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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mighty Mike und die Frau, die ihren Mann vermisst
Eingestellt am 25. 08. 2013 16:53


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Bertram
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2013

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"Wie kann ich Sie gl√ľcklich machen?" fragt Mike die junge Frau auf der Parkbank, die in ihr Mittagsbr√∂tchen beisst. "Indem Schie mich in Uhe laschen", erwidert sie ungn√§dig mit vollem Mund. "Wie Schie w√ľnschen", √§fft Mike sie nach.

Weiter vorn sitzt eine alte Frau auf einer Bank und schaut starr vor sich hin, als wäre sie eben gestorben.

Mikes W√ľnsche gehen in Erf√ľllung. Er ist der m√§chtigste Mann der Welt.

Er setzt sich neben die alte Frau: "Wie kann ich Sie gl√ľcklich machen?"
Die Frau schaut ihn an. Ihr Mund versucht ein Lächeln, während die Augen traurig bleiben: "Machen Sie meinen Mann wieder lebendig."
Mike: "Ich weiss nicht, ob das klug w√§re. Stellen Sie sich vor, Ihr Mann, den Sie begraben haben, spaziert auf uns zu. Sie w√ľrden vor Schreck tot umfallen. Und dann w√§re er allein."
Die Frau weint.

Mike: "Verzeihen Sie, ich bin zu weit gegangen. Ich wollte nicht ..."
Frau: "Sie k√∂nnen doch nichts daf√ľr. Es ist nur ..."
Die Frau tupft sich die Tränen mit einem Papiertaschentuch aus dem Gesicht und fährt fort: "Niemand besucht mich mehr. Jetzt bin ich ganz allein."
Mike: "Warum schliessen Sie nicht mit einem reiferen Herrn eine neue Freundschaft. Eine sympathische Frau wie Sie ..."
Sie l√§chelt schmerzlich: "In unserem Alter sterben die M√§nner aus und wir Frauen bleiben zur√ľck wie abgelegte Kleider."

Mike k√∂nnte w√ľnschen, dass alle M√§nner l√§nger leben. Aber vielleicht sind manche Frauen ganz froh, wenn der Alte endlich abtritt und sie die letzten J√§hrchen frei gestalten k√∂nnen. Dieser Wunsch w√ľrde also ihr Ungl√ľck verl√§ngern. Die M√§nner hingegen w√ľrden wohl gern l√§nger leben. Aber dann m√ľssten sie den Tod ihrer Frau ertragen und die Socken selber waschen. Deshalb l√§sst Mike von den grossen W√ľnschen lieber die Finger. Es ist einfach nicht vorauszusehen, was er damit anrichtet.

Mike versucht die Frau aufzumuntern: "Ich glaube, dass es f√ľr Sie einen Mann gibt, der lieber ein abgelegtes Kleid tr√§gt, als nackt zu sein."
Zu sp√§t merkt er, wie bl√∂d sein Vergleich ist, und will ihn mit einer hilflosen Handbewegung zur√ľcknehmen. In solchen Momenten muss er sich mit √§usserster Disziplin darauf konzentrieren, nichts Unbedachtes zu w√ľnschen. Er k√∂nnte sie diesen letzten Satz einfach vergessen lassen. Aber wenn er dabei nicht sehr gut aufpasst, l√∂scht er vielleicht ihr halbes Ged√§chtnis. Ihr halbes Leben. Die Erinnerungen an ihren Mann.

Dann lieber bl√∂d dastehen und sich entschuldigen: "√Ąhm, der Vergleich ist mir so aus dem Mund gerutscht. Ich wollte Ihnen Mut machen und nicht ..."
Frau: "Sie sind ein netter junger Mann. Ihre Frau hat Gl√ľck."
Mike ist es peinlich: "Ich habe keine ..."
Frau, mitf√ľhlend: "Hat sie Sie verlassen?"
Mike windet sich: "Ich ... ähm ... stehe nicht so auf körperliche Liebe ..."
Frau: "Sind Sie Priester?"
Mike wird sicherer: "Nein, es ist nichts Geistiges. Ich habe einfach kein Bed√ľrfnis. Es ist ganz angenehm so, wenn ich sehe, wie viel √Ąrger die andern damit haben."

Die Frau schaut ihn mit einem unsicheren L√§cheln an. Sie findet ihn jetzt wohl nicht mehr "nett", sondern merkw√ľrdig. Das passiert ihm h√§ufig, sobald er zu viel von sich preisgibt. Es ist Zeit.

Mike steht auf und verabschiedet sich freundlich. W√§hrend er sich langsam entfernt, schliesst er die Augen und w√ľnscht einen netten, r√ľstigen Herrn f√ľr die Frau.

Am Rand des Parks angekommen, dreht Mike sich um und sieht einen √§lteren Mann, der sich der Frau n√§hert. Sein Blick schweift zu der nicht sehr freundlichen jungen Frau, die sich inzwischen ein Softeis geholt hat. Mike w√ľnscht sich die Glacekugel auf ihren Schoss. Die junge Frau schaut auf ihre Armbanduhr und kippt sich das Eis auf die Hose, wo sie es sekundenlang entgeistert anstarrt. Mike kichert.

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