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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Millionen roter Rosen
Eingestellt am 10. 06. 2008 15:30


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Wendy Darling
Hobbydichter
Registriert: Jun 2008

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Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Es schlug so hart, dass er Angst hatte, es w├╝rde jeden Moment zerspringen. Blut rauschte in seinen Ohren als er in die Hocke ging, um mit zittrigen H├Ąnden eine einzelne Blume aus der Vase zu ziehen die angef├╝llt war mit frischen, roten Rosen. Die purpurfarbenen Bl├╝ten sahen im schw├Ącher werdenden Mondlicht beinahe schwarz aus. Schwarz, dachte er und atmete tief ein. Die k├╝hle Morgenluft f├╝llte sein Lungen und er schaute nach Osten. Am Horizont bildete sich langsam ein rosiger Faden der den Sonnenaufgang ank├╝ndigte. Nerv├Âs sah er auf die Uhr. Es war f├╝nf. ÔÇ×Noch drei├čig MinutenÔÇť dachte er. Pr├╝fend ging sein Blick durch den Garten. Ja, es war genau so wie er es sich vorgestellt hatte. Jeder Quadratzentimeter war mit roten Rosen bedeckt. Einige waren in Eimern, Vasen und Schalen zu Str├Ąu├čen gebunden, einige bedeckten - gleich einem roten Teppich - die Wiese und einige, gebunden zu Kr├Ąnzen, hingen an B├Ąumen und am Zaun wo sie von einer k├╝hlen Brise hin- und her geschaukelt wurden. Ganz vorsichtig, ohne die auf dem Boden liegenden Bl├╝ten zu zertreten, schlich er zum Zaun, hinter dem die Blumenpracht nicht aufh├Ârte. So weit das Auge reichen konnte, glich der Feldweg einem roten Fluss. Ein zufriedenes L├Ącheln umspielte seine Lippen. Wieder sah er auf die Uhr. Viertel nach f├╝nf. Wie langsam die Zeit doch dahin sickert, wenn man warten muss, dachte er.

W├Ąhrend er, einem Schatten gleich, am Zaun ihres Hauses stand und der aufgehenden Sonne entgegensah, dachte er nicht an das faszinierende Farbenspiels des Augenblicks, auch nicht an die Farbenpracht zahllosen Sonnenaufg├Ąnge die er einst in seinen eigenen Bildern festhielt. Er dachte weder an den Verkauf der kleinen Holzh├╝tte in der er gewohnt, noch an den viel zu niedrigen Preis den er f├╝r seine geliebten Bilder bekommen hatte. Er dachte nicht an den alten, geflickten Koffer, der versteckt hinterm Haus stand und dessen Inhalt nun seinen ganzen Besitz darstellte und auch nicht an die gro├čen Augen des Blumenh├Ąndlers, den er um eine riesige Lieferung roter Rosen bat. Er sp├╝rte kein Bedauern, keine Reue. Das einzige, woran er dachte, war sie. Das einzige, was er f├╝hlte, war Liebe. Handelte er unbedacht? Vielleicht. Verlor er seinen Verstand? M├Âglich. Setzte er seine Existens aufs Spiel? Ja. Doch in diesem Moment hatte nichts davon eine Bedeutung.

Pl├Âtzlich war er von einem Lichtkegel umgeben. Er duckte sich instinktiv und sah erschrocken zum Haus hin├╝ber. In einem der Zimmer brannte Licht. Es war ihr Zimmer. Er sah auf die Uhr. Es war sechs. Blitzschnell und auf die Bl├╝ten achtend, schlich er sich zu der gro├čen Eiche in der Mitte des Gartens. Er huschte in ihren Schatten und beobachtete das Fenster. Jeden Augenblick w├╝rde es aufgehen, so wie jeden Morgen um diese Zeit. Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, als auch schon eine zierliche Frauengestalt ans Fenster trat, es ├Âffnete und mit geschlossenen Augen die frische Morgenluft einatmete. Einen Augenblick lang hielt sie inne. Atmete aus. ├ľffnete die Augen. Stutzte. Blinzelte. ├ľffnete den Mund als wollte sie etwas sagen, ├╝berlegte es sich doch anders. Sie schaute sich um, konnte niemanden entdecken und starrte vollkommen hin- und hergerissen zwischen Entz├╝ckung und Ungl├Ąubigkeit auf die rote Decke die sich ├╝ber Nacht auf den Garten und den Feldweg gelegt hatten. Sie schien eine Ewigkeit da zu stehen und er, noch immer die eine Rose in den H├Ąnden haltend, sah hinauf und w├╝nschte dieser Augenblick w├╝rde nie vergehen. Er verfolgte jeder Gesichtsregung jeder noch so kleinen Bewegung, als wolle er ihr Bild f├╝r immer in seiner Erinnerung festhalten.

Auf einmal drehte sie den Kopf und sah zu ihm hinunter. Er war sich sicher, dass sie nicht mehr als einen Schatten erkannt haben konnte und doch erschien ein L├Ącheln auf ihrem Gesicht. Sie drehte sich um und verschwand. Sein Herz schlug wieder schneller. Jetzt w├╝rde sie kommen. Zu ihm. Aufgeregt schaute er sich um, als suche er nach etwas, dann fiel sein Blick auf die Rose in seiner Hand und er l├Ąchelte ├╝ber seine kindliche Nervosit├Ąt. In diesem Augenblick tauchte ihre Silhouette in der Eingangst├╝r auf. Die ersten Sonnenstrahlen k├╝ndigten den neuen Tag an und lie├čen jede Bl├╝te samtig schimmern. Sie lief ein paar Schritte in den Garten auf den dicken Stamm der Eiche zu. Blieb etwas unsicher stehen, als warte sie darauf, dass er sich zeigt. Er hingegen kratzte seinen ganzen Mut zusammen atmete tief ein und setzte zum ersten Schritt an, als er ihre Stimme leise fl├╝stern h├Ârte: ÔÇ×James?ÔÇť und dieses eine Wort lie├č ihn erstarren. Schamesr├Âte stieg ihm ins Gesicht. Was sollte er jetzt tun? James? Hatte sie wirklich eben James gesagt? Seine Gedanken schlugen Purtzelb├Ąume. W├Ąhrend er, immer noch jeden Muskel im K├Ârper angespannt, das rechte Bein zum Schritt erhoben und die Rose in der Hand haltend dastand, w├Ąre er am liebsten im Erdboden versunken. Alle Romantik, alle Hoffnung, alle Sch├Ânheit des Augenblicks wurden mit diesem einen Namen weggewischt und machten einer Entt├Ąuschung, einer Verzweiflung Platz, die nicht in Worte zu fassen war. Er sp├╝rte, dass ihm jeder Muskel im K├Ârper schmerzte und versuchte sich zu entspannen, senkte den Fu├č und die Hand mit der Rose. Irgendwo tief in seinem Inneren sp├╝rte er einen Schmerz.

ÔÇ×James? Bist du das?ÔÇť, h├Ârte er wieder. Er hatte keine Wahl. Langsam kam er hinter dem Baum hervor. Gerade noch konnte er ihr freudig strahlendes Gesicht, ihre funkelnen Augen sehen. Doch nur eine halbe Sekunde lang. So lange, wie sie brauchte, um zu erkennen, dass er nicht James war. Das L├Ącheln verschwand. Die Augen weiteten sich und der Mund ├Âffnete sich zu einem stummen Schrei. ÔÇ×Aber...ÔÇť mehr konnte sie nicht sagen. Und er wollte es nicht. Langsam ging er auf sie zu. Streckte seine Hand aus, die immer noch die Rose fest umschlossen hielt. Doch sie sah die Rose nicht. Sie starrte ihn nur an und Fassungslosigkeit sprach aus ihrem Gesicht. Er ging einen weiteren Schritt auf sie zu, nahm ihre Hand und legte die Rose hinein. Dann sah er hoch, ihre Blicke trafen sich und einen Augenblick lang, kurz bevor sie ihren Blick senkte und auf die Blume in ihrer Hand sah als s├Ąhe sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rose, hatte er das Gef├╝hl, Tr├Ąnen in ihren Augen zu erkennen. Doch sie lie├č ihren Blick gesenkt und schwieg. Sie schwieg auch noch als er sich umdrehte und ging.

Tausend Dinge gingen ihm durch den Kopf. Und w├Ąhrend er den mit Rosen bedeckten Feldweg entlang ging, fielen lange dunkle Schatten auf die Bl├╝ten und lie├čen sie dunkel rot, fast schwarz erscheinen.

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