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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Milu auf der Suche nach der Liebe
Eingestellt am 04. 05. 2002 14:07


Autor
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aenne g├Âltzer
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

Werke: 2
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Milu auf der Suche nach der Liebe
In der Scheune hinter dem gro├čen Bauernhof hatte Milu sein Zuhause. Er war eines von sechs Katzenbabys, die hier im weichen Heu das Licht der Welt erblickt hatten. Die ersten Tage in seinem Katzenleben verschlief er und wurde nur zu den Mahlzeiten wach. Die Katzenmutti brauchte ihre ganze Kraft, um ihre Babys satt zu bekommen. Milu – ein niedlicher, grauer Kater mit wei├čem L├Ątzchen entwickelte sich pr├Ąchtig und wuchs schnell heran. Der kleine Kater war ungeheuer wissbegierig. Alles um ihn herum Interessierte ihn und seine Katzenmutti hatte gro├če Schwierigkeiten auf ihn aufzupassen. Milu wollte alles auf einmal wissen – ├╝ber das Leben und ├╝ber die Sterne, deren Glanz ihn faszinierte. Jeden Abend beobachtete er aufmerksam das Spiel dort oben am Himmel. Die Katzenmutti lehrte ihn alles, was er f├╝r sein junges Leben brauchte. Sie liebte ihre Katzenkinder ├╝ber alles, aber Milu war f├╝r sie etwas ganz besonderes. Wenn seine Geschwister auszogen, um M├Ąuse fangen zu erlernen, sa├č Milu bei seiner Kat-zenmutti und stellte die komischsten Fragen ├╝ber das Leben.
Am liebsten h├Ątte er sich so einen gl├Ąnzenden Stern vom Himmel geholt, um mit ihm zu spielen und er wartete immer darauf, dass ihn der Mond einmal besuchen und von seiner Arbeit im Himmel erz├Ąhlen w├╝rde. Die Katzenmutti verbrachte viel Zeit mit Milu, und erz├Ąhlte ihm Geschichten vom Mond, den Sternen und von der Liebe. Die Liebe interessierte ihn un-gemein, und er wollte unbedingt wissen, wie die Liebe aussieht und wo sie wohnt. Milu war fasziniert, so viele sch├Âne Dinge ├╝ber die Liebe zu erfahren, aber was die Katzenmutti auch erz├Ąhlte, er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie die Liebe aussieht.
Er gr├╝belte viele N├Ąchte lang und w├╝nschte sich nichts sehnlicher, als einmal die Liebe zu treffen um mit ihr zu plaudern. Obwohl ihm seine Katzenmutti gesagt hatte, dass eines Tages die Liebe auch zu ihm kommen w├╝rde, wollte er jetzt nicht mehr l├Ąnger in der Heuscheune auf sie warten und er beschloss, sich auf den Weg zu machen, um die Liebe zu suchen.
Er nahm sich ein wenig Proviant mit, und verabschiedete sich von seiner Katzenmutti. Seine Reise f├╝hrte ihn tagelang durch Felder und Wiesen, und er war schon hungrig und m├╝de, als er in der Ferne ein Licht sah. Etwas ├Ąngstlich n├Ąherte er sich einem kleinen Haus, und hoffte dort ein Quartier f├╝r die Nacht zu finden. Als sich die T├╝r ├Âffnete, stand der F├Ârster vor ihm, und der gro├če Hund des Hausherrn machte mit lautem Gebell auf den unbekannten Gast aufmerksam. Milu hatte pl├Âtzlich keine Angst mehr, denn er kannte gro├če Hunde vom Bauernhof und wusste, wenn er jetzt ganz ruhig sein w├╝rde, k├Ânnte ihm der gro├če Bello nicht gef├Ąhrlich werden. Der F├Ârster bat den kleinen Gast herein und versorgte ihn mit frischer Milch und leckeren Leberwurstbroten. Anschlie├čend richtete er ihm neben dem Ofen ein Katzenlager und Milu schlief nun friedlich ein. Am n├Ąchsten Morgen, als Milu aus seinen Tr├Ąumen erwachte, war der F├Ârster mit Bello schon in den Wald gegangen um nach den Tieren zu sehen. Die F├Ârsterfrau richtete f├╝r Milu ein kr├Ąftiges Fr├╝hst├╝ck, und wollte gern von ihm wissen, wohin seine Reise f├╝hren sollte. Milu erz├Ąhlte von seiner Katzenmutti, die ihm soviel ├╝ber das Leben erz├Ąhlt hatte und von seiner Suche nach der Liebe. Vielleicht w├╝rde er sie ja hier finden, und so fragte er die F├Ârsterfrau, wo denn wohl die Liebe wohnt.
Eine kleine Weile verging, und Sie ├╝berlegte, was Sie dem kleinen Kater antworten sollte. Dann sagte Sie: die Liebe kann man an vielen Orten finden. Sie wohnt im Herzen, und nur wenn du dein Herz ├Âffnest, findest du den Weg zu dir. Anfassen oder festhalten, f├╝gte Sie noch hinzu, kann man sie nicht. Du musst sie stets neu f├╝r dich finden, und ihr mit Ehrlichkeit und Toleranz begegnen. Milu war ├╝ber diese Antwort sehr entt├Ąuscht, denn er hielt die Menschen f├╝r so Intelligent dass sie doch alles ├╝ber die Liebe und das Leben wissen m├╝ssten. So verabschiedete er sich h├Âflich, bedankte sich mit einem herzlichen –MIAU- f├╝r die Gastfreundschaft und zog weiter.
Viele Tage wanderte er durch Wald und Flur, bis er endlich die gro├če Stadt erreichte. Voller Angst sah er den vorbeirauschenden Autos nach, und der gewaltige L├Ąrm der Stadt ├╝bert├Ânte sein leises Miauen. Er erreichte einen Park, und weil es dort so ruhig war, setzte er sich unter eine Parkbank und verschnaufte eine kleine Weile.
Er beobachtete, wie ein altes M├╝tterlein langsam des Weges kam, und sich auf die Bank setzte. Sie holte eine gro├če T├╝te aus Ihrer Tasche und bevor Sie noch etwas gesagt hatte, kamen von ├╝berall die Enten angerannt. Milu war verwundert, denn er sah, dass das M├╝tterlein mit Brotkrumen nach den Enten warf. Ein wildes Geschnatter begann, denn die Enten freuten sich ├╝ber die Gabe. Auch Milu war hungrig, kroch aus seinem Versteck hervor und verschlang hastig ein paar St├╝cke von diesem k├Âstlichen Brot. Dann sah er eine Weile das alte M├╝tterchen an und bemerkte, wie zufrieden Sie sich mit den Enten freute. Er war sicher, dass ein Mensch so alt wie diese Frau genau wusste, wo die Liebe wohnt und fragte Sie, welchen Weg er gehen muss, um die Liebe zu finden.
Die Liebe, antwortete Sie, wohnt im Gotteshaus und von dort gibt sie ihre ganze Kraft an die Menschen weiter. Milu war gl├╝cklich ├╝ber diese Antwort, fragte noch nach dem Weg dorthin und verschwand. Es waren einige Hindernisse zu ├╝berwinden, denn Ampeln und Stra├čen hatte Milu vorher noch nie gesehen, doch dann stand er vor dem gewaltigen Gotteshaus. Die Liebe muss gro├č und von besonderer Sch├Ânheit sein dachte Milu und ging zur Pforte.
Der Pfarrer stand drau├čen, begr├╝├čte den kleinen Kater und bat ihn herein. So gewaltig hatte sich Milu das Haus der Liebe nicht vorgestellt. Er hatte Herzklopfen und wartete voller Ehrfurcht darauf, was ihn erwarten w├╝rde. Die Kirche war leer, weil alle Menschen bei der Arbeit waren und so setzte sich Milu mit dem Pfarrer auf eine Bank. Milu erz├Ąhlte von seiner langen Reise und von seinem unb├Ąndigen Wunsch in seinem Herzen, der ihn von Ort zu Ort eilen lie├č. Aber er war auch neugierig und wollte alles ├╝ber das Gotteshaus und dem Ort der Liebe erfahren. Viele Stunden verbrachten die beiden in diesem geweihten Haus. Der Pfarrer erz├Ąhlte Milu von Jesus, von der Sch├Âpfung und von der unendlichen Liebe Gottes.
F├╝r Milu war dies alles unverst├Ąndlich, denn warum sprechen alle Men-schen von der Liebe, wenn bisher keiner jemals mit ihr geplaudert und keiner vor Freude mit ihr getanzt hat ? Milu war traurig und machte sich wie-der auf den Weg in die unbekannte Welt. Auf der Suche nach einem Nacht-quartier setzte er sich vor die T├╝r eines gro├čen Hauses. Es waren viele fr├Âhliche Kinderstimmen zu h├Âren, und schon bald kam ein kleines M├Ądchen mit langen Z├Âpfen heraus, sah den kleinen Kater und nahm in mit in die gute Stube. Drinnen wohnte eine arme Familie mit sieben Kindern. Sie sa├čen alle um einen gro├čen runden Holztisch und a├čen gerade zu Abend. Das essen war sp├Ąrlich und die Einrichtung schlicht, aber alle waren fr├Âhlich und Gl├╝cklich. Nach dem Essen nahm die Mutti ein kleines B├╝chlein zur Hand, aus dem sie eine Geschichte vorlas. Milu war ein wenig ersch├Âpft von seiner langen Reise und freute sich, dass ihn die Familie so liebevoll aufgenommen hatte. Die Tage vergingen wie im Flug, und Milu erlebte eine harmonische Zeit bei seinen Gasteltern. Er war gl├╝cklich, denn alle mochten ihn gern, und sie hatten trotz ihrer Armut immer einen Happen zu Essen f├╝r ihn ├╝brig. Er sp├╝rte Geborgenheit in dieser Umgebung und verga├č f├╝r einige Zeit den Grund seiner Reise.
An einem warmen Sommertag hatte ihn seine Neugier und die Suche nach der Liebe dann doch wieder eingeholt und er verabschiedete sich schweren Herzen von sein er Gastfamilie. Die Kinder, die ihn fest in ihr Herz ge-schlossen hatten, waren sehr traurig und ├Ąngstlich, dass Milu auf seiner Reise in Gefahr geraten k├Ânnte, und versprachen ihm, jede Nacht ein Licht brennen zu lassen, damit Milu den weg zu ihnen zur├╝ckfinden kann. Der kleine Kater war ger├╝hrt von der F├╝rsorge der Menschen.
Milu war schon viele Tage unterwegs, aber die Liebe hatte er immer noch nicht gefunden. Er trottete Gedankenverloren durch eine dunkle Gasse, als pl├Âtzlich ein gro├čes Auto neben ihm hielt. Zwei finstere Gestalten rannten auf ihn zu, und ehe er sich versah, war er in einen Sack gesperrt und im Kofferraum eines dunklen Autos gelandet.
Der Wagen brauste mit hoher Geschwindigkeit davon und Milu h├Ârte, dass noch mehrere Tiere im Auto waren die schluchzten und weinten. Dann hielt das Fahrzeug an, und alle Tiere wurden in einen muffig riechenden Stall gesperrt. Milu verstand nicht, was mit ihm geschah. Er hatte gro├če Angst um sein junges Katzenleben. Die anderen Tiere waren genauso ├Ąngstlich und so setzten sie sich dicht zusammen und ├╝berlegten, wie sie den Tierf├Ąngern entkommen k├Ânnten. Aber sie fanden keine L├Âsung. Drei Tage sa├čen sie schon in diesem dunklen Stall und hatten Hunger und Durst. Sie weinten und miauten in der Hoffnung, dass irgend jemand ihre Hilferufe h├Âren w├╝rde.
Milu fror und sehnte sich zur├╝ck zu seiner Katzenmutti. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, und er hatte Sehnsucht nach den Menschen, denen er begegnet war und die ihm soviel ├╝ber die Liebe erz├Ąhlt hatten. Nachts tr├Ąumte Milu vom F├Ârster und von dem alten M├╝tterlein, die ihn in das Gotteshaus geschickt hatte, und er tr├Ąumte auch von der Liebe, die er sich in den sch├Ânsten Farben vorstellte. Er erwachte, und dachte ├╝ber seinen Traum nach. Je mehr er sich damit besch├Ąftigte, um so besser verstand er die Aussagen der Menschen ├╝ber die Liebe.
Auf der Fahrt in das dunkle Verlie├č hatte er sein Pf├Âtchen verstaucht und es schmerzte ihn stark. Eine kleine braune Katze nahm sein Pf├Âtchen und leckte es mit ihrer warmen Katzenzunge um seine Schmerzen ein wenig zu lindern. Milu war gl├╝cklich dar├╝ber, dass er in dieser f├╝rchterlichen Situation Freunde gefunden hatte, die ihn trotz der eigenen Angst w├Ąrme entgegen brachten. Am vierten Tag kam ein gro├čer Sturm auf. ├ängstlich kauerten die Tiere in einer Ecke. Milu erinnerte sich an die Worte des Pfarrers, dass Gott auch in allergr├Â├čter Not seine ganze Kraft der Liebe an Mensch und Tier verteilt, und ├╝ber sie wacht.
Er wusste nicht, was er von all dem halten sollte.
Dann gab es einen lauten Knall, die Tiere bef├╝rchteten dass die Tierf├Ąnger sie nun holen w├╝rden. Sie r├╝ckten noch n├Ąher zusammen und zitterten vor K├Ąlte und Angst. Pl├Âtzlich wurde Milu nass. Ein paar Regentropfen fielen auf sein Fell. Er schaute nach oben, und sah eine kleine ├ľffnung. Der gewaltige Sturm hatte den Stall besch├Ądigt. In ihrem Gefangendasein begriffen die Tiere zuerst nicht, was passiert war.
Der Mond leuchtete ein wenig in den dunklen Stall. Nun hatten die Tiere verstanden, was geschehen war. Alle kletterten so schnell sie konnten aus dem Verlie├č und liefen Querfeldein um irgendwo ein sicheres Versteck zu finden.
V├Âllig entkr├Ąftet sah Milu einen gro├čen Hof, und aus der Ferne h├Ârte er Stimmen. Er ging auf das Licht zu, dass aus einem Stall kam, in dem Schweine und K├╝he wohnten. Milu legte sich ins Heu um ein wenig zu verschnaufen, als er M├Ąnnerstimmen h├Ârte. Voller Angst verkroch er sich und wartete was geschehen w├╝rde. Zwei M├Ąnner und eine Frau gingen auf eine dicke Kuh zu. Sie schien krank zu sein. Einer der M├Ąnner hatte einen langen Kittel an und k├╝mmerte sich ganz besonders um sie. Dann schlief Milu ein.
Seine Tr├Ąume drehten sich immer und immer wieder um die Menschen und die Liebe. Der Duft von frischem Heu erinnerte ihn an sein Zuhause und an seine Katzenmutti. Als er erwachte hatte er gro├čes Heimweh. Noch ein wenig verschlafen sah er in die Ecke, wo vor einigen Minuten die Menschen bei der Kuh gestanden hatten. Er traute seinen Augen nicht, die gro├če Kuh lag im Stroh und schlief tief und fest, neben ihr lag ein neugeborenes K├Ąlbchen. Ein angenehmes Gl├╝cksgef├╝hl durchstr├Âmte ihn. Dieses niedliche K├Ąlbchen, gerade ein paar Minuten alt, gab ihm das Gef├╝hl von Harmonie und W├Ąrme. Am n├Ąchsten Morgen kam der Bauer und versorgte seine Tiere. Milu bekam eine gro├če Schale frische Milch und konnte sich richtig satt essen. Er spazierte ├╝ber den Hof und sah vergn├╝gt, wie die Schweine sich in der Erde suhlten, die H├╝hner voller Spa├č um ein paar K├Ârner k├Ąmpften, die vom Fr├╝hst├╝ck ├╝brig geblieben waren. In der K├╝che sang die B├Ąuerin ein fr├Âhliches Lied, w├Ąhrend sie das Essen zubereitete. Milu setzte sich in die w├Ąrmenden Sonnenstrahlen und dachte nach. Sein kleines Herz war schwer, denn die vielen Erlebnisse mussten St├╝ck f├╝r St├╝ck verarbeitet werden.
So sa├č er viele Stunden und dachte ├╝ber seine Reise nach. Abends dann machte er sich wieder auf den Weg. Sein Herz trieb ihn in seine Heimat zu-r├╝ck. Bald sah er das Licht, dass immer noch f├╝r ihn brannte und setzte sich vor die T├╝r. Die Freude der Familie war riesengro├č, als sie Milu wohlbehalten wiedersahen. Die Kinder nahmen ihn sofort mit
hinein und richteten ein Katzenbett f├╝r ihn. Gerne h├Ątte Milu seine Erlebnisse erz├Ąhlt, aber er war ├╝berw├Ąltigt vor Gl├╝ck und konnte das Geschehene nicht in Worte fassen Dicke Tr├Ąnen rollten ├╝ber das kleine Katzengesicht, er war gl├╝cklich und sp├╝rte die Liebe der Menschen, bei denen er ein so liebevolles Zuhause gefunden hatte. Milu lebte viele Jahre bei der Familie und manchmal, wenn sein kleines Katzenherz Sehnsucht versp├╝rte, machte er sich auf die Reise zu seiner Katzenscheune. Dann setzte er sich zu seiner alten Katzenmutti. Beide sahen den Mond und die Sterne an die ├╝ber ihnen am fernen Himmel leuchteten, und Milu erz├Ąhlte von seiner Reise und wie er die Liebe fand.

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