche lebendig. Jeden Freitag von 12.00-1.00 Uhr läuft die große Küchenshow.”
Wieder schaute es zur Uhr “ Es bleibt nicht mehr viel Zeit, deshalb schlage ich vor, du kommst nächsten Freitag um 12 Uhr in die Küche, dann kann ich dir alle anderen vorstellen und wir können uns kennen lernen.”
“Gerne.” antwortete das kleine Mädchen begeistert.
“Eines noch. Mia könntest du uns bitte einen großen Gefallen tun?” Mia nickte.
“Wir würden gerne wissen, ob es noch mehr von uns gibt, ob anderswo am Freitagabend auch Leben in die Küchen kommt. Wir kommen leider hier nicht raus. Könntest du nächste Woche ein paar Löffel oder Gabeln oder was immer du möchtest aus anderen Häusern der Stadt mitbringen. Denn wenn die anderen auch so sind wie wir, haben wir einen großen Wunsch. Schon lange träumen wir davon, einen Tanzwettbewerb zu veranstalten. Vielleicht könn....” das kleine Milchkännchen erstarrte und sah aus wie immer. Mia schaute zur Uhr, es war genau 1.00 Uhr.
Sie streichelte das Kännchen und sagte: “ Ich werde tun, um was du mich gebeten hast.”
Sie schaltete das Küchenlicht aus und ging in ihr Zimmer zurück. Was für eine Nacht dachte sie. Dann kniff sie sich selbst in den Arm und stieß ein leises Aua aus. Nein sie hatte nicht geträumt. Ihre Küche lebt. Was wenn es in anderen Küchen auch so ist?
Ein Tanzwettbewerb für Besteck und andere. Das hätte sich der dümmste Schreiberling nicht ausdenken können.
Mia Maria schlief mit einem Lächeln und dem Gedanken an den nächsten Freitag ein.

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Marcus Richter
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Mike,
köstlich, liebenswürdig und gradlienig. Vor allem der Schluss außergewöhnlich flüssig.
Macht Freude, es zu lesen.

Gruss Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Grünbein

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Mike S.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2003

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Hallo Marcus,
Danke schön!

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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hm,

eine sehr schöne geschichte. davon kannste gerne noch ne fortsetzung schreiben.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Mike S.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2003

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Hallo Flammarion
danke sehr. Ich werde wohl bald mit einer Fortsetzung beginnen, denn die Löffel wollen tanzen!
Mike

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anemone
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hallo Mike,

Schöne Geschichte und ich fände es toll, wenn in dem Milchkännchen statt Milch Sahne wäre, hmmm
Ich freue mich darüber, na und tanzen kann man durchaus
auch beim Kochen.

lG

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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jawoll!

das ist doch mal was anderes, als immer nur die puppen tanzen zu lassen. ich freu mich schon sehr auf die fortsetzung.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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